Schaedlingsvernichtung.de Icon
M

Mehlkäfer (Tenebrio molitor)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2026
Lesedauer: 8 Minuten
© Schaedlingsvernichtung.de

Der Mehlkäfer (Tenebrio molitor LINNAEUS, 1758) gehört zur Familie der Schwarzkäfer (Tenebrionidae) und ist einer der bekanntesten Vorratsschädlinge weltweit. Seine Larven, die als Mehlwürmer bekannt sind, werden allerdings auch gezielt als Futtertiere für Reptilien, Vögel und Fische gezüchtet sowie zunehmend als proteinreiche Nahrungsquelle für den menschlichen Verzehr produziert.

In der freien Natur kommt der Mehlkäfer in Vogelnestern und in morschem Holz vor. Als synanthrope Art hat er sich jedoch stark an menschliche Siedlungen angepasst und tritt besonders in Mühlen, Bäckereien, Getreidespeichern und Tierhaltungsbetrieben als Schädling auf. Der Käfer gilt sowohl als Vorratsschädling als auch als Hygieneschädling, da er als Zwischenwirt für den Rattenbandwurm dienen kann.

Aussehen: Wie sieht der Mehlkäfer aus?

Erkennungsmerkmale

Der Mehlkäfer ist mit einer Körperlänge von knapp zwei Zentimetern ein relativ großer Vorratsschädling. Die Oberseite des Körpers ist glänzend schwarzbraun gefärbt, während die Unterseite und die Beine eine rötlichbraune Färbung aufweisen.

Charakteristische Merkmale:

  • Längliche, gestreckte Körperform
  • Flügeldecken mit punktierten Längsrillen
  • Komplexaugen durch leistenartig vorspringende seitliche Kopfränder geteilt (typisch für Schwarzkäfer)
  • Flugfähig

Larven (Mehlwürmer):

  • Länge bis zu 3 Zentimeter
  • Anfangs weißlich, später gelbbraun gefärbt
  • Charakteristische dunkle Ringe an den Segmentgrenzen
  • Drei Beinpaare und zwei Dornen am Hinterleibsende

Puppen:

  • Länge 14 bis 19 mm
  • Liegen frei ohne schützende Hülle

Eier:

  • Bis zu 2 mm lang
  • Milchig-weiß und glänzend
  • Klebrig, wodurch Staub anhaftet (Tarnung)

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

ArtGrößeFärbungUnterscheidungsmerkmal
Mehlkäfer (T. molitor)ca. 15–18 mmSchwarzbraun, glänzendGroße Larven (bis 3 cm)
Getreideschimmelkäfer (A. diaperinus)5–6 mmSchwarz, glänzendDeutlich kleiner
Großer Reismehlkäfer (T. destructor)bis 5,5 mmKastanien- bis dunkelbraunSchmaler, matt glänzend

Entwicklung und Lebenszyklus des Mehlkäfers

Entwicklungsstadien

Der Mehlkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose:

  1. Ei: Ablage einzeln oder in kleinen Gruppen im Nahrungssubstrat
  2. Larve: Durchläuft 9 bis 20 Häutungen über mehrere Monate
  3. Puppe: Verpuppung frei im Substrat (14–19 mm)
  4. Imago: Ausgewachsener, flugfähiger Käfer

Entwicklungsdauer

Die Entwicklung ist stark temperaturabhängig:

BedingungenEidauerLarvenzeitPuppenzeitGesamtentwicklung
Beheizte Räume (optimal)4–14 Tage2–4 Monateca. 14 Tageca. 6 Monate
Unbeheizte Räume10–14 Tagebis 9 Monate2–4 Wochen1–2 Jahre
Bei 30 °Cca. 10 Tageverkürztca. 14 Tagebeschleunigt

Temperaturanforderungen:

  • Optimal: 18–35 °C
  • Mindestluftfeuchtigkeit: 60 %
  • Bei 5 °C sterben die Larven nach kurzer Zeit ab
  • Adulte und Puppen überstehen kurze Frostperioden

Besondere Eigenschaften

Die Larven, Puppen und adulten Käfer zeigen eine extreme Toleranz gegenüber Trockenheit. Larven können bis zu 9 Monate ohne Nahrung überleben.

Lebensweise und Verhalten von Mehlkäfern

Aktivitätsmuster

Mehlkäfer sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie sind lichtscheu und verstecken sich tagsüber in dunklen Ritzen, Spalten und im Substrat. Die adulten Käfer sind flugfähig, fliegen aber selten.

Nahrung und Ernährung

Mehlkäfer ernähren sich hauptsächlich von stärkehaltigen Produkten:

Hauptnahrung:

  • Mehl und Mehlprodukte
  • Getreide und Getreidekleie
  • Backwaren
  • Brot und Brotreste

Weitere Nahrungsquellen:

  • Schimmelpilze
  • Tote Insekten
  • Federn
  • Kot von Tieren
  • Eigene Artgenossen (Kannibalismus)
  • Abgestreifte Larvenhäute und Puppenhüllen

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an geschützten Stellen im Nahrungssubstrat ab. Die klebrigen Eier werden durch anhaftenden Staub gut getarnt.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Eizahl pro Weibchenbis zu 500
Lebensdauer Adultebis zu 6 Monate
Generationen pro Jahr1–2 (temperaturabhängig)

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

In der freien Natur kommt der Mehlkäfer vor in:

  • Vogelnestern
  • Morschem Holz
  • Fledermausquartieren
  • Unter loser Baumrinde

Verbreitung in/an Gebäuden

Als synanthrope Art bevorzugt der Mehlkäfer:

  • Mühlen und Getreidespeicher
  • Bäckereien
  • Futtermittellager
  • Tierhaltungsbetriebe (besonders Geflügelmast)
  • Haushalte mit mangelhafter Vorratshygiene

Bedeutung des Schädlings Tenebrio molitor

Schadwirkung

Der Mehlkäfer verursacht erhebliche Schäden als Vorratsschädling:

  • Direkter Fraß an Mehl, Getreide und Backwaren
  • Verunreinigung durch Kot, Häutungsreste und Kadaver
  • Qualitätsverlust befallener Waren
  • Sichtbare Fraß- und Laufspuren im Mehlstaub

Wirtschaftliche Schäden

In gewerblichen Betrieben können die wirtschaftlichen Schäden erheblich sein:

  • Vernichtung gelagerter Getreideprodukte
  • Produktionsausfälle in Bäckereien
  • Imageschaden bei Befall in lebensmittelverarbeitenden Betrieben
  • Kosten für Bekämpfung und Entsorgung

Befallene Lebensmittel

Tenebrio molitor befällt bevorzugt:

  • Weizenmehl und andere Mehlsorten
  • Kleie und Grieß
  • Brot und Backwaren
  • Getreide (besonders beschädigte Körner)
  • Tierfutter

Lagerschäden

Die Schäden manifestieren sich durch:

  • Fraßspuren und Fraßmehl
  • Laufspuren im Mehlstaub
  • Verunreinigung mit Kot und Häutungsresten
  • Erhöhung der Feuchtigkeit durch Stoffwechselprodukte
  • Erwärmung des Lagerguts bei starkem Befall


Gesundheitliche Risiken bei einem Mehlkäfer Befall

Direkte Gefahren

Der Mehlkäfer selbst ist für Menschen nicht direkt gefährlich. Er beißt nicht und sticht nicht.

Indirekte Folgen

Gesundheitliche Risiken entstehen durch:

  • Allergene: Kot, Häutungsreste und Käferpartikel können bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen
  • Parasitologische Bedeutung: Der Mehlkäfer dient als Zwischenwirt für den Rattenbandwurm (Hymenolepis diminuta) und den Zwergbandwurm (Hymenolepis nana)
  • Hygienische Kontamination: Befallene Lebensmittel sind nicht mehr zum Verzehr geeignet

Krankheitsübertragung

Als Hygieneschädling kann der Mehlkäfer zur Übertragung von Bandwürmern beitragen, wenn infizierte Käfer oder Larven versehentlich mit Nahrung aufgenommen werden.

Kontamination

Befallene Lebensmittel werden kontaminiert durch:

  • Käferkot
  • Häutungsreste der Larven
  • Puppenhüllen
  • Tote Käfer und Larven
  • Stoffwechselprodukte

Mehlkäfer Befall erkennen

Befallsanzeichen

Einen Befall mit dem Mehlkäfer erkennt man an:

  • Lebenden Käfern oder Mehlwürmern in Vorräten
  • Charakteristischen gelbbraunen Larven mit dunklen Ringen
  • Fraß- und Laufspuren im Mehlstaub
  • Kotkrümeln und Häutungsresten in Mehl und Getreide
  • Verpuppten Larven in Ritzen und Ecken
Mehlkäfer (Tenebrio molitor) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

Typische Schadensspuren umfassen:

  • Löcher und Fraßgänge in Backwaren
  • Verklumptes, verunreinigtes Mehl
  • Wärmezonen im Lagergut bei starkem Befall
  • Muffiger Geruch bei fortgeschrittenem Befall

Vorbeugende Maßnahmen

Zur Vorbeugung gegen den Mehlkäfer sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

Lagerung:

  • Mehl und Getreide trocken und kühl lagern (Luftfeuchtigkeit unter 60 %)
  • Vorräte in verschlossenen Behältern aufbewahren
  • Regelmäßige Rotation der Bestände (First-in-First-out)
  • Lagerdauer minimieren

Hygiene:

  • Regelmäßige, gründliche Reinigung der Lagerräume
  • Mehlstaub und Reste sofort entfernen
  • Ritzen und Spalten versiegeln
  • Keine Ansammlung von Vogelnestern in Gebäudenähe

Kontrolle:

  • Regelmäßige Inspektion der Vorräte
  • Monitoring mit Pheromonfallen
  • Wareneingangskontrollen in gewerblichen Betrieben
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Mehlkäfer Befall?

Professionelle Bekämpfung

Für die professionelle Bekämpfung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

Begasung:

  • Stickstoff (N₂)
  • Kohlendioxid (CO₂)
  • Phosphorwasserstoff (Phosphin)

Thermische Verfahren:

  • Wärmebehandlung: 60 °C für 3 Minuten oder 55 °C für eine Stunde führen zum vollständigen Absterben aller Entwicklungsstadien
  • Kältebehandlung: Unter 5 °C sterben Larven nach kurzer Zeit ab

Strukturelle Maßnahmen:

  • Leerraumentwesung mit Kontaktinsektiziden
  • Abdichtung von Ritzen und Fugen
  • Installation von Insektenschutzgittern

Eigenmaßnahmen

Bei geringem Befall im Haushalt:

  1. Befallsherd lokalisieren: Alle Mehl- und Getreidevorräte kontrollieren
  2. Befallene Waren entsorgen: In verschlossenen Tüten im Hausmüll
  3. Kältebehandlung: Verdächtige Waren bei -18 °C für mindestens 72 Stunden einfrieren
  4. Wärmebehandlung: Alternativ bei 55–60 °C im Backofen erhitzen
  5. Gründliche Reinigung: Schränke aussaugen, feucht auswischen, trocknen lassen
  6. Neubevorratung: Nur in verschlossenen Behältern lagern

Mehlkäfer: Häufig gestellte Fragen

Sind Mehlkäfer gefährlich für Menschen?

Der Mehlkäfer selbst ist nicht gefährlich. Allerdings kann er als Zwischenwirt für Bandwürmer dienen und allergische Reaktionen auslösen. Befallene Lebensmittel sollten nicht mehr verzehrt werden.

Was sind Mehlwürmer?

Mehlwürmer sind die Larven des Mehlkäfers. Sie werden bis zu 3 cm lang und sind gelbbraun mit dunklen Ringen an den Segmentgrenzen. Sie werden auch als Futtertiere gezüchtet.

Wie lange dauert die Entwicklung des Mehlkäfers?

Die Entwicklung dauert in beheizten Räumen etwa 6 Monate, in unbeheizten Räumen ein bis zwei Jahre. Die Larven können bis zu 9 Monate ohne Nahrung überleben.

Wie erkenne ich einen Mehlkäferbefall?

Typische Anzeichen sind: lebende Käfer oder Mehlwürmer in Vorräten, Fraß- und Laufspuren im Mehlstaub, Kotkrümel und gelbbraune Larvenhäute in Mehl und Getreide.

Kann man Mehlwürmer essen?

Ja, in der EU sind Mehlwürmer seit 2021 als Lebensmittel zugelassen. Sie werden kontrolliert gezüchtet und als proteinreiche Nahrungsquelle vermarktet. Wildlebende Mehlwürmer aus befallenen Vorräten sollten jedoch nicht verzehrt werden.

Wie kann ich Mehlkäfer loswerden?

Befallene Vorräte entsorgen, gründlich reinigen und alle Vorräte künftig in verschlossenen Behältern lagern. Bei starkem Befall einen Schädlingsbekämpfer hinzuziehen.

Können Mehlkäfer fliegen?

Ja, adulte Mehlkäfer sind flugfähig, fliegen aber selten. Sie bevorzugen das Kriechen und verstecken sich tagsüber in dunklen Bereichen.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.