Der Sechspunkt-Diebskäfer (Ptinus sexpunctatus) gehört zur Familie der Nagekäfer (Ptinidae) und ist in Europa heimisch. Die Art wird systematisch zur Untergattung Gynopterus gerechnet und kommt von Europa bis Nordrussland vor. Durch Verschleppung wurde der Käfer auch nach Nordamerika eingeführt.
- Aussehen: Wie sieht der Sechspunkt-Diebskäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Sechspunkt-Diebskäfers
- Lebensweise und Verhalten von Sechspunkt-Diebskäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Ptinus sexpunctatus
- Gesundheitliche Risiken bei einem Sechspunkt-Diebskäfer Befall
- Sechspunkt-Diebskäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Sechspunkt-Diebskäfer Befall?
- Sechspunkt-Diebskäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
Der überwiegend dunkelbraune, borstig behaarte Käfer lebt natürlicherweise in morschem Holz von Laubbäumen und Kiefern sowie häufig in alten Bienennestern. In kälteren Regionen und gelegentlich auch in Mitteleuropa kann er in Gebäuden auftreten, wo er als gelegentlicher Vorratsschädling gelagerte Trockenwaren und pflanzliche Materialien befallen kann.
Wichtiger Hinweis: Der Sechspunkt-Diebskäfer ist primär eine in der Natur lebende Art. In der aktuellen Roten Liste Deutschlands (Schmidl et al. 2021) wird die Art als ungefährdet eingestuft, mit mäßig häufigen und stabilen Beständen. Ältere Quellen sowie einige Länder-Rote-Listen führen die Art als gefährdet (Kategorie 3). Er tritt nur gelegentlich als Vorratsschädling in Gebäuden auf und neigt nicht zur Massenvermehrung.
Aussehen: Wie sieht der Sechspunkt-Diebskäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Adulte Käfer:Der Sechspunkt-Diebskäfer erreicht eine Körperlänge von 2,8 bis 4,2 mm. Der überwiegend dunkelbraune Körper ist borstig behaart. Charakteristisch und namensgebend sind die Flügeldecken mit je drei weißen Flecken aus anliegenden weißen Schuppen:
- Ein Fleck hinter der Schulter
- Zwei etwas kleinere, ovale Flecken, die oft zu einem Querband zusammenfließen
Diese sechs Flecken (drei pro Flügeldecke) gaben dem Käfer seinen deutschen Namen. Die Stirn ist dicht mit weißen Haaren bedeckt. Die Rillen auf den Flügeldecken sind sehr tief und deutlich ausgeprägt.
Die relativ langen Fühler verleihen dem Käfer ein spinnenartiges Aussehen, was typisch für die Gattung Ptinus ist (im Englischen daher "Spider Beetles" genannt).
Larven:Die Larven sind weißlich gefärbt und engerlingartig gekrümmt. Sie ernähren sich in Bienennestern von Nahrungsresten, Kot und anderen organischen Materialien.
Puppe:Die ausgewachsenen Larven verpuppen sich in einem selbst gebauten Kokon.
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Der Sechspunkt-Diebskäfer kann mit anderen Diebkäfer-Arten verwechselt werden:
| Merkmal | Sechspunkt-Diebskäfer (P. sexpunctatus) | Kräuterdieb (P. fur) | Australischer Diebkäfer (P. tectus) |
|---|---|---|---|
| Größe | 2,8-4,2 mm | bis 5 mm | 3-4 mm |
| Farbe | Dunkelbraun, borstig behaart | Bräunlich | Einheitlich braun |
| Flecken | 6 weiße Flecken (3 pro Flügeldecke) | 2 helle Flecken pro Flügeldecke | Ohne deutliche Flecken |
| Lebensraum | Bienennester, morsches Holz | Vorratslager, Vogelnester | Vorratslager |
Entwicklung und Lebenszyklus des Sechspunkt-Diebskäfers
Entwicklungsstadien
Der Sechspunkt-Diebskäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose mit vier Entwicklungsstadien: Ei, Larve, Puppe und adulter Käfer.
Ei: Im Frühjahr legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt in verlassenen Nestern von Mauerbienen (Osmia) und Blattschneiderbienen (Megachile) ab.
Larve: Nach dem Schlüpfen leben die Larven als Kommensalen in den Bienennestern. Sie ernähren sich von:
- Nahrungsresten der Wirtslarven
- Kot und Exkrementen der ursprünglichen Nestbewohner
- Häutungsresten
- Gelegentlich auch von den Bienenlarven selbst
Puppe: Die ausgewachsenen Larven bauen einen Kokon und verpuppen sich darin.
Imago: Nach dem Schlüpfen leben die adulten Käfer einige Monate. Die Flugzeit liegt zwischen April und Oktober.
Entwicklungsdauer
Genaue Angaben zur Entwicklungsdauer des Sechspunkt-Diebskäfers unter verschiedenen Bedingungen sind in der Fachliteratur begrenzt verfügbar. Die Entwicklung erfolgt hauptsächlich im Frühjahr und Sommer, wobei die Flugzeit von April bis Oktober reicht.
Die verwandten Arten der Gattung Ptinus benötigen unter optimalen Bedingungen etwa 3 bis 5 Monate für die Entwicklung vom Ei zum adulten Käfer.
Lebensweise und Verhalten von Sechspunkt-Diebskäfern
Aktivitätsmuster
Der Sechspunkt-Diebskäfer ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die adulten Käfer sind flugfähig, die Hauptflugzeit liegt zwischen April und Oktober.
Nahrung und Ernährung
Natürliche Lebensweise:Der Sechspunkt-Diebskäfer lebt überwiegend xylobiontisch (in Holz) und entwickelt sich in den Nestern verschiedener Hautflügler:
- Mauerbienen (Osmia)
- Blattschneiderbienen (Megachile)
- Wespen- und Ameisennester
- Vogelnester
- Fraßgänge von Bockkäfern (Cerambycidae) in Eichenwäldern
In diesen Nestern ernähren sich die Larven von:
- Pollenvorräten
- Bienenkot
- Überresten toter Insekten
- Organischem Material
Als gelegentlicher Vorratsschädling:In Gebäuden kann der Sechspunkt-Diebskäfer folgende Materialien befallen:
- Gelagerte Trockenwaren
- Textilien
- Pflanzliche Materialien
- Getrocknete Pflanzen
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt während der Verproviantierungsphase in die offenen Zellen von Bienennnestern. Die Eiablage erfolgt im Frühjahr.
Vermehrungsrate
Genaue Angaben zur Eizahl pro Weibchen sind für Ptinus sexpunctatus in der verfügbaren Fachliteratur begrenzt dokumentiert. Da die Art nicht zur Massenvermehrung neigt, wird von einer moderaten Reproduktionsrate ausgegangen.
Flugzeit: April bis Oktober
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Der Sechspunkt-Diebskäfer ist in Europa heimisch und kommt von Europa bis Nordrussland vor. Die Art wurde auch nach Nordamerika eingeführt, wo der erste Nachweis 1915 in Pennsylvania erfolgte. Weitere Populationen wurden 2003 in Nova Scotia (Kanada) und 2004 in Utah (USA) entdeckt.
Natürliche Habitate:
- Morsches Holz von Laubbäumen und Kiefern
- Nester von Mauerbienen und Blattschneiderbienen
- Wespen-, Ameisen- und Vogelnester
- Fraßgänge von Bockkäfern
Verbreitung in/an Gebäuden
In kalten Gebieten und gelegentlich auch in Mitteleuropa kann der Sechspunkt-Diebskäfer in Gebäuden auftreten:
- Nisthilfen für Wildbienen
- Dachböden und Holzkonstruktionen mit Insektennestern
- Vorratslager (selten)
- Gebäude in der Nähe natürlicher Habitate
Die Einschleppung nach Nordamerika erfolgte möglicherweise durch Import von Wildbienen-Nisthilfen, als Osmia-Arten aus Europa und Japan zur Bestäubung eingeführt wurden.
Bedeutung des Schädlings Ptinus sexpunctatus
Schadwirkung
Der Sechspunkt-Diebskäfer ist primär ein natürlich lebender Käfer und verursacht in Gebäuden vergleichsweise selten Schäden:
In Wildbienen-Nisthilfen:
- Fraß an Pollenvorräten
- Gelegentlich auch Fraß an Bienenlarven (in Europa dokumentiert)
- Potenzielle Beeinträchtigung von Mauerbienenzuchten
Als Vorratsschädling (gelegentlich):
- Beschädigung gelagerter Trockenwaren
- Fraß an Textilien und pflanzlichen Materialien
- Qualitätsminderung der Produkte
Wirtschaftliche Schäden
Da der Sechspunkt-Diebskäfer nur selten auftritt und nicht zur Massenvermehrung neigt, sind die wirtschaftlichen Schäden in der Regel begrenzt:
- Gelegentliche Verluste in Vorratslagern
- Potenzielle Beeinträchtigung von Wildbienenzuchten
- Kosten für Bekämpfung bei Auftreten in Gebäuden
Befallene Lebensmittel
Als gelegentlicher Vorratsschädling kann der Sechspunkt-Diebskäfer befallen:
- Gelagerte Trockenwaren
- Getreide und Getreideprodukte
- Getrocknete Pflanzen und Kräuter
- Textilien mit organischen Bestandteilen
Lagerschäden
Die Schäden entsprechen denen anderer Diebkäfer-Arten:
- Fraßlöcher in Lebensmitteln und Materialien
- Kontamination durch Kot und Häutungsreste
- Qualitätsverlust befallener Produkte
Gesundheitliche Risiken bei einem Sechspunkt-Diebskäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Sechspunkt-Diebskäfer beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheiten. Von den Käfern selbst geht keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus.
Indirekte Folgen
Befallene Lebensmittel sollten nicht verzehrt werden, da sie kontaminiert sein können durch:
- Kot der Larven und Käfer
- Häutungsreste
- Käferkadaver
Bei empfindlichen Personen können diese Kontaminationen allergische Reaktionen auslösen.
Sechspunkt-Diebskäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
In Gebäuden:
- Kleine, dunkelbraune Käfer (2,8-4,2 mm) mit charakteristischen weißen Flecken
- Spinnenartiges Aussehen durch lange Fühler
- Auftreten besonders in der Nähe von Wildbienen-Nisthilfen
In Nisthilfen für Wildbienen:
- Auffinden von Käfern oder Larven in Mauerbienen-Nestern
- Beschädigte Pollenwaben
- Käferkadaver oder Kotkrümel in den Nestzellen
Schadensspuren
| Spurenart | Beschreibung |
|---|---|
| Fraßspuren | Unregelmäßige Fraßstellen an organischem Material |
| Kot | Kleine, körnige Kotkrümel |
| Kokons | Verpuppungskokons in geschützten Bereichen |
| Käferreste | Kadaver in Bienennestern oder Lagerräumen |
Vorbeugende Maßnahmen
Die Vorbeugung richtet sich nach dem Befallsort:
In Vorratsräumen:
- Trockene Lebensmittel in verschließbaren Behältern aufbewahren
- Regelmäßige Kontrolle gelagerter Produkte
- Sauberkeit und Hygiene in Lagerräumen
Bei Wildbienen-Nisthilfen:
- Regelmäßige Kontrolle der Nisthilfen
- Entfernung stark befallener Niströhren
- Beobachtung der Population
Allgemein:
- Abdichtung von Zugängen zu Gebäuden
- Entfernung alter Vogel- und Insektennester in Gebäudenähe
Bekämpfung: Was hilft bei einem Sechspunkt-Diebskäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
Bei seltenem Befall in Gebäuden kann professionelle Hilfe hinzugezogen werden:
Kontaktinsektizide:
- Behandlung befallener Bereiche mit zugelassenen Präparaten
- Silikatstaub (Kieselgur) in Ritzen und Spalten
Begasung:Bei stärkerem Befall in Lagerbereichen:
- Phosphin (PH₃)
- Kohlendioxid (CO₂)
- Stickstoff (N₂)
Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.
Eigenmaßnahmen
Bei Befall in Vorratsräumen:
- Befallene Produkte in verschlossenen Beuteln entsorgen
- Gründliche Reinigung der Lagerräume
- Aussaugen von Ritzen und Spalten
- Präventive Lagerung in dichten Behältern
Bei Befall in Wildbienen-Nisthilfen:
- Da die Art selten auftritt und nicht zur Massenvermehrung neigt, stellt sie keine große Gefahr für Mauerbienenzuchten dar
- Bei starkem Befall: Entfernung betroffener Niströhren
- Beobachtung der weiteren Entwicklung
Physikalische Maßnahmen:
- Einfrieren befallener Produkte für mindestens 7 Tage bei -18°C
- Erhitzen trockener Produkte bei 60°C für mindestens 1 Stunde
Sechspunkt-Diebskäfer: Häufig gestellte Fragen
Woher kommt der Name "Sechspunkt-Diebskäfer"?
Der Name bezieht sich auf die sechs weißen Flecken auf den Flügeldecken – drei Flecken pro Flügeldecke. Ein Fleck befindet sich hinter der Schulter, zwei weitere, kleinere Flecken dahinter, die oft zu einem Querband zusammenfließen.
Ist der Sechspunkt-Diebskäfer gefährdet?
In der aktuellen Roten Liste Deutschlands (Schmidl et al. 2021) wird Ptinus sexpunctatus als ungefährdet eingestuft. Die Bestände gelten als mäßig häufig und stabil. Ältere Quellen und einige regionale Rote Listen führten die Art als gefährdet (Kategorie 3), was auf verschiedenen Naturschutz-Webseiten noch verbreitet wird.
Schadet der Sechspunkt-Diebskäfer meinen Wildbienen?
Der Sechspunkt-Diebskäfer lebt natürlicherweise in Bienennestern und ernährt sich dort hauptsächlich von Pollenresten und Kot. In Europa wurde beobachtet, dass er gelegentlich auch Bienenlarven frisst. Da die Art jedoch selten auftritt und nicht zur Massenvermehrung neigt, stellt sie keine große Gefahr für Mauerbienenzuchten dar.
Wie unterscheide ich den Sechspunkt-Diebskäfer von anderen Diebkäfern?
Der Sechspunkt-Diebskäfer ist durch seine sechs charakteristischen weißen Flecken auf den Flügeldecken gut zu erkennen. Die Flecken bestehen aus anliegenden weißen Schuppen und sind sehr markant. Zudem ist die Stirn dicht mit weißen Haaren bedeckt, und die Rillen auf den Flügeldecken sind sehr tief.
Wie wurde der Sechspunkt-Diebskäfer nach Nordamerika eingeschleppt?
Die Einschleppung erfolgte wahrscheinlich durch den Import von Wildbienen-Nisthilfen. Als Mauerbienen-Arten (Osmia cornuta aus Spanien und O. cornifrons aus Japan) zur Bestäubung von Obstbäumen in die USA eingeführt wurden, könnten Sechspunkt-Diebskäfer als "blinde Passagiere" mitgereist sein.
Muss ich bei einem Befall einen Schädlingsbekämpfer rufen?
Bei gelegentlichem Auftreten einzelner Käfer ist meist keine professionelle Bekämpfung erforderlich. Der Sechspunkt-Diebskäfer neigt nicht zur Massenvermehrung. Bei stärkerem Befall in Vorratsräumen kann jedoch professionelle Hilfe sinnvoll sein.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Wildbienen.info: Gegenspieler: Käfer
- Naturspaziergang.de: Ptinus sexpunctatus
- Offene Naturführer: Sechspunkt-Diebskäfer
Internationale wissenschaftliche Quellen
- BugGuide.Net: Species Ptinus sexpunctatus
- Cambridge Core: Studies on Beetles of the Family Ptinidae (Howe & Burges, 1951)