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Getreidemotte (Sitotroga cerealella)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2026
Lesedauer: 9 Minuten
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Die Getreidemotte (Sitotroga cerealella), auch als Angoumois-Motte bekannt, gehört zur Familie der Palpenmotten (Gelechiidae) innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera). Sie zählt weltweit zu den bedeutendsten Vorratsschädlingen im Getreidebereich und kann bei starkem Befall Verluste von bis zu 50% des gelagerten Getreides verursachen.

Ursprünglich stammt die Getreidemotte vermutlich aus Mexiko und hat sich durch den internationalen Getreidehandel mittlerweile nahezu weltweit verbreitet. In gemäßigten Klimazonen ist das Vorkommen von Sitotroga cerealella auf beheizte Gebäude beschränkt, da die Art aufgrund ihrer tropischen Herkunft niedrige Temperaturen nicht überleben kann.

Aussehen: Wie sieht die Getreidemotte aus?

Erkennungsmerkmale

Falter (adulte Motte):Die ausgewachsene Getreidemotte erreicht eine Körperlänge von etwa 8 mm und eine Flügelspannweite von ungefähr 18 mm. Sowohl die Vorder- als auch die Hinterflügel sind lang gestreckt und zugespitzt. Am Hinterrand beider Flügelpaare befinden sich charakteristische lange Fransen.

Die Vorderflügel sind lehmgelb bis bräunlich gefärbt und tragen vereinzelte schwarze Schuppen. Die Hinterflügel sind grau gefärbt und ebenfalls mit langen Fransen versehen. Die Fühler sind fadenförmig und etwa so lang wie die Vorderflügel.

Eier:Die Eier sind etwa 0,5 mm groß, zunächst weiß und später rötlich gefärbt.

Larven (Raupen):Die frisch geschlüpften Larven sind rund 1 mm lang und rötlichgelb gefärbt. Sie bohren sich sofort nach dem Schlupf in das Nahrungssubstrat ein. Die ausgewachsenen Larven sind cremeweiß mit einer braunen Kopfkapsel.

Puppe:Die Verpuppung erfolgt im Inneren des Getreidekorns. Die Puppe ist bräunlich gefärbt.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Die Getreidemotte kann mit anderen Lebensmittelmotten verwechselt werden:

MerkmalGetreidemotteKornmotteMehlmotte
Körperlängeca. 8 mmca. 6 mm10-14 mm
Flügelspannweiteca. 18 mmmax. 14 mm20-27 mm
VorderflügelLehmgelb-bräunlichSchwarz-weiß geflecktBlaugrau
FlügelformLang, zugespitzt, mit FransenMit FransenSchmal

Entwicklung und Lebenszyklus der Getreidemotte

Entwicklungsstadien

Die Getreidemotte durchläuft eine vollständige Verwandlung (Holometabolie) mit vier deutlich unterschiedlichen Entwicklungsstadien:

  1. Ei: Die Weibchen legen ihre Eier an Getreide und anderen Nahrungssubstraten ab. Die Eier sind etwa 0,5 mm groß.

  2. Larve: Die schlüpfenden Larven bohren sich sofort in das Nahrungssubstrat ein. Die gesamte Larvenentwicklung findet im Inneren einzelner Getreidekörner statt.

  3. Puppe: Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Getreidekorn. Vor dem Schlupf legt die Larve ein Austrittsfenster in der Kornschale an.

  4. Falter (Imago): Die adulten Motten sind gute Flieger und leben nur kurze Zeit, in der sie sich fortpflanzen.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungszeit ist stark temperaturabhängig:

TemperaturEntwicklungsdauer (Ei bis Falter)
27,3°C (optimal)28-30 Tage
20°Cca. 50-60 Tage
14,3°C115-118 Tage

Temperaturgrenzen:

  • Minimale Entwicklungstemperatur: 10,3°C (darunter keine Entwicklung möglich)
  • Optimale Temperatur: ca. 27°C
  • Optimale relative Luftfeuchtigkeit: 75%

Einzelne Stadien:

  • Eistadium: 3-14 Tage (temperaturabhängig)
  • Larvenstadium: ca. 25-30 Tage (bei optimalen Bedingungen)
  • Puppenstadium: 5-15 Tage (im Sommer 7-10 Tage, im Herbst 14-15 Tage)

Lebensweise und Verhalten von Getreidemotten

Aktivitätsmuster

Die adulten Getreidemotten sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie sind gute Flieger und können sich aktiv verbreiten. Die durchschnittliche Lebensdauer der Falter beträgt etwa 15 Tage, maximal 30 Tage unter optimalen Bedingungen.

In Mitteleuropa liegt die Hauptflugzeit im Freien in den Monaten Mai und Juni. In beheizten Lagern kann die Art ganzjährig auftreten.

Nahrung und Ernährung

Larven:Die Larven sind das schädigende Stadium und entwickeln sich als interne Fraßschädlinge im Inneren von Getreidekörnern. Eine einzelne Larve lebt und frisst im Inneren eines einzelnen Korns.

Falter:Die ausgewachsenen Motten nehmen während ihrer kurzen Lebensdauer kaum Nahrung auf und leben von ihren während des Larvenstadiums angelegten Reserven.

Bevorzugte Nahrungssubstrate:

  • Weizen
  • Mais
  • Reis
  • Gerste
  • Hafer
  • Roggen
  • Hirse

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Paarung erfolgt kurz nach dem Schlupf der Falter. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in Gruppen variabler Anzahl an der Oberfläche von Getreidekörnern oder anderen Nahrungssubstraten ab.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Eier pro Weibchen (Lebenszeit)80-180 (durchschnittlich ca. 40-150)
Eiablageperiode3-4 Tage
Generationen pro JahrMehrere (in warmen Lagern)
Lebensdauer Falter10-30 Tage

Unter günstigen Bedingungen kann sich die Population schnell vermehren und erhebliche Schäden verursachen.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Die Getreidemotte stammt ursprünglich vermutlich aus Mexiko und ist heute nahezu weltweit verbreitet. Sie kommt in tropischen und subtropischen Gebieten im Freien vor, in gemäßigten Klimazonen ist sie auf beheizte Gebäude beschränkt.

Verbreitung in/an Gebäuden

In Deutschland tritt die Getreidemotte vorwiegend in folgenden Bereichen auf:

  • Gewerbliche Anlagen: Getreidesilos, Mühlen, Lagerhäuser
  • Landwirtschaft: Getreidespeicher, Scheunen (nur beheizt)
  • Lebensmittelindustrie: Verarbeitungsbetriebe
  • Privathaushalte: Durch befallenes Getreide eingeschleppt

Die Einschleppung erfolgt häufig über bereits befallene Ware.

Bedeutung des Schädlings Sitotroga cerealella

Schadwirkung

Die Getreidemotte verursacht als einer der bedeutendsten Getreideschädlinge weltweit erhebliche Schäden:

Direkter Fraßschaden:

  • Larven höhlen einzelne Getreidekörner von innen aus
  • Charakteristische runde Austrittslöcher in den Körnern
  • Verluste können bis zu 50% des gelagerten Weizens erreichen

Kontamination:

  • Verunreinigung durch Larvenkot und Häutungsreste
  • Gespinste und Fraßreste
  • Sekundärbefall durch Schimmelpilze und Milben möglich

Befallene Lebensmittel

Die Getreidemotte befällt vorwiegend ganze Getreidekörner:

KategorieBeispiele
HauptwirteWeizen, Mais, Reis
Weitere GetreideGerste, Hafer, Roggen, Hirse
AndereDiverse Samenkörnungen

Lagerschäden

BefallsgradSchadensumfang
Leichter BefallVereinzelte Körner mit Austrittslöchern
Mittlerer BefallDeutliche Verluste, Qualitätsminderung
Starker BefallVerluste bis zu 50% möglich

Wirtschaftliche Schäden

Die Getreidemotte gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Getreideschädlingen weltweit. Besonders in warmen Klimazonen und unzureichend gekühlten Lagern können die Verluste erheblich sein. Das befallene Getreide ist für die Lebensmittelverarbeitung ungeeignet.



Gesundheitliche Risiken bei einem Getreidemotten Befall

Direkte Gefahren

Die Getreidemotte überträgt nach aktuellem Wissensstand keine Krankheitserreger direkt auf den Menschen. Die gesundheitlichen Risiken sind vergleichbar mit anderen Lebensmittelmotten.

Indirekte Folgen

Die Risiken ergeben sich hauptsächlich aus der Kontamination der Lebensmittel:

  • Allergische Reaktionen: Kot, Häutungsreste und Larvenreste können Allergien auslösen
  • Sekundärkontamination: Durch Gespinste begünstigte Schimmelbildung
  • Milbenbefall: Kann sich auf befallener Ware entwickeln

Befallenes Getreide sollte nicht mehr für die menschliche Ernährung verwendet werden.

Getreidemotten Befall erkennen

Befallsanzeichen

Ein Befall mit der Getreidemotte lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:

Frühe Anzeichen:

  • Vereinzelte Falter fliegend oder an Wänden
  • Kleine Löcher in einzelnen Getreidekörnern

Fortgeschrittener Befall:

  • Zahlreiche Körner mit charakteristischen runden Austrittslöchern
  • Sichtbare Gespinste und Fraßreste
  • Erwärmung des Lagerguts

Starker Befall:

  • Massenflug von Motten
  • Erheblicher Anteil beschädigter Körner
  • Deutliche Gewichtsverluste
Getreidemotte (Sitotroga cerealella) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

AnzeichenBeschreibung
AustrittslöcherKleine, runde Löcher in Getreidekörnern
FraßresteMehlartiger Staub um befallene Körner
GespinsteFeine Gespinstfäden
Hohle KörnerAusgehöhlte, leichte Körner

Tipp zur Erkennung: Verdächtige Körner in Wasser geben – befallene, ausgehöhlte Körner schwimmen an der Oberfläche.

Vorbeugende Maßnahmen

Eine effektive Prävention ist der beste Schutz gegen Getreidemottenbefall:

Lagerhaltung

  • Kühle Lagerung: Temperaturen unter 10°C verhindern die Entwicklung
  • Trockene Lagerung: Substratfeuchte unter 9% verhindert den Befall vollständig
  • Sauberkeit: Regelmäßige Reinigung von Lagerbehältern und -räumen
  • Kontrolle: Regelmäßige Inspektion der Vorräte auf Befallsanzeichen

Im Privathaushalt

  • Getreide und Getreideprodukte in dicht schließenden Behältern aufbewahren
  • Vorräte regelmäßig kontrollieren
  • Nur benötigte Mengen einkaufen
  • Ältere Vorräte zuerst verbrauchen

Im gewerblichen Bereich

  • Gründliche Reinigung vor Neubefüllung
  • Temperatur- und Feuchtigkeitsmonitoring
  • Einsatz von Pheromonfallen zur Befallsüberwachung
  • Sachgemäße Lagerung (trocken und kühl)
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Getreidemotten Befall?

Professionelle Bekämpfung

Im gewerblichen Bereich stehen verschiedene professionelle Bekämpfungsmethoden zur Verfügung:

Physikalische Verfahren:

  • Kühlung: Temperaturen unter 10°C stoppen die Entwicklung
  • Hitzebehandlung: Erhöhte Temperaturen töten alle Stadien ab

Chemische Verfahren:

  • Pyrethrum-Aerosol für Leerraumbehandlung
  • Begasung größerer Lagerbestände

Hinweis: Begasungen dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden.

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Biologische Bekämpfung:Zur biologischen Bekämpfung von Sitotroga cerealella können parasitische Schlupfwespen eingesetzt werden:

  • Lariophagus distinguendus – ein Larvalparasitoid, der die im Inneren der Getreidekörner lebenden Larven parasitiert
  • Trichogramma evanescens – ein Eiparasitoid, der seine Eier in die Eier der Getreidemotte ablegt

Eigenmaßnahmen

Im Privathaushalt können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  1. Befallene Produkte entsorgen: Vollständige Entsorgung in verschlossenen Beuteln
  2. Gründliche Reinigung: Schränke aussaugen und feucht auswischen
  3. Tiefkühlung: Verdächtige Produkte bei -18°C einfrieren
  4. Pheromonfallen: Zur Überwachung und Reduktion der Population
  5. Sichere Aufbewahrung: Lebensmittel in dicht schließenden Behältern lagern

Getreidemotte: Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheide ich die Getreidemotte von anderen Motten?

Die Getreidemotte ist an ihren lehmgelb bis bräunlich gefärbten, lang gestreckten und zugespitzten Vorderflügeln mit langen Fransen am Hinterrand erkennbar. Mit etwa 8 mm Körperlänge und 18 mm Flügelspannweite ist sie größer als die Kornmotte, aber kleiner als die Mehlmotte.

Können sich Getreidemotten auch bei niedrigen Temperaturen entwickeln?

Nein, bei Temperaturen unter 10,3°C ist keine Entwicklung mehr möglich. Die Getreidemotte ist aufgrund ihrer tropischen Herkunft nicht in der Lage, niedrige Temperaturen zu überleben. Kühle Lagerung ist daher eine effektive Präventionsmaßnahme.

Wie verhindere ich einen Befall im Lager?

Die wichtigsten Präventivmaßnahmen sind sachgemäße Lagerung: Getreide mit einer Substratfeuchte von weniger als 9% wird nicht befallen. Zusätzlich sollte kühl gelagert und regelmäßig kontrolliert werden.

Wie viele Eier legt eine Getreidemotte?

Ein Weibchen kann während seines Lebens 80 bis 180 Eier legen. Die Eier werden an Getreide und anderen Nahrungssubstraten abgelegt.

Wie lange dauert die Entwicklung der Getreidemotte?

Bei optimaler Temperatur (ca. 27°C) dauert der komplette Entwicklungszyklus 28 bis 30 Tage. Bei niedrigeren Temperaturen (14°C) kann sich die Entwicklung auf 115 bis 118 Tage verlängern.

Welche Schäden verursacht die Getreidemotte?

Die Larven entwickeln sich im Inneren einzelner Getreidekörner und höhlen diese aus. Bei starkem Befall können Verluste von bis zu 50% des gelagerten Weizens auftreten. Zusätzlich wird das Getreide durch Kot und Gespinste kontaminiert.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.