Der Koprakäfer (Necrobia rufipes), auch als Rotbeiniger Schinkenkäfer oder Rotbeiniger Kolbenbuntkäfer bekannt, gehört zur Familie der Buntkäfer (Cleridae) und ist ein weltweit verbreiteter Vorratsschädling. Die Art wurde durch den globalen Handel kosmopolitisch verbreitet und tritt regelmäßig in Lagerstätten mit tierischen Produkten auf.
- Aussehen: Wie sieht der Koprakäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Koprakäfers
- Lebensweise und Verhalten von Koprakäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Necrobia rufipes
- Gesundheitliche Risiken bei einem Koprakäfer Befall
- Koprakäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Koprakäfer Befall?
- Koprakäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
Der metallisch grün bis blau schimmernde Käfer befällt bevorzugt fett- und proteinreiche Vorräte wie geräucherte Fleisch- und Wurstwaren, Käse, Trockenfisch, Schinken und Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch) – letzteres gab ihm seinen deutschen Namen. Interessanterweise zeigt Necrobia rufipes auch räuberisches Verhalten und frisst Eier und Larven anderer Insektenarten.
Aussehen: Wie sieht der Koprakäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Adulte Käfer:Der Koprakäfer erreicht eine Körperlänge von bis zu 7 mm. Die auffallende Körperfärbung ist metallisch grün bis blau und schimmert je nach Lichteinfall. Die Beine und die ersten fünf Fühlersegmente (Antennensegmente) sind charakteristisch rötlich gefärbt, was der Art ihren wissenschaftlichen Namen "rufipes" (= rotfüßig) einbrachte.
Eier:Die Eier sind etwa 1 mm lang und ungefähr 0,75 mm breit. Sie werden in kleinen Gruppen am Nahrungssubstrat abgelegt.
Larven:Die Larven sind recht beweglich und bohren sich in verschiedene Vorräte wie Käse oder Schinken ein. Verpuppungsreife Larven verlassen das Brutsubstrat, um sich an einem dunklen und trockenen Platz zu verpuppen.
Puppe:Vor der Verpuppung baut die Larve einen weißlichen Kokon aus Speicheldrüsensekret, der am Substrat befestigt wird.
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Der Koprakäfer kann mit anderen Buntkäfern verwechselt werden:
| Merkmal | Koprakäfer (N. rufipes) | Rotschultriger Schinkenkäfer (N. ruficollis) | Gemeiner Speckkäfer (D. lardarius) |
|---|---|---|---|
| Größe | bis 7 mm | 3-5 mm | 7-9 mm |
| Farbe | Metallisch grün-blau | Metallisch blau, Halsschild rot | Braun-schwarz mit hellem Querband |
| Beine | Rötlich | Rötlich | Dunkel |
| Familie | Buntkäfer | Buntkäfer | Speckkäfer |
Entwicklung und Lebenszyklus des Koprakäfers
Entwicklungsstadien
Der Koprakäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose mit vier Entwicklungsstadien: Ei, Larve, Puppe und adulter Käfer.
Ei: Die Eier werden in kleinen Gruppen am Nahrungssubstrat abgelegt und schlüpfen bei Zimmertemperatur nach 4 bis 5 Tagen.
Larve: Der Koprakäfer besitzt 3 bis 4 Larvenstadien. Die beweglichen Larven bohren sich in das Nahrungssubstrat ein.
Puppe: Die verpuppungsreife Larve verlässt das Brutsubstrat und sucht einen dunklen, trockenen Platz zur Verpuppung. Sie bildet einen weißlichen Kokon aus Speicheldrüsensekret.
Imago: Die adulten Käfer können bis zu 14 Monate leben.
Entwicklungsdauer
Die Entwicklungsdauer ist stark von Temperatur und Nahrungsangebot abhängig:
| Bedingungen | Entwicklungsdauer (Ei bis Imago) |
|---|---|
| Optimale Bedingungen (30-34°C, 64-70% r.H., mit tierischer Nahrung) | ca. 36-38 Tage |
| 30°C, 64-70% rel. Luftfeuchtigkeit mit tierischer Nahrung | ca. 38 Tage |
| Ohne tierische Zusatznahrung | über 66 Tage |
| Auf gesalzenem Fisch (3,5% Salz) | ca. 85 Tage Larvenentwicklung |
| Auf ungesalzenem Fisch | ca. 42 Tage Larvenentwicklung |
Einfluss der Nahrung:Die Entwicklungszeit von Larve und Puppe kann sich bei Anwesenheit von tierischer Nahrung (z.B. zerdrückte Insektenlarven) fast halbieren. Die günstigsten Bedingungen liegen bei 30°C und 64-70% Luftfeuchtigkeit.
Temperaturanforderungen:
- Mindesttemperatur für erfolgreiche Entwicklung: ca. 22°C (internationale Studien)
- Optimale Entwicklungstemperatur: 30-34°C
- Unter 9°C keine Vermehrung möglich
Lebensweise und Verhalten von Koprakäfern
Aktivitätsmuster
Der Koprakäfer ist sowohl tag- als auch nachtaktiv. Die Käfer sind flugfähig und können aktiv neue Befallsorte aufsuchen. Sie bevorzugen dunkle, warme Bereiche in der Nähe ihrer Nahrungsquellen.
Nahrung und Ernährung
Der Koprakäfer ist ein typischer Vorratsschädling, der sich auf fett- und proteinreiche Produkte spezialisiert hat:
Befallene Produkte:
- Geräucherte Fleisch- und Wurstwaren
- Harter Käse
- Trockenfisch
- Schinken und Speck
- Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch)
- Getrocknetes Eigelb
- Getrocknete Feigen
Räuberisches Verhalten:Wie andere Buntkäfer zeigt auch der Koprakäfer räuberisches Verhalten und frisst bevorzugt Eier und Larven anderer Insektenarten.
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Weibchen legen ihre Eier in kleinen Gruppen am Nahrungssubstrat ab. Die Eier sind etwa 1 mm lang und 0,75 mm breit.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eier pro Weibchen | bis zu 2.100 |
| Eigröße | ca. 1 × 0,75 mm |
| Eischlupf (bei Zimmertemperatur) | 4-5 Tage |
| Lebensdauer Imago | bis zu 14 Monate |
Die hohe Reproduktionsrate von bis zu 2.100 Eiern pro Weibchen und die lange Lebensdauer machen den Koprakäfer zu einem hartnäckigen Schädling.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Der Koprakäfer ist durch den globalen Handel weltweit (kosmopolitisch) verbreitet. Die Art kommt überall dort vor, wo ihre bevorzugten Nahrungssubstrate gelagert werden.
Verbreitung in/an Gebäuden
Typische Befallsorte sind:
- Räuchereien und Fleischverarbeitungsbetriebe
- Käsereien
- Fischverarbeitungsbetriebe
- Kopraverarbeitungsbetriebe
- Futtermittellager
- Gelegentlich Privathaushalte (über befallene Lebensmittel)
Mit befallenen Lebensmitteln oder Futtermitteln kann der Koprakäfer auch in Privathaushalte gelangen.
Kältetoleranz
Necrobia rufipes ist gegenüber Kälte relativ tolerant. Zumindest ältere Larven können unter mitteleuropäischen Klimabedingungen im Freiland überwintern.
Bedeutung des Schädlings Necrobia rufipes
Schadwirkung
Der Koprakäfer verursacht verschiedene Arten von Schäden:
Fraßschäden:
- Zerstörung von hochwertigen Lebensmitteln (Schinken, Käse, Wurstwaren)
- Substanzverlust durch Larvenfraß
- Qualitätsminderung befallener Produkte
Kontamination:
- Verunreinigung durch Kot und Fraßmehl
- Häutungsreste in den Produkten
- Käferkadaver
Wirtschaftliche Schäden
Der Koprakäfer gilt als wichtiger Vorratsschädling und Hygieneschädling:
- Vernichtung hochwertiger Lebensmittel (Schinken, Käse)
- Imageschaden bei Befall in Lebensmittelbetrieben
- Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen
- Verlust von Exportware
Befallene Lebensmittel
Der Koprakäfer befällt bevorzugt fett- und proteinreiche Produkte:
- Geräucherte Fleisch- und Wurstwaren
- Schinken und Speck
- Harter Käse
- Trockenfisch
- Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch)
- Getrocknetes Eigelb
- Getrocknete Feigen und Früchte
- Futtermittel mit tierischen Bestandteilen
Lagerschäden
Neben den direkten Fraßschäden entstehen weitere Probleme:
- Hygienische Verunreinigung der Produkte
- Reklamationen und Imageschaden
- Kontamination von Verpackungen
Gesundheitliche Risiken bei einem Koprakäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Koprakäfer beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheiten direkt. Von den Käfern selbst geht keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus.
Indirekte Folgen
Befallene Lebensmittel sollten nicht verzehrt werden, da sie kontaminiert sind durch:
- Kot der Larven und Käfer
- Fraßmehl
- Häutungsreste
- Käferkadaver
Bei empfindlichen Personen können diese Kontaminationen allergische Reaktionen auslösen. Befallene Lebensmittel sind für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet.
Koprakäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
Frühe Anzeichen:
- Metallisch grün-blaue Käfer (bis 7 mm) mit roten Beinen in Lagerbereichen
- Kleine Bohrlöcher in Fleisch- oder Käseprodukten
- Bewegliche Larven an oder in Produkten
Fortgeschrittener Befall:
- Größere Populationen von Käfern und Larven
- Deutlich sichtbare Fraßspuren
- Weißliche Kokons an dunklen, trockenen Stellen
- Kontamination der Produkte
Schadensspuren
| Spurenart | Beschreibung |
|---|---|
| Bohrlöcher | Kleine Löcher in Fleisch-, Wurst- oder Käseprodukten |
| Kokons | Weißliche Verpuppungskokons an dunklen Stellen |
| Kot | Körnige Kotkrümel in befallenen Produkten |
| Larvengänge | Fraßgänge in befallenen Lebensmitteln |
Vorbeugende Maßnahmen
Die Vorbeugung eines Koprakäferbefalls erfordert konsequente Hygiene in Lager- und Verarbeitungsbetrieben:
Lagerhygiene:
- Regelmäßige Reinigung von Lagerbereichen
- Entfernung von Produktresten und Altbeständen
- Beseitigung möglicher Brutstätten
Lagerbedingungen:
- Kühle Lagerung (unter 9°C verhindert Vermehrung)
- Kontrolle der Luftfeuchtigkeit
- Regelmäßige Inspektion der Bestände
Wareneingangskontrolle:
- Prüfung angelieferter Waren auf Befall
- Kontrolle von Verpackungen auf Beschädigungen
Bekämpfung: Was hilft bei einem Koprakäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
Bei Befall mit dem Koprakäfer ist professionelle Hilfe meist erforderlich:
Begasung:Zur Bekämpfung des Koprakäfers in Lagerbetrieben oder lebensmittelverarbeitenden Betrieben können befallene Lebensmittel in gasdichten Behältern begast werden:
- Stickstoff (N₂)
- Kohlendioxid (CO₂)
- Phosphin (PH₃)
Wichtig ist, dass das Gas lange genug einwirkt, um alle Entwicklungsstadien von Necrobia rufipes abzutöten.
Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.
Eigenmaßnahmen
Befallene Produkte entsorgen:
- Stark befallene Lebensmittel in verschlossenen Beuteln entsorgen
- Nicht mehr verzehren
Physikalische Maßnahmen:
- Kühllagerung unter 9°C verhindert die Vermehrung
- Tiefkühlen bei -18°C für mehrere Tage
Reinigung:
- Gründliche Reinigung der Lagerbereiche
- Entfernung aller Produktreste
- Aussaugen von Ritzen und Spalten
- Besondere Beachtung dunkler, trockener Bereiche (Verpuppungsorte)
Monitoring:
- Regelmäßige Kontrolle anfälliger Produkte
- Einsatz von Klebefallen zur Überwachung
Koprakäfer: Häufig gestellte Fragen
Warum heißt der Käfer "Koprakäfer"?
Der Name bezieht sich auf Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnuss, das zur Gewinnung von Kokosöl verwendet wird. Der Koprakäfer befällt häufig dieses Produkt, weshalb er diesen Namen erhielt. Er wird auch als Rotbeiniger Schinkenkäfer bezeichnet, da er ebenso häufig an Fleisch- und Wurstwaren auftritt.
Wie erkenne ich den Koprakäfer?
Der Koprakäfer ist durch seine auffällige metallisch grün-blaue Körperfärbung gut zu erkennen. Charakteristisch sind die rötlich gefärbten Beine und die ersten fünf Fühlersegmente. Die Käfer werden bis zu 7 mm groß.
Ist der Koprakäfer gefährlich?
Der Koprakäfer beißt nicht und überträgt keine Krankheiten. Allerdings sind befallene Lebensmittel für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet, da sie durch Kot, Fraßmehl und Häutungsreste kontaminiert sind.
Wie lange lebt ein Koprakäfer?
Die adulten Käfer haben eine bemerkenswert lange Lebensdauer von bis zu 14 Monaten. Ein einzelnes Weibchen kann in dieser Zeit bis zu 2.100 Eier ablegen, was den Koprakäfer zu einem hartnäckigen Schädling macht.
Kann der Koprakäfer den Winter überleben?
Ja, Necrobia rufipes ist gegenüber Kälte relativ tolerant. Zumindest ältere Larven können unter mitteleuropäischen Klimabedingungen im Freiland überwintern. In beheizten Lagern kann sich die Art ganzjährig vermehren.
Frisst der Koprakäfer auch andere Insekten?
Ja, der Koprakäfer zeigt auch räuberisches Verhalten und frisst bevorzugt Eier und Larven anderer Insektenarten. Diese räuberische Lebensweise ist typisch für die Familie der Buntkäfer (Cleridae).
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: Koprakäfer – Necrobia rufipes