Der Speisebohnenkäfer (Acanthoscelides obtectus) ist ein weltweit bedeutender Vorratsschädling aus der Familie der Samenkäfer (Bruchidae). Diese ursprünglich aus Amerika stammende Art hat sich durch den globalen Handel mit Hülsenfrüchten mittlerweile weltweit verbreitet und zählt zu den wichtigsten Schädlingen an gelagerten Bohnen.
- Aussehen: Wie sieht der Speisebohnenkäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Speisebohnenkäfers
- Lebensweise und Verhalten von Speisebohnenkäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Acanthoscelides obtectus
- Gesundheitliche Risiken bei einem Speisebohnenkäfer Befall
- Speisebohnenkäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Speisebohnenkäfer Befall?
- Speisebohnenkäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
Charakteristisch für diese Art ist, dass ausschließlich die Larven als Schädlinge auftreten, während die adulten Käfer sich von Blütenpollen ernähren und keine Fraßschäden verursachen. Die gesamte Larvenentwicklung findet im Inneren der Bohnensamen statt, wodurch ein Befall von außen oft erst spät erkannt wird.
Aussehen: Wie sieht der Speisebohnenkäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Der ausgewachsene Speisebohnenkäfer erreicht eine Körperlänge von 2,5 bis 4 mm und besitzt eine längsovale Körpergestalt. Das Vorderende erscheint im Vergleich zum Hinterende etwas zugespitzt, was der Art ihr charakteristisches birnenförmiges Aussehen verleiht.
Die Flügeldecken (Elytren) weisen dunkle Längsbinden auf und bedecken das Hinterleib nicht vollständig – das Pygidium (Hinterleibsende) bleibt sichtbar. Die Oberseite erscheint insgesamt gelbgrün bis bräunlich, während das Pygidium gelbrot behaart ist. Der Kopf ist nach unten gebogen und trägt keine schnauzenförmige Verlängerung wie bei echten Rüsselkäfern.
Eier:Die Eier sind gelblich-weiß gefärbt und länglich-rund mit einer Größe von etwa 0,6 x 0,25 mm.
Larvenstadium:Die frisch geschlüpften Larven sind zunächst sehr mobil und etwa 0,6 mm lang. Sie besitzen im ersten Stadium kurze Beine und ein gebogenes Aussehen. In späteren Stadien sind die Larven weißlich mit einem gelblichen bis bräunlichen Kopf, die Beine sind reduziert und die Körperform ähnelt der von Engerlingen. Ausgewachsene Larven erreichen eine Länge von bis zu 4 mm.
Puppenstadium:Die Verpuppung erfolgt im Inneren der leer gefressenen Bohnenhülle.
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Der Speisebohnenkäfer kann mit anderen Samenkäfern verwechselt werden:
| Merkmal | Speisebohnenkäfer | Erbsenkäfer | Vierfleckiger Bohnenkäfer |
|---|---|---|---|
| Größe | 2,5-4 mm | 4-5 mm | 2-3,5 mm |
| Körperform | Längsoval, zugespitzt | Oval, gedrungen | Birnenförmig |
| Färbung | Gelbgrün bis bräunlich | Hellbraun behaart | Rötlich-braun mit Flecken |
| Pygidium | Gelbrot behaart | Zwei schwarze Flecken | Teilweise sichtbar |
Entwicklung und Lebenszyklus des Speisebohnenkäfers
Entwicklungsstadien
Der Speisebohnenkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose mit vier Entwicklungsstadien und sechs Larvenstadien:
Ei: Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen direkt an den Bohnen ab. Dazu fressen sie einen Spalt in die Hülsennaht, in den die Eier abgelegt werden.
Larve: Die frisch geschlüpften Larven sind sehr beweglich und bohren sich sofort in die Bohnen ein. Im Inneren des Samens durchlaufen sie sechs Larvenstadien. Bis zu 20 Larven können sich in einer einzelnen großen Bohne entwickeln.
Puppe: Die Verpuppung erfolgt im Inneren der ausgehöhlten Bohne. Das Puppenstadium dauert 9 bis 29 Tage.
Imago (adulter Käfer): Die fertigen Käfer durchbrechen ein zuvor angelegtes Fenster in der Samenschale und verlassen die Bohne.
Entwicklungsdauer
Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist stark temperaturabhängig:
| Temperatur | Entwicklungsdauer (Ei bis Käfer) |
|---|---|
| 30°C (optimal) | ca. 4 Wochen (21-30 Tage) |
| 25-27°C | ca. 40-50 Tage |
| 20°C | 2,5-3 Monate (75-90 Tage) |
Temperaturgrenzen:
- Minimale Entwicklungstemperatur: 12°C
- Erhöhte Larvensterblichkeit: über 35°C
- Optimale Temperatur für Adulte: 27-29°C
- Optimale Temperatur für Larven: 24-27°C
- Optimale Temperatur für Puppen: 22-26°C
- Flugfähigkeit: ab 21°C
Einzelne Stadien:
- Eistadium: ca. 6 Tage (bei 30°C) bis 30 Tage (bei niedrigen Temperaturen)
- Larvenstadium: temperaturabhängig, mehrere Wochen
- Puppenstadium: 9-29 Tage
Lebensweise und Verhalten von Speisebohnenkäfern
Aktivitätsmuster
Die adulten Speisebohnenkäfer sind bei Temperaturen über 21°C flugfähig und können aktiv Bohnenfelder zur Eiablage aufsuchen. Die Paarung erfolgt typischerweise innerhalb von 24 Stunden nach dem Schlupf, und die Weibchen beginnen etwa 48 Stunden später mit der Eiablage.
Nahrung und Ernährung
Larven:Die Larven sind das schädigende Stadium und ernähren sich ausschließlich vom Inneren der Bohnensamen. Sie höhlen die Samen von innen aus und hinterlassen charakteristische Fraßhöhlen.
Adulte Käfer:Die adulten Käfer ernähren sich ausschließlich von Blütenpollen und verursachen keine Fraßschäden an gelagerten Produkten.
Wirtspflanzen:
- Gartenbohnen (Busch- und Stangenbohnen)
- Erbsen
- Saatwicken
- Kichererbsen
- Sojabohnen
- Linsen
- Andere Hülsenfrüchte
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Paarung erfolgt kurz nach dem Schlupf. Die Weibchen suchen aktiv nach geeigneten Eiablageplätzen und können mehrere Tage nach Bohnen suchen, bevor sie mit der Eiablage beginnen. Die Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen (2-20 Eier) an der Bohnenoberfläche oder in Rillen in der Hülsennaht abgelegt.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eier pro Weibchen (Lebenszeit) | 50-100 (durchschnittlich 75, maximal ca. 200) |
| Generationen pro Jahr | Mehrere (unter optimalen Bedingungen bis zu 6) |
| Larven pro Bohne | bis zu 20 |
In warmer Umgebung können sich mehrere aufeinanderfolgende Generationen entwickeln, was zu einer raschen Vermehrung der Population führt.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Der Speisebohnenkäfer stammt ursprünglich aus Amerika und hat sich durch den internationalen Handel mit Hülsenfrüchten weltweit verbreitet. In Mitteleuropa ist eine Überwinterung im Freiland nicht möglich, weshalb Befälle hier vorwiegend in Lagereinrichtungen auftreten.
Verbreitung in/an Gebäuden
In Deutschland tritt der Speisebohnenkäfer vorwiegend in folgenden Bereichen auf:
- Lagerhäuser: Getreide- und Hülsenfruchtlager
- Lebensmittelindustrie: Verarbeitungsbetriebe für Hülsenfrüchte
- Handel: Groß- und Einzelhandel
- Privathaushalte: Durch befallene Bohnen oder Hülsenfrüchte eingeschleppt
Die Einschleppung erfolgt häufig über bereits im Ursprungsland befallene Ware.
Bedeutung des Schädlings Acanthoscelides obtectus
Schadwirkung
Der Speisebohnenkäfer verursacht erhebliche Schäden an gelagerten Hülsenfrüchten:
Direkter Fraßschaden:
- Larven höhlen die Bohnensamen von innen aus
- Charakteristische runde Austrittslöcher in den Samen
- Vollständige Zerstörung des Sameninhalts
Qualitätsverlust:
- Befallene Bohnen sind für den menschlichen Verzehr unbrauchbar
- Reduzierte Keimfähigkeit des Saatguts
- Kontamination durch Kot und Häutungsreste
Befallene Lebensmittel
Der Speisebohnenkäfer befällt verschiedene Hülsenfrüchte:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Bohnen | Gartenbohnen, Buschbohnen, Stangenbohnen, Feuerbohnen |
| Erbsen | Speiseerbsen, Schälerbsen |
| Andere Hülsenfrüchte | Kichererbsen, Linsen, Sojabohnen, Saatwicken |
Lagerschäden
| Befallsgrad | Schadensumfang |
|---|---|
| Leichter Befall | Vereinzelte Bohnen mit Austrittslöchern |
| Mittlerer Befall | Zahlreiche befallene Samen, deutliche Qualitätsminderung |
| Starker Befall | Verluste von 40-50% der gelagerten Ware möglich |
Wirtschaftliche Schäden
Der Speisebohnenkäfer kann erhebliche wirtschaftliche Verluste verursachen. Bei starkem Befall können bis zu 40-50% der gelagerten Hülsenfrüchte zerstört werden. Befallene Ware ist für den Handel und Verzehr ungeeignet.
Gesundheitliche Risiken bei einem Speisebohnenkäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Speisebohnenkäfer stellt keine direkte Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. Er beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheitserreger.
Indirekte Folgen
Die gesundheitlichen Risiken ergeben sich aus der Kontamination der Lebensmittel:
- Verunreinigung: Kot, Häutungsreste und Kadaver in den Bohnen
- Allergische Reaktionen: Bei empfindlichen Personen möglich
- Hygienemängel: Befallene Produkte entsprechen nicht den Lebensmittelstandards
Befallene Hülsenfrüchte sollten nicht verzehrt werden.
Speisebohnenkäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
Ein Befall mit dem Speisebohnenkäfer lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:
Frühe Anzeichen:
- Kleine, runde Löcher (Austrittslöcher) in Bohnensamen
- Lebende Käfer in der Nähe von Hülsenfrüchten
- Feine Bohrmehlreste
Fortgeschrittener Befall:
- Zahlreiche Bohnen mit Fraßlöchern
- Sichtbare Larven bei Aufbrechen befallener Bohnen
- Leichte, ausgehöhlte Samen
Schadensspuren
| Anzeichen | Beschreibung |
|---|---|
| Austrittslöcher | Charakteristische runde Löcher (2-3 mm) in der Samenschale |
| Fraßhöhlen | Ausgehöhlte Bohnen bei Aufbrechen erkennbar |
| Fenster | Dünnwandige Stellen in der Samenschale vor Käferschlupf |
| Bohrmehl | Feiner Staub um befallene Bohnen |
Tipp zur Erkennung: Verdächtige Bohnen in Wasser geben – befallene, ausgehöhlte Samen schwimmen an der Oberfläche.
Vorbeugende Maßnahmen
Eine effektive Prävention ist der beste Schutz gegen einen Befall mit dem Speisebohnenkäfer:
Lagerhaltung
- Kühle Lagerung: Temperaturen unter 12°C verhindern die Entwicklung
- Trockene Lagerung: Niedrige Luftfeuchtigkeit erschwert die Vermehrung
- Kontrolle: Regelmäßige Inspektion der Vorräte auf Befallsanzeichen
- Quarantäne: Neu eingelagerte Ware zunächst separat lagern und kontrollieren
Im Privathaushalt
- Bohnen und Hülsenfrüchte in dicht schließenden Behältern aufbewahren
- Vorräte regelmäßig auf Fraßlöcher kontrollieren
- Nur benötigte Mengen einkaufen
- Bei Verdacht auf Befall: Tiefkühlung bei -18°C für mehrere Tage
Im gewerblichen Bereich
- Gründliche Eingangskontrolle der Ware
- Separate Lagerung neuer Lieferungen
- Temperatur- und Feuchtigkeitsmonitoring
- Regelmäßige Leerung und Reinigung der Lagerräume
Bekämpfung: Was hilft bei einem Speisebohnenkäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
Im gewerblichen Bereich stehen verschiedene professionelle Bekämpfungsmethoden zur Verfügung:
Thermische Verfahren:
- Hitzebehandlung: Temperaturen über 55°C töten alle Entwicklungsstadien ab
- Kältebehandlung: Tiefkühlung bei -18°C für mindestens 6-24 Stunden
Begasung:
- Stickstoff (N₂)
- Kohlendioxid (CO₂)
- Phosphorwasserstoff (Phosphin)
Hinweis: Begasungen dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden.
Physikalische Verfahren:
- Kieselgur (Diatomeenerde): Mechanische Schädigung der Wachsschicht
Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.
Eigenmaßnahmen
Im Privathaushalt können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Befallene Produkte entsorgen: Vollständige Entsorgung aller befallenen Bohnen in verschlossenen Beuteln
- Tiefkühlung: Verdächtige Ware bei -18°C für mindestens 24 Stunden einfrieren
- Gründliche Reinigung: Vorratsschränke aussaugen und feucht auswischen
- Kontaktprodukte prüfen: Alle benachbarten Hülsenfrüchte auf Befall kontrollieren
- Sichere Aufbewahrung: Lebensmittel künftig in dicht schließenden Behältern lagern
Speisebohnenkäfer: Häufig gestellte Fragen
Sind Speisebohnenkäfer gesundheitsschädlich?
Die Käfer selbst sind nicht giftig und übertragen keine Krankheiten. Allerdings sollten befallene Bohnen aufgrund der Verunreinigung durch Kot und Fraßreste nicht mehr verzehrt werden.
Können Speisebohnenkäfer sich in meiner Wohnung vermehren?
Eine Vermehrung ist bei Raumtemperatur (über 20°C) möglich, wenn befallene Bohnen in der Wohnung gelagert werden. In Mitteleuropa können sich die Käfer im Freien nicht dauerhaft etablieren.
Wie erkenne ich befallene Bohnen?
Befallene Bohnen weisen charakteristische runde Austrittslöcher auf. Sie sind oft leichter als gesunde Bohnen und schwimmen in Wasser. Bei Verdacht kann man Bohnen aufbrechen, um nach Larven oder Fraßgängen zu suchen.
Fressen erwachsene Speisebohnenkäfer auch Bohnen?
Nein, die adulten Käfer ernähren sich ausschließlich von Blütenpollen. Nur die Larven verursachen Schäden an den Bohnen.
Wie lange dauert die Entwicklung des Speisebohnenkäfers?
Bei optimalen Temperaturen von etwa 30°C dauert die Entwicklung vom Ei zum Käfer etwa 4 Wochen. Bei niedrigeren Temperaturen (20°C) kann sich die Entwicklung auf 2,5 bis 3 Monate verlängern.
Bei welcher Temperatur sterben Speisebohnenkäfer?
Temperaturen über 55°C töten alle Entwicklungsstadien ab. Auch Kältebehandlung bei -18°C für mindestens 6-24 Stunden ist wirksam. Unterhalb von 12°C findet keine Entwicklung statt.
Können sich mehrere Larven in einer Bohne entwickeln?
Ja, in einer einzelnen großen Bohne können sich bis zu 20 Larven entwickeln. Dies führt zu einer vollständigen Zerstörung des Sameninhalts.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/kaefer/speisebohnenkaefer-acanthoscelides-obtectus/
Internationale wissenschaftliche Quellen
- University of Florida EDIS: https://njaes.rutgers.edu/FS1383/