Der Getreideplattkäfer (Oryzaephilus surinamensis) gehört zur Familie der Plattkäfer (Silvanidae) und zählt weltweit zu den bedeutendsten Vorratsschädlingen. Sein stark abgeflachter Körper ermöglicht es ihm, auch in kleinste Spalten und Ritzen einzudringen sowie durch winzige Öffnungen in verpackte Lebensmittel zu gelangen.
- Aussehen: Wie sieht der Getreideplattkäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Getreideplattkäfers
- Lebensweise und Verhalten von Getreideplattkäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Oryzaephilus surinamensis
- Gesundheitliche Risiken bei einem Getreideplattkäfer Befall
- Getreideplattkäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Getreideplattkäfer Befall?
- Getreideplattkäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
In Deutschland tritt der Getreideplattkäfer häufig in Privathaushalten, Lebensmittelbetrieben und Getreidelagern auf. Die Art kann sich unter optimalen Bedingungen rasant vermehren – eine Population kann innerhalb von sechs Wochen um das 70- bis 100-fache anwachsen.
Aussehen: Wie sieht der Getreideplattkäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Der schmale Getreideplattkäfer erreicht eine Körperlänge von 2,2 bis 3,3 mm und weist einen dorsoventral (von oben nach unten) stark abgeflachten Körperbau auf. Die Körperfärbung ist graubraun.
Das charakteristischste Erkennungsmerkmal ist die Form des Halsschildes (Pronotum): Auf beiden Seiten befinden sich jeweils sechs vorspringende, etwa gleich große und spitze Zähnchen, die an eine Säge erinnern. Zusätzlich verlaufen drei Längsleisten auf dem Halsschild.
Die Fühler sind elfgliedrig und etwa halb so lang wie der Körper. Die Flügeldecken weisen feine Längsrillen auf.
Larvenstadium: Die Larven sind gelblich-weiß mit braunem Kopf. Sie sind langgestreckt und erreichen eine Länge von etwa 3 mm. Sie bewegen sich frei im Substrat.
Puppenstadium: Die Verpuppung erfolgt in lockeren, kokonartigen Gebilden aus Nahrungspartikeln.
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Der Getreideplattkäfer wird häufig mit dem eng verwandten Erdnussplattkäfer (Oryzaephilus mercator) verwechselt:
| Merkmal | Getreideplattkäfer | Erdnussplattkäfer |
|---|---|---|
| Größe | 2,2-3,3 mm | 3-4 mm |
| Kopfform | Eher dreieckig | Rechteckiger |
| Augengröße | Kleiner | Größer (Augendurchmesser > Schläfenregion) |
| Schläfenzahn | Länger als halbe Augenlänge | Kürzer als halbe Augenlänge |
| Bevorzugte Nahrung | Getreideprodukte | Ölhaltige Produkte |
| Kältetoleranz | Höher | Niedriger |
| Flugfähigkeit | Flugunfähig | Flugfähig |
Entwicklung und Lebenszyklus des Getreideplattkäfers
Entwicklungsstadien
Der Getreideplattkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose:
Ei: Das Weibchen nutzt eine lange Legeröhre, um die Eier einzeln direkt im Brutsubstrat zu platzieren. Die Eier sind winzig, schlank und weißlich.
Larve: Nach dem Schlupf bewegen sich die Larven frei im Substrat und fressen an beschädigtem oder gemahlenem Getreide. Sie durchlaufen zwei bis fünf (meist drei) Larvenstadien.
Puppe: Die Larven bauen kokonartige Gebilde aus Nahrungspartikeln, in denen die Verpuppung stattfindet. Die Puppenruhe dauert etwa eine Woche.
Imago (adulter Käfer): Die adulten Käfer können bis zu drei Jahre alt werden.
Entwicklungsdauer
Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist stark temperaturabhängig:
| Bedingungen | Entwicklungsdauer (Ei bis Käfer) |
|---|---|
| Optimal (31-35°C, 70-80% r.F.) | 20-25 Tage |
| 80-85°F (27-29°C) | ca. 25 Tage |
| Temperaturabhängig | 20-80 Tage |
Detaillierte Stadiendauer unter optimalen Bedingungen:
- Eistadium: 3-5 Tage
- Larvenstadium: ca. 2 Wochen
- Puppenstadium: ca. 1 Woche
- Lebensdauer adulte Käfer: 6-10 Monate, bis zu 3 Jahre
Temperaturanforderungen:
- Optimale Entwicklung: 31-35°C bei 70-80 % relativer Luftfeuchtigkeit
- Dieser kurze Entwicklungszyklus ermöglicht unter optimalen Bedingungen eine Vermehrung um den Faktor 70 bis 100 innerhalb von sechs Wochen
Lebensweise und Verhalten von Getreideplattkäfern
Aktivitätsmuster
Der Getreideplattkäfer ist weltweit verbreitet und einer der am häufigsten anzutreffenden Vorratsschädlinge. Sein stark abgeflachter Körper ermöglicht es ihm, durch kleinste Öffnungen auch in verpackte Ware einzudringen.
Die Larven können durch winzige Spalten in Verpackungen eindringen und befallen so auch scheinbar geschützte Produkte.
Nahrung und Ernährung
Sowohl die Larven als auch die adulten Käfer ernähren sich von einer Vielzahl von Getreideprodukten und anderen kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln. Der Getreideplattkäfer ist auf angefressenes, beschädigtes oder bereits gemahlenes Getreide angewiesen – intakte Körner kann er nicht befallen.
Bevorzugte Nahrungsquellen:
- Getreideprodukte: Mehl, Müsli, Graupen
- Kekse und Backwaren
- Ölhaltige Samen
- Getrocknetes Obst, Rosinen
Hinweis: Der Getreideplattkäfer befällt keine unbeschädigten, ganzen Getreidekörner.
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Das Weibchen verfügt über eine lange Legeröhre (Ovipositor), mit der es täglich bis zu zehn Eier einzeln direkt im Brutsubstrat platziert.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eier pro Tag | bis zu 10 |
| Eier pro Weibchen (Lebenszeit) | bis zu 500 |
| Vermehrungsfaktor (6 Wochen, optimal) | 70-100-fach |
| Lebensdauer adulte Käfer | 6-10 Monate, bis zu 3 Jahre |
Unter optimalen Bedingungen kann sich eine Population innerhalb von sechs Wochen um das 70- bis 100-fache vermehren.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Der Getreideplattkäfer ist mittlerweile weltweit verbreitet und kommt in allen Klimazonen vor, in denen gelagerte Lebensmittel verfügbar sind.
Verbreitung in/an Gebäuden
In Deutschland tritt der Getreideplattkäfer in folgenden Bereichen auf:
- Gewerbliche Anlagen: Mühlen, Bäckereien, Lebensmittellager, Supermärkte
- Lebensmittelindustrie: Produktion und Verpackung
- Privathaushalte: Vorratsschränke, Speisekammern
Der abgeflachte Körperbau ermöglicht das Eindringen in kleinste Spalten und Ritzen.
Bedeutung des Schädlings Oryzaephilus surinamensis
Schadwirkung
Der Getreideplattkäfer zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Vorratsschädlingen weltweit:
- Direkter Fraß: Zerstörung von Getreide und Getreideprodukten
- Kontamination: Verunreinigung durch Kotpartikel, leere Larven- und Puppenhüllen sowie Fraßmehl
- Wärmeentwicklung: Bei starker Vermehrung entstehen sogenannte "Nester" mit lokaler Erwärmung
- Sekundärschäden: Erhöhte Feuchtigkeit durch Stoffwechselaktivität begünstigt Schimmelbildung und Milbenbefall
Befallene Lebensmittel
Der Getreideplattkäfer befällt vorwiegend:
- Getreideprodukte: Mehl, Müsli, Graupen, Grieß
- Backwaren: Kekse, Zwieback
- Ölhaltige Samen
- Getrocknetes Obst und Rosinen
- Schokolade, Süßwaren
- Gewürze, Tabak
Wichtig: Der Käfer befällt keine unbeschädigten, ganzen Körner, sondern ist auf beschädigtes oder gemahlenes Getreide angewiesen.
Lagerschäden
| Befallsgrad | Schadensumfang |
|---|---|
| Leichter Befall | Vereinzelte Fraßschäden, Kontamination |
| Mittlerer Befall | Nesterbildung, lokale Erwärmung |
| Starker Befall | Massive Kontamination, Schimmelbildung, Milbenbefall |
Bei starker Vermehrung bilden sich im Lagergut sogenannte "Nester", wobei es lokal zu einer Erwärmung der befallenen Ware kommt. Die erhöhte Stoffwechselaktivität führt zu einer Feuchtigkeitszunahme, die Schimmelpilzwachstum und einen explosionsartigen Anstieg der Milbenpopulation begünstigt.
Wirtschaftliche Schäden
Als einer der häufigsten Vorratsschädlinge verursacht der Getreideplattkäfer weltweit erhebliche wirtschaftliche Verluste in der Lebensmittelindustrie und im Einzelhandel.
Gesundheitliche Risiken bei einem Getreideplattkäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Getreideplattkäfer stellt keine direkte Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. Er beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheiten.
Indirekte Folgen
Die gesundheitlichen Risiken ergeben sich aus der Kontamination von Lebensmitteln:
- Verunreinigung: Kotpartikel, Häutungsreste, Fraßmehl und Kadaver im Lagergut
- Schimmelbildung: Begünstigt durch erhöhte Feuchtigkeit bei starkem Befall
- Milbenbefall: Sekundärbefall durch Vorratsmilben
- Hygienemängel: Befallene Lebensmittel sind für den Verzehr ungeeignet
Getreideplattkäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
Ein Getreideplattkäferbefall lässt sich an folgenden Anzeichen erkennen:
- Lebende Käfer: Kleine, flache, graubraune Käfer in Lebensmitteln
- Charakteristische Zähnchen: Sechs sägeartige Zähne auf jeder Seite des Halsschildes
- Larven: Gelblich-weiße, bewegliche Larven im Substrat
- Fraßspuren: Mehlstaub und Fraßreste
Schadensspuren
| Anzeichen | Beschreibung |
|---|---|
| Kontamination | Kotpartikel, Häutungsreste, Fraßmehl |
| Nester | Lokale Anhäufungen mit Wärmeentwicklung |
| Verklumpung | Durch Feuchtigkeit verklumptes Mehl oder Getreide |
| Lebende Tiere | Flache, graubraune Käfer mit gezähntem Halsschild |
Wichtiger Hinweis: Aufgrund ihres abgeflachten Körpers können die Käfer auch in scheinbar intakt verpackten Produkten auftreten.
Vorbeugende Maßnahmen
Eine effektive Prävention ist der beste Schutz:
Lagerhaltung
- Kühle Lagerung: Temperaturen unter 20°C verlangsamen die Entwicklung
- Trockene Lagerung: Niedrige Luftfeuchtigkeit erschwert die Vermehrung
- Sauberkeit: Gründliche Reinigung von Lagerbehältern und -räumen
- Kontrolle: Regelmäßige Inspektion der Vorräte
Im Privathaushalt
- Lebensmittel in dicht schließenden Behältern (Glas, Kunststoff mit Gummidichtung) aufbewahren
- Vorräte regelmäßig kontrollieren und rotieren (First-in-First-out)
- Nur benötigte Mengen einkaufen
- Ritzen und Spalten in Vorratsschränken abdichten
Im gewerblichen Bereich
- Gründliche Reinigung der Lagereinrichtungen vor Neubefüllung
- Regelmäßiges Monitoring mit Pheromonfallen
- Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle
- Behandlung leerer Lager mit Kieselgur (Diatomeenerde)
Bekämpfung: Was hilft bei einem Getreideplattkäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
Im gewerblichen Bereich stehen verschiedene professionelle Bekämpfungsmethoden zur Verfügung:
Begasung:
- Phosphorwasserstoff (Phosphin) – für befallenes Lagergut in lebensmittelverarbeitenden Betrieben
Kontaktinsektizide:
- Pyrethrum im Nebelverfahren zur Leerraumentwesung
Alternative Methoden:
- Diatomeenerde (Kieselgur): Präparate mit 90 % SiO2-Anteil führten im Test innerhalb von sieben Tagen zum vollständigen Absterben aller adulten Getreideplattkäfer
- Thermische Behandlung: Kälte- oder Wärmebehandlung
Biologische Bekämpfung:
- Cephalonomia tarsalis – eine Schlupfwespenart, die ausschließlich den Getreideplattkäfer und den verwandten Erdnussplattkäfer parasitiert
Eigenmaßnahmen
Im Privathaushalt können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Befallene Produkte entsorgen: Vollständige Entsorgung aller befallenen Lebensmittel in verschlossenen Beuteln
- Gründliche Reinigung: Schränke und Regale aussaugen und feucht auswischen
- Tiefkühlung: Verdächtige Produkte für mindestens 6 Tage bei -18°C einfrieren
- Umverpacken: Alle Vorräte in dicht schließende Behälter umfüllen
- Monitoring: Klebefallen zur Befallskontrolle aufstellen
Getreideplattkäfer: Häufig gestellte Fragen
Wie gefährlich ist der Getreideplattkäfer?
Der Getreideplattkäfer ist für den Menschen nicht direkt gefährlich – er beißt oder sticht nicht. Die Gefahr besteht in der Kontamination und Zerstörung von Lebensmitteln. Befallene Produkte sollten nicht mehr verzehrt werden.
Wie unterscheide ich den Getreideplattkäfer vom Erdnussplattkäfer?
Die beiden Arten sind sehr ähnlich. Der Getreideplattkäfer (2,2-3,3 mm) hat kleinere Augen und einen eher dreieckigen Kopf, während der Erdnussplattkäfer (3-4 mm) größere Augen hat, deren Durchmesser die Schläfenregion übersteigt. Zudem bevorzugt der Erdnussplattkäfer ölhaltige Produkte.
Kann der Getreideplattkäfer fliegen?
Der Getreideplattkäfer ist nicht flugfähig. Die Verbreitung erfolgt durch Kriechen oder passiven Transport mit befallenen Waren. Sein flacher Körperbau ermöglicht es ihm jedoch, durch kleinste Öffnungen zu gelangen.
Wie lange leben Getreideplattkäfer?
Adulte Getreideplattkäfer leben typischerweise 6 bis 10 Monate, können aber unter günstigen Bedingungen bis zu drei Jahre alt werden.
Warum finde ich Getreideplattkäfer in verschlossenen Verpackungen?
Der extrem flache Körperbau ermöglicht es den Larven und Käfern, durch winzigste Öffnungen in Verpackungen einzudringen. Selbst scheinbar intakte Verpackungen bieten daher keinen vollständigen Schutz.
Bei welcher Temperatur sterben Getreideplattkäfer?
Alle Entwicklungsstadien des Getreideplattkäfers können durch Tiefkühlung bei -18°C für mindestens 6 Tage oder durch Erhitzen abgetötet werden. Temperaturen unter 20°C verlangsamen die Entwicklung erheblich.
Welche Lebensmittel befällt der Getreideplattkäfer?
Der Getreideplattkäfer befällt Mehl, Müsli, Kekse, Graupen, Reis, getrocknetes Obst, Rosinen, ölhaltige Samen, Schokolade und viele weitere Trockenprodukte. Er kann jedoch keine unbeschädigten, ganzen Getreidekörner befallen.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/kaefer/getreideplattkaefer-oryzaephilus-surinamensis/
Internationale wissenschaftliche Quellen
- Purdue University Extension: https://extension.entm.purdue.edu/publications/E-228/E-228.html
- Penn State Extension: Sawtoothed and Merchant Grain Beetle