Schaedlingsvernichtung.de Icon
K

Käsefliege (Piophila casei)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2026
Lesedauer: 9 Minuten
© Schaedlingsvernichtung.de

Die Käsefliege (Piophila casei LINNAEUS, 1758), auch Schinkenfliege oder Speckkäsefliege genannt, gehört zur Familie der Käsefliegen (Piophilidae) und ist ein weltweit verbreiteter Vorratsschädling und Hygieneschädling. Der englische Name "Cheese Skipper" bezieht sich auf das charakteristische Springverhalten der Larven, die sich durch schnelles Einbiegen und Ausstrecken des Körpers bis zu 15 Zentimeter weit fortbewegen können.

Diese kleine, glänzend schwarze Fliege befällt bevorzugt proteinreiche Nahrungsmittel wie Käse, Schinken, Räucherfisch und gepökeltes Fleisch. In der forensischen Entomologie hat die Art Bedeutung, da sie zur Bestimmung des Todeszeitpunkts bei Leichen herangezogen werden kann. Besonders bemerkenswert ist das Risiko einer intestinalen Myiasis (Madenfraß), wenn Larven versehentlich mit der Nahrung aufgenommen werden.

Aussehen: Wie sieht die Käsefliege aus?

Erkennungsmerkmale

Die Käsefliege erreicht eine Körperlänge von 3,5 bis 4,5 Millimetern und ist damit etwa halb so groß wie eine Stubenfliege. Weibchen sind mit 5,0 bis 5,2 mm etwas größer als Männchen (4,4 bis 4,5 mm).

Charakteristische Merkmale der Adulten:

  • Glänzend schwarze Körperfärbung
  • Kugeliger Kopf mit roten Augen
  • Gelb gefärbtes Gesicht und vorderes Drittel der Stirn
  • Gelbe Beine
  • Auf der Oberseite des Mesonotums drei Längsreihen feiner Borsten
  • Schwarzes Schildchen (Scutellum) und Hinterleib

Larven:

  • Länge bis 9–10 mm (ausgewachsen)
  • Breite ca. 1 mm
  • Weiß bis gelblich-weiß gefärbt
  • Sklerotisierte (verhärtete) schwarze Mundwerkzeuge
  • Zylindrisch, langgestreckt, 13 Segmente
  • Durchlaufen drei Larvenstadien

Eier:

  • Länge 0,63–0,74 mm
  • Breite 0,18–0,2 mm
  • Oval-zylindrisch, perlweiß mit glatter Oberfläche

Puppen:

  • Länge 2,9–3,9 mm
  • Breite 1–1,7 mm
  • Ovales, dunkelbraunes Tönnchenpuparium

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Die Käsefliege kann aufgrund ihrer roten Augen und geringen Körpergröße leicht mit der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) verwechselt werden.

ArtGrößeFärbungUnterscheidungsmerkmal
Käsefliege (P. casei)3,5–4,5 mmGlänzend schwarzKugeliger Kopf, rote Augen
Fruchtfliege (D. melanogaster)2–3 mmGelbbraunHellerer Körper
Stubenfliege (M. domestica)6–8 mmGrauDeutlich größer

Entwicklung und Lebenszyklus der Käsefliege

Entwicklungsstadien

Die Käsefliege durchläuft eine vollständige Metamorphose (Holometabolie):

  1. Ei: Ablage auf proteinhaltigen Nahrungssubstraten
  2. Larve: Drei Larvenstadien (Instars), bekannt für Springverhalten
  3. Puppe: Verpuppung abseits der Nahrung in trockenem Substrat
  4. Imago: Ausgewachsene, flugfähige Fliege

Entwicklungsdauer

Die Entwicklung ist stark temperaturabhängig:

TemperaturEidauerLarvenzeitPuppenzeitGesamtentwicklung
15 °Clängerverlängertverlängertca. 30 Tage
20–25 °C1–2 Tageca. 14 Tageca. 12 Tageca. 18–30 Tage
27–32 °Cca. 24 Stundenca. 2 Wochenca. 12 Tageca. 12–14 Tage
Optimal23–54 Stunden10–14 Tage5–12 Tage12–30 Tage

Temperaturbereich für Entwicklung:

  • Mindesttemperatur: ca. 10 °C
  • Optimal: 25–32 °C
  • Eier schlüpfen bei 15–27 °C innerhalb von 23–54 Stunden

Generationen pro Jahr: 7–9 bei günstigen Bedingungen

Besonderes Larvenmerkmal: Das Springverhalten

Die Larven der Käsefliege sind für ihr charakteristisches Springverhalten bekannt: Sie biegen den Körper schnell ein, sodass Kopf und Hinterende zusammenkommen, und schnellen sich dann durch explosives Ausstrecken bis zu 15 Zentimeter (laut manchen Quellen bis zu 24 cm) weit und hoch in die Luft. Dieses Verhalten dient der Flucht bei Störung oder dem Auffinden geeigneter Verpuppungsplätze.

Lebensweise und Verhalten von Käsefliegen

Aktivitätsmuster

Käsefliegen sind tagaktiv und werden von Gerüchen reifender oder leicht verderbender proteinhaltiger Nahrungsmittel angelockt. Die adulten Fliegen leben nur kurz – etwa 3 bis 7 Tage – und paaren sich meist am dritten oder vierten Tag nach dem Schlupf.

Nahrung und Ernährung

Larvennahrung:Die Larven ernähren sich von proteinhaltigen Nahrungsmitteln:

  • Käse (besonders reifer, über drei Monate alter Käse)
  • Schinken und Speck
  • Räucherfisch
  • Rauchfleisch und gepökeltes Fleisch
  • Gesalzenes Fleisch
  • Kadaver und Aas

Adulte Fliegen:Die erwachsenen Fliegen nehmen flüssige Nahrung auf und werden von den Gerüchen gärender oder verderbender proteinhaltiger Substanzen angelockt.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Weibchen legen ihre zylindrisch-ovalen Eier direkt auf konservierten proteinhaltigen Nahrungsmitteln ab, von denen sich die Larven ernähren werden.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Eizahl pro Weibchen140–500 Eier
Lebensdauer Adulte3–7 Tage
Generationen pro Jahr7–9
Generationsdauer (optimal)ca. 2 Wochen

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Verbreitung

Die Käsefliege ist praktisch weltweit verbreitet (kosmopolitisch) und kommt überall dort vor, wo proteinreiche Nahrungssubstrate verfügbar sind. In der freien Natur befällt sie auch Tierkadaver.

Verbreitung in/an Gebäuden

Typische Befallsorte sind:

  • Käsereien und Molkereien
  • Räuchereien und Fleischverarbeitungsbetriebe
  • Schlachtereien
  • Restaurants und Großküchen
  • Haushalte (bei Lagerung von Käse, Schinken etc.)
  • Lebensmittelgeschäfte

Bedeutung des Schädlings Piophila casei

Schadwirkung

Die Käsefliege verursacht erhebliche Schäden:

  • Direkter Larvenbefall in Käse, Schinken und Fleischwaren
  • Qualitätsverlust und Unverkäuflichkeit befallener Waren
  • Hygienische Kontamination
  • Übertragung von Infektionskrankheiten durch die adulten Fliegen

Wirtschaftliche Schäden

Die wirtschaftlichen Schäden können beträchtlich sein:

  • Vernichtung gelagerter Käse- und Fleischwaren
  • Produktionsausfälle in Käsereien und Fleischverarbeitungsbetrieben
  • Reklamationen und Imageschäden
  • Kosten für Bekämpfung und Hygienemaßnahmen

Befallene Lebensmittel

Piophila casei befällt bevorzugt:

  • Reifer Käse (besonders über 3 Monate alt)
  • Schinken (roh und gekocht)
  • Speck
  • Geräucherter Fisch
  • Räucherfleisch
  • Salzfleisch und gepökeltes Fleisch
  • Salami und andere Wurstwaren

Lagerschäden

An befallenen Produkten zeigen sich:

  • Weißliche Eihüllen auf der Oberfläche
  • Kleine Rillen oder Furchen auf Käseoberflächen
  • Weiche oder eingesunkene Bereiche
  • Bei Fleischwaren: glänzender, fettartiger Flüssigkeitsaustritt


Gesundheitliche Risiken bei einem Käsefliege Befall

Direkte Gefahren

Die Käsefliege kann erhebliche gesundheitliche Risiken verursachen:

Intestinale Myiasis (Madenfraß):Werden Larven der Käsefliege versehentlich mit der Nahrung aufgenommen, können sie den menschlichen Verdauungstrakt lebend passieren. Die Larven sind teilweise resistent gegen Magensäure und können im Darm schwere Entzündungen der Darmschleimhaut verursachen.

Symptome einer intestinalen Myiasis:

  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Weitere gastrointestinale Beschwerden

Die Käsefliege gilt als die am häufigsten an gastrointestinaler Myiasis beim Menschen beteiligte Art. Fälle von Myiasis treten besonders in tropischen und subtropischen Ländern auf.

Indirekte Folgen

Übertragung von Infektionskrankheiten:Wie andere synanthrope Fliegenarten können die adulten Käsefliegen Krankheitserreger (Bakterien, Viren) mechanisch übertragen.

Hygienische Kontamination:Befallene Lebensmittel sind nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet.

Krankheitsübertragung

Die adulten Fliegen können durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen verschiedene Infektionskrankheiten mechanisch übertragen.

Käsefliege Befall erkennen

Befallsanzeichen

Einen Befall mit der Käsefliege erkennt man an:

  • Kleinen, glänzend schwarzen Fliegen mit roten Augen in der Nähe von Käse oder Fleischwaren
  • Weißlichen Eiern auf der Oberfläche von Käse oder Fleisch
  • Springenden weißen Larven (bei Störung)
  • Weichen oder eingesunkenen Stellen an Käse
  • Glänzendem, fettigem Flüssigkeitsaustritt an Fleischwaren
Käsefliege (Piophila casei) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

Typische Schadensspuren umfassen:

  • Kleine Rillen oder Furchen auf Käseoberflächen
  • Larven im Inneren von Käse oder Schinken
  • Tunnelgänge im befallenen Produkt
  • Muffiger oder unangenehmer Geruch bei fortgeschrittenem Befall

Vorbeugende Maßnahmen

Zur Vorbeugung gegen die Käsefliege sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

Lagerung:

  • Käse, Schinken und Fleischwaren kühl lagern (unter 10 °C hemmt Entwicklung)
  • Produkte in Fliegenschutznetzen oder geschlossenen Behältern aufbewahren
  • Keine offene Lagerung von proteinhaltigen Lebensmitteln

Hygiene:

  • Lagerräume sauber halten
  • Lebensmittelreste sofort entfernen
  • Keine Ansammlung von verderbenden Produkten
  • Regelmäßige Reinigung von Käsereien und Fleischverarbeitungsbetrieben

Bauliche Maßnahmen:

  • Fliegengitter an Fenstern und Türen
  • Luftschleier an Eingängen zu Lebensmittelbetrieben
  • Gute Belüftung zur Vermeidung von Geruchsansammlungen
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Käsefliege Befall?

Professionelle Bekämpfung

Für die professionelle Bekämpfung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

UV-Lichtfallen:Besonders für Wohnungen, Restaurants und lebensmittelverarbeitende Betriebe geeignet, da es sich um ein giftfreies Verfahren handelt.

Mechanische Verfahren:

  • Fliegenfallen
  • Gelbfallen (Klebefallen)
  • Fliegenstrips

Chemische Verfahren:

  • Insektensprays (für befallene Räume)
  • Begasung bei starkem Befall

Biologische Bekämpfung:Die Schlupfwespe Pachycrepoideus dubius parasitiert die Puppen der Käsefliege, wobei die Wirksamkeit variiert.

Eigenmaßnahmen

Die nachhaltigste Form der Bekämpfung ist der Entzug der Nahrungsquellen:

  1. Befallene Lebensmittel entsorgen: In verschlossenen Tüten im Hausmüll
  2. Befallsquelle beseitigen: Alle proteinhaltigen Lebensmittel kontrollieren
  3. Kühllagerung: Käse und Fleischwaren bei unter 10 °C lagern
  4. Fliegenfallen aufstellen: UV-Fallen oder Klebefallen verwenden
  5. Fliegengitter anbringen: An Fenstern und Türen
  6. Hygiene verbessern: Regelmäßige, gründliche Reinigung

Käsefliege: Häufig gestellte Fragen

Ist die Käsefliege gefährlich für Menschen?

Ja, die Käsefliege kann gesundheitliche Risiken bergen. Werden Larven versehentlich mit der Nahrung aufgenommen, können sie im Darm eine Myiasis (Madenfraß) verursachen mit Symptomen wie Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit. Zudem können die adulten Fliegen Krankheitserreger übertragen.

Warum springen die Larven der Käsefliege?

Die Larven können sich durch schnelles Einbiegen und explosives Ausstrecken des Körpers bis zu 15 cm weit katapultieren. Dieses Verhalten dient der Flucht bei Störung und dem Auffinden geeigneter Verpuppungsplätze.

Wie erkenne ich einen Befall mit der Käsefliege?

Typische Anzeichen sind: kleine, glänzend schwarze Fliegen mit roten Augen, weißliche Eier auf Käse- oder Fleischoberflächen, springende weiße Larven bei Störung, und weiche oder eingesunkene Stellen an befallenen Produkten.

Kann man Käse mit Käsefliegenlarven essen?

In der Regel sollten befallene Lebensmittel nicht verzehrt werden wegen des Risikos einer intestinalen Myiasis. Eine Ausnahme ist der sardische Spezialitätenkäse "Casu Marzu", bei dem die Larven traditionell als Teil des Reifungsprozesses genutzt werden – dieser Käse ist jedoch in der EU nicht zum Verkauf zugelassen.

Wie lange lebt eine Käsefliege?

Die adulten Käsefliegen leben nur etwa 4 bis 10 Tage. Die Paarung findet meist am dritten oder vierten Tag nach dem Schlupf statt. Bei günstigen Bedingungen können 7 bis 9 Generationen pro Jahr entstehen.

Wie kann ich Käsefliegen vorbeugen?

Wichtige Maßnahmen: Käse und Fleischwaren kühl unter 10 °C lagern, Produkte in geschlossenen Behältern aufbewahren, Fliegengitter an Fenstern anbringen, regelmäßige Reinigung und keine offene Lagerung von proteinhaltigen Lebensmitteln.

Was ist Myiasis?

Myiasis (Madenfraß) bezeichnet den Befall von lebendem Gewebe durch Fliegenlarven. Bei der Käsefliege handelt es sich meist um intestinale Myiasis – die Larven gelangen über befallene Nahrung in den Verdauungstrakt und können dort Entzündungen verursachen.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.