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Kornmotte (Nemapogon granellus)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2026
Lesedauer: 10 Minuten
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Die Kornmotte (Nemapogon granellus), auch als Europäische Kornmotte bekannt, gehört zur Familie der Echten Motten (Tineidae) innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera). Sie ist eine einheimische europäische Art, deren Larven sich ursprünglich in Baumpilzen entwickelten, die jedoch auch als Vorratsschädling in Getreidespeichern und Lagerhäusern auftreten kann.

Im Gegensatz zu vielen anderen Vorratsschädlingen ist die Kornmotte eine kältetolerante Art, die auch bei niedrigen Temperaturen überleben kann. Dies macht sie zu einem besonders hartnäckigen Schädling in ungeheizten Getreidelagern und Außensilos, wo wärmeliebende Arten nicht überleben können.

Aussehen: Wie sieht die Kornmotte aus?

Erkennungsmerkmale

Falter (adulte Motte):Die ausgewachsene Kornmotte erreicht eine Körperlänge von bis zu 6 mm und eine Flügelspannweite von maximal 14 mm. Die Vorderflügel zeigen ein charakteristisches Muster aus zahlreichen weißlichen bis gelblichen Flecken auf dunklem Grund. Am vorderen Flügelrand befindet sich eine Reihe größerer schwarzer Flecken, die sich mit Flecken im Flügelinneren zu einem unregelmäßigen Zickzack-Muster verbinden.

Die Hinterflügel sind einheitlich grau-braun gefärbt und tragen am Hinterrand lange Fransen. Kopf und Brustbereich (Thorax) erscheinen weißlich. Die Fühler sind fast so lang wie der Körper.

Larvenstadium:Die Larven sind weißlich gefärbt und erreichen vor der Verpuppung eine Länge von etwa 7 bis 10 mm. Sie leben in Gespinströhren und produzieren charakteristische Seidenfäden.

Puppenstadium:Die Verpuppung erfolgt in der Nähe der Nahrungsquellen, oft in Ritzen und Spalten.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Die Kornmotte kann mit anderen Motten verwechselt werden:

MerkmalKornmotteKleidermotteGetreidemotte
Körperlängebis 6 mm6-9 mmca. 8 mm
Flügelspannweitemax. 14 mm12-16 mmca. 18 mm
VorderflügelSchwarz-weiß geflecktStrohgelb, glänzendLehmgelb-bräunlich
LebensraumGetreidespeicher, PilzeTextilienGetreidelager

Die Kornmotte gehört wie die Kleidermotte zur Familie Tineidae und ist ein naher Verwandter.

Entwicklung und Lebenszyklus der Kornmotte

Entwicklungsstadien

Die Kornmotte durchläuft eine vollständige Verwandlung (Holometabolie) mit vier Entwicklungsstadien:

  1. Ei: Das Weibchen legt etwa 100 Eier direkt in das Nahrungssubstrat ab.

  2. Larve: Die Larven schlüpfen und beginnen sofort mit dem Fraß. Sie leben in charakteristischen Gespinströhren und produzieren Seidenfäden, die das Substrat verkleben.

  3. Puppe: Die Verpuppung erfolgt in der Nähe des Futtersubstrats.

  4. Falter (Imago): Die adulten Motten sind nachtaktiv und lichtscheu.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungszeit ist temperaturabhängig, wobei die Kornmotte auch bei niedrigeren Temperaturen noch Entwicklung zeigen kann:

BedingungenEntwicklungsdauer (Ei bis Falter)
Optimal5-6 Wochen
Ungünstig2-5 Monate
Minimal (bei ca. 6°C)Entwicklung noch möglich

Temperaturgrenzen:

  • Minimale Entwicklungstemperatur: ca. 6,4°C (bemerkenswert kältetolerant)
  • Die Art toleriert niedrige Temperaturen relativ gut als einheimische Art
  • Für die Entwicklung wird relativ hohe Luft- und Substratfeuchtigkeit benötigt
  • Trockene Bedingungen hemmen die Vermehrung

Einzelne Stadien:

  • Die Larvenentwicklung dauert je nach Temperatur mehrere Wochen bis Monate
  • Von der Eiablage bis zum Erscheinen der neuen Generation: 5-6 Wochen (unter optimalen Bedingungen)

Lebensweise und Verhalten von Kornmotten

Aktivitätsmuster

Die adulten Kornmotten sind nachtaktiv und lichtscheu. Sie ruhen tagsüber in dunklen Verstecken und werden erst in der Dämmerung und Nacht aktiv. Im Freiland erscheinen die Falter von Nemapogon granellus hauptsächlich in den Monaten Juli und August.

Nahrung und Ernährung

Larven:Die Larven sind das schädigende Stadium und ernähren sich von einer Vielzahl organischer Materialien. Ursprünglich leben sie in Baumpilzen (besonders Polyporales wie Schwefelporling, Schuppiger Porling oder Schmetterlingstramete), haben sich aber an menschliche Vorräte angepasst.

Natürliche Nahrungsquellen:

  • Baumpilze (Polyporaceae, Fomitopsidaceae)
  • Morsche Hölzer mit Pilzbefall
  • Mutterkorn (Claviceps purpurea)

Als Vorratsschädling befallen:

  • Alle Getreidearten (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer)
  • Hülsenfrüchte
  • Trockenobst und getrocknete Pilze
  • Mandeln und Nüsse
  • Knoblauchknollen
  • Kork (auch Weinkorken)
  • Fleisch- und Wurstwaren
  • Käse

Falter:Die adulten Motten nehmen keine oder kaum Nahrung auf.

Gespinstbildung

Ein charakteristisches Merkmal der Kornmottenlarven ist die Produktion von Seidenfäden. Diese Gespinste führen zu einer Verklumpung des befallenen Materials. Typische Klumpen bestehen aus 20 bis 30 Getreidekörnern, die durch Gespinste, Kot, Fraßreste, Larven und Puppen zusammengehalten werden.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Paarung erfolgt kurz nach dem Schlupf. Die Weibchen suchen geeignete Nahrungssubstrate auf und legen ihre Eier einzeln in das Futtermaterial, auf Staub, Rückstände oder Verpackungen ab.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Eier pro Weibchen (Lebenszeit)ca. 100
Generationen pro Jahr1-2 (im Freien), mehr in warmen Lagern
Hauptflugzeit (Freiland)Juli-August

Die Kornmotte kann von März bis September angetroffen werden, wobei die Larven in Gebäuden auch an gelagertem Getreide und anderen Vorräten fressen.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Die Kornmotte ist eine einheimische europäische Art mit nahezu kosmopolitischer Verbreitung in gemäßigten Regionen. Ursprünglich leben die Larven in Baumpilzen an morschem Holz. In der Natur ist sie in Wäldern und an Baumstümpfen mit Pilzbefall anzutreffen.

Verbreitung in/an Gebäuden

In Deutschland tritt die Kornmotte als Vorratsschädling vorwiegend in folgenden Bereichen auf:

  • Ungeheizte Getreidelager: Besonders häufig
  • Außensilos: Ideale Bedingungen durch Kältetoleranz
  • Lagerhäuser: Für Getreide und andere Vorräte
  • Lebensmittelbetriebe: Seltener in beheizten Bäckereien (zu warm und trocken)
  • Privathaushalte: Durch befallene Produkte eingeschleppt

Die Kornmotte bevorzugt ungeheizte Lager und ist in beheizten Bäckereien aufgrund der dort herrschenden hohen Temperaturen seltener anzutreffen.

Bedeutung des Schädlings Nemapogon granellus

Schadwirkung

Die Kornmotte verursacht charakteristische Schäden an gelagertem Getreide und anderen Vorräten:

Direkter Fraßschaden:

  • Larven fressen an Getreidekörnern und anderen Substraten
  • Fraßreste und Hohlräume in befallenen Produkten

Kontamination durch Gespinste:Die Larven produzieren Seidenfäden, die zu erheblichen Problemen führen:

  • Verklumpung des Getreides zu charakteristischen Klumpen
  • Typische Klumpen enthalten 20-30 Körner, Kot, Fraßreste, Larven und Puppen
  • Nachfolgende Schimmelbildung und Milbenbefall auf den Gespinsten

Befallene Lebensmittel

Die Kornmotte befällt ein breites Spektrum an Lebensmitteln:

KategorieBeispiele
GetreideWeizen, Roggen, Gerste, Hafer
HülsenfrüchteBohnen, Erbsen, Linsen
TrockenfrüchteGetrocknete Beeren, Obst
NüsseMandeln, verschiedene Nüsse
Tierische ProdukteFleisch, Wurst, Käse
SonstigesGetrocknete Pilze, Knoblauch, Kork

Lagerschäden

BefallsgradSchadensumfang
Leichter BefallVereinzelte Gespinstnester
Mittlerer BefallDeutliche Verklumpung, Qualitätsminderung
Starker BefallGroßflächige Gespinstbildung, erhebliche Verluste

Wirtschaftliche Schäden

Die Kornmotte ist ein typischer Vorratsschädling, der besonders in ungeheizten Getreidelagern und Außensilos erhebliche Schäden verursachen kann. Die Gespinstbildung macht das Lagergut für den Verzehr unbrauchbar und fördert Sekundärbefall durch Schimmel und Milben.



Gesundheitliche Risiken bei einem Kornmotten Befall

Direkte Gefahren

Die Kornmotte überträgt nach aktuellem Wissensstand keine Krankheitserreger direkt auf den Menschen. Die gesundheitlichen Risiken sind vergleichbar mit anderen Lebensmittelmotten.

Indirekte Folgen

Die Risiken ergeben sich hauptsächlich aus der Kontamination der Lebensmittel:

  • Allergische Reaktionen: Kot, Häutungsreste und Gespinste können Allergien auslösen
  • Schimmelbildung: Auf den Gespinsten siedeln sich Schimmelpilze an
  • Milbenbefall: Vorratsmilben kolonisieren die verklebten Bereiche
  • Hygienemängel: Befallene Produkte sind für den Verzehr ungeeignet

Befallene Lebensmittel sollten nicht mehr verzehrt werden.

Kornmotten Befall erkennen

Befallsanzeichen

Ein Befall mit der Kornmotte lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:

Frühe Anzeichen:

  • Vereinzelte Falter (nachtaktiv, an dunklen Stellen)
  • Feine Gespinstfäden in Vorräten

Fortgeschrittener Befall:

  • Charakteristische Klumpen aus verklebten Körnern
  • Sichtbare Larven in Gespinströhren
  • Fraßspuren und Mehlstaub

Starker Befall:

  • Großflächige Gespinstansammlungen
  • Klumpen aus 20-30 verklebten Körnern
  • Schimmelbildung auf Gespinsten
Kornmotte (Nemapogon granellus) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

AnzeichenBeschreibung
GespinsteFeine weiße Seidenfäden, die Körner verkleben
KlumpenCharakteristische Ansammlungen von 20-30 Körnern
KotKleine, körnige Krümel in befallenen Produkten
LarvenWeißliche Raupen, 7-10 mm lang
FraßspurenOberflächliche und tiefe Fraßgänge

Vorbeugende Maßnahmen

Eine effektive Prävention ist der beste Schutz gegen Kornmottenbefall:

Lagerhaltung

  • Kühle UND trockene Lagerung: Niedrige Feuchtigkeit verhindert die Vermehrung
  • Sauberkeit: Regelmäßige Reinigung von Lagerbehältern
  • Kontrolle: Regelmäßige Inspektion der Vorräte
  • Temperaturmanagement: Obwohl kältetolerant, hemmt Trockenheit die Entwicklung

Hinweis: Allein kühle Lagerung reicht bei der Kornmotte nicht aus, da sie niedrige Temperaturen toleriert. Die Kombination mit trockenen Bedingungen ist entscheidend.

Im Privathaushalt

  • Getreide und Trockenprodukte in dicht schließenden Behältern aufbewahren
  • Vorräte regelmäßig auf Gespinste und Verklumpung kontrollieren
  • Nur benötigte Mengen einkaufen
  • Ältere Vorräte zuerst verbrauchen

Im gewerblichen Bereich

  • Gründliche Reinigung vor Neubefüllung
  • Feuchtigkeitsmonitoring (trocken halten!)
  • Einsatz von Pheromonfallen zur Befallsüberwachung
  • Regelmäßige Inspektion auf Gespinstbildung
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Kornmotten Befall?

Professionelle Bekämpfung

Im gewerblichen Bereich stehen verschiedene professionelle Bekämpfungsmethoden zur Verfügung:

Physikalische Verfahren:

  • Entfernung befallener Ware
  • Gründliche Reinigung aller Lagerräume
  • Trocknung des Lagerguts und der Räume

Chemische Verfahren:

  • Leichtflüchtige Kontaktinsektizide für Lagerhallen
  • Insektenstrips zur langsamen Wirkstoffabgabe (nicht in bewohnten Räumen)
  • Begasung bei starkem Befall

Hinweis: Begasungen dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden.

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Monitoring:

  • Klebefallen mit Pheromonen fangen männliche Falter
  • Dienen der Befallsüberwachung und frühen Erkennung

Eigenmaßnahmen

Im Privathaushalt können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  1. Befallene Produkte entsorgen: Vollständige Entsorgung in verschlossenen Beuteln
  2. Gründliche Reinigung: Schränke aussaugen und feucht auswischen
  3. Tiefkühlung: Verdächtige Produkte bei -18°C einfrieren
  4. Trockene Lagerung: Feuchtigkeit reduzieren
  5. Pheromonfallen: Zur Überwachung aufstellen
  6. Sichere Aufbewahrung: Lebensmittel in dicht schließenden Behältern lagern

Kornmotte: Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheide ich die Kornmotte von der Kleidermotte?

Die Kornmotte hat charakteristische schwarz-weiß gefleckte Vorderflügel, während die Kleidermotte einheitlich strohgelb bis goldfarben gefärbt ist. Zudem findet man die Kornmotte in Vorratsräumen bei Lebensmitteln, die Kleidermotte hingegen in Kleiderschränken bei Textilien.

Warum hilft kühle Lagerung bei der Kornmotte weniger?

Die Kornmotte ist eine einheimische Art und deutlich kältetoleranter als tropische Vorratsschädlinge. Sie kann sich bei Temperaturen bis hinunter zu etwa 6°C noch entwickeln. Deshalb ist bei dieser Art trockene Lagerung wichtiger als kühle Temperaturen.

Was sind die weißen Fäden im Getreide?

Die weißen Fäden sind Gespinste der Kornmottenlarven. Diese Seidenfäden verkleben das Getreide zu charakteristischen Klumpen, die typischerweise 20 bis 30 Körner zusammen mit Kot, Fraßresten und Larven enthalten.

Wo kommt die Kornmotte ursprünglich her?

Die Kornmotte ist eine einheimische europäische Art. In der Natur leben ihre Larven in Baumpilzen an morschem Holz. Sie hat sich jedoch an menschliche Vorräte angepasst und tritt als Vorratsschädling auf.

Wie lange dauert die Entwicklung der Kornmotte?

Die Entwicklung vom Ei bis zum Falter dauert je nach Temperatur und Bedingungen 2 bis 5 Monate. Unter optimalen Bedingungen kann eine Generation in etwa 5-6 Wochen abgeschlossen sein.

Welche Produkte befällt die Kornmotte außer Getreide?

Die Kornmotte ist ein Generalist und befällt neben Getreide auch Hülsenfrüchte, Trockenobst, Nüsse, getrocknete Pilze, Knoblauch, Kork (auch Weinkorken), sowie tierische Produkte wie Fleisch, Wurst und Käse.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.