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Großer Kornbohrer (Prostephanus truncatus)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2026
Lesedauer: 10 Minuten
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Der Große Kornbohrer (Prostephanus truncatus) gehört wie der Getreidekapuziner (Rhizopertha dominica) zur Familie der Bohrkäfer (Bostrichidae) und zählt zu den gefährlichsten Vorratsschädlingen in tropischen und subtropischen Regionen. Die Art stammt ursprünglich aus Zentralamerika und Mexiko und wurde vermutlich Anfang der 1970er Jahre mit Importmais nach West- und Ostafrika verschleppt.

Der erste gesicherte Nachweis in Afrika liegt aus dem Jahr 1981 aus dem ostafrikanischen Tansania vor. Mit Mais-Importen aus Befallsregionen kann der Große Kornbohrer auch nach Mitteleuropa gelangen, wo er sich jedoch aufgrund der kühleren Temperaturen in der Regel nicht dauerhaft etablieren kann.

Aussehen: Wie sieht der Große Kornbohrer aus?

Erkennungsmerkmale

Der dunkelbraun gefärbte Große Kornbohrer erreicht eine Körperlänge von 2,2 bis 4,3 mm. Charakteristisch für die Art ist ihr walzenförmiger Körperbau. Das Halsschild (Pronotum) wölbt sich kapuzenförmig über den Kopf, was ein typisches Merkmal der Bohrkäfer ist.

Die Flügeldecken von Prostephanus truncatus sind stark punktiert und fallen am hinteren Ende steil ab, sodass sie von oben betrachtet wie waagerecht abgeschnitten erscheinen. Dieses Merkmal gab der Art auch ihren wissenschaftlichen Namen ("truncatus" = abgeschnitten). Die zehngliedrigen Fühler enden in einer dreigliedrigen Fühlerkeule.

Eier: Die Eier sind blass und oval geformt mit einer Länge von etwa 0,6 mm. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln in Maiskörnern ab.

Larven: Die hell gefärbten, C-förmig gekrümmten Larven erreichen vor der Verpuppung eine Länge von 4 bis 5 mm. Sie durchlaufen drei Larvenstadien und entwickeln sich innerhalb der Maiskörner.

Puppe: Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon, der aus Speichel und Fraßmehl geformt wird. Das Puppenstadium dauert 5 bis 6 Tage.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Der Große Kornbohrer kann mit dem Getreidekapuziner (Rhizopertha dominica) verwechselt werden, der ebenfalls zu den Bohrkäfern gehört:

MerkmalGroßer KornbohrerGetreidekapuziner
Größe2,2-4,3 mm2,5-3 mm
FlügeldeckenendeSteil abfallend, abgeschnittenAbgerundet
KörperformWalzenförmigWalzenförmig
HauptwirtMaisGetreide (Weizen, Reis)

Entwicklung und Lebenszyklus des Großen Kornbohrers

Entwicklungsstadien

Der Große Kornbohrer durchläuft eine vollständige Metamorphose mit vier Entwicklungsstadien: Ei, Larve, Puppe und adulter Käfer (Imago).

Ei: Die Weibchen legen ihre Eier einzeln in Maiskörnern ab, indem sie sich in das Korn einbohren.

Larve: Die Larven durchlaufen drei Larvenstadien und wachsen von etwa 0,4 mm bis auf 4-5 mm heran. Die gesamte Larvenentwicklung findet innerhalb der Maiskörner statt.

Puppe: Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Korn in einem Kokon aus Speichel und Fraßmehl.

Imago: Die erwachsenen Käfer bohren sich aus dem Korn heraus und können mehrere Monate leben.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungszeit ist stark temperatur- und feuchtigkeitsabhängig:

BedingungenEntwicklungsdauer (Ei bis Imago)
27-35°C, 60-80% rel. Luftfeuchtigkeitca. 30 Tage
30°C, 75% rel. LuftfeuchtigkeitEischlupf nach 5-6 Tagen
unter 20°C, 70% rel. Luftfeuchtigkeitüber 150 Tage (mehr als 5x länger)

Die optimale Entwicklung erfolgt bei Temperaturen zwischen 27 und 35°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60 bis 80%. Bei Temperaturen unter 20°C verlangsamt sich die Entwicklung drastisch.

Lebensweise und Verhalten von Großen Kornbohrern

Aktivitätsmuster

Der Große Kornbohrer ist vorwiegend nachtaktiv. Die Käfer sind flugfähig und können aktiv neue Befallsorte aufsuchen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vorratsschädlingen bohrt sich Prostephanus truncatus aktiv in intakte Maiskörner ein.

Nahrung und Ernährung

Der Große Kornbohrer ist ein typischer Primärschädling, der auch intakte Maiskörner befallen kann. Dies unterscheidet ihn von Sekundärschädlingen, die nur bereits beschädigtes Getreide nutzen können.

Hauptnahrung:

  • Mais und Maiskörner
  • Getrockneter Maniok (Kassava)

Materialschädling:Prostephanus truncatus tritt zudem als Materialschädling in Erscheinung, da sich die Käfer in mäßig harte Materialien wie Holz einbohren können.

Die adulten Käfer fressen weiterhin aktiv am Nahrungssubstrat. Durch die Fraßtätigkeit und das entstehende Fraßmehl wird der Befall mit Sekundärschädlingen wie der Mehlmilbe (Acarus siro) oder dem Rotbraunen Reismehlkäfer (Tribolium castaneum) erst möglich.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln in Bohrlöchern innerhalb der Maiskörner ab. Die Eiablage erfolgt direkt im Nahrungssubstrat, um den Larven optimale Entwicklungsbedingungen zu bieten.

Vermehrungsrate

Die Vermehrungskapazität des Großen Kornbohrers ist beträchtlich:

ParameterWert
Eier pro Weibchen300-500
Eischlupf (bei 30°C, 75% rel. Luftfeuchtigkeit)5-6 Tage
Lebensdauer Imagomehrere Monate

Unter günstigen Bedingungen können mehrere Generationen pro Jahr entstehen.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Die Heimat des Großen Kornbohrers liegt ursprünglich in Zentralamerika und Mexiko. Von dort aus wurde Prostephanus truncatus vermutlich Anfang der 1970er Jahre mit Importmais nach West- und Ostafrika verschleppt. Der erste gesicherte Nachweis in Afrika stammt aus dem Jahr 1981 aus Tansania, ein weiterer aus dem Jahr 1984 aus Togo.

Mittlerweile ist der Große Kornbohrer in weiten Teilen Afrikas verbreitet und verursacht dort erhebliche wirtschaftliche Schäden. In Kenia wurden die jährlichen Schäden auf etwa 33 Millionen DM (ca. 17 Millionen Euro) geschätzt (Pierce & Schmidt, 1992).

Verbreitung in/an Gebäuden

In Mitteleuropa tritt der Große Kornbohrer gelegentlich als Importschädling auf:

  • Getreidesilos und Lagerhäuser mit Importmais
  • Lebensmittelverarbeitende Betriebe
  • Futtermittellager

Eine dauerhafte Etablierung ist aufgrund der kühleren Temperaturen in Mitteleuropa unwahrscheinlich, jedoch kann der Schädling in beheizten Lagerräumen überleben.

Bedeutung des Schädlings Prostephanus truncatus

Schadwirkung

Der Große Kornbohrer verursacht sowohl quantitative als auch qualitative Schäden:

Fraßschäden:

  • Zerstörung intakter Maiskörner durch Bohrfraß
  • Gewichtsverluste von 30% und mehr bei schwerem Befall
  • Zerstörung der Keimfähigkeit

Kontamination:

  • Verunreinigung durch Kot und Häutungsreste
  • Großmengen Fraßmehl (Bohrmehl)
  • Förderung von Sekundärbefall durch Milben und andere Käfer

Wirtschaftliche Schäden

In den Befallsgebieten Afrikas gehört der Große Kornbohrer zu den bedeutendsten Vorratsschädlingen:

  • In Kenia wurden jährliche Schäden auf ca. 33 Millionen DM (ca. 17 Millionen Euro) geschätzt (Pierce & Schmidt, 1992)
  • Gewichtsverluste können bei schwerem Befall über 30% betragen
  • Vernichtung von Saatgut durch Zerstörung der Keimfähigkeit

Befallene Lebensmittel

Der Große Kornbohrer befällt hauptsächlich:

  • Mais (Hauptwirt)
  • Getrockneten Maniok (Kassava)
  • Gelegentlich anderes Getreide

Lagerschäden

Neben den direkten Fraßschäden entstehen weitere Probleme:

  • Massive Produktion von Fraßmehl
  • Erhöhte Feuchtigkeit durch Stoffwechselvorgänge
  • Förderung von Schimmelbildung
  • Ansiedlung von Sekundärschädlingen


Gesundheitliche Risiken bei einem Großen Kornbohrer Befall

Direkte Gefahren

Der Große Kornbohrer beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheiten. Von den Käfern selbst geht keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus.

Indirekte Folgen

Befallene Lebensmittel sollten nicht verzehrt werden, da sie kontaminiert sind durch:

  • Kot der Larven und Käfer
  • Häutungsreste
  • Käferkadaver
  • Fraßmehl

Bei empfindlichen Personen können diese Kontaminationen allergische Reaktionen auslösen. Zudem fördert der Befall sekundär Schimmelbildung und Milbenbefall.

Großer Kornbohrer Befall erkennen

Befallsanzeichen

Frühe Anzeichen:

  • Runde Bohrlöcher (ca. 2 mm Durchmesser) in Maiskörnern
  • Feines Fraßmehl (Bohrmehl) zwischen den Körnern
  • Lebende Käfer in gelagertem Mais

Fortgeschrittener Befall:

  • Große Mengen Fraßmehl
  • Stark durchlöcherte Maiskörner
  • Anwesenheit von Sekundärschädlingen (Milben, Reismehlkäfer)
  • Erwärmung des Lagerguts
Großer Kornbohrer (Prostephanus truncatus) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

SpurenartBeschreibung
BohrlöcherRunde Löcher (ca. 2 mm) in Maiskörnern
FraßmehlFeines, mehlartiges Bohrmehl
KotKleine, körnige Kotkrümel
HohlkörnerVollständig ausgefressene Maiskörner

Vorbeugende Maßnahmen

Die Vorbeugung eines Befalls mit dem Großen Kornbohrer ist besonders bei Importen aus Befallsgebieten wichtig:

Wareneingangskontrolle:

  • Gründliche Inspektion von Mais-Importen aus Afrika und Zentralamerika
  • Kontrolle auf Bohrlöcher und Fraßmehl
  • Einsatz von Pheromonfallen zur Befallsüberwachung

Lagerbedingungen:

  • Kühle und trockene Lagerung (unter 20°C hemmt die Entwicklung)
  • Niedrige Luftfeuchtigkeit
  • Regelmäßige Kontrolle der Lagerbestände

Hygiene:

  • Sauberkeit in Lagerräumen
  • Entfernung von Altbeständen und Rückständen
  • Abdichtung von Ritzen und Spalten
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Großen Kornbohrer Befall?

Professionelle Bekämpfung

Bei Befall mit dem Großen Kornbohrer sollte ein professioneller Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden:

Begasung:

  • Begasung mit Phosphin (PH₃) in gasdichten Silos oder Containern
  • Begasung mit Kohlendioxid (CO₂) oder Stickstoff (N₂)
  • Ausreichend lange Einwirkzeit zur Abtötung aller Entwicklungsstadien

Kontaktinsektizide:

  • Behandlung leerer Lagerräume mit Pyrethroiden
  • Einsatz von amorphem Silikatstaub (Kieselgur)

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Biologische Bekämpfung:In Afrika werden Versuche mit dem natürlichen Feind Teretrius nigrescens durchgeführt, einem räuberischen Käfer, der die Larven des Großen Kornbohrers frisst.

Eigenmaßnahmen

Befallenes Material entsorgen:

  • Stark befallener Mais sollte vernichtet werden
  • Entsorgung in verschlossenen Beuteln

Physikalische Maßnahmen:

  • Kühllagerung unter 15°C stoppt die Entwicklung
  • Erhitzen auf über 50°C für mehrere Stunden

Reinigung:

  • Gründliche Reinigung der Lagerräume
  • Entfernung von Fraßmehl und Rückständen
  • Aussaugen aller Ritzen und Spalten

Großer Kornbohrer: Häufig gestellte Fragen

Kommt der Große Kornbohrer in Deutschland vor?

Der Große Kornbohrer kommt in Deutschland nicht natürlich vor, da er auf tropische und subtropische Temperaturen angewiesen ist. Gelegentlich wird er jedoch mit Mais-Importen aus Afrika oder Zentralamerika eingeschleppt. Eine dauerhafte Etablierung ist aufgrund der kühleren Temperaturen unwahrscheinlich.

Warum ist der Große Kornbohrer so gefährlich?

Der Große Kornbohrer ist ein Primärschädling, der im Gegensatz zu vielen anderen Vorratsschädlingen auch intakte Maiskörner befallen kann. Er bohrt sich aktiv in die Körner ein, was zu massiven Gewichtsverlusten von über 30% führen kann. Zudem fördert sein Befall die Ansiedlung von Sekundärschädlingen.

Wie erkenne ich einen Befall mit dem Großen Kornbohrer?

Typische Anzeichen sind runde Bohrlöcher (ca. 2 mm Durchmesser) in Maiskörnern und die Anwesenheit von feinem Fraßmehl zwischen den Körnern. Bei starkem Befall sind auch die walzenförmigen, dunkelbraunen Käfer (2,2-4,3 mm) selbst sichtbar.

Welche Temperaturen verträgt der Große Kornbohrer?

Der Große Kornbohrer benötigt Temperaturen von mindestens 20°C für seine Entwicklung. Optimal sind Temperaturen zwischen 27 und 35°C bei 60-80% relativer Luftfeuchtigkeit. Bei unter 20°C verlangsamt sich die Entwicklung drastisch um mehr als das Fünffache.

Kann der Große Kornbohrer auch Holz befallen?

Ja, Prostephanus truncatus kann sich auch in mäßig harte Materialien wie Holz einbohren. Er tritt daher gelegentlich auch als Materialschädling in Erscheinung, sein Hauptschadpotenzial liegt jedoch im Befall von Mais und getrocknetem Maniok.

Wie kann ich mich vor dem Großen Kornbohrer schützen?

Bei Mais-Importen aus Befallsgebieten (Afrika, Zentralamerika) sollte das Material gründlich kontrolliert werden. Kühle und trockene Lagerung unter 20°C verhindert die Vermehrung. Bei Verdacht auf Befall sollte professionelle Hilfe hinzugezogen werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen


Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.