Der Mehlkäfer (Tenebrio molitor LINNAEUS, 1758) gehört zur Familie der Schwarzkäfer (Tenebrionidae) und ist einer der bekanntesten Vorratsschädlinge weltweit. Seine Larven, die als Mehlwürmer bekannt sind, werden allerdings auch gezielt als Futtertiere für Reptilien, Vögel und Fische gezüchtet sowie zunehmend als proteinreiche Nahrungsquelle für den menschlichen Verzehr produziert.
- Aussehen: Wie sieht der Mehlkäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Mehlkäfers
- Lebensweise und Verhalten von Mehlkäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Tenebrio molitor
- Gesundheitliche Risiken bei einem Mehlkäfer Befall
- Mehlkäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Mehlkäfer Befall?
- Mehlkäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
In der freien Natur kommt der Mehlkäfer in Vogelnestern und in morschem Holz vor. Als synanthrope Art hat er sich jedoch stark an menschliche Siedlungen angepasst und tritt besonders in Mühlen, Bäckereien, Getreidespeichern und Tierhaltungsbetrieben als Schädling auf. Der Käfer gilt sowohl als Vorratsschädling als auch als Hygieneschädling, da er als Zwischenwirt für den Rattenbandwurm dienen kann.
Aussehen: Wie sieht der Mehlkäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Der Mehlkäfer ist mit einer Körperlänge von knapp zwei Zentimetern ein relativ großer Vorratsschädling. Die Oberseite des Körpers ist glänzend schwarzbraun gefärbt, während die Unterseite und die Beine eine rötlichbraune Färbung aufweisen.
Charakteristische Merkmale:
- Längliche, gestreckte Körperform
- Flügeldecken mit punktierten Längsrillen
- Komplexaugen durch leistenartig vorspringende seitliche Kopfränder geteilt (typisch für Schwarzkäfer)
- Flugfähig
Larven (Mehlwürmer):
- Länge bis zu 3 Zentimeter
- Anfangs weißlich, später gelbbraun gefärbt
- Charakteristische dunkle Ringe an den Segmentgrenzen
- Drei Beinpaare und zwei Dornen am Hinterleibsende
Puppen:
- Länge 14 bis 19 mm
- Liegen frei ohne schützende Hülle
Eier:
- Bis zu 2 mm lang
- Milchig-weiß und glänzend
- Klebrig, wodurch Staub anhaftet (Tarnung)
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
| Art | Größe | Färbung | Unterscheidungsmerkmal |
|---|---|---|---|
| Mehlkäfer (T. molitor) | ca. 15–18 mm | Schwarzbraun, glänzend | Große Larven (bis 3 cm) |
| Getreideschimmelkäfer (A. diaperinus) | 5–6 mm | Schwarz, glänzend | Deutlich kleiner |
| Großer Reismehlkäfer (T. destructor) | bis 5,5 mm | Kastanien- bis dunkelbraun | Schmaler, matt glänzend |
Entwicklung und Lebenszyklus des Mehlkäfers
Entwicklungsstadien
Der Mehlkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose:
- Ei: Ablage einzeln oder in kleinen Gruppen im Nahrungssubstrat
- Larve: Durchläuft 9 bis 20 Häutungen über mehrere Monate
- Puppe: Verpuppung frei im Substrat (14–19 mm)
- Imago: Ausgewachsener, flugfähiger Käfer
Entwicklungsdauer
Die Entwicklung ist stark temperaturabhängig:
| Bedingungen | Eidauer | Larvenzeit | Puppenzeit | Gesamtentwicklung |
|---|---|---|---|---|
| Beheizte Räume (optimal) | 4–14 Tage | 2–4 Monate | ca. 14 Tage | ca. 6 Monate |
| Unbeheizte Räume | 10–14 Tage | bis 9 Monate | 2–4 Wochen | 1–2 Jahre |
| Bei 30 °C | ca. 10 Tage | verkürzt | ca. 14 Tage | beschleunigt |
Temperaturanforderungen:
- Optimal: 18–35 °C
- Mindestluftfeuchtigkeit: 60 %
- Bei 5 °C sterben die Larven nach kurzer Zeit ab
- Adulte und Puppen überstehen kurze Frostperioden
Besondere Eigenschaften
Die Larven, Puppen und adulten Käfer zeigen eine extreme Toleranz gegenüber Trockenheit. Larven können bis zu 9 Monate ohne Nahrung überleben.
Lebensweise und Verhalten von Mehlkäfern
Aktivitätsmuster
Mehlkäfer sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie sind lichtscheu und verstecken sich tagsüber in dunklen Ritzen, Spalten und im Substrat. Die adulten Käfer sind flugfähig, fliegen aber selten.
Nahrung und Ernährung
Mehlkäfer ernähren sich hauptsächlich von stärkehaltigen Produkten:
Hauptnahrung:
- Mehl und Mehlprodukte
- Getreide und Getreidekleie
- Backwaren
- Brot und Brotreste
Weitere Nahrungsquellen:
- Schimmelpilze
- Tote Insekten
- Federn
- Kot von Tieren
- Eigene Artgenossen (Kannibalismus)
- Abgestreifte Larvenhäute und Puppenhüllen
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an geschützten Stellen im Nahrungssubstrat ab. Die klebrigen Eier werden durch anhaftenden Staub gut getarnt.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eizahl pro Weibchen | bis zu 500 |
| Lebensdauer Adulte | bis zu 6 Monate |
| Generationen pro Jahr | 1–2 (temperaturabhängig) |
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
In der freien Natur kommt der Mehlkäfer vor in:
- Vogelnestern
- Morschem Holz
- Fledermausquartieren
- Unter loser Baumrinde
Verbreitung in/an Gebäuden
Als synanthrope Art bevorzugt der Mehlkäfer:
- Mühlen und Getreidespeicher
- Bäckereien
- Futtermittellager
- Tierhaltungsbetriebe (besonders Geflügelmast)
- Haushalte mit mangelhafter Vorratshygiene
Bedeutung des Schädlings Tenebrio molitor
Schadwirkung
Der Mehlkäfer verursacht erhebliche Schäden als Vorratsschädling:
- Direkter Fraß an Mehl, Getreide und Backwaren
- Verunreinigung durch Kot, Häutungsreste und Kadaver
- Qualitätsverlust befallener Waren
- Sichtbare Fraß- und Laufspuren im Mehlstaub
Wirtschaftliche Schäden
In gewerblichen Betrieben können die wirtschaftlichen Schäden erheblich sein:
- Vernichtung gelagerter Getreideprodukte
- Produktionsausfälle in Bäckereien
- Imageschaden bei Befall in lebensmittelverarbeitenden Betrieben
- Kosten für Bekämpfung und Entsorgung
Befallene Lebensmittel
Tenebrio molitor befällt bevorzugt:
- Weizenmehl und andere Mehlsorten
- Kleie und Grieß
- Brot und Backwaren
- Getreide (besonders beschädigte Körner)
- Tierfutter
Lagerschäden
Die Schäden manifestieren sich durch:
- Fraßspuren und Fraßmehl
- Laufspuren im Mehlstaub
- Verunreinigung mit Kot und Häutungsresten
- Erhöhung der Feuchtigkeit durch Stoffwechselprodukte
- Erwärmung des Lagerguts bei starkem Befall
Gesundheitliche Risiken bei einem Mehlkäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Mehlkäfer selbst ist für Menschen nicht direkt gefährlich. Er beißt nicht und sticht nicht.
Indirekte Folgen
Gesundheitliche Risiken entstehen durch:
- Allergene: Kot, Häutungsreste und Käferpartikel können bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen
- Parasitologische Bedeutung: Der Mehlkäfer dient als Zwischenwirt für den Rattenbandwurm (Hymenolepis diminuta) und den Zwergbandwurm (Hymenolepis nana)
- Hygienische Kontamination: Befallene Lebensmittel sind nicht mehr zum Verzehr geeignet
Krankheitsübertragung
Als Hygieneschädling kann der Mehlkäfer zur Übertragung von Bandwürmern beitragen, wenn infizierte Käfer oder Larven versehentlich mit Nahrung aufgenommen werden.
Kontamination
Befallene Lebensmittel werden kontaminiert durch:
- Käferkot
- Häutungsreste der Larven
- Puppenhüllen
- Tote Käfer und Larven
- Stoffwechselprodukte
Mehlkäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
Einen Befall mit dem Mehlkäfer erkennt man an:
- Lebenden Käfern oder Mehlwürmern in Vorräten
- Charakteristischen gelbbraunen Larven mit dunklen Ringen
- Fraß- und Laufspuren im Mehlstaub
- Kotkrümeln und Häutungsresten in Mehl und Getreide
- Verpuppten Larven in Ritzen und Ecken
Schadensspuren
Typische Schadensspuren umfassen:
- Löcher und Fraßgänge in Backwaren
- Verklumptes, verunreinigtes Mehl
- Wärmezonen im Lagergut bei starkem Befall
- Muffiger Geruch bei fortgeschrittenem Befall
Vorbeugende Maßnahmen
Zur Vorbeugung gegen den Mehlkäfer sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:
Lagerung:
- Mehl und Getreide trocken und kühl lagern (Luftfeuchtigkeit unter 60 %)
- Vorräte in verschlossenen Behältern aufbewahren
- Regelmäßige Rotation der Bestände (First-in-First-out)
- Lagerdauer minimieren
Hygiene:
- Regelmäßige, gründliche Reinigung der Lagerräume
- Mehlstaub und Reste sofort entfernen
- Ritzen und Spalten versiegeln
- Keine Ansammlung von Vogelnestern in Gebäudenähe
Kontrolle:
- Regelmäßige Inspektion der Vorräte
- Monitoring mit Pheromonfallen
- Wareneingangskontrollen in gewerblichen Betrieben
Bekämpfung: Was hilft bei einem Mehlkäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
Für die professionelle Bekämpfung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:
Begasung:
- Stickstoff (N₂)
- Kohlendioxid (CO₂)
- Phosphorwasserstoff (Phosphin)
Thermische Verfahren:
- Wärmebehandlung: 60 °C für 3 Minuten oder 55 °C für eine Stunde führen zum vollständigen Absterben aller Entwicklungsstadien
- Kältebehandlung: Unter 5 °C sterben Larven nach kurzer Zeit ab
Strukturelle Maßnahmen:
- Leerraumentwesung mit Kontaktinsektiziden
- Abdichtung von Ritzen und Fugen
- Installation von Insektenschutzgittern
Eigenmaßnahmen
Bei geringem Befall im Haushalt:
- Befallsherd lokalisieren: Alle Mehl- und Getreidevorräte kontrollieren
- Befallene Waren entsorgen: In verschlossenen Tüten im Hausmüll
- Kältebehandlung: Verdächtige Waren bei -18 °C für mindestens 72 Stunden einfrieren
- Wärmebehandlung: Alternativ bei 55–60 °C im Backofen erhitzen
- Gründliche Reinigung: Schränke aussaugen, feucht auswischen, trocknen lassen
- Neubevorratung: Nur in verschlossenen Behältern lagern
Mehlkäfer: Häufig gestellte Fragen
Sind Mehlkäfer gefährlich für Menschen?
Der Mehlkäfer selbst ist nicht gefährlich. Allerdings kann er als Zwischenwirt für Bandwürmer dienen und allergische Reaktionen auslösen. Befallene Lebensmittel sollten nicht mehr verzehrt werden.
Was sind Mehlwürmer?
Mehlwürmer sind die Larven des Mehlkäfers. Sie werden bis zu 3 cm lang und sind gelbbraun mit dunklen Ringen an den Segmentgrenzen. Sie werden auch als Futtertiere gezüchtet.
Wie lange dauert die Entwicklung des Mehlkäfers?
Die Entwicklung dauert in beheizten Räumen etwa 6 Monate, in unbeheizten Räumen ein bis zwei Jahre. Die Larven können bis zu 9 Monate ohne Nahrung überleben.
Wie erkenne ich einen Mehlkäferbefall?
Typische Anzeichen sind: lebende Käfer oder Mehlwürmer in Vorräten, Fraß- und Laufspuren im Mehlstaub, Kotkrümel und gelbbraune Larvenhäute in Mehl und Getreide.
Kann man Mehlwürmer essen?
Ja, in der EU sind Mehlwürmer seit 2021 als Lebensmittel zugelassen. Sie werden kontrolliert gezüchtet und als proteinreiche Nahrungsquelle vermarktet. Wildlebende Mehlwürmer aus befallenen Vorräten sollten jedoch nicht verzehrt werden.
Wie kann ich Mehlkäfer loswerden?
Befallene Vorräte entsorgen, gründlich reinigen und alle Vorräte künftig in verschlossenen Behältern lagern. Bei starkem Befall einen Schädlingsbekämpfer hinzuziehen.
Können Mehlkäfer fliegen?
Ja, adulte Mehlkäfer sind flugfähig, fliegen aber selten. Sie bevorzugen das Kriechen und verstecken sich tagsüber in dunklen Bereichen.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/kaefer/mehlkaefer-tenebrio-molitor/
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (Ökolandbau): https://www.oekolandbau.de/