Schaedlingsvernichtung.de Icon
R

Rossameise (Camponotus ligniperda)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 02. März 2026
Lesedauer: 14 Minuten
© Schaedlingsvernichtung.de

Die Rossameise (Camponotus ligniperda), auch als Braunschwarze Rossameise bezeichnet, gehört zur Familie der Ameisen (Formicidae) und zur Unterfamilie der Schuppenameisen (Formicinae). Sie gilt als die größte einheimische Ameisenart Deutschlands und kann als holzzerstörender Materialschädling erhebliche Schäden an Gebäuden verursachen. Die Arbeiterinnen werden über einen Zentimeter groß und sind damit unverwechselbar.

Camponotus ligniperda nistet bevorzugt in totem und morschem Holz, das mit Hilfe der kräftigen Mandibeln zu Gängen und Brutkammern ausgenagt wird. Im Gegensatz zu Termiten fressen Rossameisen das Holz nicht, sondern zerkleinern es lediglich, um Nestkammern anzulegen. Problematisch wird die Art, wenn sie morsche und intakte Balken oder andere Holzelemente in Gebäuden ausnagt und dabei auch Wärmedämmungen aus Styropor oder anderen Dämmmaterialien zerstört.

Aussehen: Wie sieht die Rossameise aus?

Erkennungsmerkmale

Die Rossameise zeigt einen ausgeprägten Größenpolymorphismus innerhalb der Arbeiterinnenkaste. Zwischen dem mittleren Körperabschnitt (Mesosoma) und dem Hinterleib (Gaster) befindet sich ein einzelnes, schuppenförmiges Stielchenglied (Petiolus), das für die Unterfamilie der Formicinae charakteristisch ist. Die Körperoberfläche ist glänzend.

KasteGrößeMerkmale
Arbeiterinnen (minor)6–10 mmSchwarz mit rötlichbraunem Mesosoma, flügellos
Arbeiterinnen (major)10–14 mmSchwarz mit rötlichbraunem Mesosoma, flügellos, kräftige Mandibeln
Männchen8–12 mmGeflügelt, schlank gebaut
Königinnen16–18 mmGeflügelt vor Paarung, deutlich größer als Arbeiterinnen

Die Grundfärbung ist zweifarbig: Kopf und Hinterleib (Gaster) sind schwarz, während der mittlere Körperabschnitt (Mesosoma) rötlichbraun gefärbt erscheint. Königinnen werfen nach dem Schwarmflug ihre Flügel ab.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Die Rossameise kann mit der nah verwandten Schwarzen Rossameise (Camponotus herculeanus) verwechselt werden. C. herculeanus kommt vorwiegend in höheren Lagen vor und löst C. ligniperda dort ab. Bei C. herculeanus ist die Färbung des Mesosomas dunkler, und die Art befällt nach Fachliteratur vorwiegend Nadelholz.

Im Vergleich zur deutlich kleineren Schwarzen Wegameise (Lasius niger, Arbeiterinnen 3–5 mm) ist die Rossameise aufgrund ihrer Größe von über 10 mm bei den großen Arbeiterinnen kaum zu verwechseln. Auch die Braune Wegameise (Lasius brunneus, Arbeiterinnen 2,5–4 mm) ist erheblich kleiner, nistet jedoch ebenfalls in morschem Holz und kann als Materialschädling auftreten.

Entwicklung und Lebenszyklus der Rossameise

Entwicklungsstadien

Wie alle Ameisen durchläuft die Rossameise eine vollständige Verwandlung (Holometabolie) mit vier Entwicklungsstadien: Ei, Larve, Puppe und adulte Ameise.

StadiumBeschreibung
EiWinzig, weiß, von den Arbeiterinnen in Brutkammern gepflegt
LarveMadenförmig, weiß, wird von Arbeiterinnen gefüttert
PuppeIn einem Kokon, Verpuppung in der Brutkammer
Adulte AmeiseArbeiterin, Männchen oder Königin

Entwicklungsdauer

Die Entwicklung von Camponotus ligniperda verläuft im Vergleich zu vielen anderen Ameisenarten langsam. Die einzelnen Entwicklungsphasen dauern bei Raumtemperaturen von 18–23 °C:

EntwicklungsphaseDauer
Ei bis Larve9–16 Tage
Larve bis Puppe10–14 Tage
Puppe bis adulte Ameise12–24 Tage

Unter günstigen Bedingungen beträgt die Gesamtentwicklung vom Ei bis zur adulten Ameise etwa 4 bis 8 Wochen (ca. 31–54 Tage). In der internationalen Fachliteratur werden häufig 8 bis 10 Wochen angegeben, was auf langsamere Entwicklung in kleineren oder frisch gegründeten Kolonien zurückzuführen ist. Die tatsächliche Dauer hängt stark von Temperatur, Nahrungsversorgung und Koloniegröße ab.

Pro Jahr werden zwei Brutzyklen durchlaufen. Die Königin legt Eier in zwei Perioden: eine im Frühjahr und eine zweite im Spätsommer. Die im Spätsommer gelegten Eier entwickeln sich bis zum Larvenstadium und überwintern dann in Diapause.

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) geben eine Winterruhe von 5 bis 6 Monaten an, während internationale Quellen (Ant-keeping-Fachliteratur) eine Diapause von 4 bis 5 Monaten dokumentieren. Die tatsächliche Dauer hängt vermutlich von den klimatischen Bedingungen des jeweiligen Standorts ab.

Lebensweise und Verhalten von Rossameisen

Aktivitätsmuster

Rossameisen sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Die Aktivitätsperiode erstreckt sich etwa von April bis September. Die Art gilt als äußerst wehrhaft und aggressiv. Obwohl Rossameisen keinen Giftstachel besitzen, können die Arbeiterinnen aufgrund ihrer Größe und der kräftigen Mandibeln schmerzhaft beißen.

Die geflügelten Geschlechtstiere (Männchen und Jungköniginnen) schwärmen von Anfang Mai bis Ende Juni. Der Schwarmflug findet typischerweise 2 bis 5 Stunden vor Sonnenuntergang statt und erfordert Temperaturen von 21–27 °C.

Nahrung und Ernährung

Rossameisen sind Allesfresser mit einer Vorliebe für zuckerhaltige Nahrungsquellen:

  • Honigtau von Blattläusen und Schildläusen (Hauptnahrungsquelle)
  • Insekten, die von den Arbeiterinnen erbeutet werden
  • Pflanzensäfte, die von den Arbeiterinnen aufgeleckt werden

Das Holz, in dem die Nester angelegt werden, dient nicht als Nahrung. Es wird lediglich zerkleinert und aus den Nestkammern entfernt.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Der Hochzeitsflug findet von Anfang Mai bis Ende Juni bei Temperaturen von 21–27 °C statt. Die geflügelten Jungköniginnen und Männchen verlassen das Nest und paaren sich im Flug. Nach der Paarung werfen die Königinnen ihre Flügel ab und suchen einen geeigneten Nistplatz.

Jungköniginnen dringen nach dem Schwarmflug regelmäßig in Häuser und Wohnungen ein, um dort neue Kolonien zu gründen.

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Das Institut für Schädlingskunde gibt an, dass Kolonien von Camponotus ligniperda „eine oder mehrere Königinnen" enthalten können, wobei mehrere Königinnen räumlich getrennt im Nest leben (funktionelle Polygynie). Einige internationale Quellen stufen die Art hingegen als monogyn (eine Königin pro Kolonie) ein. In der Praxis der Schädlingsbekämpfung sollte stets davon ausgegangen werden, dass mehrere Königinnen vorhanden sein können, da dies die Bekämpfung erheblich erschwert.

Vermehrungsrate

Die Kolonieentwicklung verläuft bei Camponotus ligniperda langsam:

ParameterWert
Arbeiterinnen im 1. Jahrca. 10–20
Arbeiterinnen im 2. Jahrca. 100
Reife Kolonieüber 10.000 Arbeiterinnen
Lebensdauer der Königinca. 10–15 Jahre
Brutzyklen pro Jahr2

Die genaue Anzahl der Eier pro Königin und Jahr ist in der verfügbaren Fachliteratur nicht exakt beziffert.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Die Rossameise ist in ganz Deutschland verbreitet, vom Flachland bis in die Mittelgebirgslagen. Sie ist eine wärmeliebende Art und kommt in folgenden Lebensräumen vor:

  • Temperierte Laubwälder
  • Laubmischwälder und Nadelmischwälder
  • Trocken- und Halbtrockenrasen mit Gebüsch
  • Feldraine in der Kulturlandschaft
  • Parks und Gärten mit altem Baumbestand

In höheren Lagen wird Camponotus ligniperda von der nah verwandten Camponotus herculeanus (Schwarze Rossameise) abgelöst.

Verbreitung in/an Gebäuden

Rossameisen dringen auf verschiedenen Wegen in Gebäude ein:

  • Schwarmflug: Jungköniginnen fliegen aktiv Gebäude an und gründen neue Kolonien
  • Einwanderung: Arbeiterinnen wandern über Ameisenstraßen aus dem Garten ein
  • Vorhandene Nester: Nester im Gartenbereich dehnen sich unterirdisch bis zum Gebäude aus

Die Nestbereiche einer Kolonie können über 100 Quadratmeter umfassen und sich über mehrere Bäume erstrecken, die durch unterirdische Gänge miteinander verbunden sind.

Bedeutung des Schädlings Camponotus ligniperda

Schadwirkung

Die Rossameise wird als Materialschädling eingestuft. Sie verursacht Schäden durch das Ausnagen von Holz und Dämmmaterialien zur Anlage ihrer Nestkammern und Gangsysteme. Im Gegensatz zu Termiten wird das Holz nicht verzehrt, sondern zerkleinert und als feines Nagsel (Sägemehl) aus den Gängen entfernt.

Wirtschaftliche Schäden

Die wirtschaftlichen Schäden durch Rossameisen können erheblich sein:

  • Strukturelle Schäden: Ausgehöhlte Balken, Fachwerkhölzer und Dachstuhlhölzer
  • Dämmungsschäden: Zerstörung von Wärmedämmungen aus Polystyrol (EPS und XPS) und anderen Schaumdämmstoffen
  • Sanierungskosten: Austausch befallener Hölzer und Dämmmaterialien
  • Sekundärschäden: Feuchtigkeitseintritt durch beschädigte Dämmmaterialien

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sowohl expandiertes Polystyrol (EPS) als auch extrudiertes Polystyrol (XPS) von Camponotus ligniperda zur Nestanlage ausgehöhlt werden. Erwärmte Dämmplatten waren dabei stärker betroffen als kalte.

Befallene Holzarten

Die Rossameise befällt sowohl Nadel- als auch Laubholz, wobei Nadelholz und insbesondere Fichte bevorzugt wird. Im Gegensatz dazu befällt die verwandte Camponotus herculeanus nach Fachliteratur vorwiegend Nadelholz.

HolzartAnfälligkeit
FichteHoch (bevorzugt)
TanneHoch
KieferHoch
Laubhölzer (allgemein)Mittel
Gesundes KernholzGering

Die Nester werden bevorzugt in totem, morschem Holz angelegt. Bäume werden bis zu einer Höhe von etwa drei Metern besiedelt. In Gebäuden werden auch intakte Balken angenagt, sofern diese eine erhöhte Holzfeuchte aufweisen oder Vorschädigungen durch Pilzbefall zeigen.

Fraßgänge und Bohrlöcher

Die Gangsysteme der Rossameise unterscheiden sich je nach Zustand des Holzes:

HolzzustandGangstruktur
Pilzbefallenes / morsches HolzRegellose Hohlräume und unregelmäßige Kammern
Gesundes HolzRegelmäßige Gangsysteme, nur weiches Frühholz wird ausgenagt

In gesundem Holz nagen die Arbeiterinnen selektiv das weiche Frühholz aus und lassen die härteren Spätholzlamellen stehen. Dadurch entsteht ein charakteristisches, lamellenartiges Fraßbild. Das anfallende feine Nagsel (Sägemehl) wird aus den Gängen transportiert und sammelt sich am Nesteingang oder unterhalb befallener Hölzer an.

Im Unterschied zu holzfressenden Insekten wie dem Hausbock hinterlassen Rossameisen keine Ausfluglöcher im klassischen Sinne, sondern offene Nesteingänge und Zugangslöcher.



Gesundheitliche Risiken bei einem Rossameise Befall

Direkte Gefahren

Die Rossameise besitzt keinen Giftstachel und kann daher nicht stechen. Aufgrund ihrer Größe und der kräftigen Mandibeln können die Arbeiterinnen jedoch schmerzhaft beißen. Die Bisse sind vergleichbar mit einem leichten Zwicken und in der Regel medizinisch unbedenklich.

Einige Ameisenarten der Unterfamilie Formicinae können bei einem Biss Ameisensäure (Methansäure) in die Bisswunde sprühen, was ein kurzzeitiges Brennen verursachen kann.

Indirekte Folgen

Die Hauptgefahr liegt in den strukturellen Schäden, die ein Rossameisen-Befall an tragenden Holzkonstruktionen verursachen kann. Bei langjährigem, unentdecktem Befall können ausgehöhlte Balken ihre Tragfähigkeit verlieren.

Rossameise Befall erkennen

Befallsanzeichen

Ein Befall durch Rossameisen lässt sich anhand folgender Anzeichen erkennen:

  1. Große Ameisen (über 10 mm) im oder am Gebäude, besonders auffällig durch die zweifarbige Zeichnung (schwarzer Kopf und Hinterleib, rötlichbrauner Rumpf)
  2. Nagsel (feines Sägemehl) unterhalb befallener Hölzer oder an Nesteingängen
  3. Ameisenstraßen entlang von Wänden, Fundamenten oder Baumstämmen in Gebäudenähe
  4. Geflügelte Geschlechtstiere im Mai/Juni, die in Gebäude eindringen
  5. Beschädigte Dämmmaterialien mit sichtbaren Hohlräumen und Nagsel
Rossameise (Camponotus ligniperda) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

AnzeichenBeschreibung
NagselFeines, helles Sägemehl, häuft sich unter befallenen Stellen an
GangsystemeLamellenartig in gesundem Holz, unregelmäßig in morschem Holz
NestöffnungenOffene Zugangslöcher am Holz, oft am Übergang zum Erdreich
LaufstraßenDeutlich erkennbare Ameisenstraßen, tag- und nachtaktiv

Tipp: Zählen Sie die Arbeiterinnen, die eine Ameisenstraße in 10 bis 20 Minuten passieren, um die ungefähre Koloniegröße einzuschätzen. Zahlreiche große Ameisen deuten auf ein etabliertes Nest in Gebäudenähe hin.

Vorbeugende Maßnahmen

Zur Vorbeugung gegen einen Rossameisen-Befall empfehlen sich folgende Maßnahmen:

Bauliche Maßnahmen

  • Holzfeuchte kontrollieren: Feuchtes Holz in Gebäuden begünstigt die Nestanlage. Undichte Stellen an Dach, Fassade und Rohrleitungen zeitnah reparieren
  • Erdkontakt vermeiden: Holzbauteile sollten keinen direkten Erdkontakt haben
  • Totholz entfernen: Alte Baumstümpfe und morsches Holz in Gebäudenähe beseitigen
  • Dämmmaterialien schützen: Sockelbereich und erdberührte Flächen mit mineralischen Dämmstoffen (z. B. Schaumglas) statt Polystyrol dämmen

Weitere Schutzmaßnahmen

  • Regelmäßige Kontrolle von Holzkonstruktionen auf Nagsel und Ameisenstraßen
  • Ritzen und Fugen an Fassade und Fundament abdichten
  • Nahrungsquellen im Gebäude vermeiden (offene Lebensmittel, Honigtöpfe)
  • Blattlausbefall an Pflanzen in Gebäudenähe bekämpfen, um die Honigtauquelle zu reduzieren
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Rossameise Befall?

Professionelle Bekämpfung

Die Bekämpfung von Rossameisen sollte grundsätzlich von einem professionellen Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden. Der Erfolg hängt entscheidend davon ab, sämtliche Kolonieteile einschließlich aller Königinnen zu eliminieren. Das bloße Abtöten einzelner Arbeiterinnen ist wirkungslos, da der Verlust weniger Individuen von der Kolonie schnell kompensiert wird.

Nestlokalisation

Vor der Bekämpfung muss das Nest lokalisiert werden. Professionelle Schädlingsbekämpfer nutzen dazu:

  • Verfolgung der Ameisenstraßen zum Nest
  • Auswertung von Nagsel-Ansammlungen
  • Abklopfen von Holzbauteilen auf Hohlräume

Kontaktinsektizide

Kontaktinsektizide werden direkt in die Nestkammern eingebracht:

  • Einblasen durch vorgebohrte Öffnungen in befallene Hohlräume
  • Ausbringung von Kieselgur (Diatomeenerde) entlang der Laufwege und hinter Fußleisten – das Mittel zerstört die Wachsschicht auf dem Exoskelett der Ameisen und führt zur Austrocknung

Fraßköder

Vergiftete Fraßköder werden entlang der Ameisenstraßen und in Nestnähe platziert. Die Arbeiterinnen tragen die Köder ins Nest, wo sie an die Königinnen und Brut verfüttert werden. Diese Methode eignet sich besonders, wenn die Nestlage unzugänglich ist.

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung 528/2012 und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Besondere Herausforderung: Mehrere Königinnen

Eine Bekämpfung wird durch die Sozialstruktur von Camponotus ligniperda erschwert. Da Kolonien mehrere räumlich getrennte Königinnen enthalten können und die Nestbereiche über 100 Quadratmeter umfassen können, müssen alle Kolonieteile gleichzeitig behandelt werden. Erst wenn sämtliche Königinnen vernichtet wurden, kann eine Bekämpfung als dauerhaft erfolgreich angesehen werden.

Eigenmaßnahmen

Eigenständige Maßnahmen können einen leichten Befall eindämmen, ersetzen jedoch bei etablierten Kolonien keine professionelle Bekämpfung:

  • Ameisenstraßen unterbrechen: Ritzen und Fugen mit Silikon oder Acryl abdichten
  • Nahrungsquellen beseitigen: Lebensmittel verschlossen aufbewahren, Blattläuse an Pflanzen bekämpfen
  • Schwarmflug abfangen: Geflügelte Geschlechtstiere im Mai/Juni mit dem Staubsauger einfangen, um Neugründungen im Gebäude zu verhindern
  • Feuchtigkeitsquellen beseitigen: Undichte Stellen reparieren, da feuchtes Holz den Befall begünstigt

Bei Verdacht auf Befall tragender Holzkonstruktionen sollte zusätzlich ein Bausachverständiger hinzugezogen werden, da Rossameisen häufig ein Indikator für bereits bestehende Feuchteschäden im Holz sind.

Rossameise: Häufig gestellte Fragen

Wie groß werden Rossameisen?

Die Rossameise ist die größte einheimische Ameisenart Deutschlands. Die Arbeiterinnen erreichen je nach Kaste eine Körperlänge von 6 bis 14 mm. Königinnen werden mit 16 bis 18 mm noch deutlich größer. Die Männchen messen 8 bis 12 mm.

Sind Rossameisen gefährlich für Menschen?

Rossameisen besitzen keinen Giftstachel und können daher nicht stechen. Aufgrund ihrer Größe und der kräftigen Mandibeln können sie jedoch schmerzhaft beißen. Die Bisse sind in der Regel medizinisch unbedenklich, können aber ein kurzzeitiges Brennen verursachen.

Welche Schäden verursachen Rossameisen an Gebäuden?

Rossameisen nagen mit ihren kräftigen Mandibeln Gänge und Brutkammern in Holz und Dämmmaterialien. Sie fressen das Holz nicht, sondern entfernen es als feines Sägemehl (Nagsel). Betroffen sind vorwiegend Balken, Fachwerkhölzer und Dachstuhlhölzer sowie Wärmedämmungen aus Polystyrol (EPS/XPS).

Wie erkenne ich einen Rossameisen-Befall?

Typische Anzeichen sind große, auffällig zweifarbig gezeichnete Ameisen (über 10 mm) im oder am Gebäude, feines helles Sägemehl (Nagsel) unter befallenen Hölzern, deutliche Ameisenstraßen und im Mai/Juni geflügelte Geschlechtstiere. Bei Verdacht sollte ein professioneller Schädlingsbekämpfer kontaktiert werden.

Kann ich Rossameisen selbst bekämpfen?

Eigenständige Maßnahmen wie das Abdichten von Zugangswegen und das Beseitigen von Nahrungsquellen können einen leichten Befall eindämmen. Bei etablierten Kolonien ist eine professionelle Bekämpfung jedoch dringend empfohlen, da alle Königinnen eliminiert werden müssen und die Nestbereiche über 100 Quadratmeter umfassen können.

Was ist der Unterschied zwischen Rossameise und Schwarzer Wegameise?

Die Rossameise (Camponotus ligniperda) ist mit Arbeiterinnen von 6 bis 14 mm deutlich größer als die Schwarze Wegameise (Lasius niger, 3–5 mm). Zudem ist die Rossameise zweifarbig (schwarzer Kopf und Hinterleib, rötlichbrauner Rumpf), während die Schwarze Wegameise einheitlich dunkelbraun bis schwarz gefärbt ist. Im Gegensatz zur Schwarzen Wegameise verursacht die Rossameise Schäden an Holzkonstruktionen.

Warum nisten Rossameisen in meinem Haus?

Rossameisen bevorzugen feuchtes oder morsches Holz für die Nestanlage. Wenn Rossameisen in einem Gebäude nisten, deutet dies häufig auf eine bestehende Feuchtigkeitsproblematik hin. Undichte Rohrleitungen, mangelnde Abdichtung oder aufsteigende Feuchtigkeit können die Ursache sein. Eine Bekämpfung sollte daher stets auch die Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle umfassen.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen


Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.