Die Getreidemotte (Sitotroga cerealella), auch als Angoumois-Motte bekannt, gehört zur Familie der Palpenmotten (Gelechiidae) innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera). Sie zählt weltweit zu den bedeutendsten Vorratsschädlingen im Getreidebereich und kann bei starkem Befall Verluste von bis zu 50% des gelagerten Getreides verursachen.
- Aussehen: Wie sieht die Getreidemotte aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus der Getreidemotte
- Lebensweise und Verhalten von Getreidemotten
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Sitotroga cerealella
- Gesundheitliche Risiken bei einem Getreidemotten Befall
- Getreidemotten Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Getreidemotten Befall?
- Getreidemotte: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
Ursprünglich stammt die Getreidemotte vermutlich aus Mexiko und hat sich durch den internationalen Getreidehandel mittlerweile nahezu weltweit verbreitet. In gemäßigten Klimazonen ist das Vorkommen von Sitotroga cerealella auf beheizte Gebäude beschränkt, da die Art aufgrund ihrer tropischen Herkunft niedrige Temperaturen nicht überleben kann.
Aussehen: Wie sieht die Getreidemotte aus?
Erkennungsmerkmale
Falter (adulte Motte):Die ausgewachsene Getreidemotte erreicht eine Körperlänge von etwa 8 mm und eine Flügelspannweite von ungefähr 18 mm. Sowohl die Vorder- als auch die Hinterflügel sind lang gestreckt und zugespitzt. Am Hinterrand beider Flügelpaare befinden sich charakteristische lange Fransen.
Die Vorderflügel sind lehmgelb bis bräunlich gefärbt und tragen vereinzelte schwarze Schuppen. Die Hinterflügel sind grau gefärbt und ebenfalls mit langen Fransen versehen. Die Fühler sind fadenförmig und etwa so lang wie die Vorderflügel.
Eier:Die Eier sind etwa 0,5 mm groß, zunächst weiß und später rötlich gefärbt.
Larven (Raupen):Die frisch geschlüpften Larven sind rund 1 mm lang und rötlichgelb gefärbt. Sie bohren sich sofort nach dem Schlupf in das Nahrungssubstrat ein. Die ausgewachsenen Larven sind cremeweiß mit einer braunen Kopfkapsel.
Puppe:Die Verpuppung erfolgt im Inneren des Getreidekorns. Die Puppe ist bräunlich gefärbt.
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Die Getreidemotte kann mit anderen Lebensmittelmotten verwechselt werden:
| Merkmal | Getreidemotte | Kornmotte | Mehlmotte |
|---|---|---|---|
| Körperlänge | ca. 8 mm | ca. 6 mm | 10-14 mm |
| Flügelspannweite | ca. 18 mm | max. 14 mm | 20-27 mm |
| Vorderflügel | Lehmgelb-bräunlich | Schwarz-weiß gefleckt | Blaugrau |
| Flügelform | Lang, zugespitzt, mit Fransen | Mit Fransen | Schmal |
Entwicklung und Lebenszyklus der Getreidemotte
Entwicklungsstadien
Die Getreidemotte durchläuft eine vollständige Verwandlung (Holometabolie) mit vier deutlich unterschiedlichen Entwicklungsstadien:
Ei: Die Weibchen legen ihre Eier an Getreide und anderen Nahrungssubstraten ab. Die Eier sind etwa 0,5 mm groß.
Larve: Die schlüpfenden Larven bohren sich sofort in das Nahrungssubstrat ein. Die gesamte Larvenentwicklung findet im Inneren einzelner Getreidekörner statt.
Puppe: Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Getreidekorn. Vor dem Schlupf legt die Larve ein Austrittsfenster in der Kornschale an.
Falter (Imago): Die adulten Motten sind gute Flieger und leben nur kurze Zeit, in der sie sich fortpflanzen.
Entwicklungsdauer
Die Entwicklungszeit ist stark temperaturabhängig:
| Temperatur | Entwicklungsdauer (Ei bis Falter) |
|---|---|
| 27,3°C (optimal) | 28-30 Tage |
| 20°C | ca. 50-60 Tage |
| 14,3°C | 115-118 Tage |
Temperaturgrenzen:
- Minimale Entwicklungstemperatur: 10,3°C (darunter keine Entwicklung möglich)
- Optimale Temperatur: ca. 27°C
- Optimale relative Luftfeuchtigkeit: 75%
Einzelne Stadien:
- Eistadium: 3-14 Tage (temperaturabhängig)
- Larvenstadium: ca. 25-30 Tage (bei optimalen Bedingungen)
- Puppenstadium: 5-15 Tage (im Sommer 7-10 Tage, im Herbst 14-15 Tage)
Lebensweise und Verhalten von Getreidemotten
Aktivitätsmuster
Die adulten Getreidemotten sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie sind gute Flieger und können sich aktiv verbreiten. Die durchschnittliche Lebensdauer der Falter beträgt etwa 15 Tage, maximal 30 Tage unter optimalen Bedingungen.
In Mitteleuropa liegt die Hauptflugzeit im Freien in den Monaten Mai und Juni. In beheizten Lagern kann die Art ganzjährig auftreten.
Nahrung und Ernährung
Larven:Die Larven sind das schädigende Stadium und entwickeln sich als interne Fraßschädlinge im Inneren von Getreidekörnern. Eine einzelne Larve lebt und frisst im Inneren eines einzelnen Korns.
Falter:Die ausgewachsenen Motten nehmen während ihrer kurzen Lebensdauer kaum Nahrung auf und leben von ihren während des Larvenstadiums angelegten Reserven.
Bevorzugte Nahrungssubstrate:
- Weizen
- Mais
- Reis
- Gerste
- Hafer
- Roggen
- Hirse
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Paarung erfolgt kurz nach dem Schlupf der Falter. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in Gruppen variabler Anzahl an der Oberfläche von Getreidekörnern oder anderen Nahrungssubstraten ab.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eier pro Weibchen (Lebenszeit) | 80-180 (durchschnittlich ca. 40-150) |
| Eiablageperiode | 3-4 Tage |
| Generationen pro Jahr | Mehrere (in warmen Lagern) |
| Lebensdauer Falter | 10-30 Tage |
Unter günstigen Bedingungen kann sich die Population schnell vermehren und erhebliche Schäden verursachen.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Die Getreidemotte stammt ursprünglich vermutlich aus Mexiko und ist heute nahezu weltweit verbreitet. Sie kommt in tropischen und subtropischen Gebieten im Freien vor, in gemäßigten Klimazonen ist sie auf beheizte Gebäude beschränkt.
Verbreitung in/an Gebäuden
In Deutschland tritt die Getreidemotte vorwiegend in folgenden Bereichen auf:
- Gewerbliche Anlagen: Getreidesilos, Mühlen, Lagerhäuser
- Landwirtschaft: Getreidespeicher, Scheunen (nur beheizt)
- Lebensmittelindustrie: Verarbeitungsbetriebe
- Privathaushalte: Durch befallenes Getreide eingeschleppt
Die Einschleppung erfolgt häufig über bereits befallene Ware.
Bedeutung des Schädlings Sitotroga cerealella
Schadwirkung
Die Getreidemotte verursacht als einer der bedeutendsten Getreideschädlinge weltweit erhebliche Schäden:
Direkter Fraßschaden:
- Larven höhlen einzelne Getreidekörner von innen aus
- Charakteristische runde Austrittslöcher in den Körnern
- Verluste können bis zu 50% des gelagerten Weizens erreichen
Kontamination:
- Verunreinigung durch Larvenkot und Häutungsreste
- Gespinste und Fraßreste
- Sekundärbefall durch Schimmelpilze und Milben möglich
Befallene Lebensmittel
Die Getreidemotte befällt vorwiegend ganze Getreidekörner:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Hauptwirte | Weizen, Mais, Reis |
| Weitere Getreide | Gerste, Hafer, Roggen, Hirse |
| Andere | Diverse Samenkörnungen |
Lagerschäden
| Befallsgrad | Schadensumfang |
|---|---|
| Leichter Befall | Vereinzelte Körner mit Austrittslöchern |
| Mittlerer Befall | Deutliche Verluste, Qualitätsminderung |
| Starker Befall | Verluste bis zu 50% möglich |
Wirtschaftliche Schäden
Die Getreidemotte gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Getreideschädlingen weltweit. Besonders in warmen Klimazonen und unzureichend gekühlten Lagern können die Verluste erheblich sein. Das befallene Getreide ist für die Lebensmittelverarbeitung ungeeignet.
Gesundheitliche Risiken bei einem Getreidemotten Befall
Direkte Gefahren
Die Getreidemotte überträgt nach aktuellem Wissensstand keine Krankheitserreger direkt auf den Menschen. Die gesundheitlichen Risiken sind vergleichbar mit anderen Lebensmittelmotten.
Indirekte Folgen
Die Risiken ergeben sich hauptsächlich aus der Kontamination der Lebensmittel:
- Allergische Reaktionen: Kot, Häutungsreste und Larvenreste können Allergien auslösen
- Sekundärkontamination: Durch Gespinste begünstigte Schimmelbildung
- Milbenbefall: Kann sich auf befallener Ware entwickeln
Befallenes Getreide sollte nicht mehr für die menschliche Ernährung verwendet werden.
Getreidemotten Befall erkennen
Befallsanzeichen
Ein Befall mit der Getreidemotte lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:
Frühe Anzeichen:
- Vereinzelte Falter fliegend oder an Wänden
- Kleine Löcher in einzelnen Getreidekörnern
Fortgeschrittener Befall:
- Zahlreiche Körner mit charakteristischen runden Austrittslöchern
- Sichtbare Gespinste und Fraßreste
- Erwärmung des Lagerguts
Starker Befall:
- Massenflug von Motten
- Erheblicher Anteil beschädigter Körner
- Deutliche Gewichtsverluste
Schadensspuren
| Anzeichen | Beschreibung |
|---|---|
| Austrittslöcher | Kleine, runde Löcher in Getreidekörnern |
| Fraßreste | Mehlartiger Staub um befallene Körner |
| Gespinste | Feine Gespinstfäden |
| Hohle Körner | Ausgehöhlte, leichte Körner |
Tipp zur Erkennung: Verdächtige Körner in Wasser geben – befallene, ausgehöhlte Körner schwimmen an der Oberfläche.
Vorbeugende Maßnahmen
Eine effektive Prävention ist der beste Schutz gegen Getreidemottenbefall:
Lagerhaltung
- Kühle Lagerung: Temperaturen unter 10°C verhindern die Entwicklung
- Trockene Lagerung: Substratfeuchte unter 9% verhindert den Befall vollständig
- Sauberkeit: Regelmäßige Reinigung von Lagerbehältern und -räumen
- Kontrolle: Regelmäßige Inspektion der Vorräte auf Befallsanzeichen
Im Privathaushalt
- Getreide und Getreideprodukte in dicht schließenden Behältern aufbewahren
- Vorräte regelmäßig kontrollieren
- Nur benötigte Mengen einkaufen
- Ältere Vorräte zuerst verbrauchen
Im gewerblichen Bereich
- Gründliche Reinigung vor Neubefüllung
- Temperatur- und Feuchtigkeitsmonitoring
- Einsatz von Pheromonfallen zur Befallsüberwachung
- Sachgemäße Lagerung (trocken und kühl)
Bekämpfung: Was hilft bei einem Getreidemotten Befall?
Professionelle Bekämpfung
Im gewerblichen Bereich stehen verschiedene professionelle Bekämpfungsmethoden zur Verfügung:
Physikalische Verfahren:
- Kühlung: Temperaturen unter 10°C stoppen die Entwicklung
- Hitzebehandlung: Erhöhte Temperaturen töten alle Stadien ab
Chemische Verfahren:
- Pyrethrum-Aerosol für Leerraumbehandlung
- Begasung größerer Lagerbestände
Hinweis: Begasungen dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden.
Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.
Biologische Bekämpfung:Zur biologischen Bekämpfung von Sitotroga cerealella können parasitische Schlupfwespen eingesetzt werden:
- Lariophagus distinguendus – ein Larvalparasitoid, der die im Inneren der Getreidekörner lebenden Larven parasitiert
- Trichogramma evanescens – ein Eiparasitoid, der seine Eier in die Eier der Getreidemotte ablegt
Eigenmaßnahmen
Im Privathaushalt können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Befallene Produkte entsorgen: Vollständige Entsorgung in verschlossenen Beuteln
- Gründliche Reinigung: Schränke aussaugen und feucht auswischen
- Tiefkühlung: Verdächtige Produkte bei -18°C einfrieren
- Pheromonfallen: Zur Überwachung und Reduktion der Population
- Sichere Aufbewahrung: Lebensmittel in dicht schließenden Behältern lagern
Getreidemotte: Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheide ich die Getreidemotte von anderen Motten?
Die Getreidemotte ist an ihren lehmgelb bis bräunlich gefärbten, lang gestreckten und zugespitzten Vorderflügeln mit langen Fransen am Hinterrand erkennbar. Mit etwa 8 mm Körperlänge und 18 mm Flügelspannweite ist sie größer als die Kornmotte, aber kleiner als die Mehlmotte.
Können sich Getreidemotten auch bei niedrigen Temperaturen entwickeln?
Nein, bei Temperaturen unter 10,3°C ist keine Entwicklung mehr möglich. Die Getreidemotte ist aufgrund ihrer tropischen Herkunft nicht in der Lage, niedrige Temperaturen zu überleben. Kühle Lagerung ist daher eine effektive Präventionsmaßnahme.
Wie verhindere ich einen Befall im Lager?
Die wichtigsten Präventivmaßnahmen sind sachgemäße Lagerung: Getreide mit einer Substratfeuchte von weniger als 9% wird nicht befallen. Zusätzlich sollte kühl gelagert und regelmäßig kontrolliert werden.
Wie viele Eier legt eine Getreidemotte?
Ein Weibchen kann während seines Lebens 80 bis 180 Eier legen. Die Eier werden an Getreide und anderen Nahrungssubstraten abgelegt.
Wie lange dauert die Entwicklung der Getreidemotte?
Bei optimaler Temperatur (ca. 27°C) dauert der komplette Entwicklungszyklus 28 bis 30 Tage. Bei niedrigeren Temperaturen (14°C) kann sich die Entwicklung auf 115 bis 118 Tage verlängern.
Welche Schäden verursacht die Getreidemotte?
Die Larven entwickeln sich im Inneren einzelner Getreidekörner und höhlen diese aus. Bei starkem Befall können Verluste von bis zu 50% des gelagerten Weizens auftreten. Zusätzlich wird das Getreide durch Kot und Gespinste kontaminiert.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/schmetterlinge/getreidemotte-sitotroga-cerealella/
Internationale wissenschaftliche Quellen
- Penn State Extension: https://extension.psu.edu/angoumois-grain-moth
- CABI Compendium: https://www.cabidigitallibrary.org/doi/abs/10.1079/cabicompendium.50238