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Koprakäfer (Necrobia rufipes)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2026
Lesedauer: 9 Minuten
© Schaedlingsvernichtung.de

Der Koprakäfer (Necrobia rufipes), auch als Rotbeiniger Schinkenkäfer oder Rotbeiniger Kolbenbuntkäfer bekannt, gehört zur Familie der Buntkäfer (Cleridae) und ist ein weltweit verbreiteter Vorratsschädling. Die Art wurde durch den globalen Handel kosmopolitisch verbreitet und tritt regelmäßig in Lagerstätten mit tierischen Produkten auf.

Der metallisch grün bis blau schimmernde Käfer befällt bevorzugt fett- und proteinreiche Vorräte wie geräucherte Fleisch- und Wurstwaren, Käse, Trockenfisch, Schinken und Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch) – letzteres gab ihm seinen deutschen Namen. Interessanterweise zeigt Necrobia rufipes auch räuberisches Verhalten und frisst Eier und Larven anderer Insektenarten.

Aussehen: Wie sieht der Koprakäfer aus?

Erkennungsmerkmale

Adulte Käfer:Der Koprakäfer erreicht eine Körperlänge von bis zu 7 mm. Die auffallende Körperfärbung ist metallisch grün bis blau und schimmert je nach Lichteinfall. Die Beine und die ersten fünf Fühlersegmente (Antennensegmente) sind charakteristisch rötlich gefärbt, was der Art ihren wissenschaftlichen Namen "rufipes" (= rotfüßig) einbrachte.

Eier:Die Eier sind etwa 1 mm lang und ungefähr 0,75 mm breit. Sie werden in kleinen Gruppen am Nahrungssubstrat abgelegt.

Larven:Die Larven sind recht beweglich und bohren sich in verschiedene Vorräte wie Käse oder Schinken ein. Verpuppungsreife Larven verlassen das Brutsubstrat, um sich an einem dunklen und trockenen Platz zu verpuppen.

Puppe:Vor der Verpuppung baut die Larve einen weißlichen Kokon aus Speicheldrüsensekret, der am Substrat befestigt wird.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Der Koprakäfer kann mit anderen Buntkäfern verwechselt werden:

MerkmalKoprakäfer (N. rufipes)Rotschultriger Schinkenkäfer (N. ruficollis)Gemeiner Speckkäfer (D. lardarius)
Größebis 7 mm3-5 mm7-9 mm
FarbeMetallisch grün-blauMetallisch blau, Halsschild rotBraun-schwarz mit hellem Querband
BeineRötlichRötlichDunkel
FamilieBuntkäferBuntkäferSpeckkäfer

Entwicklung und Lebenszyklus des Koprakäfers

Entwicklungsstadien

Der Koprakäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose mit vier Entwicklungsstadien: Ei, Larve, Puppe und adulter Käfer.

Ei: Die Eier werden in kleinen Gruppen am Nahrungssubstrat abgelegt und schlüpfen bei Zimmertemperatur nach 4 bis 5 Tagen.

Larve: Der Koprakäfer besitzt 3 bis 4 Larvenstadien. Die beweglichen Larven bohren sich in das Nahrungssubstrat ein.

Puppe: Die verpuppungsreife Larve verlässt das Brutsubstrat und sucht einen dunklen, trockenen Platz zur Verpuppung. Sie bildet einen weißlichen Kokon aus Speicheldrüsensekret.

Imago: Die adulten Käfer können bis zu 14 Monate leben.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungsdauer ist stark von Temperatur und Nahrungsangebot abhängig:

BedingungenEntwicklungsdauer (Ei bis Imago)
Optimale Bedingungen (30-34°C, 64-70% r.H., mit tierischer Nahrung)ca. 36-38 Tage
30°C, 64-70% rel. Luftfeuchtigkeit mit tierischer Nahrungca. 38 Tage
Ohne tierische Zusatznahrungüber 66 Tage
Auf gesalzenem Fisch (3,5% Salz)ca. 85 Tage Larvenentwicklung
Auf ungesalzenem Fischca. 42 Tage Larvenentwicklung

Einfluss der Nahrung:Die Entwicklungszeit von Larve und Puppe kann sich bei Anwesenheit von tierischer Nahrung (z.B. zerdrückte Insektenlarven) fast halbieren. Die günstigsten Bedingungen liegen bei 30°C und 64-70% Luftfeuchtigkeit.

Temperaturanforderungen:

  • Mindesttemperatur für erfolgreiche Entwicklung: ca. 22°C (internationale Studien)
  • Optimale Entwicklungstemperatur: 30-34°C
  • Unter 9°C keine Vermehrung möglich

Lebensweise und Verhalten von Koprakäfern

Aktivitätsmuster

Der Koprakäfer ist sowohl tag- als auch nachtaktiv. Die Käfer sind flugfähig und können aktiv neue Befallsorte aufsuchen. Sie bevorzugen dunkle, warme Bereiche in der Nähe ihrer Nahrungsquellen.

Nahrung und Ernährung

Der Koprakäfer ist ein typischer Vorratsschädling, der sich auf fett- und proteinreiche Produkte spezialisiert hat:

Befallene Produkte:

  • Geräucherte Fleisch- und Wurstwaren
  • Harter Käse
  • Trockenfisch
  • Schinken und Speck
  • Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch)
  • Getrocknetes Eigelb
  • Getrocknete Feigen

Räuberisches Verhalten:Wie andere Buntkäfer zeigt auch der Koprakäfer räuberisches Verhalten und frisst bevorzugt Eier und Larven anderer Insektenarten.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Weibchen legen ihre Eier in kleinen Gruppen am Nahrungssubstrat ab. Die Eier sind etwa 1 mm lang und 0,75 mm breit.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Eier pro Weibchenbis zu 2.100
Eigrößeca. 1 × 0,75 mm
Eischlupf (bei Zimmertemperatur)4-5 Tage
Lebensdauer Imagobis zu 14 Monate

Die hohe Reproduktionsrate von bis zu 2.100 Eiern pro Weibchen und die lange Lebensdauer machen den Koprakäfer zu einem hartnäckigen Schädling.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Der Koprakäfer ist durch den globalen Handel weltweit (kosmopolitisch) verbreitet. Die Art kommt überall dort vor, wo ihre bevorzugten Nahrungssubstrate gelagert werden.

Verbreitung in/an Gebäuden

Typische Befallsorte sind:

  • Räuchereien und Fleischverarbeitungsbetriebe
  • Käsereien
  • Fischverarbeitungsbetriebe
  • Kopraverarbeitungsbetriebe
  • Futtermittellager
  • Gelegentlich Privathaushalte (über befallene Lebensmittel)

Mit befallenen Lebensmitteln oder Futtermitteln kann der Koprakäfer auch in Privathaushalte gelangen.

Kältetoleranz

Necrobia rufipes ist gegenüber Kälte relativ tolerant. Zumindest ältere Larven können unter mitteleuropäischen Klimabedingungen im Freiland überwintern.

Bedeutung des Schädlings Necrobia rufipes

Schadwirkung

Der Koprakäfer verursacht verschiedene Arten von Schäden:

Fraßschäden:

  • Zerstörung von hochwertigen Lebensmitteln (Schinken, Käse, Wurstwaren)
  • Substanzverlust durch Larvenfraß
  • Qualitätsminderung befallener Produkte

Kontamination:

  • Verunreinigung durch Kot und Fraßmehl
  • Häutungsreste in den Produkten
  • Käferkadaver

Wirtschaftliche Schäden

Der Koprakäfer gilt als wichtiger Vorratsschädling und Hygieneschädling:

  • Vernichtung hochwertiger Lebensmittel (Schinken, Käse)
  • Imageschaden bei Befall in Lebensmittelbetrieben
  • Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen
  • Verlust von Exportware

Befallene Lebensmittel

Der Koprakäfer befällt bevorzugt fett- und proteinreiche Produkte:

  • Geräucherte Fleisch- und Wurstwaren
  • Schinken und Speck
  • Harter Käse
  • Trockenfisch
  • Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch)
  • Getrocknetes Eigelb
  • Getrocknete Feigen und Früchte
  • Futtermittel mit tierischen Bestandteilen

Lagerschäden

Neben den direkten Fraßschäden entstehen weitere Probleme:

  • Hygienische Verunreinigung der Produkte
  • Reklamationen und Imageschaden
  • Kontamination von Verpackungen


Gesundheitliche Risiken bei einem Koprakäfer Befall

Direkte Gefahren

Der Koprakäfer beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheiten direkt. Von den Käfern selbst geht keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus.

Indirekte Folgen

Befallene Lebensmittel sollten nicht verzehrt werden, da sie kontaminiert sind durch:

  • Kot der Larven und Käfer
  • Fraßmehl
  • Häutungsreste
  • Käferkadaver

Bei empfindlichen Personen können diese Kontaminationen allergische Reaktionen auslösen. Befallene Lebensmittel sind für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet.

Koprakäfer Befall erkennen

Befallsanzeichen

Frühe Anzeichen:

  • Metallisch grün-blaue Käfer (bis 7 mm) mit roten Beinen in Lagerbereichen
  • Kleine Bohrlöcher in Fleisch- oder Käseprodukten
  • Bewegliche Larven an oder in Produkten

Fortgeschrittener Befall:

  • Größere Populationen von Käfern und Larven
  • Deutlich sichtbare Fraßspuren
  • Weißliche Kokons an dunklen, trockenen Stellen
  • Kontamination der Produkte
Koprakäfer (Necrobia rufipes) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

SpurenartBeschreibung
BohrlöcherKleine Löcher in Fleisch-, Wurst- oder Käseprodukten
KokonsWeißliche Verpuppungskokons an dunklen Stellen
KotKörnige Kotkrümel in befallenen Produkten
LarvengängeFraßgänge in befallenen Lebensmitteln

Vorbeugende Maßnahmen

Die Vorbeugung eines Koprakäferbefalls erfordert konsequente Hygiene in Lager- und Verarbeitungsbetrieben:

Lagerhygiene:

  • Regelmäßige Reinigung von Lagerbereichen
  • Entfernung von Produktresten und Altbeständen
  • Beseitigung möglicher Brutstätten

Lagerbedingungen:

  • Kühle Lagerung (unter 9°C verhindert Vermehrung)
  • Kontrolle der Luftfeuchtigkeit
  • Regelmäßige Inspektion der Bestände

Wareneingangskontrolle:

  • Prüfung angelieferter Waren auf Befall
  • Kontrolle von Verpackungen auf Beschädigungen
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Koprakäfer Befall?

Professionelle Bekämpfung

Bei Befall mit dem Koprakäfer ist professionelle Hilfe meist erforderlich:

Begasung:Zur Bekämpfung des Koprakäfers in Lagerbetrieben oder lebensmittelverarbeitenden Betrieben können befallene Lebensmittel in gasdichten Behältern begast werden:

  • Stickstoff (N₂)
  • Kohlendioxid (CO₂)
  • Phosphin (PH₃)

Wichtig ist, dass das Gas lange genug einwirkt, um alle Entwicklungsstadien von Necrobia rufipes abzutöten.

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Eigenmaßnahmen

Befallene Produkte entsorgen:

  • Stark befallene Lebensmittel in verschlossenen Beuteln entsorgen
  • Nicht mehr verzehren

Physikalische Maßnahmen:

  • Kühllagerung unter 9°C verhindert die Vermehrung
  • Tiefkühlen bei -18°C für mehrere Tage

Reinigung:

  • Gründliche Reinigung der Lagerbereiche
  • Entfernung aller Produktreste
  • Aussaugen von Ritzen und Spalten
  • Besondere Beachtung dunkler, trockener Bereiche (Verpuppungsorte)

Monitoring:

  • Regelmäßige Kontrolle anfälliger Produkte
  • Einsatz von Klebefallen zur Überwachung

Koprakäfer: Häufig gestellte Fragen

Warum heißt der Käfer "Koprakäfer"?

Der Name bezieht sich auf Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnuss, das zur Gewinnung von Kokosöl verwendet wird. Der Koprakäfer befällt häufig dieses Produkt, weshalb er diesen Namen erhielt. Er wird auch als Rotbeiniger Schinkenkäfer bezeichnet, da er ebenso häufig an Fleisch- und Wurstwaren auftritt.

Wie erkenne ich den Koprakäfer?

Der Koprakäfer ist durch seine auffällige metallisch grün-blaue Körperfärbung gut zu erkennen. Charakteristisch sind die rötlich gefärbten Beine und die ersten fünf Fühlersegmente. Die Käfer werden bis zu 7 mm groß.

Ist der Koprakäfer gefährlich?

Der Koprakäfer beißt nicht und überträgt keine Krankheiten. Allerdings sind befallene Lebensmittel für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet, da sie durch Kot, Fraßmehl und Häutungsreste kontaminiert sind.

Wie lange lebt ein Koprakäfer?

Die adulten Käfer haben eine bemerkenswert lange Lebensdauer von bis zu 14 Monaten. Ein einzelnes Weibchen kann in dieser Zeit bis zu 2.100 Eier ablegen, was den Koprakäfer zu einem hartnäckigen Schädling macht.

Kann der Koprakäfer den Winter überleben?

Ja, Necrobia rufipes ist gegenüber Kälte relativ tolerant. Zumindest ältere Larven können unter mitteleuropäischen Klimabedingungen im Freiland überwintern. In beheizten Lagern kann sich die Art ganzjährig vermehren.

Frisst der Koprakäfer auch andere Insekten?

Ja, der Koprakäfer zeigt auch räuberisches Verhalten und frisst bevorzugt Eier und Larven anderer Insektenarten. Diese räuberische Lebensweise ist typisch für die Familie der Buntkäfer (Cleridae).

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen


Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.