Die Wanderratte (Rattus norvegicus), auch als Kanalratte oder Norwegische Ratte bekannt, ist in Deutschland die am häufigsten vorkommende Rattenart. Ursprünglich stammt sie vermutlich aus den Steppengebieten Ostasiens (insbesondere Nordchina und Mongolei) und hat sich als äußerst erfolgreicher Kulturfolger mittlerweile weltweit verbreitet. Als Stammform der weißen Labor- und Farbratten ist sie auch in der Forschung von großer Bedeutung.
- Aussehen: Wie sieht die Wanderratte aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus der Wanderratte
- Lebensweise und Verhalten von Wanderratten
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Rattus norvegicus
- Gesundheitliche Risiken bei einem Wanderratten Befall
- Wanderratten Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Wanderratten Befall?
- Wanderratte: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
Die Wanderratte gilt als einer der bedeutendsten Hygiene- und Vorratsschädlinge. Sie kann über 100 verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen und verursacht durch Fraß und Kontamination erhebliche wirtschaftliche Schäden an Lebensmitteln und Vorräten. Aufgrund ihrer hohen Vermehrungsrate und Anpassungsfähigkeit stellt ihre Bekämpfung eine besondere Herausforderung dar.
Aussehen: Wie sieht die Wanderratte aus?
Erkennungsmerkmale
Die Wanderratte ist ein großer, kräftig gebauter Nager mit charakteristischem Erscheinungsbild:
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Kopf-Rumpf-Länge | 18–28 cm |
| Schwanzlänge | 14–21 cm (kürzer als Körperlänge) |
| Gewicht | 170–500 g |
| Ohrenlänge | 17–23 mm |
| Hinterfußlänge | 38–45 mm |
Das Fell ist auf der Oberseite graubraun gefärbt, während die Bauchseite grauweiß erscheint. Die Wanderratte besitzt einen eckigen Schädel mit stumpfer Schnauze und relativ kleine, runde Ohren, die nach vorn umgelegt maximal den hinteren Augenrand erreichen. Der dicke, beschuppte Schwanz ist nahezu unbehaart.
Die Art zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus: Männchen sind größer und schwerer als Weibchen. Untersuchungen zeigen, dass ausgewachsene Männchen im Mittel 309–404 g wiegen, während Weibchen in derselben Altersgruppe 255–315 g erreichen.
Unterscheidung zur Hausratte
Die Wanderratte wird häufig mit der selteneren Hausratte (Rattus rattus) verwechselt. Folgende Merkmale ermöglichen eine sichere Unterscheidung:
| Merkmal | Wanderratte | Hausratte |
|---|---|---|
| Körpergröße | größer und massiger | kleiner und schlanker |
| Schwanzlänge | kürzer als Körper | länger als Körper |
| Ohren | klein, rund | groß, dünn |
| Fellfarbe | heller, graubraun | dunkler, schwarzbraun |
| Gewicht | bis 500 g | max. 300 g |
| Lebensraum | Keller, Kanalisation | obere Stockwerke, Dachböden |
Entwicklung und Lebenszyklus der Wanderratte
Entwicklungsstadien
Die Wanderratte durchläuft als Säugetier keine Metamorphose, sondern entwickelt sich direkt vom Neugeborenen zum ausgewachsenen Tier:
Neugeborene: Die Jungtiere kommen blind, nackt und völlig hilflos zur Welt. Sie wiegen bei der Geburt durchschnittlich 5 g.
Säuglingsphase: Nach etwa 14–17 Tagen öffnen sich die Augen der Jungtiere. Die Säugezeit beträgt etwa 40 Tage, wobei die Jungtiere bereits nach 3–4 Wochen beginnen, feste Nahrung aufzunehmen.
Nestlingsphase: Nach etwa 20 Tagen beginnen die Jungtiere, die Nestumgebung zu erkunden. Ab dem 25.–30. Lebenstag erweitern sie ihren Aktionsradius auf die weitere Umgebung des Baues.
Geschlechtsreife: Die Geschlechtsreife wird im Alter von 2–4 Monaten erreicht. Laborratten erreichen die Geschlechtsreife bereits nach 50–72 Tagen, die Zuchtreife nach 90–100 Tagen.
Lebenserwartung
Die Lebenserwartung der Wanderratte variiert stark je nach Lebensbedingungen:
| Bedingungen | Lebenserwartung |
|---|---|
| Freiland (typisch) | ca. 6-12 Monate |
| Freiland (günstig) | 1–2 Jahre |
| Gefangenschaft | bis zu 3 Jahre |
Die hohe Sterblichkeit im Freiland ist auf natürliche Feinde, Krankheiten, Nahrungsmangel und innerartlichen Stress zurückzuführen.
Lebensweise und Verhalten von Wanderratten
Aktivitätsmuster
Wanderratten sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich in ihren Verstecken auf und werden erst in der Dunkelheit aktiv. Werden Ratten bei Tageslicht gesichtet, deutet dies meist auf einen starken Befall hin, bei dem der Populationsdruck die Tiere auch tagsüber zur Nahrungssuche zwingt.
Die Tiere sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher, was ihnen das Leben in der Kanalisation ermöglicht. Im Gegensatz zur Hausratte sind Wanderratten weniger geschickte Kletterer, dafür aber hervorragende Gräber. Sie legen ausgedehnte unterirdische Gangsysteme mit mehreren Ein- und Ausgängen an.
Sozialverhalten
Wanderratten sind ausgeprägt soziale Tiere und leben in Gruppen (Rudeln) zusammen. Ein Rudel umfasst typischerweise über 20 Mitglieder, kann aber auch 60 und in Ausnahmefällen mehr als 200 Tiere umfassen. Die Gruppen sind meist von Männchen dominiert.
Die Tiere markieren ihre Laufwege mit Urin und Drüsensekreten, wodurch sich stark belaufene Stellen dunkel verfärben und einen charakteristischen, beißenden Geruch entwickeln.
Nahrung und Ernährung
Wanderratten sind Allesfresser (omnivor) mit einer Präferenz für pflanzliche Nahrung. Ihr Nahrungsspektrum umfasst:
- Getreide, Samen und Körner
- Obst, Gemüse und Wurzeln
- Fleisch und Aas
- Wirbellose Tiere
- In seltenen Fällen auch Jungvögel wie Entenküken oder Hühnerküken
Eine ausgewachsene Ratte benötigt täglich etwa 25-30 g Nahrung und 15-30 ml Wasser. Wanderratten sind sehr lernfähig und entwickeln bei schlechten Erfahrungen mit bestimmten Nahrungsmitteln eine ausgeprägte Köderscheu.
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Wanderratten sind polygyn – Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen. Die Fortpflanzung kann ganzjährig erfolgen, sofern die Bedingungen günstig sind. Nach der Paarung tritt die Brunst bereits 18 Stunden nach der Geburt wieder ein, sodass Weibchen fast ununterbrochen trächtig sein können.
Vermehrungsrate
Die enorme Vermehrungsrate macht die Wanderratte zu einem besonders erfolgreichen Schädling:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Trächtigkeitsdauer | 20–24 Tage |
| Wurfgröße | 4–12 Jungtiere, typisch 6–8 |
| Würfe pro Jahr | 4–8 (typisch 6) |
| Nachkommen pro Weibchen/Jahr | bis zu 40–60 |
| Geschlechtsreife | 2–4 Monate |
Rein rechnerisch könnte ein einzelnes Rattenpaar unter optimalen Bedingungen innerhalb eines Jahres über 1.000 Nachkommen haben, wenn man die Vermehrung der Nachkommen einrechnet. In der Praxis wird diese Zahl durch natürliche Faktoren deutlich begrenzt.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Die Wanderratte bevorzugt feuchte Lebensräume in der Nähe von Wasser. Im Freiland besiedelt sie bevorzugt:
- Uferböschungen von Gewässern
- Abwasserkanäle und Kanalisation
- Mülldeponien
- Landwirtschaftliche Flächen
Im Frühjahr und Sommer besiedeln Wanderratten verstärkt das Freiland. Mit dem Spätherbst nähern sie sich witterungsbedingt wieder dem menschlichen Siedlungsbereich.
Verbreitung in und an Gebäuden
Wanderratten sind häufig in und an menschlichen Behausungen zu finden:
- Keller und Kellerräume
- Kanalisation und Abwassersysteme
- Ställe und landwirtschaftliche Gebäude
- Lagerhallen und Lebensmittelbetriebe
- Gartenanlagen mit Kompost oder Vogelfütterung
Die Tiere können bereits durch Öffnungen mit einem Durchmesser von nur 2 cm eindringen. Auch über defekte Abwasserrohre oder die Kanalisation gelangen sie ins Gebäudeinnere.
Bedeutung des Schädlings Rattus norvegicus
Schadwirkung
Die Wanderratte verursacht Schäden auf mehreren Ebenen:
Fraßschäden: Ratten fressen und verunreinigen große Mengen an Lebensmitteln und Vorräten.
Kontamination: Durch Kot, Urin und Haare werden Lebensmittel und Oberflächen verunreinigt und unbrauchbar gemacht.
Nageschäden: Die ständig nachwachsenden Schneidezähne müssen durch Nagen abgenutzt werden. Dabei entstehen Schäden an Kabeln, Leitungen, Verpackungen und Baumaterialien.
Brandgefahr: Durch Annagen von Elektrokabeln können Kurzschlüsse und Brände verursacht werden.
Befallene Lebensmittel
Als Vorratsschädling befällt die Wanderratte ein breites Spektrum an Lebensmitteln:
- Getreide und Getreideprodukte
- Backwaren und Teigwaren
- Obst und Gemüse
- Fleisch und Fleischwaren
- Tierfutter
- Müll und organische Abfälle
Lagerschäden
In Lagern und Vorratsräumen verursachen Wanderratten erhebliche wirtschaftliche Schäden:
- Direkter Fraß an eingelagerten Waren
- Kontamination durch Kot und Urin
- Beschädigung von Verpackungen
- Sekundärbefall durch angelockte weitere Schädlinge
Eine einzelne Ratte produziert täglich 40–50 Kotkrümel und erhebliche Mengen Urin, wodurch weit mehr Vorräte unbrauchbar werden, als tatsächlich gefressen werden.
Wirtschaftliche Schäden
Die wirtschaftlichen Schäden durch Wanderratten sind weltweit enorm. In Deutschland verursachen Ratten jährlich Schäden in Millionenhöhe durch:
- Vernichtete Lebensmittel und Vorräte
- Beschädigte Gebäude und Einrichtungen
- Bekämpfungsmaßnahmen
- Betriebsunterbrechungen in betroffenen Betrieben
Gesundheitliche Risiken bei einem Wanderratten Befall
Direkte Gefahren
Rattenbisse: Wanderratten können Menschen beißen, wenn sie sich bedroht fühlen oder in die Enge getrieben werden. Die Bisse können zu ernsthaften Infektionen führen, sind aber relativ selten.
Allergien: Rattenhaare, Kot und Urin können allergische Reaktionen auslösen.
Krankheitsübertragung
Wanderratten können über 100 verschiedene Krankheiten auf Menschen und Haustiere übertragen. Zu den wichtigsten zählen:
| Krankheit | Erreger | Übertragungsweg |
|---|---|---|
| Salmonellose | Salmonella spp. | Kontaminierte Lebensmittel |
| Leptospirose | Leptospira spp. | Urin, kontaminiertes Wasser |
| Hantavirus-Infektion | Hantaviren | Einatmen kontaminierten Staubs |
| Rattenbissfieber | Streptobacillus moniliformis | Biss, Kratzer |
| Trichinose | Trichinella spiralis | Verzehr befallenen Fleisches |
| Typhus/Paratyphus | Salmonella typhi | Kontaminierte Lebensmittel |
| Toxoplasmose | Toxoplasma gondii | Kontaminierte Lebensmittel |
Historisch waren Ratten auch Überträger der Pest, die durch den Rattenfloh übertragen wurde. Heute spielt diese Krankheit in Deutschland keine Rolle mehr.
Hinweis zum Hantavirus: Obwohl Wanderratten Hantaviren übertragen können, sind in Deutschland vor allem Rötelmäuse und andere Wühlmäuse die Hauptreservoire für humanpathogene Hantaviren.
Kontamination
Die Kontamination durch Wanderratten erfolgt durch:
- Kot: 40–50 Kotkrümel täglich pro Tier
- Urin: Ständige Markierung der Laufwege
- Haare und Hautschuppen: Werden in der Umgebung verteilt
- Kadaver: Tote Ratten können weitere Schädlinge anlocken
Wanderratten Befall erkennen
Befallsanzeichen
Ein Wanderrattenbefall lässt sich anhand verschiedener Anzeichen erkennen:
Kotspuren: Rattenkot ist das markanteste Befallszeichen. Die spindelförmigen Kotkrümel sind 10–30 mm lang, dunkel gefärbt und liegen meist in Gruppen zusammen. Ein Ende ist dicker als das andere. Frischer Kot ist weich und glänzend, alter Kot hart und matt.
Nagespuren: Ratten hinterlassen charakteristische Nagespuren an Verpackungen, Kabeln und Holz. Frische Spuren sind hell mit scharfen Konturen und Fraßmehl, alte Spuren dunkler und abgerundet. Das typische Bissmuster zeigt zwei parallele Rillen im Abstand von etwa 4 mm.
Laufwege: Ratten benutzen immer dieselben Wege. Im Freien entstehen glattgelaufene Bahnen aus festgetretenem Schmutz. In bewachsenen Bereichen stirbt das Gras entlang der Laufwege ab.
Schmierspuren: Durch den ständigen Kontakt mit Oberflächen hinterlassen Ratten dunkle, fettige Spuren (Körperfett vermischt mit Schmutz) an Wänden und im Fußleistenbereich.
Geruch: Ein beißender, ammoniakartiger Geruch weist auf Rattenbefall hin.
Schadensspuren
- Angeknabberte Verpackungen und Lebensmittel
- Durchgenagte Kabel und Leitungen
- Erdbauten mit typischen Eingangsöffnungen (etwa 8–10 cm Durchmesser)
- Fußspuren in staubigen Bereichen
Praxistipp: Durch Ausbringen einer dünnen Mehlschicht auf verdächtigem Untergrund lassen sich Rattenfährten sicher nachweisen.
Vorbeugende Maßnahmen
Wanderratten kommen nur dort vor, wo es Nahrung und Nistmöglichkeiten gibt. Vorbeugende Maßnahmen sind daher entscheidend:
Nahrungsentzug
- Lebensmittel in dicht schließenden Behältern aufbewahren
- Tierfutter nicht im Freien stehen lassen
- Abfälle in geschlossenen Behältern sammeln
- Komposthaufen ordnungsgemäß betreiben
- Vogelfutterstellen rattensicher gestalten
Zugangsverweigerung
- Öffnungen ab 2 cm Durchmesser verschließen
- Abflüsse mit Rückstauklappen sichern
- Türspalte abdichten
- Defekte Abwasserleitungen reparieren
- Kellerfenster mit engmaschigem Gitter sichern
Lebensraumentzug
- Gerümpel und Abfall beseitigen
- Vegetation an Gebäuden kurz halten
- Unterschlupfmöglichkeiten beseitigen
- Ordnung in Kellern und Lagern halten
Bekämpfung: Was hilft bei einem Wanderratten Befall?
Rechtliche Grundlagen
Wanderratten gelten nach § 2 Infektionsschutzgesetz (IfSG) als gefährliche Gesundheitsschädlinge. In vielen Kommunen besteht bei Feststellung eines Rattenbefalls eine Meldepflicht gegenüber dem Ordnungsamt oder Gesundheitsamt.
Die Bekämpfung mit Rodentiziden (Antikoagulanzien) ist nur geschulten, berufsmäßigen Verwendern mit Sachkundenachweis erlaubt. Die Anwendung ohne festgestellten Befall ist verboten.
Professionelle Bekämpfung
Die professionelle Rattenbekämpfung erfolgt durch geprüfte Schädlingsbekämpfer und umfasst:
Befallsermittlung: Zunächst wird das Ausmaß des Befalls mit wirkstofffreien Kontrollködern (Haferflocken, Weizen, Apfelstückchen) festgestellt. Bei Wanderratten werden etwa 200 g pro Köderstation verwendet.
Rodentizide: Die meisten zugelassenen Rattengifte enthalten blutgerinnungshemmende Wirkstoffe (Antikoagulanzien). Diese Köder werden in gesicherten Köderstationen ausgebracht. Die Wirkung tritt erst 3–7 Tage nach Aufnahme ein, sodass keine Köderscheu entsteht.
Mechanische Fallen: Schlagfallen können ergänzend eingesetzt werden, sind aber als alleinige Maßnahme bei Wanderratten wenig erfolgreich. Die Fallen müssen mindestens täglich kontrolliert werden.
Monitoring: Nach erfolgreicher Bekämpfung wird durch regelmäßiges Monitoring ein erneuter Befall verhindert.
Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung 528/2012 und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.
Unwirksame Methoden
Nach bisherigem Kenntnisstand haben sich folgende Methoden als wirkungslos erwiesen:
- Ultraschallgeräte
- Elektromagnetische Felderzeuger
- Schallgeräte zur Vergrämung
Eigenmaßnahmen
Für Privatpersonen sind die Möglichkeiten zur eigenständigen Rattenbekämpfung begrenzt:
- Einsatz von Schlagfallen (Vorsicht: Verletzungsgefahr für Kinder und Haustiere)
- Lebendfallen mit anschließender tierschutzgerechter Tötung
- Konsequente Umsetzung vorbeugender Maßnahmen
Wichtig: Die Verwendung von Rodentiziden mit Antikoagulanzien durch Privatpersonen ist nicht gestattet. Bei Rattenbefall sollte daher immer ein professioneller Schädlingsbekämpfer beauftragt werden.
Wanderratte: Häufig gestellte Fragen
Wie erkenne ich, ob ich Wanderratten im Haus habe?
Typische Anzeichen sind spindelförmiger Kot (10–30 mm lang), Nagespuren an Verpackungen und Kabeln, dunkle Schmierspuren an Wänden im Fußleistenbereich, ein beißender Ammoniakgeruch sowie Geräusche (Kratzen, Nagen) besonders nachts. Eine dünne Mehlschicht auf dem Boden kann Fußspuren sichtbar machen.
Wann sind Ratten aktiv?
Wanderratten sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Werden Ratten bei Tageslicht gesichtet, deutet dies auf einen starken Befall hin, bei dem die Populationsdichte so hoch ist, dass einzelne Tiere auch tagsüber auf Nahrungssuche gehen müssen.
Wie unterscheide ich Wanderratten von Mäusen?
Wanderratten sind deutlich größer als Mäuse: Die Körperlänge beträgt 18–28 cm (Mäuse: 7–10 cm), das Gewicht liegt bei 170–500 g (Mäuse: 12–30 g). Der Kot der Wanderratte ist 10–30 mm lang und spindelförmig, während Mäusekot nur 3–6 mm misst.
Muss ich einen Rattenbefall melden?
In vielen deutschen Kommunen besteht eine Meldepflicht für Rattenbefall. Grundstückseigentümer sind verpflichtet, einen Befall dem Ordnungsamt oder Gesundheitsamt zu melden. Die genauen Regelungen variieren je nach Bundesland und Kommune.
Können Wanderratten durch die Toilette ins Haus gelangen?
Ja, Wanderratten sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher. Sie können über defekte Abwasserleitungen und die Kanalisation in Gebäude eindringen und theoretisch auch durch Toiletten aufsteigen. Rückstauklappen können dies verhindern.
Wie schnell vermehren sich Ratten?
Sehr schnell: Ein Weibchen kann bis zu 6-mal pro Jahr werfen, mit jeweils 6–8 Jungtieren. Diese werden bereits nach 2–4 Monaten geschlechtsreif. Theoretisch kann ein einziges Rattenpaar binnen eines Jahres für über 1.000 Nachkommen sorgen.
Welche Krankheiten können Wanderratten übertragen?
Wanderratten können über 100 Krankheiten übertragen, darunter Salmonellose, Leptospirose, Hantavirus-Infektionen, Rattenbissfieber, Trichinose und Toxoplasmose. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt, Bisse, kontaminierte Lebensmittel oder das Einatmen von kontaminiertem Staub.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/nager/wanderratte-rattus-norvegicus/
- Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/wanderratte
- LAVES Niedersachsen: https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/schadlingsbekampfung/ratten_und_mause/die-wanderratte-73203.html
- Rentokil Deutschland: https://www.rentokil.com/de/schaedlingsbekaempfung/ratten/
Internationale wissenschaftliche Quellen
- Animal Diversity Web: https://animaldiversity.org/accounts/Rattus_norvegicus/
- Alaska Department of Fish and Game: https://www.adfg.alaska.gov/index.cfm?adfg=invasiveprofiles.norwayrat_characteristics