Der Erdnussplattkäfer (Oryzaephilus mercator) gehört zur Familie der Plattkäfer (Silvanidae) und ist ein bedeutender Vorratsschädling, der vorwiegend öl- und fetthaltige pflanzliche Produkte befällt. Im Gegensatz zum eng verwandten Getreideplattkäfer bevorzugt diese wärmeliebende Art Nüsse, Ölsaaten und Trockenfrüchte.
- Aussehen: Wie sieht der Erdnussplattkäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Erdnussplattkäfers
- Lebensweise und Verhalten von Erdnussplattkäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Oryzaephilus mercator
- Gesundheitliche Risiken bei einem Erdnussplattkäfer Befall
- Erdnussplattkäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Erdnussplattkäfer Befall?
- Erdnussplattkäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
In Mitteleuropa tritt der Erdnussplattkäfer hauptsächlich durch importierte Waren auf. Die Art ist in den Tropen und Subtropen weit verbreitet und kann sich unter günstigen Bedingungen schnell vermehren – innerhalb eines Monats kann die Population um das 25-fache anwachsen.
Aussehen: Wie sieht der Erdnussplattkäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Der Erdnussplattkäfer erreicht eine Körperlänge von 3 bis 4 mm und weist, wie der deutsche Name andeutet, einen stark abgeflachten Körperbau auf. Kopf und Halsschild sind dunkel gefärbt, während die Flügeldecken (Elytren) leicht rötlich erscheinen.
Wie beim eng verwandten Getreideplattkäfer befinden sich auf beiden Seiten des Halsschildes jeweils sechs vorspringende, etwa gleich große und spitze Zähnchen. Ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal zum Getreideplattkäfer ist eine zahnartige Struktur direkt hinter dem Auge, die kaum die Hälfte der Augenlänge erreicht.
Die Augen des Erdnussplattkäfers sind vergleichsweise groß – der Augendurchmesser ist größer als die dahinterliegende Schläfenregion. Der Kopf wirkt rechteckiger als beim Getreideplattkäfer.
Larvenstadium: Die Larven sind gelblich-weiß mit braunem Kopf und erreichen eine Länge von bis zu 3 mm. Sie sind beweglich und durchwandern das Nahrungssubstrat.
Puppenstadium: Die Verpuppung erfolgt in lockeren Kokons aus Nahrungspartikeln. Die Puppen sind rotbraun gefärbt.
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Der Erdnussplattkäfer wird häufig mit dem Getreideplattkäfer verwechselt:
| Merkmal | Erdnussplattkäfer | Getreideplattkäfer |
|---|---|---|
| Größe | 3-4 mm | 2,2-3,3 mm |
| Kopfform | Rechteckiger | Eher dreieckig |
| Augengröße | Größer (> Schläfenregion) | Kleiner |
| Schläfenzahn | Kürzer als halbe Augenlänge | Länger |
| Flügeldecken | Leicht rötlich | Graubraun |
| Bevorzugte Nahrung | Ölhaltige Produkte | Getreideprodukte |
| Flugfähigkeit | Flugfähig (internationale Quellen) | Nicht flugfähig |
| Kältetoleranz | Niedriger | Höher |
Entwicklung und Lebenszyklus des Erdnussplattkäfers
Entwicklungsstadien
Der Erdnussplattkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose:
Ei: Die Weibchen legen ihre Eier im Brutsubstrat ab. Die Eier sind mikroskopisch klein, weiß und länglich.
Larve: Nach dem Schlupf durchlaufen die Larven drei Larvenstadien über etwa zwei Wochen. Die Larven fressen, indem sie sich in Getreidekörner oder andere Nahrungsquellen einbohren.
Puppe: Die Verpuppung erfolgt in lockeren Kokons aus dem umgebenden Nahrungsmaterial. Die rotbraunen Puppen entwickeln sich über 1 bis 3 Wochen.
Imago (adulter Käfer): Die adulten Käfer leben laut internationalen Quellen durchschnittlich 6 bis 10 Monate, können aber bis zu 3 Jahre alt werden.
Entwicklungsdauer
Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist stark temperaturabhängig und variiert je nach Nahrungssubstrat:
| Bedingungen | Entwicklungsdauer (Ei bis Käfer) |
|---|---|
| Optimal (30°C, 70% r.F.) | ca. 27-50 Tage |
| Auf Aprikosen (30°C) | ca. 27 Tage |
| Auf Rosinen (30°C) | ca. 38 Tage |
Detaillierte Stadiendauer bei 30°C und 70% relativer Luftfeuchtigkeit:
- Eistadium: 4-5 Tage
- Larvenstadium: 23-34 Tage (je nach Nahrungssubstrat)
- Puppenstadium: Dauer nicht eindeutig dokumentiert
- Lebensdauer adulte Käfer: 6-10 Monate (bis zu 3 Jahre möglich, internationale Quellen)
Lebensweise und Verhalten von Erdnussplattkäfern
Aktivitätsmuster
Der Erdnussplattkäfer ist wärmeliebend und hauptsächlich in den Tropen und Subtropen verbreitet. In Mitteleuropa wird er häufig mit importierten Lebensmitteln eingeschleppt. Im Gegensatz zum nachweislich flugunfähigen Getreideplattkäfer ist der Erdnussplattkäfer flugfähig und kann aktiv neue Befallsquellen aufsuchen (laut internationalen Quellen).
Die Art ist weniger kältetolerant als der Getreideplattkäfer und bevorzugt wärmere Umgebungen.
Nahrung und Ernährung
Der Erdnussplattkäfer befällt vorwiegend öl- und fetthaltige pflanzliche Produkte. Getreide wird deutlich seltener angegriffen als beim verwandten Getreideplattkäfer.
Bevorzugte Nahrungsquellen:
- Erdnüsse
- Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch)
- Mandeln, Cashewnüsse, Muskatnüsse
- Getrocknete Früchte: Aprikosen, Feigen, Datteln
- Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne
Weitere befallene Produkte:
- Nussprodukte aller Art
- Ölhaltige Samen
- Seltener: Getreide und Getreideprodukte
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Das Weibchen legt seine Eier im Brutsubstrat ab. Die Eiproduktion ist geringer als beim Getreideplattkäfer – der Erdnussplattkäfer legt etwa halb so viele bis zwei Drittel der Eimenge des Getreideplattkäfers.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eier pro Weibchen (70 Tage) | bis zu 180 |
| Vermehrungsfaktor (1 Monat, optimal) | 25-fach |
| Generationen pro Jahr | 4-6 |
| Lebensdauer adulte Käfer | 6-10 Monate (bis zu 3 Jahre, internationale Quellen) |
Unter günstigen Bedingungen kann sich die Population innerhalb eines Monats um das 25-fache vermehren.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Der wärmeliebende Erdnussplattkäfer ist hauptsächlich in den Tropen und Subtropen verbreitet. In Mitteleuropa etabliert er sich nicht dauerhaft im Freiland, wird aber regelmäßig mit importierten Lebensmitteln eingeschleppt.
Verbreitung in/an Gebäuden
In Deutschland tritt der Erdnussplattkäfer vor allem auf durch:
- Import: Einschleppung mit befallenen Nüssen, Trockenfrüchten und ölhaltigen Produkten
- Gewerbliche Anlagen: Lagerhäuser, Lebensmittelverarbeitung
- Privathaushalte: Mit befallenen Produkten eingeschleppt
Bedeutung des Schädlings Oryzaephilus mercator
Schadwirkung
Der Erdnussplattkäfer verursacht erhebliche Schäden an ölhaltigen Vorräten:
- Direkter Fraß: Zerstörung von Nüssen, Trockenfrüchten und Ölsaaten
- Kontamination: Verunreinigung durch Kotpartikel, leere Larven- und Puppenhüllen sowie Fraßmehl
- Qualitätsminderung: Befallene Produkte werden ungenießbar
- Wirtschaftliche Verluste: Besonders bei importierten Nüssen und Trockenfrüchten
Befallene Lebensmittel
Der Erdnussplattkäfer befällt vorwiegend:
- Nüsse: Erdnüsse, Mandeln, Cashews, Walnüsse, Haselnüsse, Muskatnüsse
- Kopra (getrocknetes Kokosnussfleisch)
- Trockenfrüchte: Aprikosen, Feigen, Datteln, Rosinen
- Ölsaaten: Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne
- Seltener: Getreide und Getreideprodukte
Lagerschäden
| Befallsgrad | Schadensumfang |
|---|---|
| Leichter Befall | Vereinzelte Fraßschäden |
| Mittlerer Befall | Deutliche Kontamination, Qualitätsverlust |
| Starker Befall | Massive Zerstörung, Ware unbrauchbar |
Befallene Lebensmittel sind mit Kotpartikeln, leeren Larven- und Puppenhüllen sowie mit Fraßmehl durchsetzt und sollten keinesfalls verzehrt werden.
Wirtschaftliche Schäden
Als Schädling importierter Produkte verursacht der Erdnussplattkäfer besonders Schäden im internationalen Handel mit Nüssen und Trockenfrüchten.
Gesundheitliche Risiken bei einem Erdnussplattkäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Erdnussplattkäfer stellt keine direkte Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. Er beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheiten.
Indirekte Folgen
Die gesundheitlichen Risiken ergeben sich aus der Kontamination von Lebensmitteln:
- Verunreinigung: Kotpartikel, Häutungsreste, Fraßmehl und Kadaver im Lagergut
- Hygienemängel: Befallene Lebensmittel sind für den Verzehr ungeeignet
Befallene Lebensmittel sollten vollständig entsorgt werden.
Erdnussplattkäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
Ein Erdnussplattkäferbefall lässt sich an folgenden Anzeichen erkennen:
- Lebende Käfer: Kleine, flache, rötlich-braune Käfer in Nussprodukten oder Trockenfrüchten
- Fraßschäden: Angefressene Nüsse oder Trockenfrüchte
- Larven: Bewegliche, gelblich-weiße Larven im Substrat
- Kontamination: Fraßmehl und Kotpartikel
Schadensspuren
| Anzeichen | Beschreibung |
|---|---|
| Fraßspuren | Löcher und Fraßgänge in Nüssen und Trockenfrüchten |
| Kontamination | Kotpartikel, Häutungsreste, Fraßmehl |
| Lebende Tiere | Flache, rötlich-braune Käfer mit gezähntem Halsschild |
| Kokons | Lockere Puppenhüllen aus Nahrungspartikeln |
Vorbeugende Maßnahmen
Eine effektive Prävention ist der beste Schutz:
Lagerhaltung
- Kühle Lagerung: Niedrige Temperaturen hemmen die Entwicklung
- Trockene Lagerung: Niedrige Luftfeuchtigkeit erschwert die Vermehrung
- Eingangskontrolle: Importierte Waren sorgfältig auf Befall prüfen
- Sauberkeit: Gründliche Reinigung von Lagerbehältern
Im Privathaushalt
- Nüsse und Trockenfrüchte in dicht schließenden Behältern aufbewahren
- Importierte Produkte besonders sorgfältig kontrollieren
- Vorräte regelmäßig prüfen und rotieren
- Bei Verdacht: Produkte einfrieren (-18°C für mindestens 6 Tage)
Im gewerblichen Bereich
- Strenge Eingangskontrolle bei importierten Waren
- Regelmäßiges Monitoring mit Pheromonfallen
- Temperaturkontrolle der Lagerbereiche
- Quarantäne verdächtiger Lieferungen
Bekämpfung: Was hilft bei einem Erdnussplattkäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
Im gewerblichen Bereich stehen verschiedene Bekämpfungsmethoden zur Verfügung:
Begasung:
- Stickstoff (N2)
- Kohlendioxid (CO2)
- Phosphorwasserstoff (Phosphin)
- CO2-Druckanwendung zur Verkürzung der Einwirkzeit
Thermische Behandlung:
- Wärmebehandlung: Erhitzung auf über 50°C
- Kältebehandlung: Tiefkühlung bei unter -18°C
Biologische Bekämpfung:
- Cephalonomia tarsalis – eine Schlupfwespenart, die den Erdnussplattkäfer und den verwandten Getreideplattkäfer parasitiert
Eigenmaßnahmen
Im Privathaushalt können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Befallene Produkte entsorgen: Vollständige Entsorgung aller befallenen Lebensmittel in verschlossenen Beuteln
- Gründliche Reinigung: Schränke aussaugen und feucht auswischen
- Tiefkühlung: Verdächtige Produkte für mindestens 6 Tage bei -18°C einfrieren
- Umverpacken: Alle Nüsse und Trockenfrüchte in dicht schließende Behälter umfüllen
- Kontrolle: Regelmäßige Überprüfung der Vorräte
Erdnussplattkäfer: Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheide ich den Erdnussplattkäfer vom Getreideplattkäfer?
Der Erdnussplattkäfer (3-4 mm) ist etwas größer als der Getreideplattkäfer (2,2-3,3 mm) und hat größere Augen. Der Erdnussplattkäfer bevorzugt ölhaltige Produkte wie Nüsse, während der Getreideplattkäfer vorwiegend Getreideprodukte befällt. Zudem ist der Erdnussplattkäfer flugfähig, der Getreideplattkäfer nicht.
Kann der Erdnussplattkäfer fliegen?
Ja, im Gegensatz zum eng verwandten Getreideplattkäfer ist der Erdnussplattkäfer flugfähig. Dies ermöglicht ihm eine aktivere Verbreitung und das Auffinden neuer Nahrungsquellen.
Welche Lebensmittel befällt der Erdnussplattkäfer?
Der Erdnussplattkäfer befällt vorwiegend öl- und fetthaltige Produkte: Erdnüsse, Mandeln, Cashews, andere Nüsse, Kopra, Trockenfrüchte (Aprikosen, Feigen, Datteln) und Ölsaaten. Getreide wird deutlich seltener angegriffen.
Ist der Erdnussplattkäfer gefährlich?
Der Erdnussplattkäfer ist für den Menschen nicht direkt gefährlich. Die Schädlichkeit besteht in der Kontamination und Zerstörung von Lebensmitteln. Befallene Produkte sollten nicht verzehrt werden.
Wie lange leben Erdnussplattkäfer?
Adulte Erdnussplattkäfer leben durchschnittlich 6 bis 10 Monate, können unter günstigen Bedingungen aber bis zu 3 Jahre alt werden.
Woher kommen Erdnussplattkäfer?
Der Erdnussplattkäfer ist eine wärmeliebende Art aus den Tropen und Subtropen. In Mitteleuropa wird er hauptsächlich mit importierten Nüssen, Trockenfrüchten und ölhaltigen Produkten eingeschleppt.
Bei welcher Temperatur entwickelt sich der Erdnussplattkäfer optimal?
Die optimale Entwicklung erfolgt bei etwa 30°C und 70 % relativer Luftfeuchtigkeit. Der Erdnussplattkäfer ist weniger kältetolerant als der verwandte Getreideplattkäfer.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/kaefer/erdnussplattkaefer-oryzaephilus-mercator/
Internationale wissenschaftliche Quellen
- Penn State Extension: Sawtoothed and Merchant Grain Beetle
- Texas A&M AgriLife Extension: Grain Beetle