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Rattenfloh (Nosopsyllus fasciatus)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2026
Lesedauer: 15 Minuten
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Der Europäische Rattenfloh (Nosopsyllus fasciatus), auch als Nordischer Rattenfloh bezeichnet, ist ein blutsaugender Ektoparasit aus der Ordnung der Flöhe (Siphonaptera) und der Familie Ceratophyllidae. Sein Hauptwirt sind Ratten und Hausmäuse, doch er kann auch den Menschen befallen und stechen. Als Überträger gefährlicher Krankheitserreger wie Yersinia pestis (Pest) und Rickettsia typhi (Murines Fleckfieber) besitzt der Rattenfloh eine erhebliche hygienische Bedeutung.

Nosopsyllus fasciatus stammt ursprünglich aus Europa und ist heute weltweit verbreitet, wobei er vorwiegend in gemäßigten Klimazonen vorkommt. In warmen tropischen Regionen wird seine ökologische Nische weitgehend vom Tropischen Rattenfloh (Xenopsylla cheopis) eingenommen. Der Europäische Rattenfloh ist eng an das Vorkommen von Ratten und Mäusen in menschlichen Siedlungen gebunden und tritt daher bevorzugt in Gebäuden mit Nagerbefall auf.

Aussehen: Wie sieht der Rattenfloh aus?

Erkennungsmerkmale

Der Rattenfloh ist ein kleines, flügelloses Insekt mit einem seitlich stark abgeflachten Körper, der ihm das Bewegen durch das Fell seiner Wirtstiere erleichtert. Die Körperfarbe ist braun.

MerkmalBeschreibung
Körperlänge2–4 mm (deutsche Quellen: 2–3 mm; internationale Quellen: 3–4 mm)
KörperfarbeBraun
KörperformSeitlich stark abgeflacht, länglich, flügellos
BeineDrittes Beinpaar als kräftige Sprungbeine ausgebildet
KopfGerundet, mit gut entwickelten Augen
AugenGut entwickelte Einzelaugen (keine Facettenaugen)
MundwerkzeugeStechend-saugende Mundwerkzeuge zur Blutaufnahme
PronotalctenidiumVorhanden, mit 18–20 Dornen
GenalctenidiumNicht vorhanden (fehlt)

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Deutsche Fachquellen geben eine Körperlänge von 2 bis 3 mm an, während internationale Quellen (WikiVet, Animal Diversity Web) 3 bis 4 mm dokumentieren. Diese Abweichung kann auf unterschiedliche Messpunkte oder den Ernährungszustand der untersuchten Exemplare zurückzuführen sein.

Die Eier des Rattenflohs sind weiß, durchscheinend und etwa 0,6 mm groß. Die beinlosen Larven besitzen 13 Körpersegmente und bewegen sich raupenähnlich fort.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Der Rattenfloh unterscheidet sich vom Tropischen Rattenfloh (Xenopsylla cheopis) durch das Vorhandensein eines Pronotalctenidiums (Nackenkamm mit 18–20 Dornen), das bei X. cheopis vollständig fehlt. Auch fehlt X. cheopis ein Genalctenidium, ebenso wie bei N. fasciatus – beide Arten besitzen keinen Wangenkamm. X. cheopis ist mit etwa 2,5 mm tendenziell etwas kleiner.

Vom Katzenfloh (Ctenocephalides felis) und Hundefloh (Ctenocephalides canis) unterscheidet sich der Rattenfloh durch das Fehlen des Genalctenidiums. Katzen- und Hundeflöhe besitzen sowohl einen Wangen- als auch einen Nackenkamm.

MerkmalRattenfloh (N. fasciatus)Tropischer Rattenfloh (X. cheopis)Katzenfloh (C. felis)
PronotalctenidiumVorhanden (18–20 Dornen)Nicht vorhandenVorhanden
GenalctenidiumNicht vorhandenNicht vorhandenVorhanden
Körperlänge2–4 mmca. 2,5 mm1,5–3,2 mm
HauptwirtRatten, MäuseRattenKatzen, Hunde
KlimazoneGemäßigtTropisch/subtropischWeltweit

Entwicklung und Lebenszyklus des Rattenflohs

Entwicklungsstadien

Der Rattenfloh durchläuft eine vollständige Verwandlung (Holometabolie) mit vier Entwicklungsstadien:

  1. Ei: Weiße, durchscheinende, klebrige Eier (ca. 0,6 mm) werden nach einer Blutmahlzeit des Weibchens außerhalb des Wirtstieres abgelegt
  2. Larve: Drei Larvenstadien (Instars), beinlos und lichtscheu, mit 13 Körpersegmenten
  3. Puppe: Verpuppung in einem klebrigen Kokon, der mit Umgebungspartikeln bedeckt wird
  4. Imago: Geschlechtsreifes, blutsaugendes Adulttier

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungszeit ist stark von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängig. Die folgenden Werte stammen aus internationalen wissenschaftlichen Quellen (Animal Diversity Web):

StadiumDurchschnittliche Dauer
Eica. 7 Tage (bei 5–29 °C)
Larveca. 60 Tage
Puppeca. 17 Tage
Gesamtzyklusdurchschnittlich 84 Tage

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) geben für die Gesamtentwicklung der meisten Floharten unter günstigen Bedingungen lediglich etwa 2 Wochen an. Der Durchschnittswert von 84 Tagen aus internationalen Quellen (Animal Diversity Web) bezieht sich auf durchschnittliche Laborbedingungen für N. fasciatus und liegt damit deutlich über dem Optimum.

Besonderheit der Puppenruhe: Fertig entwickelte Flöhe können im Kokon bis zu 1 Jahr in einem Ruhezustand verharren. Der Schlupf wird durch Erschütterungsreize wie Vibrationen oder Körperwärme ausgelöst und erfolgt dann meist innerhalb weniger Sekunden bis Minuten.

Lebensweise und Verhalten von Rattenflöhen

Aktivitätsmuster

Adulte Rattenflöhe sind ganzjährig auf ihren Wirtstieren aktiv. Am Wirtstier halten sie sich bevorzugt in der Sakral- und Beckenregion von Ratten auf. Die Orientierung erfolgt über Körperwärme und CO₂-Konzentration der Wirtstiere.

Wie bei allen Flöhen gilt: Lediglich etwa 1 % der gesamten Flohpopulation befindet sich auf dem Wirt (Institut für Schädlingskunde). Der überwiegende Teil der Population besteht aus Eiern, Larven und Puppen in der Umgebung des Wirtstieres.

Die Sprungfähigkeit ist bei Flöhen allgemein stark ausgeprägt. Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) geben für Flöhe allgemein Sprünge von bis zu 50 cm an. Für Nosopsyllus fasciatus dokumentiert das Animal Diversity Web hingegen deutlich geringere Sprungweiten von etwa 7,6 cm (vollgesogen) bis ca. 10 cm (nüchtern). Diese erhebliche Abweichung könnte darauf zurückzuführen sein, dass sich die allgemeine Angabe auf besonders sprungstarke Floharten wie den Katzenfloh bezieht.

Nahrung und Ernährung

Adulte Flöhe: Sowohl Männchen als auch Weibchen sind obligate Blutsauger. Weibchen nehmen deutlich größere Blutmahlzeiten auf als Männchen (etwa das Neunfache), da sie zusätzliche Nährstoffe für die Eiproduktion benötigen.

Larven: Die Larven des Rattenflohs leben in den Nestern und Bauten der Wirtsnager. Sie ernähren sich von organischem Material, insbesondere von:

  • Flohkot (enthält unverdautes Blut der Adulten)
  • Organischen Abfällen im Nistmaterial
  • Hautschuppen und anderen organischen Partikeln

Blut (über Flohkot) ist zwar der wichtigste Bestandteil der Larvennahrung, reicht allein jedoch nicht für eine erfolgreiche Entwicklung aus. Die Larven benötigen zusätzlich organische Abfälle, wie sie im Lager des Wirtstieres natürlicherweise vorkommen. Die Larven bevorzugen dunkle Bereiche mit niedriger Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Rattenflöhe paaren sich ganzjährig. Das Paarungsverhalten ist promisk (polygynandrous), d. h. sowohl Männchen als auch Weibchen paaren sich mit mehreren Partnern. Die Kopulation dauert etwa zwei bis drei Stunden.

Ein wichtiger Faktor für das Paarungsverhalten ist die Temperatur: Unbefütterte Nosopsyllus fasciatus paaren sich in der Regel nicht, können jedoch bei erhöhter Lufttemperatur (30–35 °C) zur Kopulation angeregt werden. Bei Raumtemperatur paaren sich vorwiegend Flöhe, die bereits eine Blutmahlzeit aufgenommen haben.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Eier pro GelegeNicht spezifisch dokumentiert
Eier pro Weibchen (Lebenszeit)Mehrere hundert (allgemeine Floh-Angabe)
Generationen pro JahrMehrere (temperaturabhängig)

Die Weibchen legen ihre Eier nach der Blutmahlzeit außerhalb des Wirtstieres ab. Die Eier werden frei in der Umgebung deponiert, bevorzugt in Ritzen und Fugen in der Nähe der Wirtsnester. Es findet keine Brutpflege statt.

Wichtig: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Flöhe, die sich von anderen Wirten als Ratten ernähren, nicht in der Lage sind, Eier zu legen. Die erfolgreiche Fortpflanzung von N. fasciatus ist somit eng an das Vorhandensein von Ratten als Hauptwirt gebunden.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Der Europäische Rattenfloh ist ursprünglich in Europa heimisch und heute weltweit verbreitet. Er kommt vorwiegend in gemäßigten Klimazonen vor und ist in urbanen, suburbanen und landwirtschaftlichen Gebieten anzutreffen.

Hauptwirte:

Nebenwirte:

  • Mensch (Fehlwirt)
  • Kaninchen
  • Andere kleine Nagetiere

Verbreitung in Gebäuden

Der Rattenfloh gelangt über befallene Nagetiere in Gebäude. Überall dort, wo Ratten oder Mäuse vorkommen, kann auch der Rattenfloh auftreten:

RisikobereicheBeschreibung
Keller und LagerräumeBevorzugte Aufenthaltsorte von Ratten
Landwirtschaftliche BetriebeNähe zu Getreidelagern und Ställen
LebensmittelbetriebeRattenpopulationen in der Umgebung
Alte GebäudeRattennester in Zwischendecken und Hohlräumen
Kanalisation und KanalnäheLebensraum der Wanderratte

Ein besonderes Risiko für den Menschen entsteht, wenn Ratten in befallenen Gebäuden bekämpft werden: Die Flöhe verlassen ihre sterbenden Wirte und suchen aktiv nach neuen Nahrungsquellen, wobei sie auch Menschen befallen.

Bedeutung des Schädlings Nosopsyllus fasciatus

Schadwirkung

Der Rattenfloh ist vor allem als Hygieneschädling und Krankheitsüberträger von Bedeutung. Seine Hauptschadwirkung liegt nicht in materiellen Schäden, sondern in den gesundheitlichen Risiken für Mensch und Tier:

  • Schmerzhafte, juckende Stiche beim Menschen
  • Übertragung schwerwiegender Krankheitserreger
  • Rolle als Zwischenwirt für Bandwürmer
  • Psychische Belastung durch Parasitierung

Wirtschaftliche Schäden

Die wirtschaftliche Bedeutung des Rattenflohs ergibt sich aus:

  • Kosten für professionelle Schädlingsbekämpfung (Floh- und Rattenbekämpfung)
  • Hygienische Anforderungen in lebensmittelverarbeitenden Betrieben
  • Meldepflichten gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) bei bestimmten Krankheiten
  • Kosten für Gesundheitsmaßnahmen bei durch Flöhe übertragenen Infektionen


Gesundheitliche Risiken bei einem Rattenfloh Befall

Direkte Gefahren

Flohstiche: Der Rattenfloh kann den Menschen stechen und Blut saugen. Der beim Saugen abgegebene Speichel enthält gerinnungshemmende und betäubende Substanzen, die zu folgenden Symptomen führen können:

  • Stark juckende, gerötete Quaddeln und Papeln
  • Schwellungen an der Einstichstelle
  • Bei wiederholter Exposition: allergische Reaktionen
  • Bei empfindlichen Personen: Dermatitis, Nesselsucht

Besonderes Risiko: Der Rattenfloh befällt Menschen vor allem dann, wenn seine Rattenwirte sterben oder vertrieben werden. In solchen Situationen suchen die hungrigen Flöhe aktiv nach Ersatzwirten.

Krankheitsübertragung

Der Rattenfloh ist Vektor für mehrere schwerwiegende Krankheitserreger:

ErregerErkrankungÜbertragungsweg
Yersinia pestisPest (Beulenpest)Stich (Regurgitation bei blockiertem Vormagen)
Rickettsia typhiMurines FleckfieberKontamination der Stichwunde mit infektiösem Flohkot
Salmonella enteritidisSalmonelloseÜber Flohkot
Trypanosoma lewisiTrypanosomiasis (bei Ratten)Stich

Pestübertragung: Wenn ein Floh Yersinia pestis-infiziertes Blut aufnimmt, können sich die Bakterien im Vormagen (Proventriculus) des Flohs so stark vermehren, dass dieser blockiert wird. Der ausgehungerte Floh versucht bei weiteren Blutmahlzeiten zu saugen, wobei infektiöses Material in die Stichwunde zurückfließt und den neuen Wirt infiziert.

Zwischenwirtfunktion: Nosopsyllus fasciatus dient auch als Zwischenwirt für Bandwürmer:

ParasitErkrankung
Hymenolepis diminutaRattenbandwurm
Hymenolepis nanaZwergbandwurm

Die Infektion erfolgt durch versehentliches Verschlucken infizierter Flöhe. Flohlarven nehmen die Bandwurmeier auf und entwickeln infektiöse Larvenstadien (Cysticercoide). Hymenolepis diminuta benötigt zwingend einen Zwischenwirt (Arthropoden wie Flöhe oder Mehlkäfer). Hymenolepis nana kann seinen Lebenszyklus hingegen auch direkt (fäko-oral) ohne Zwischenwirt abschließen; Flöhe dienen hier lediglich als fakultative Zwischenwirte.

Kontamination

Flohbefall führt zu Verunreinigungen der Umgebung durch:

  • Flohkot (dunkelbraune, kommaförmige Krümel mit unverdautem Blut)
  • Häutungsreste der Larven
  • Kokonreste (leere Puppenhüllen)
  • Flohkadaver

Die Kontamination durch Flohkot ist besonders relevant, da der Flohkot selbst Krankheitserreger enthalten kann (insbesondere Rickettsia typhi). Eine Übertragung erfolgt durch Einreiben des infizierten Kots in aufgekratzte Stichwunden.

Rattenfloh Befall erkennen

Befallsanzeichen

In Gebäuden:

  • Flohstiche beim Menschen, oft an Beinen, Knöcheln und Taillenbereich
  • Sichtung von springenden, kleinen braunen Insekten
  • Juckreiz und Hautreaktionen bei Bewohnern
  • Hinweise auf Ratten- oder Mäusebefall im Gebäude (Kotspuren, Nagerspuren, Laufwege)

Typisches Stichbild:

  • Rote, juckende Papeln und Quaddeln
  • Oft in Gruppen oder unregelmäßigen Reihen angeordnet
  • Zentrale Einstichstelle erkennbar
  • Tagelang anhaltender Juckreiz
Rattenfloh (Nosopsyllus fasciatus) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

Zusammenhang mit Nagerbefall: Ein Rattenflohbefall ist fast immer ein Hinweis auf einen bestehenden oder kürzlich bekämpften Nagerbefall. Rattenkot, Nagespuren und Laufwege in Verbindung mit Flohstichen deuten auf Rattenflöhe hin.

Flohkot-Nachweis: Dunkle Krümel in Bereichen, in denen sich Nager aufhalten, können auf Flohkot hindeuten. Auf feuchtem weißem Papier verfärbt sich Flohkot rötlich-braun, da er unverdautes Blut enthält.

Vorbeugende Maßnahmen

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen einen Rattenflohbefall ist die Verhinderung und Bekämpfung von Nagerbefall, da der Rattenfloh eng an seine Rattenwirte gebunden ist.

Nagerprävention:

  • Abdichtung von Zugängen: Ritzen, Spalten und Öffnungen in Gebäudehüllen verschließen
  • Lebensmittel und Abfälle unzugänglich lagern
  • Regelmäßige Kontrolle auf Nagerspuren, besonders in Kellern und Lagerräumen
  • Professionelles Nagermonitoring in Risikobereichen

Hygienemaßnahmen:

  • Regelmäßiges Staubsaugen in potenziell betroffenen Bereichen
  • Reinigung von Ritzen und Spalten, in denen sich Flohlarven verstecken können
  • Regelmäßige Kontrolle von Kellerbereichen und Lagerräumen
  • Bei Rattenbekämpfung: gleichzeitige Flohbekämpfung durchführen

Besonders wichtig: Wenn Ratten in einem Gebäude bekämpft werden, sollte stets gleichzeitig eine Flohbekämpfung erfolgen. Andernfalls verlassen die Flöhe die sterbenden Ratten und können auf den Menschen übergehen.

WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Rattenfloh Befall?

Eine erfolgreiche Bekämpfung des Rattenflohs erfordert immer die gleichzeitige Bekämpfung der Nagetiere UND der Flöhe. Wird nur der Nagerbefall beseitigt, suchen die Flöhe aktiv nach neuen Wirten und befallen den Menschen.

Professionelle Bekämpfung

Aufgrund der gesundheitlichen Risiken (Pest, Murines Fleckfieber) ist eine professionelle Schädlingsbekämpfung bei Rattenflohbefall dringend empfohlen. Professionelle Schädlingsbekämpfer setzen ein:

Kontaktinsektizide:

  • Pyrethroide zur Behandlung befallener Flächen, Ritzen und Spalten
  • Sprüh- und Nebelverfahren je nach Befallsstärke und Situation

Entwicklungshemmer (Insect Growth Regulators – IGR):

  • Methoprene hemmt die Entwicklung von Eiern und Larven und erreicht eine Reduktion von bis zu 95 % innerhalb von 14 Tagen
  • Pyriproxyfen bietet eine längere Wirkdauer in behandelten Flächen aufgrund höherer Photostabilität
  • Kombinationsprodukte aus Kontaktinsektiziden und IGR sind am wirksamsten

Behandlungsprotokoll:

  • Erstbehandlung der gesamten befallenen Fläche
  • Wiederholungsbehandlung nach 1–2 Wochen (um nachschlüpfende Flöhe zu erfassen)
  • Begleitendes intensives Staubsaugen (stimuliert den Schlupf aus Puppen)
  • Parallele Rattenbekämpfung durch den Schädlingsbekämpfer

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung (EU) 528/2012 und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin).

Eigenmaßnahmen

Sofortmaßnahmen:

  1. Intensives Staubsaugen aller Böden, Teppiche und Ritzen in betroffenen Bereichen
  2. Staubsaugerbeutel nach jedem Saugen luftdicht verpacken und entsorgen
  3. Textilien bei mindestens 60 °C waschen
  4. Dampfreinigung von Teppichen und Polstern kann Flohlarven abtöten und organisches Material entfernen

Hinweis zu Vernebelungsgeräten: Handelsübliche Fogger (Vernebelungsautomaten) erzielen bei der Flohbekämpfung oft unzureichende Ergebnisse, da sie nicht ausreichend in die Verstecke von Flohlarven und adulten Flöhen eindringen.

Wichtig: Bei einem Rattenflohbefall sollte aufgrund der potenziell übertragbaren Krankheiten (insbesondere Pest und Murines Fleckfieber) immer ein professioneller Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden. Eine reine Eigenbekämpfung ist bei dieser Art nicht empfehlenswert.

Rattenfloh: Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet den Europäischen Rattenfloh vom Tropischen Rattenfloh?

Der Europäische Rattenfloh (Nosopsyllus fasciatus) kommt vorwiegend in gemäßigten Klimazonen vor, während der Tropische Rattenfloh (Xenopsylla cheopis) in warmen tropischen und subtropischen Regionen verbreitet ist. Morphologisch unterscheiden sie sich durch die Stachelkämme: N. fasciatus besitzt einen Nackenkamm (Pronotalctenidium) mit 18–20 Dornen, der bei X. cheopis fehlt. Beide Arten können Pest und Murines Fleckfieber übertragen.

Können Rattenflöhe Menschen befallen?

Ja, Rattenflöhe können Menschen stechen und sich von deren Blut ernähren. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Rattenwirte sterben oder vertrieben werden und die Flöhe nach Ersatzwirten suchen. Eine dauerhafte Besiedlung des Menschen findet jedoch nicht statt, da sich die Flöhe auf anderen Wirten als Ratten nicht erfolgreich fortpflanzen können.

Übertragen Rattenflöhe heute noch die Pest?

Obwohl die Pest in Mitteleuropa seit Jahrhunderten nicht mehr endemisch vorkommt, ist Nosopsyllus fasciatus nach wie vor als Vektor für Yersinia pestis bekannt. In Regionen, in denen die Pest noch vorkommt (Teile Afrikas, Asiens und Amerikas), spielen Rattenflöhe weiterhin eine Rolle bei der Übertragung. In Deutschland ist die Pest gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig.

Wie lange können Rattenflöhe ohne Wirt überleben?

Die Überlebensfähigkeit hängt stark von den Umgebungsbedingungen ab. Bei niedrigen Temperaturen (ca. 15 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit (70 %) können Rattenflöhe über 17 Monate ohne regelmäßige Blutmahlzeit überleben. Bei höheren Temperaturen (ca. 21 °C) und geringerer Luftfeuchtigkeit (45 %) sinkt die Überlebenszeit auf etwa 4 Monate. Puppen im Kokon können bis zu 1 Jahr in einem Ruhezustand verharren.

Was muss ich bei einer Rattenbekämpfung bezüglich Flöhen beachten?

Bei jeder Rattenbekämpfung sollte gleichzeitig eine Flohbekämpfung durchgeführt werden. Wenn Ratten sterben, verlassen die Flöhe ihre Wirte und suchen aktiv nach neuen Nahrungsquellen, wobei sie auch den Menschen befallen können. Ein professioneller Schädlingsbekämpfer wird die Ratten- und Flohbekämpfung koordiniert durchführen.

Wie erkenne ich, ob Flohstiche von Rattenflöhen stammen?

Flohstiche verschiedener Arten sind mit bloßem Auge nicht sicher voneinander zu unterscheiden. Ein Hinweis auf Rattenflöhe ist jedoch das gleichzeitige Vorhandensein von Nagerspuren im Gebäude (Rattenkot, Nagespuren, Laufwege). Treten Flohstiche in Verbindung mit Nagerbefall auf, insbesondere nach einer Rattenbekämpfung, ist ein Befall mit Rattenflöhen wahrscheinlich.

Welche Lebensdauer hat der Rattenfloh?

Unter Laborbedingungen können Rattenflöhe bei regelmäßiger Fütterung durchschnittlich 17 Monate überleben (Animal Diversity Web). Ohne Blutmahlzeit, aber mit Zugang zu organischem Material, überleben adulte Tiere bei etwa 15 °C und 70 % Luftfeuchtigkeit über 17 Monate, bei etwa 21 °C und 45 % Luftfeuchtigkeit hingegen nur ca. 4 Monate. Die stark unterschiedlichen Überlebenszeiten zeigen, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit entscheidende Faktoren für die Lebensdauer sind.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen


Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.