Der Erbsensamenkäfer (Bruchus pisorum), auch einfach als Erbsenkäfer bezeichnet, gehört zur Familie der Samenkäfer (Bruchidae) und ist ein bedeutender Schädling an Erbsen. Ursprünglich stammt die Art aus Westasien und kommt heute nahezu überall dort vor, wo Erbsen angebaut werden. Der wissenschaftliche Name wurde 1758 von Carl von Linné vergeben.
- Aussehen: Wie sieht der Erbsensamenkäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Erbsensamenkäfers
- Lebensweise und Verhalten von Erbsensamenkäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Bruchus pisorum
- Gesundheitliche Risiken bei einem Erbsensamenkäfer Befall
- Erbsensamenkäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Erbsensamenkäfer Befall?
- Erbsensamenkäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
Charakteristisch für diese Art ist, dass sich die Larven ausschließlich in Erbsensamen entwickeln können. Die Eiablage erfolgt nur an unreifen Hülsen auf dem Feld, weshalb sich der Erbsensamenkäfer im Lager nicht vermehren kann. Pro Erbsensamen entwickelt sich immer nur eine einzige Larve, die den Samen von innen aushöhlt.
Aussehen: Wie sieht der Erbsensamenkäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Der ausgewachsene Erbsensamenkäfer erreicht eine Körperlänge von 4 bis 5 mm und besitzt einen kurzen, gedrungenen Körper von ovalem Umriss. Die Körperoberseite ist hellbraun behaart und weist eine charakteristische Musterung auf.
Der Kopf ist relativ lang und schnauzenartig verlängert, wobei die Augen verhältnismäßig groß sind. Die Flügeldecken (Elytren) bedecken das Hinterleib nicht vollständig – das Pygidium (Hinterleibsende) bleibt sichtbar. Am weißlich behaarten Hinterleibsende sind zwei relativ große schwarze Flecken erkennbar, die ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal darstellen.
Larvenstadium:Die Larven sind weißlich gefärbt mit einer dunkel gefärbten Kopfkapsel. Sie besitzen im ersten Larvenstadium noch kurze Beine und weisen eine leicht gekrümmte Körperform auf.
Puppenstadium:Die Verpuppung erfolgt im Inneren der Erbse. Die Puppe befindet sich in einer charakteristischen "Puppenwiege".
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Der Erbsensamenkäfer kann mit anderen Bruchus-Arten verwechselt werden:
| Merkmal | Erbsensamenkäfer | Speisebohnenkäfer | Ackerbohnenkäfer |
|---|---|---|---|
| Größe | 4-5 mm | 2,5-4 mm | 4-5 mm |
| Körperform | Oval, gedrungen | Längsoval, zugespitzt | Oval |
| Pygidium | Zwei schwarze Flecken | Gelbrot behaart | Rötlich-gelber Längsfleck |
| Wirtspflanze | Erbsen | Bohnen, diverse | Ackerbohnen |
Entwicklung und Lebenszyklus des Erbsensamenkäfers
Entwicklungsstadien
Der Erbsensamenkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose mit vier Entwicklungsstadien:
Ei: Die Weibchen fliegen blühende Erbsenpflanzen an und legen bis zu 400 Eier einzeln an junge Erbsenhülsen ab. Die Eier sind gelblich und etwa 1 mm lang.
Larve: Nach 1 bis 2 Wochen schlüpft die Larve. Sie bohrt sich zunächst durch die Hülsenwand und dringt dann in einen einzelnen Samen ein. Im ersten Larvenstadium besitzt sie noch kurze Beine. Die gesamte Larvenentwicklung findet im Inneren eines einzigen Erbsensamens statt.
Puppe: Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Inneren der Erbse, in einer sogenannten Puppenwiege.
Imago (adulter Käfer): Der fertige Käfer verbleibt zunächst im Samen und durchbricht später ein charakteristisches "Fenster" in der Samenschale.
Entwicklungsdauer
Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist temperaturabhängig:
| Temperatur | Entwicklungsdauer |
|---|---|
| 20-35°C (optimal) | 4-6 Wochen (im Samen) |
| Kühlere Witterung | Verzögerter Schlupf, Überwinterung im Samen |
Temperaturgrenzen:
- Minimale Entwicklungstemperatur: 20°C
- Maximale Entwicklungstemperatur: 35°C
- Relative Luftfeuchtigkeit: über 50% erforderlich
- Aktivitätsaufnahme im Frühjahr: 18-20°C
Einzelne Stadien:
- Eistadium: 1-2 Wochen
- Larvenstadium: 4-6 Wochen im Samen
- Puppenstadium: Variabel, je nach Temperatur
Besonderheiten des Lebenszyklus
Der Erbsensamenkäfer macht nur eine Generation pro Jahr. Bei warmer Witterung im Herbst schlüpfen die Käfer noch im selben Jahr und überwintern im Freiland. Bei kühlerer Witterung verzögert sich der Schlupf und die Käfer verbleiben in ihrer Puppenwiege innerhalb der Erbse, bis sie im folgenden Frühjahr schlüpfen.
Im Lager kann keine Vermehrung stattfinden, da die Eiablage ausschließlich an unreifen Hülsen erfolgt.
Lebensweise und Verhalten von Erbsensamenkäfern
Aktivitätsmuster
Die adulten Käfer verlassen bei Temperaturen von 18-20°C ihr Winterquartier und fliegen zu blühenden Erbsenbeständen, die sie anhand des Geruchs finden können. Dabei können sie weite Distanzen zurücklegen, um blühende Erbsenfelder zu erreichen.
Die Hauptflugzeit fällt mit der Blütezeit der Erbsen zusammen. Nach der Eiablage an den jungen Hülsen findet die gesamte weitere Entwicklung im Inneren der Erbsensamen statt.
Nahrung und Ernährung
Larven:Die Larven ernähren sich ausschließlich vom Inneren der Erbsensamen. Sie höhlen den Samen von innen aus und schaffen einen charakteristischen Hohlraum, der an einer Stelle bis direkt an die Samenschale reicht (das "Fenster").
Käfer:Die adulten Käfer besuchen Blüten und nehmen Pollen auf. Sie verursachen keine direkten Fraßschäden an gelagerten Produkten.
Wirtspflanzen:Der Erbsensamenkäfer befällt ausschließlich Erbsen (Pisum sativum). Reife, getrocknete Erbsen werden nicht befallen, da die Eiablage nur an unreifen Hülsen erfolgt.
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Paarung erfolgt im Frühjahr nach dem Verlassen der Winterquartiere. Die Weibchen fliegen gezielt blühende Erbsenfelder an und legen ihre Eier einzeln an junge Hülsen ab.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eier pro Weibchen (Lebenszeit) | bis zu 400 |
| Generationen pro Jahr | 1 |
| Larven pro Erbsensamen | immer nur 1 |
Die Beschränkung auf eine Larve pro Samen ist ein charakteristisches Merkmal dieser Art.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Der Erbsensamenkäfer stammt ursprünglich aus Westasien. Heute kommt er nahezu überall vor, wo Erbsen angebaut werden – in Europa, Nordamerika, Australien und anderen Anbaugebieten.
Die Art ist ein Feldschädling, der seine Eier während der Blütezeit der Erbsen an den Pflanzen ablegt.
Verbreitung in/an Gebäuden
In Gebäuden tritt der Erbsensamenkäfer nur passiv auf:
- Lagerhäuser: Durch bereits im Feld befallene Erbsen eingetragen
- Handel: In befallener Ware
- Privathaushalte: Durch gekaufte befallene Erbsen
Da sich der Käfer im Lager nicht vermehren kann, stellt er dort ein zeitlich begrenztes Problem dar.
Bedeutung des Schädlings Bruchus pisorum
Schadwirkung
Der Erbsensamenkäfer verursacht seine Schäden hauptsächlich auf dem Feld:
Direkter Fraßschaden:
- Larven höhlen die Erbsensamen von innen aus
- Pro befallenem Samen entwickelt sich eine Larve
- Charakteristisches rundes "Fenster" in der Samenschale
Qualitätsverlust:
- Befallene Erbsen sind für den menschlichen Verzehr ungeeignet
- Reduzierte Keimfähigkeit des Saatguts
- Optische Beeinträchtigung der Ware
Befallene Lebensmittel
Der Erbsensamenkäfer befällt ausschließlich Erbsen:
- Speiseerbsen
- Futtererbsen
- Saatguterbsen
Andere Hülsenfrüchte werden von dieser Art nicht befallen.
Lagerschäden
| Befallsgrad | Schadensumfang |
|---|---|
| Leichter Befall | Vereinzelte Erbsen mit Fraßlöchern |
| Mittlerer Befall | Deutlicher Anteil befallener Samen |
| Starker Befall | Erhebliche Qualitätsminderung der gesamten Charge |
Wirtschaftliche Schäden
Der Erbsensamenkäfer gilt als einer der bedeutendsten Schädlinge im Erbsenanbau. Befallene Ware wird im Handel abgewertet, und stark befallenes Saatgut zeigt reduzierte Keimfähigkeit. Die wirtschaftlichen Verluste entstehen hauptsächlich durch Qualitätsminderung.
Gesundheitliche Risiken bei einem Erbsensamenkäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Erbsensamenkäfer stellt keine direkte Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. Er beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheitserreger.
Indirekte Folgen
Die gesundheitlichen Risiken sind gering:
- Hygienemängel: Befallene Erbsen entsprechen nicht den Lebensmittelstandards
- Verunreinigung: Kot und Fraßreste im Samen
- Ästhetische Beeinträchtigung: Sichtbare Fraßlöcher
Befallene Erbsen sollten nicht verzehrt werden, obwohl der Verzehr gesundheitlich unbedenklich wäre.
Erbsensamenkäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
Ein Befall mit dem Erbsensamenkäfer lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:
Charakteristische Merkmale:
- Rundes "Fenster" in der Erbsenschale (durchscheinend)
- Rundes Austrittsloch nach Käferschlupf
- Ausgehöhlte, leichte Erbsen
Bei noch nicht geschlüpften Käfern:
- Dünne, durchscheinende Stelle in der Samenschale ("Fenster")
- Beim Aufbrechen: Fraßhöhle mit Larve oder Puppe sichtbar
Schadensspuren
| Anzeichen | Beschreibung |
|---|---|
| Fenster | Durchscheinende, dünne Stelle in der Samenschale |
| Austrittsloch | Rundes Loch nach Käferschlupf |
| Fraßhöhle | Ausgehöhlter Innenraum des Samens |
| Leichte Samen | Befallene Erbsen schwimmen in Wasser |
Tipp zur Erkennung: Verdächtige Erbsen in Wasser geben – befallene, ausgehöhlte Samen schwimmen an der Oberfläche.
Vorbeugende Maßnahmen
Da der Erbsensamenkäfer ein Feldschädling ist, müssen die wichtigsten Präventivmaßnahmen bereits im Anbau erfolgen:
Im Anbau
- Frühreife Sorten: Können dem Befall teilweise entgehen
- Anbauplanung: Räumliche Trennung von befallenen Vorjahresbeständen
- Fruchtfolge: Mehrjährige Anbaupausen einhalten
- Monitoring: Befallskontrolle während der Blüte
Im Lager
Da eine Vermehrung im Lager nicht möglich ist, beschränken sich die Maßnahmen auf:
- Eingangskontrolle: Prüfung der eingelagerten Ware auf Befall
- Kühle Lagerung: Verzögert den Käferschlupf
- Regelmäßige Kontrolle: Überwachung auf Käferschlupf
Im Privathaushalt
- Erbsen vor dem Kauf auf Fraßlöcher kontrollieren
- Vorräte in dicht schließenden Behältern aufbewahren
- Bei Verdacht: Erbsen in Wasser testen (befallene schwimmen)
Bekämpfung: Was hilft bei einem Erbsensamenkäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
Eine Bekämpfung des Erbsensamenkäfers im Lager ist meist überflüssig, da sich Bruchus pisorum dort nicht vermehren kann. Bei Bedarf stehen folgende Methoden zur Verfügung:
Thermische Verfahren:
- Hitzebehandlung: Temperaturen über 55°C töten alle Entwicklungsstadien ab
- Kältebehandlung: Tiefkühlung tötet Käfer, Larven und Puppen ab
Begasung (bei großen Mengen):
- Phosphorwasserstoff (Phosphin)
- Kohlendioxid (CO₂)
- Stickstoff (N₂)
Hinweis: Begasungen dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden.
Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.
Eigenmaßnahmen
Im Privathaushalt können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Befallene Erbsen entsorgen: Entsorgung in verschlossenen Beuteln
- Tiefkühlung: Verdächtige Ware bei -18°C für mehrere Tage einfrieren
- Aussortieren: Bei leichtem Befall befallene Erbsen aussortieren (Schwimmtest)
- Sichere Aufbewahrung: Verbleibende Ware in dicht schließenden Behältern lagern
Wichtig: Da sich der Käfer im Lager nicht vermehren kann, ist das Problem zeitlich begrenzt.
Erbsensamenkäfer: Häufig gestellte Fragen
Sind Erbsensamenkäfer gesundheitsschädlich?
Nein, der Erbsensamenkäfer und seine Larven sind nicht giftig und übertragen keine Krankheiten. Befallene Erbsen sollten dennoch nicht verzehrt werden, da sie verunreinigt sind und nicht den Lebensmittelstandards entsprechen.
Können sich Erbsensamenkäfer in meiner Wohnung vermehren?
Nein, der Erbsensamenkäfer kann sich im Lager oder in der Wohnung nicht vermehren. Die Weibchen legen ihre Eier ausschließlich an unreifen Erbsenhülsen auf dem Feld ab. In gelagerten, getrockneten Erbsen findet keine Fortpflanzung statt.
Wie erkenne ich befallene Erbsen?
Befallene Erbsen zeigen ein charakteristisches rundes "Fenster" – eine dünne, durchscheinende Stelle in der Samenschale. Nach dem Käferschlupf ist ein rundes Austrittsloch sichtbar. Befallene Erbsen sind leichter und schwimmen in Wasser.
Warum ist nur eine Larve pro Erbse?
Dies ist eine Besonderheit des Erbsensamenkäfers. Obwohl das Weibchen mehrere Eier an einer Hülse ablegen kann, entwickelt sich in jedem Erbsensamen immer nur eine einzige Larve. Mehrfachbefall eines einzelnen Samens kommt nicht vor.
Wie weit können Erbsensamenkäfer fliegen?
Die adulten Käfer sind gute Flieger und können weite Distanzen zurücklegen, um blühende Erbsenfelder zu erreichen. Sie orientieren sich dabei am Geruch der Pflanzen.
Wann schlüpfen die Käfer aus den Erbsen?
Der Schlupf hängt von der Witterung ab. Bei warmen Temperaturen im Herbst schlüpfen die Käfer noch im selben Jahr. Bei kühlerer Witterung überwintern sie in der Puppenwiege im Inneren der Erbse und schlüpfen erst im folgenden Frühjahr.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/kaefer/erbsenkaefer-bruchus-pisorum/
- ISIP Infothek: https://www.isip.de/isip/servlet/isip-de/infothek/leguminosen/futtererbsen/erbsenkaefer
Internationale wissenschaftliche Quellen
- CABI Compendium: https://www.cabi.org/isc/datasheet/9907