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Kornkäfer (Sitophilus granarius)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 02. März 2026
Lesedauer: 16 Minuten
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Der Kornkäfer (Sitophilus granarius) gehört zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) innerhalb der Ordnung der Käfer (Coleoptera). Mit einer Körperlänge von 3 bis 5 mm zählt er weltweit zu den bedeutendsten Vorratsschädlingen in Getreidelagern. Die Art befällt vorwiegend ganzes Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Mais, wobei sich die gesamte Larvenentwicklung im Inneren des Getreidekorns vollzieht.

Der Kornkäfer ist flugunfähig, da seine Flügeldecken miteinander verwachsen sind. Dadurch kann er sich nur laufend ausbreiten und gelangt vorwiegend durch befallenes Getreide in neue Lager und Privathaushalte. Unter günstigen Bedingungen (25-29 °C) beträgt die Entwicklungsdauer vom Ei bis zum fertigen Käfer etwa 29 bis 34 Tage. Bei kühleren Temperaturen kann die Entwicklung bis zu 5 Monate dauern. Adulte Kornkäfer erreichen eine Lebensdauer von 5 bis 12 Monaten bei 20-30 °C und können bei niedrigen Temperaturen um 10 °C sogar über 2 Jahre alt werden.

Aussehen: Wie sieht der Kornkäfer aus?

Erkennungsmerkmale

Der Kornkäfer erreicht eine Körperlänge von 3 bis 5 mm. Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) geben einen etwas engeren Bereich von 3,8 bis 5,1 mm an. Charakteristisch für alle Rüsselkäfer ist der rüsselförmig verlängerte Kopf, an dessen Ende sich die Mundwerkzeuge befinden. Die Fühler sind rechtwinklig gebogen (gekniet) und kaum länger als der Rüssel.

Die Körperfärbung variiert je nach Alter des Käfers: Frisch geschlüpfte Exemplare sind hell- bis rotbraun gefärbt, mit zunehmendem Alter dunkeln sie zu dunkelbraun bis schwarzbraun nach. Die Körperoberfläche erscheint matt bis leicht glänzend. Auf den miteinander verwachsenen Flügeldecken (Elytren) verlaufen punktierte Längsstreifen. Da die Flügeldecken verwachsen sind, besitzt der Kornkäfer darunter keine funktionsfähigen Hinterflügel und ist daher flugunfähig.

Die Larven von Sitophilus granarius sind weißlich gefärbt mit einer hellbraunen Kopfkapsel, beinlos und tonnenförmig gekrümmt. Sie entwickeln sich vollständig im Inneren des Getreidekorns und sind daher von außen nicht sichtbar. Die Eier sind weißlich und oval mit einer Länge von 0,6 bis 0,8 mm.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Der Kornkäfer kann mit zwei verwandten Arten der Gattung Sitophilus verwechselt werden:

MerkmalKornkäfer (S. granarius)Reiskäfer (S. oryzae)Maiskäfer (S. zeamais)
Körperlänge3-5 mm2,5-4 mm2,5-4 mm
FärbungMatt dunkelbraun bis schwarzbraunRotbraun mit 4 hellen FleckenRotbraun mit 4 hellen Flecken
FlugfähigkeitFlugunfähigFlugfähigFlugfähig
Flügeldecken-MarkierungKeine4 gelb-orangebraune Flecken4 gelb-orangebraune Flecken
Eier pro Korn1Mehrere möglichMehrere möglich
AustrittslochGrob rechteckig, unebene RänderGlatt rundGlatt rund

Eine sichere Artbestimmung erfordert eine mikroskopische Untersuchung der Punktierung auf dem Halsschild: Beim Kornkäfer sind die Punkte oval und länglich gestreckt, beim Maiskäfer eher rund.

Entwicklung und Lebenszyklus des Kornkäfers

Entwicklungsstadien

Der Kornkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose (Holometabolie) mit folgenden Stadien:

  1. Ei: Das Weibchen bohrt mit dem Rüssel ein kleines Loch in die Schale eines Getreidekorns, legt ein einzelnes Ei hinein und verschließt die Öffnung mit einem Sekretpfropfen. Pro Getreidekorn wird nur ein Ei abgelegt.

  2. Larve (4 Stadien): Die schlüpfende Larve ist weißlich, beinlos und tonnenförmig. Sie durchläuft vier Larvenstadien (Häutungen) und frisst das Korninnere dabei nahezu vollständig aus. Die gesamte Larvenentwicklung findet im Inneren des Getreidekorns statt.

  3. Puppe: Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im ausgehöhlten Getreidekorn. Die Puppe ist zunächst weißlich und dunkelt während der Entwicklung nach.

  4. Adulter Käfer (Imago): Nach Abschluss der Puppenruhe nagt sich der fertige Käfer durch die Kornschale nach außen. Das dabei entstehende Austrittsloch ist charakteristisch grob rechteckig mit unebenen Rändern und größer als die glatten, runden Löcher verwandter Sitophilus-Arten.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist stark temperaturabhängig:

TemperaturEntwicklungsdauer (Ei bis Adult)Quelle
15 °C (11 % Kornfeuchte)ca. 6 MonateBayer CropScience
25-29 °C (optimal)ca. 34 TageAGES
27 °C29-34 TageInstitut für Schädlingskunde
Sommertemperaturen4-6 WochenEAFRINET
Wintertemperaturenbis zu 21 WochenEAFRINET

Einzelstadien bei Sommertemperaturen (~27 °C):

StadiumDauer
Ei (Inkubation)4-6 Tage
Larve (4 Stadien)18-24 Tage
Puppe5-6 Tage
Gesamtca. 27-36 Tage

Temperaturgrenzen:

  • Untere Entwicklungsgrenze: Laut ökolandbau.de ist eine Entwicklung ab ca. 5 °C möglich, die Fortpflanzung erfordert jedoch mindestens 13 °C (Bayer CropScience)
  • Obere Entwicklungsgrenze: Bei ca. 38 °C tritt Wärmestarre ein, bei 39-40 °C sterben die Käfer ab
  • Letale Kältetemperatur: Unter -10 °C; bei -10 °C überleben Kornkäfer laut AGES noch bis zu 2 Wochen

Lebensdauer:Die Lebensdauer adulter Kornkäfer variiert stark mit der Temperatur:

TemperaturLebensdauer
20-30 °C5-12 Monate
29 °C bei 75 % rHca. 6 Monate
10-12 °Cüber 2 Jahre

Ohne Nahrung können adulte Kornkäfer im Sommer 1-2 Monate überleben. Bei niedrigen Temperaturen ist ein Überleben über mehrere Wochen bis Monate in leeren Lagerräumen möglich.

Lebensweise und Verhalten von Kornkäfern

Aktivitätsmuster

Kornkäfer leben vorwiegend verborgen im Getreide und meiden Licht. Sie sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Da sie flugunfähig sind, breiten sie sich durch Laufen aus. Laut ökolandbau.de gilt der Kornkäfer dabei als guter Läufer. Werden Kornkäfer gestört, zeigen sie ein charakteristisches Totstellverhalten (Thanatosis): Sie ziehen die Beine an den Körper und verharren regungslos.

Bei Temperaturen unter ca. 5 °C fallen die Käfer in eine Kältestarre und stellen ihre Aktivität ein. In ungeheizten Getreidelagern überwintern die adulten Käfer und werden mit steigenden Temperaturen im Frühjahr wieder aktiv.

Nahrung und Ernährung

Die Larven des Kornkäfers entwickeln sich im Inneren ganzer Getreidekörner und höhlen diese dabei nahezu vollständig aus. Pro Getreidekorn entwickelt sich eine Larve. Adulte Käfer fressen ebenfalls an Getreidekörnern, wobei sie sich von außen in die Körner hineinbohren.

Typische Nahrungssubstrate:

  • Weizen, Roggen, Gerste, Hafer
  • Mais, Hirse, Buchweizen
  • Nudeln und Teigwaren (sofern groß genug)
  • Kleie
  • Mandeln, Erdnüsse
  • Erbsen, Bohnen, Sojabohnen

Laut AGES kann sich der Kornkäfer nicht in Hülsenfrüchtesamen und Sonnenblumen- oder Kürbiskernen entwickeln. In gemahlenen Produkten wie feinem Mehl ist eine Larvenentwicklung ebenfalls nicht möglich, da die Larve ein intaktes Korn für ihre Entwicklung benötigt.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Paarung erfolgt wenige Tage nach dem Schlüpfen der adulten Käfer. Nach einer Voreiablageperiode von 4 bis 10 Tagen beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Dazu bohrt es mit dem Rüssel ein kleines Loch in die Schale eines Getreidekorns, legt ein einzelnes Ei hinein und verschließt die Öffnung mit einem wachsartigen Sekretpfropfen. Pro Tag werden laut AGES bis zu 3 Eier abgelegt, laut Bayer CropScience 2-3 Eier pro Tag.

Vermehrungsrate

ParameterWertQuelle
Eier pro Weibchen200-300DSV, AGES
Eier pro Tag2-3AGES, Bayer CropScience
Generationen pro Jahr2-3 (typisch), bis 3-4 in beheizten LagernAGES, DSV
Voreiablageperiode4-10 TageAGES

Laut Institut für Schädlingskunde kann ein einzelnes Kornkäfer-Weibchen rein rechnerisch bis zu 250.000 Nachkommen pro Jahr hervorbringen, wenn man alle nachfolgenden Generationen einrechnet. Dies entspräche einem Getreideverlust von ca. 6 kg. Diese Zahl ist ein theoretischer Maximalwert unter optimalen Laborbedingungen und wird in der Praxis nicht erreicht.

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Internationale Quellen (EAFRINET) geben eine typische Eizahl von ca. 150 Eiern pro Weibchen an (bis maximal 300), während deutsche und österreichische Quellen (DSV, AGES) einen Bereich von 200-300 Eiern nennen. Diese Unterschiede können auf verschiedene Versuchsbedingungen und Getreidesorten zurückzuführen sein.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Der Kornkäfer ist weltweit in den gemäßigten Klimazonen verbreitet und gilt als einer der ältesten bekannten Vorratsschädlinge. Sein Ursprung wird in Westasien und Indien vermutet. Da Sitophilus granarius flugunfähig ist, erfolgt seine Verbreitung passiv über den Handel mit befallenem Getreide. Im Freiland kommt die Art kaum vor.

Verbreitung in/an Gebäuden

In Deutschland tritt der Kornkäfer vorwiegend in folgenden Bereichen auf:

  • Getreidelager und Silos: Häufigster Befallsort, insbesondere bei längerer Lagerung
  • Mühlen: Getreidereste in Maschinen und Ritzen bieten Brutmöglichkeiten
  • Landwirtschaftliche Betriebe: Hofläger und Getreidespeicher
  • Privathaushalte: Einschleppung über befallenes Getreide, Müsli oder Nudeln
  • Bäckereien: Über Rohstoffe eingebracht

Da die gesamte Entwicklung im Korninneren stattfindet und der Befall von außen kaum sichtbar ist, wird ein Kornkäferbefall häufig erst spät erkannt. Im Vergleich zum verwandten Reiskäfer (S. oryzae) bevorzugt der Kornkäfer etwas kühlere Temperaturen und ist daher in Mitteleuropa besonders bedeutsam.

Bedeutung des Schädlings Sitophilus granarius

Schadwirkung

Der Kornkäfer verursacht sowohl als Larve als auch als adulter Käfer Schäden an gelagertem Getreide:

Direkter Schaden:

  • Die Larve höhlt das befallene Getreidekorn nahezu vollständig aus; es bleibt nur die leere Kornhülle zurück
  • Gewichtsverlust des gelagerten Getreides
  • Reduktion der Keimfähigkeit
  • Beeinträchtigung der Backeigenschaften befallenen Mehls

Kontamination:

  • Kot, Häutungsreste und Kadaver verunreinigen das Lagergut
  • Befallenes Getreide kann von Bakterien und Schimmelpilzen besiedelt werden, was den Mykotoxin-Gehalt erhöhen kann
  • Bei starkem Befall entsteht ein muffiger Geruch
  • Erwärmung des Lagerguts durch Stoffwechselaktivität der Käfer (sog. Selbsterhitzung)

Befallene Lebensmittel

KategorieBeispiele
Getreide (ganzkornig)Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Hirse
PseudogetreideBuchweizen
TeigwarenNudeln (sofern groß genug)
Nüsse/Samen*Mandeln, Erdnüsse
Hülsenfrüchte*Erbsen, Bohnen, Sojabohnen
GetreideprodukteKleie

*Hinweis: Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte werden von adulten Käfern angefressen, eine vollständige Larvenentwicklung findet darin jedoch in der Regel nicht statt.

Der Kornkäfer kann sich nicht in fein gemahlenen Produkten wie Mehl entwickeln, da die Larve ein intaktes Korn für ihre Entwicklung benötigt.

Lagerschäden

BefallsgradAuswirkungen
Leichter BefallEinzelne ausgehöhlte Körner, vereinzelte Austrittslöcher, kaum wahrnehmbar
Mittlerer BefallErhöhte Korntemperatur, mehlig-muffiger Geruch, deutlicher Gewichtsverlust
Starker BefallMassive Erwärmung des Lagerguts, Schimmelbildung, Getreide für Verzehr und Aussaat unbrauchbar

Wirtschaftliche Schäden

Der Kornkäfer zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Vorratsschädlingen weltweit. Ein einzelnes Weibchen kann laut Institut für Schädlingskunde rechnerisch bis zu 250.000 Nachkommen pro Jahr erzeugen, wobei jede Larve ein Getreidekorn zerstört. Dies entspricht einem theoretischen Getreideverlust von ca. 6 kg pro Weibchen und Jahr. In Getreidelagern kann ein unbehandelter Befall zu erheblichen Qualitäts- und Gewichtsverlusten führen. Befallenes Getreide ist für den menschlichen Verzehr und als Saatgut ungeeignet.



Gesundheitliche Risiken bei einem Kornkäfer Befall

Direkte Gefahren

Der Kornkäfer selbst gilt nicht als Krankheitsüberträger. Die gesundheitlichen Risiken entstehen vorwiegend durch die Kontamination des Lagerguts:

  • Allergische Reaktionen: Das Einatmen von Staubpartikeln befallener Vorräte (Kot, Häutungsreste, Fragmente toter Käfer) kann bei empfindlichen Personen allergische Atemwegsreaktionen, Rhinitis oder asthmatische Beschwerden auslösen
  • Magen-Darm-Beschwerden: Der Verzehr stark befallenen Getreides kann zu gastrointestinalen Reizungen führen
  • Sekundäre Kontamination: Befallenes Getreide wird häufig von Schimmelpilzen besiedelt, die Mykotoxine bilden können

Indirekte Folgen

  • Schimmelpilzbefall: Die Fraßtätigkeit und Stoffwechselwärme der Käfer erhöhen die Feuchtigkeit im Lagergut, was Schimmelpilzwachstum und damit eine Mykotoxin-Belastung begünstigt
  • Milbenbefall: Ein Kornkäferbefall kann Sekundärbefall durch Vorratsmilben nach sich ziehen
  • Kontamination: Befallene Lebensmittel sind durch Kot, Häutungsreste und Käferkadaver verunreinigt und für den Verzehr ungeeignet

Befallenes Getreide und befallene Getreideprodukte sollten nicht mehr verzehrt werden.

Kornkäfer Befall erkennen

Befallsanzeichen

Ein Befall mit dem Kornkäfer ist schwer zu erkennen, da sich die Larven im Inneren der Getreidekörner entwickeln und von außen nicht sichtbar sind:

Frühe Anzeichen:

  • Vereinzelte lebende Käfer an der Oberfläche des Getreides
  • Kleine runde Bohrlöcher an Getreidekörnern (Eiablagelöcher)
  • Feiner mehlartiger Staub (Fraßmehl) zwischen den Körnern

Fortgeschrittener Befall:

  • Charakteristische grob rechteckige Austrittslöcher mit unebenen Rändern in den Körnern, durch die die Jungkäfer das Korn verlassen haben
  • Leere, ausgehöhlte Kornhüllen
  • Muffiger Geruch des gelagerten Getreides
  • Erwärmung des Getreides (Selbsterhitzung durch Stoffwechselaktivität)

Starker Befall (Massenbefall):

  • Deutlich sichtbare Käferansammlungen an der Getreideoberfläche
  • Massive Erwärmung und Feuchteanstieg im Lagergut
  • Schimmelbildung infolge der erhöhten Feuchtigkeit
  • Intensiver muffiger Geruch

Wassertest: Befallene Getreidekörner sind ausgehöhlt und schwimmen in Wasser auf, während unbefallene Körner absinken. Dieser einfache Test kann einen Befall nachweisen.

Kornkäfer (Sitophilus granarius) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

AnzeichenBeschreibung
AustrittslöcherGrob rechteckige Löcher mit unebenen Rändern in den Getreidekörnern
FraßmehlFeiner mehlartiger Staub zwischen den Körnern
Leere KornhüllenAusgehöhlte Körner, die nur noch aus der Schale bestehen
Lebende Käfer3-5 mm große, dunkelbraune bis schwarzbraune Rüsselkäfer
GeruchMuffig bei starkem Befall
SelbsterhitzungDeutliche Erwärmung des Lagerguts

Vorbeugende Maßnahmen

Eine wirksame Vorbeugung gegen Kornkäferbefall basiert auf kühler und trockener Lagerung, da Sitophilus granarius unter diesen Bedingungen in seiner Entwicklung und Fortpflanzung stark gehemmt wird.

Im Privathaushalt

  • Trockene Lagerung: Getreide und Getreideprodukte stets trocken aufbewahren
  • Dichte Behälter: Vorräte in luftdicht verschließbaren Behältern aus Glas, Metall oder stabilem Kunststoff lagern
  • Regelmäßige Kontrolle: Vorräte auf Käfer, Austrittslöcher und muffigen Geruch prüfen
  • Kleine Mengen: Nur benötigte Mengen einkaufen und zeitnah verbrauchen
  • First-in-first-out-Prinzip: Ältere Vorräte zuerst verbrauchen
  • Sauberkeit: Vorratsschränke regelmäßig reinigen, Krümel und Getreidereste entfernen

Im gewerblichen Bereich

  • Temperaturkontrolle: Lagertemperatur unter 10 °C halten; bei unter 13 °C ist eine Fortpflanzung nicht mehr möglich
  • Feuchtigkeitskontrolle: Kornfeuchte niedrig halten (deutsche Quellen nennen 9 % als Grenze, österreichische Quellen 10 %)
  • Lagerraumhygiene: Gründliche Reinigung der Lagerräume vor der Neueinlagerung, insbesondere Ritzen, Spalten und Fugen
  • Wareneingangskontrolle: Befallskontrolle bei Wareneingang; Wassertest zur Schnellerkennung
  • Monitoring: Einsatz von Pheromonfallen zur Überwachung
  • Belüftung: Regelmäßige Kühlung und Belüftung des Lagerguts

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben zur Kornfeuchte: Deutsche Fachquellen (DSV) geben an, dass die Vermehrung bei einer Kornfeuchte unter 9 % zum Erliegen kommt, internationale Quellen (Bayer CropScience) nennen einen Schwellenwert von 9,5 %, während die österreichische AGES eine Grenze von 10 % angibt. In der Praxis empfiehlt sich eine möglichst niedrige Kornfeuchte.

WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Kornkäfer Befall?

Professionelle Bekämpfung

Die Bekämpfung des Kornkäfers ist besonders anspruchsvoll, da sich die Larven geschützt im Inneren der Getreidekörner entwickeln und dadurch für Kontaktinsektizide kaum erreichbar sind.

Begasung (chemisch):In Getreidelagern und Silos können gasförmige Insektizide eingesetzt werden, die auch in das Korninnere eindringen:

  • Phosphorwasserstoff (Phosphin, PH₃)
  • Stickstoff (N₂) – erfordert längere Einwirkzeiten
  • Kohlendioxid (CO₂) – erfordert längere Einwirkzeiten

Hinweis: Begasungen dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden.

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Physikalische Verfahren:

  • Hitzebehandlung: Temperaturen von 60 °C über mindestens 3 Minuten töten alle Entwicklungsstadien ab (AGES)
  • Kältebehandlung: Temperaturen unter -10 °C; bei -10 °C überleben Kornkäfer laut AGES noch bis zu 2 Wochen, daher sind tiefere Temperaturen oder längere Einwirkzeiten erforderlich
  • Kieselgur (Diatomeenerde): Kann als Stäubemittel in Lagerräumen und auf Getreide eingesetzt werden; schädigt die Wachsschicht der Käfer und führt zur Austrocknung

Biologische Bekämpfung:Laut ökolandbau.de können folgende Nützlinge gegen den Kornkäfer eingesetzt werden:

  • Lariophagus distinguendus – eine Erzwespe, die ihre Eier in befallene Getreidekörner legt und deren Larven sich von den Kornkäferlarven ernähren
  • Anisopteromalus calandrae – eine weitere parasitoide Wespe

Eigenmaßnahmen

Im Privathaushalt können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  1. Befallene Produkte entsorgen: Vollständige Entsorgung aller befallenen Vorräte in verschlossenen Beuteln
  2. Tiefkühlung: Verdächtige Vorräte für mindestens 72 Stunden bei -18 °C einfrieren, um alle Stadien abzutöten
  3. Gründliche Reinigung: Vorratsschränke vollständig ausräumen, gründlich aussaugen (Beutel danach entsorgen) und feucht auswischen; besonders Ritzen und Fugen beachten
  4. Wassertest: Verdächtige Getreidekörner in Wasser geben – befallene Körner schwimmen auf
  5. Neueinlagerung: Frische Vorräte nur in dicht schließenden Behältern aus Glas, Metall oder stabilem Kunststoff aufbewahren
  6. Nachkontrolle: Regelmäßige Kontrolle der neuen Vorräte über mehrere Wochen auf erneuten Befall

Kornkäfer: Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich einen Kornkäferbefall?

Achten Sie auf kleine dunkelbraune bis schwarzbraune Käfer (3-5 mm) mit einem auffälligen Rüssel im Getreide oder in Getreideprodukten. Weitere Anzeichen sind grob rechteckige Austrittslöcher mit unebenen Rändern in Getreidekörnern, feiner mehlartiger Staub zwischen den Körnern und ein muffiger Geruch. Mit dem Wassertest können Sie befallene Körner erkennen: Ausgehöhlte Körner schwimmen in Wasser auf.

Kann der Kornkäfer fliegen?

Der Kornkäfer ist flugunfähig, da seine Flügeldecken miteinander verwachsen sind. Er breitet sich daher nur laufend oder passiv durch den Transport befallener Ware aus. Im Gegensatz dazu können die verwandten Arten Reiskäfer (S. oryzae) und Maiskäfer (S. zeamais) fliegen.

Sind Kornkäfer gesundheitsschädlich?

Der Kornkäfer selbst gilt nicht als Krankheitsüberträger. Befallenes Getreide ist jedoch durch Kot, Häutungsreste und Käferkadaver kontaminiert und für den Verzehr ungeeignet. Das Einatmen von Staubpartikeln aus befallenem Getreide kann allergische Reaktionen auslösen. Zudem begünstigt der Befall Schimmelpilzwachstum und damit eine mögliche Mykotoxin-Belastung.

Wie schnell vermehren sich Kornkäfer?

Ein Weibchen legt 200-300 Eier in seinem Leben. Bei optimalen Temperaturen (25-29 °C) beträgt die Entwicklungsdauer vom Ei bis zum adulten Käfer etwa 29-34 Tage. Pro Jahr sind 2-3 Generationen üblich, in beheizten Lagern bis zu 3-4 Generationen.

Kann sich der Kornkäfer in Mehl entwickeln?

Der Kornkäfer kann sich nicht in fein gemahlenen Produkten wie Mehl entwickeln, da die Larve ein intaktes Getreidekorn für ihre Entwicklung benötigt. Allerdings können adulte Käfer in Mehl vorkommen und es verunreinigen, wenn sie von befallenem Getreide zuwandern.

Was unterscheidet den Kornkäfer vom Reiskäfer?

Der Kornkäfer (S. granarius) ist mit 3-5 mm etwas größer als der Reiskäfer (S. oryzae, 2,5-4 mm), gleichmäßig dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt und flugunfähig. Der Reiskäfer hingegen trägt vier helle Flecken auf den Flügeldecken und kann fliegen. Der Reiskäfer bevorzugt zudem etwas wärmere Temperaturen als der Kornkäfer.

Wie kann ich Kornkäfern vorbeugen?

Die wirksamste Vorbeugung ist kühle und trockene Lagerung. Bei Temperaturen unter 13 °C ist eine Fortpflanzung nicht mehr möglich. Lagern Sie Getreide und Getreideprodukte in dicht verschließbaren Behältern, kontrollieren Sie Vorräte regelmäßig und verbrauchen Sie diese zeitnah. Im gewerblichen Bereich sollte die Kornfeuchte möglichst niedrig gehalten werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.