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Pflaumenwickler (Grapholita funebrana)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. April 2026
Lesedauer: 5 Minuten
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Der Pflaumenwickler (Grapholita funebrana, Synonym: Cydia funebrana) ist ein zentraler Fruchtschädling an Zwetschgen und Pflaumen. Das Pflanzenschutzamt Berlin beschreibt ihn als bedeutende Schadart, deren Befallsstärke stark von der Witterung abhängt.

In amtlichen und fachlichen Quellen (u. a. Pflanzenschutzamt Berlin, EPPO, AGES) ist „Pflaumenwickler“ die etablierte Bezeichnung. Der Begriff „Zwetschgenmotte“ wird hier nur als Suchbegriff verwendet.

Wirtschaftlich relevant ist vor allem der Larvenfraß in der Frucht: Er verursacht Qualitätsverluste und schafft Eintrittspforten für Folgeinfektionen.

Aussehen: Wie sieht Pflaumenwickler aus?

Erkennungsmerkmale

Die Art gehört zu den kleinen Wicklern. Für die Praxis sind weniger spektakuläre Faltermerkmale entscheidend als typische Befallsbilder an Früchten.

Sichtbar werden meist Eiablage auf Früchten, Einbohrstellen und später die Larven im Fruchtinneren.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Verwechslungen mit anderen Fruchtwicklern sind möglich. Das Pflanzenschutzamt Berlin empfiehlt deshalb die Kombination aus Flugüberwachung (Pheromonfalle), Schadbild und Fruchtkontrolle.

Typisch sind Gummitropfen am Einbohrloch sowie Larvenfraß in Richtung Stein.

Entwicklung und Lebenszyklus des Pflaumenwicklers

Entwicklungsstadien

Der Pflaumenwickler durchläuft Ei-, Larven-, Puppen- und Falterstadium. Eier werden einzeln auf Früchten abgelegt; die Larven bohren sich danach in junge oder halbreife Früchte ein.

Zur Verpuppung verlassen Larven die Frucht und suchen geschützte Orte wie Borkenschuppen, Pfahlritzen oder Bodenstreu.

Entwicklungsdauer

Für die Larvenentwicklung werden in Behördenquellen etwa 3 bis 4 Wochen genannt, bevor die Larven die Frucht verlassen. Die Zahl der Generationen ist witterungsabhängig.

In Berlin werden typischerweise zwei Generationen beschrieben; in günstigen warmen Jahren kann eine schwache dritte Generation auftreten.

Lebensweise und Verhalten von Pflaumenwicklern

Aktivitätsmuster

Der Falter ist dämmerungsaktiv und stark temperaturabhängig. Unter etwa 15 °C Abendtemperatur sind Flug und Eiablage deutlich reduziert.

Behördenmonitoring zeigt meist einen ersten Flug ab Ende April/Mai und einen zweiten Schwerpunkt im Juli/August.

Nahrung und Ernährung

Die schädigende Nahrungsaufnahme erfolgt im Larvenstadium im Fruchtinneren. Besonders betroffen sind Zwetschgen und Pflaumen.

Die Larve frisst in Richtung Stein und beeinträchtigt dadurch Fruchtqualität und Vermarktbarkeit.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Eiablage erfolgt einzeln auf den Früchten. Das enge Zeitfenster zwischen Eiablage und Einbohren der Junglarven ist für wirksame Gegenmaßnahmen entscheidend.

Vermehrungsrate

Statt fixer Eizahlen wird in Behördenquellen vor allem die generationsbezogene Dynamik bewertet. Für die Praxis gilt: Witterung und Flugverlauf steuern den Befallsdruck stärker als ein einzelner Durchschnittswert.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

EPPO führt Grapholita funebrana als anerkanntes Taxon; in Obstbauregionen mit geeigneten Prunus-Wirten ist die Art regelmäßig relevant.

Verbreitung in/an Gebäuden

Funde in Gebäuden sind meist mit eingetragener befallener Ernteware verbunden, etwa in Sortierung, Lagerung oder Verarbeitung. Der eigentliche Hauptzyklus bleibt obstbaulich im Bestand verankert.

Bedeutung des Schädlings Grapholita funebrana

Schadwirkung

Der Hauptschaden entsteht durch Larvenfraß und Folgeschäden wie Monilia-Fruchtfäule über Einbohrstellen. Dadurch sinken Ertrag, Qualität und Lagerfähigkeit.

Wirtschaftliche Schäden

Wirtschaftlich wirken Fruchtfall, Aussortierung und verminderte Marktqualität. Die zweite Generation ist in der Praxis häufig besonders kritisch für die Ernteware.



Gesundheitliche Risiken bei einem Pflaumenwickler Befall

Direkte Gefahren

Der Pflaumenwickler ist ein Fruchtschädling, kein stechender oder beißender Gesundheitsschädling des Menschen.

Indirekte Folgen

Indirekt relevant sind Qualitäts- und Hygieneprobleme durch beschädigte Früchte und erhöhte Fäulnisanfälligkeit.

Pflaumenwickler Befall erkennen

Befallsanzeichen

  • Einbohrstellen mit Gummitropfen
  • vorzeitiger Fruchtfall (v. a. frühe Generation)
  • Larvenfunde im Fruchtinneren
Pflaumenwickler (Grapholita funebrana) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

  • Fraßgänge Richtung Stein
  • dunkel gefärbte Einbohrstellen
  • erhöhte Monilia-Anfälligkeit an befallenen Früchten

Vorbeugende Maßnahmen

Wichtig sind frühes Pheromonmonitoring, regelmäßiges Entfernen abgefallener befallener Früchte und Hygiene am Baumstamm (z. B. Reduktion geeigneter Verstecke). Bei kleinen Beständen können Fanggürtel und Netze ergänzend eingesetzt werden.

WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Pflaumenwickler Befall?

Professionelle Bekämpfung

Professionelle Programme koppeln Bekämpfungszeitpunkte eng an den gemessenen Flugverlauf. Dazu gehören Pheromonfallen, Schwellenorientierung und artspezifische Maßnahmen gegen Eiablage und Junglarven.

Eigenmaßnahmen

  1. Befallene und abgefallene Früchte regelmäßig sammeln und entsorgen.
  2. Pheromonfallen zur Flugbeobachtung früh in der Saison einsetzen.
  3. Stammhygiene und Fanggürtel als ergänzende mechanische Maßnahme nutzen.
  4. Bei wiederkehrendem Befall fachliche Obstbauberatung einbinden.

Pflaumenwickler: Häufig gestellte Fragen

Ist "Zwetschgenmotte" dasselbe wie Pflaumenwickler?

„Zwetschgenmotte“ kann als umgangssprachlicher Suchbegriff auftauchen. In amtlichen und fachlichen Obstbauquellen ist jedoch „Pflaumenwickler“ die etablierte Bezeichnung für Grapholita funebrana bzw. Cydia funebrana.

Wann beginnt der Flug typischerweise?

Je nach Witterung ab Ende April bis Mai; ein zweiter deutlicher Flugabschnitt folgt meist im Juli/August.

Warum sind Abendtemperaturen wichtig?

Weil Flug und Eiablage dämmerungsaktiv sind und bei kühlen Abenden deutlich abnehmen.

Woran erkenne ich einen frühen Fruchtbefall?

An kleinen Einbohrstellen mit Gummiaustritt und späteren Fraßgängen im Fruchtinneren.

Gibt es immer drei Generationen?

Nein. Typisch sind zwei Generationen; eine schwache dritte tritt nur in besonders warmen Jahren auf.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.