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Getreidemotte (Sitotroga cerealella)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2026
Lesedauer: 5 Minuten
© Schaedlingsvernichtung.de

Die Getreidemotte (Sitotroga cerealella) ist ein primärer Vorratsschädling an ganzen Getreidekörnern. Charakteristisch ist, dass sich die Larven im Korn entwickeln und der Befall dadurch anfangs oft schwer erkennbar ist.

Die Art ist weltweit in warmen bis gemäßigt-warmen Regionen verbreitet und tritt in Deutschland vor allem in beheizten Lager- und Verarbeitungsbereichen auf.

Aussehen: Wie sieht Getreidemotte aus?

Erkennungsmerkmale

Adulte Getreidemotten sind schlank, mit langen Fransen an den Flügeln und stark gebogenen Palpen. Die Körperlänge liegt typischerweise bei etwa 5 bis 8 mm; die Spannweite wird in offiziellen Quellen meist mit etwa 12 bis 16 mm angegeben.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Im Vergleich zu anderen Vorratsmotten ist die Getreidemotte oft kleiner. Für die Praxis wichtig: Die Larven entwickeln sich im Korninneren und produzieren deutlich weniger Gespinste als viele andere Vorratsmotten.

Entwicklung und Lebenszyklus des Getreidemotte

Entwicklungsstadien

Die Art durchläuft Ei-, Larven-, Puppen- und Adultstadium. Eier werden außen auf Körner abgelegt, Larven bohren sich nach dem Schlupf in das Korn ein.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungszeit ist stark umweltabhängig. Offizielle Quellen nennen für günstige Bedingungen im Mittel rund 39 bis 40 Tage; außerhalb günstiger Temperatur- und Feuchtebereiche verlängert sich die Entwicklung deutlich.

Für die Entwicklung werden in Fachquellen unter anderem folgende Bedingungen genannt:

  • Temperaturbereich etwa 10 bis 35 °C
  • relative Luftfeuchte etwa 25 bis 80 %
  • ausreichend Kornfeuchte (in Praxisquellen meist >9 %)

Lebensweise und Verhalten von Getreidemotten

Aktivitätsmuster

Adulte Falter werden häufig an Wänden, in Lichtnähe oder nahe Vorratsbereichen gefunden. Der eigentliche Schaden entsteht im Larvenstadium im Korn.

Nahrung und Ernährung

Typische Befallsware:

  • Weizen, Gerste, Mais, Reis und weitere Getreidearten
  • je nach Quelle auch weitere trockene Samen-/Saatgüter

Adulte Tiere nehmen an der Ware keine Nahrung auf.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Weibchen legen Eier einzeln oder in kleinen Gruppen auf Kornoberflächen. Nach dem Schlupf entwickelt sich die Larve im Korn bis zum Falterschlupf.

Vermehrungsrate

Quellen nennen je nach Methodik unterschiedliche Eizahlen (häufig etwa 150 bis 200 Eier pro Weibchen). Dieser Unterschied wird in der Literatur beschrieben; für die Praxis ist die starke Bestandszunahme bei warmen Lagerbedingungen entscheidend.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Die Art ist weltweit verbreitet und kommt vor allem in milden bis warmen Regionen regelmäßig vor.

Verbreitung in/an Gebäuden

In Gebäuden betrifft sie vor allem Getreidelager, Verarbeitungsbereiche und Vorratsräume mit längerer Lagerdauer.

Bedeutung des Schädlings Sitotroga cerealella

Schadwirkung

Larvenfraß verursacht Hohlräume im Korn und Qualitätsverluste. Bei stärkerem Befall steigen Wärme- und Feuchteentwicklung im Lagergut, was Folgeschäden begünstigt.

Befallene Lebensmittel

  • Getreidekörner (u. a. Weizen, Gerste, Mais, Reis)
  • weitere trockene Körner-/Saatgüter je nach Lagerkontext

Lagerschäden

  • innere Fraßschäden am Korn
  • Austrittslöcher nach Falterschlupf
  • Kontamination durch Fraßreste und Kot
  • erhöhtes Risiko für Schimmel- und Sekundärbefall bei starkem Befall

Wirtschaftliche Schäden

Relevante Folgen sind Masseverlust, Qualitätsabwertung, Sortieraufwand und zusätzliche Kosten für Überwachung sowie Bekämpfung.



Gesundheitliche Risiken bei einem Getreidemotte Befall

Direkte Gefahren

Die Getreidemotte ist kein stechender oder beißender Gesundheitsschädling. Direkte Verletzungsrisiken sind im Innenraumkontext daher gering.

Indirekte Folgen

Indirekt relevant sind verunreinigte Vorräte durch Fraßreste und Kot. Im Vergleich zu anderen Vorratsmotten ist die Seidenbindung der Ware meist geringer, kann bei Befall aber lokal auftreten.

Getreidemotte Befall erkennen

Befallsanzeichen

  • Falterfunde im Lagerumfeld
  • zunächst unauffällige Körner mit später sichtbaren Austrittslöchern
  • befallsbedingte Erwärmung von Lagerpartien
Getreidemotte (Sitotroga cerealella) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

  • ausgehöhlte Körner
  • Fraßreste im Kornumfeld
  • wiederkehrende Falterfunde in derselben Lagerzone

Vorbeugende Maßnahmen

  • Lager vor Neueinlagerung gründlich reinigen
  • Lagertemperatur absenken (praxisnah oft unter 10 °C)
  • Kornfeuchte niedrig halten
  • Wareneingänge systematisch prüfen
  • artspezifische Pheromonüberwachung einsetzen
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Getreidemotte Befall?

Professionelle Bekämpfung

In der professionellen Praxis werden Befallsherde dokumentiert und kombiniert behandelt, typischerweise mit:

  • gezieltem Monitoring (artspezifische Pheromone)
  • thermischen Verfahren (Hitze/Kälte)
  • kontrollierten Begasungsverfahren mit ausreichender Einwirkzeit
  • Nachkontrollen zur Sicherung des Sanierungserfolgs

Eigenmaßnahmen

  1. Befallene Vorräte aussortieren und entsorgen.
  2. Lagerbehälter und Schränke vollständig ausräumen und gründlich reinigen.
  3. Unauffällige Ware trocken und dicht verschlossen lagern.
  4. Bei erneutem Falterflug professionelle Diagnose veranlassen.

Getreidemotte: Häufig gestellte Fragen

Warum ist ein Befall oft erst spät sichtbar?

Weil sich die Larven im Korninneren entwickeln und äußere Schäden erst später deutlich werden.

Frisst der erwachsene Falter ebenfalls am Korn?

Nein. Der wirtschaftlich relevante Fraßschaden entsteht im Larvenstadium.

Ist starker Gespinstbefall typisch wie bei anderen Vorratsmotten?

Eher nicht. Die Getreidemotte bindet Ware in der Regel deutlich weniger stark mit Seide als viele andere Vorratsmotten.

Welche Bedingungen fördern den Befall besonders?

Warme Lagerbedingungen und ausreichend Kornfeuchte beschleunigen die Entwicklung deutlich.

Wann sollte ein Fachbetrieb eingeschaltet werden?

Bei wiederkehrendem Befall, größeren Lagermengen oder wenn die Befallsquelle trotz Reinigung unklar bleibt.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.