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Großer Reismehlkäfer (Tribolium destructor)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2026
Lesedauer: 8 Minuten
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Der Große Reismehlkäfer (Tribolium destructor UYTTENBOOGAART, 1934) gehört zur Familie der Schwarzkäfer (Tenebrionidae) und ist ein weltweit verbreiteter Vorratsschädling. Ursprünglich stammt die Art vermutlich aus Indien und wurde erst 1934 in Deutschland anhand von Exemplaren aus einer Veilchensamenpartie wissenschaftlich beschrieben.

Heute ist der Große Reismehlkäfer besonders in nordeuropäischen Ländern wie Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden ein häufiger Vorratsschädling, während er in anderen Ländern weniger bekannt ist. In Europa tritt er hauptsächlich in Mühlen, Bäckereien und Haushalten auf. Eine besondere Bedeutung hat dieser Schädling durch die von ihm abgegebenen Chinone, denen eine krebserregende Wirkung zugeschrieben wird.

Aussehen: Wie sieht der Große Reismehlkäfer aus?

Erkennungsmerkmale

Der Große Reismehlkäfer erreicht eine Körperlänge von bis zu 5,5 Millimetern und eine Breite von maximal 1,5 Millimetern. Im Vergleich zu anderen Reismehlkäfer-Arten ist er damit der größte Vertreter der Gattung Tribolium.

Charakteristische Merkmale:

  • Relativ schlanker Habitus
  • Kastanien- bis dunkelbraune Körperfärbung
  • Stark glänzende Körperoberfläche
  • Rötlichbraune Mundwerkzeuge und Beine
  • Fühler aus elf Gliedern, zur Spitze hin verdickt (Fühlerkeule)

Larven:

  • Lang gestreckte, zylindrische Form
  • Können bis zu 10 mm lang werden
  • Gelblich-weiß bis bräunlich gefärbt

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

In Mitteleuropa kommen vier Tribolium-Arten vor, die sich wie folgt unterscheiden:

ArtGrößeFärbungMerkmale
Großer Reismehlkäfer (T. destructor)bis 5,5 mmKastanien- bis dunkelbraunGrößte Art, stark glänzend
Amerikanischer Reismehlkäfer (T. confusum)3–4 mmRotbraunFühlerkeule weniger abgesetzt
Rotbrauner Reismehlkäfer (T. castaneum)3–4 mmRotbraunDeutlich abgesetzte Fühlerkeule
Schwarzer Reismehlkäfer (T. madens)4–5 mmSchwarz bis schwarzbraunDunkler, matter

Entwicklung und Lebenszyklus des Großen Reismehlkäfers

Entwicklungsstadien

Der Große Reismehlkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose:

  1. Ei: Ablage einzeln im Nahrungssubstrat
  2. Larve: Durchläuft bis zu 12 Häutungen
  3. Puppe: Verpuppung erfolgt im Nahrungssubstrat
  4. Imago: Ausgewachsener Käfer, sehr langlebig

Entwicklungsdauer

Die Entwicklung ist stark temperatur- und feuchtigkeitsabhängig:

BedingungenEidauerGesamtentwicklung
Optimale Bedingungen (über 30 °C, 70 % rF)3–14 Tageca. 4 Wochen
Standardbedingungen (25 °C, 75 % rF)ca. 44 Tage
Suboptimale Bedingungen3–4 Monate

Besonderheit: Die adulten Käfer sind außergewöhnlich langlebig. Unter günstigen Laborbedingungen können sie bis zu eineinhalb Jahre alt werden, bei niedrigeren Temperaturen (15–20 °C) sogar bis zu vier Jahre.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Eizahl pro Weibchenmehrere Hundert bis Tausend
Durchschnittlichca. 300 Eier pro Weibchen
Generationen pro Jahrmehrere (bei günstigen Bedingungen)

Lebensweise und Verhalten von Großen Reismehlkäfern

Aktivitätsmuster

Der Große Reismehlkäfer ist vorwiegend nachtaktiv und lichtscheu. Tagsüber versteckt er sich im Nahrungssubstrat oder in Ritzen und Spalten. Die Käfer können nicht fliegen.

Nahrung und Ernährung

Der Große Reismehlkäfer kann sich nicht von intakten Getreidekörnern ernähren (Ausnahme: Mais). Er ist auf bereits beschädigtes oder verarbeitetes Getreide angewiesen.

Bevorzugte Nahrung:

  • Bruchgetreide (Reis, Weizen, Hafer)
  • Mais
  • Weizenkleie
  • Mehl und Mehlprodukte

Weitere Nahrungsquellen:

  • Haselnüsse, Walnüsse, Erdnüsse, Mandeln
  • Backwaren
  • Kartoffelflocken
  • Nudeln
  • Hundekuchen
  • Vogelfutter
  • Kleie

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln im Nahrungssubstrat ab. Nach 3 bis 14 Tagen schlüpfen die Larven, die sich bis zu zwölfmal häuten, bevor sie sich im Nahrungssubstrat verpuppen.

Besondere Eigenschaften

Die außergewöhnliche Langlebigkeit der adulten Käfer (bis zu 4 Jahre unter günstigen Bedingungen) führt dazu, dass selbst kleine Populationen über lange Zeit bestehen bleiben können.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Verbreitung

Der Große Reismehlkäfer stammt ursprünglich vermutlich aus Indien. Heute ist er weltweit verbreitet, tritt aber besonders häufig in nordeuropäischen Ländern (Skandinavien) auf.

Verbreitung in/an Gebäuden

Typische Befallsorte in Europa sind:

  • Mühlen
  • Bäckereien
  • Lebensmittellager
  • Haushalte
  • Futtermittellager

Bedeutung des Schädlings Tribolium destructor

Schadwirkung

Der Große Reismehlkäfer verursacht verschiedene Arten von Schäden:

Direkter Fraßschaden:

  • Verzehr von Mehl, Getreide und anderen Vorräten
  • Qualitätsverlust der befallenen Waren

Kontamination:

  • Verunreinigung durch Käferkot
  • Staubfeines Fraßmehl der Schädlinge
  • Besonders bedeutsam: Abgabe von Chinonen (Benzochinon und Methylbenzochinon)

Chinone und Gesundheitsrisiko

Eine besondere Bedeutung hat die Kontamination befallener Lebensmittel durch die von den Käfern abgegebenen Chinone. Diesen Substanzen wird eine krebserregende (carcinogene) Wirkung zugeschrieben. Die Chinone dienen den Käfern als Abwehrstoffe gegen Fressfeinde und werden bei Störung oder Stress vermehrt abgegeben.

Wirtschaftliche Schäden

Die wirtschaftlichen Schäden entstehen durch:

  • Vernichtung gelagerter Vorräte
  • Notwendige Entsorgung kontaminierter Ware
  • Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen
  • Produktionsausfälle in Bäckereien und Mühlen

Befallene Lebensmittel

Tribolium destructor befällt:

  • Reismehl und Weizenmehl
  • Bruchgetreide (Reis, Weizen, Hafer)
  • Mais (auch intakte Körner)
  • Kleie und Grieß
  • Backwaren und Nudeln
  • Nüsse (Haselnüsse, Walnüsse, Erdnüsse, Mandeln)
  • Tierfutter (Hundekuchen, Vogelfutter)
  • Kartoffelflocken

Lagerschäden

Die Schäden manifestieren sich durch:

  • Fraßspuren und Fraßmehl in befallenen Produkten
  • Kot und Larvenhäute
  • Unangenehmer Geruch bei starkem Befall (durch Chinone)
  • Qualitätsverlust und Unverkäuflichkeit


Gesundheitliche Risiken bei einem Großen Reismehlkäfer Befall

Direkte Gefahren

Der Große Reismehlkäfer beißt nicht und sticht nicht. Eine direkte Gefährdung durch den Käfer selbst besteht nicht.

Indirekte Folgen

Chinon-Kontamination:Die von den Käfern abgegebenen Chinone (Benzochinon und Methylbenzochinon) gelten als potenziell krebserregend. Befallene Lebensmittel sollten daher keinesfalls verzehrt werden.

Weitere Risiken:

  • Allergische Reaktionen durch Kot und Häutungsreste
  • Hygienische Kontamination der Vorräte
  • Verderb befallener Lebensmittel

Großer Reismehlkäfer Befall erkennen

Befallsanzeichen

Einen Befall mit dem Großen Reismehlkäfer erkennt man an:

  • Lebenden Käfern in Mehl, Getreide oder anderen Vorräten
  • Charakteristische langgestreckte Larven (bis 10 mm)
  • Fraßmehl und Kotkrümel in befallenen Produkten
  • Unangenehmer, leicht stechender Geruch (durch Chinone)
  • Verklumpungen in mehlhaltigen Produkten
Großer Reismehlkäfer (Tribolium destructor) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

Typische Schadensspuren umfassen:

  • Fraßgänge in Backwaren
  • Verunreinigtes, krümeliges Mehl
  • Larvenhäute in befallenen Vorräten
  • Bräunliche Verfärbungen durch Chinonabgabe

Vorbeugende Maßnahmen

Zur Vorbeugung gegen den Großen Reismehlkäfer empfehlen sich:

Lagerung:

  • Mehl und Getreide trocken und kühl lagern
  • Vorräte in luftdichten Behältern aufbewahren
  • Kurze Lagerdauer anstreben (First-in-First-out)
  • Regelmäßige Kontrolle der Bestände

Hygiene:

  • Lagerräume sauber halten
  • Mehlstaub und Reste regelmäßig entfernen
  • Ritzen und Spalten abdichten
  • Regelmäßige Reinigung von Mühlen und Bäckereien

Monitoring:

  • Pheromonfallen zur Überwachung einsetzen
  • Wareneingangskontrollen durchführen
  • Regelmäßige Inspektion der Lagerbestände
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Großen Reismehlkäfer Befall?

Professionelle Bekämpfung

Für die professionelle Bekämpfung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

Begasung:

  • Kohlendioxid (CO₂)
  • Phosphorwasserstoff (Phosphin)

Diese gasförmigen Insektizide werden zur Behandlung befallener, abgepackter Vorräte eingesetzt.

Thermische Verfahren:Der Einsatz hoher Temperaturen ist eine gängige Methode im Vorratsschutz:

  • 60 °C für eine Stunde führt zum vollständigen Absterben aller Entwicklungsstadien
  • Heißluftanwendung in Mühlen und Bäckereien

Leerraumentwesung:

  • Präparate auf Pyrethrin-Basis
  • Kieselgur (Diatomeenerde)

Eigenmaßnahmen

Bei geringem Befall im Haushalt:

  1. Befallsherd lokalisieren: Alle Mehl- und Getreidevorräte systematisch durchsuchen
  2. Entsorgung: Befallene Produkte in verschlossenen Tüten im Hausmüll entsorgen
  3. Kältebehandlung: Verdächtige Waren bei -18 °C für mindestens 72 Stunden einfrieren
  4. Wärmebehandlung: Alternativ bei 60 °C für eine Stunde im Backofen behandeln
  5. Gründliche Reinigung: Vorratsschränke aussaugen und feucht auswischen
  6. Luftdichte Lagerung: Neue Vorräte nur in verschlossenen Behältern aufbewahren

Großer Reismehlkäfer: Häufig gestellte Fragen

Ist der Große Reismehlkäfer gefährlich?

Der Käfer selbst ist nicht direkt gefährlich, da er nicht beißt oder sticht. Allerdings geben die Käfer Chinone ab, die als potenziell krebserregend gelten. Befallene Lebensmittel sollten daher keinesfalls verzehrt werden.

Wie erkenne ich den Großen Reismehlkäfer?

Der Große Reismehlkäfer ist bis zu 5,5 mm lang und damit der größte Vertreter seiner Gattung. Er ist kastanien- bis dunkelbraun gefärbt und hat eine stark glänzende Körperoberfläche.

Wie unterscheidet sich der Große Reismehlkäfer von anderen Reismehlkäfern?

Er ist mit bis zu 5,5 mm deutlich größer als der Amerikanische oder Rotbraune Reismehlkäfer (beide 3–4 mm). Zudem ist er dunkler gefärbt und hat einen stärker glänzenden Körper.

Wie lange lebt ein Großer Reismehlkäfer?

Unter günstigen Bedingungen können adulte Käfer bis zu eineinhalb Jahre alt werden. Bei niedrigeren Temperaturen (15–20 °C) ist sogar eine Lebensdauer von bis zu vier Jahren möglich.

Was sind die Chinone beim Reismehlkäfer?

Chinone (Benzochinon und Methylbenzochinon) sind Abwehrstoffe, die der Käfer bei Störung abgibt. Sie haben einen unangenehmen Geruch und gelten als potenziell krebserregend, weshalb befallene Lebensmittel entsorgt werden sollten.

Kann der Große Reismehlkäfer fliegen?

Nein, der Große Reismehlkäfer ist flugunfähig. Er verbreitet sich hauptsächlich über befallene Waren.

Welche Temperaturen töten den Großen Reismehlkäfer?

Eine Behandlung bei 60 °C für eine Stunde tötet alle Entwicklungsstadien zuverlässig ab. Auch Einfrieren bei -18 °C für mehrere Tage ist wirksam.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.