Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer (Cryptolestes ferrugineus) gehört zur Familie der Plattkäfer (Cucujidae) und ist ein weltweit verbreiteter Vorratsschädling, der in Getreidelagern mitunter große Schäden anrichtet. Sein stark abgeflachter Körperbau ermöglicht es ihm, auch in kleinste Spalten und Ritzen einzudringen.
- Aussehen: Wie sieht der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Rotbraunen Leistenkopfplattkäfers
- Lebensweise und Verhalten von Rotbraunen Leistenkopfplattkäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Cryptolestes ferrugineus
- Gesundheitliche Risiken bei einem Rotbraunen Leistenkopfplattkäfer Befall
- Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Rotbraunen Leistenkopfplattkäfer Befall?
- Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
In Deutschland tritt dieser Schädling vor allem in Getreidelagern, Mühlen und Futtermittelbetrieben auf. Unter optimalen Bedingungen kann sich die Population innerhalb eines Monats um das 50-fache vermehren. Bemerkenswert ist die vergleichsweise hohe Kältetoleranz dieser Art.
Aussehen: Wie sieht der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer erreicht eine Körperlänge von etwa 2 mm und weist einen dorsoventral (von oben nach unten) abgeflachten Körperbau auf, worauf auch der deutsche Trivialname Bezug nimmt. Die Körperfärbung ist rotbraun.
Charakteristisch sind die am Rand von Kopf und Halsschild (Pronotum) verlaufenden Längsleisten. Die elfgliedrigen Fühler erreichen ungefähr die Hälfte der Körperlänge. Männchen haben etwas längere Fühler als die Weibchen.
Larvenstadium: Die Larven sind weiß, wenig behaart und lang sowie schmal gebaut. Sie besitzen eine bräunliche Kopfkapsel. Das letzte Abdominalsegment ist rötlichbraun gefärbt und weist zwei charakteristische hakenförmige Fortsätze auf. Vor der Verpuppung erreichen die Larven eine Länge von 3,5 bis 4,5 mm.
Puppenstadium: Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon aus Speichelsekret und Nahrungspartikeln, der häufig in der Nähe des Keimlings eines Getreidekorns gebildet wird.
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer kann mit anderen Leistenkopfplattkäfern verwechselt werden:
| Merkmal | Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer | Kleiner Leistenkopfplattkäfer | Türkischer Leistenkopfplattkäfer |
|---|---|---|---|
| Wissenschaftl. Name | Cryptolestes ferrugineus | Cryptolestes pusillus | Cryptolestes turcicus |
| Größe | ca. 2 mm | 1,5-2 mm | 1,5-2 mm |
| Färbung | Rotbraun | Gelbbraun | Gelbbraun bis rotbraun |
| Fühlerlänge | ca. halbe Körperlänge | Kürzer | Kürzer |
Entwicklung und Lebenszyklus des Rotbraunen Leistenkopfplattkäfers
Entwicklungsstadien
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose:
Ei: Die Weibchen legen bis zu 350 Eier einzeln in Mehl oder Bruchgetreide ab. Die Eier messen rund 0,6 mm.
Larve: Nach vierfacher Häutung ist die Larvenentwicklung abgeschlossen. Die Larven fressen bevorzugt am Keimling des Getreidekorns.
Puppe: Die Larve verpuppt sich in einem Kokon aus Speichelsekret und Nahrungspartikeln, der häufig in der Nähe des Keimlings eines Getreidekorns gebildet wird.
Imago (adulter Käfer): Die adulten Käfer wandern aktiv im gelagerten Getreide umher und können bis zu einem Meter pro Tag zurücklegen.
Entwicklungsdauer
Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist stark temperaturabhängig:
| Bedingungen | Entwicklungsdauer (Ei bis Käfer) |
|---|---|
| Optimal (32°C, 60-90% r.F.) | 23-27 Tage |
| Sommer | ca. 5 Wochen |
| Niedrige Temperaturen | bis zu 12 Wochen |
Detaillierte Stadiendauer (internationale Quellen bei Optimaltemperatur):
- Eistadium: 4-7 Tage
- Larvenstadium: 26-34 Tage
- Puppenstadium: 6-10 Tage
- Lebensdauer adulte Käfer: bis zu 1 Jahr
Temperaturanforderungen:
- Optimale Entwicklung: 32-33°C bei 60-90 % relativer Luftfeuchtigkeit
- Eiablage stoppt unter 17,5°C
- Keine Entwicklung unter 20°C
- Luftfeuchtigkeit unter 40 % und Kornfeuchte unter 12 % hemmen die Entwicklung
Lebensweise und Verhalten von Rotbraunen Leistenkopfplattkäfern
Aktivitätsmuster
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer tritt nahezu weltweit auf und wurde in über 110 Ländern nachgewiesen. Die Käfer wandern aktiv innerhalb des gelagerten Getreides umher und orientieren sich dabei an Temperatur-, Feuchtigkeits- und CO2-Gradienten. Die adulten Käfer können dabei bis zu einem Meter pro Tag zurücklegen.
Nahrung und Ernährung
Sowohl die adulten Käfer als auch die Larven treten als Vorratsschädlinge auf. Sie befallen vor allem Bruchgetreide sowie Getreide, dessen Hülle bereits mechanisch geschädigt ist, und fressen in der Regel zunächst den Keimling.
Bevorzugte Nahrungsquellen:
- Bruchgetreide
- Mechanisch beschädigtes Getreide
- Mehl, Zwieback
- Getreideprodukte
- Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne
Kältetoleranz
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer gilt als einer der kältetolerantesten Vorratsschädlinge. Im Laborversuch überlebten:
- 17 % der Versuchstiere 25 Tage bei -2°C
- 11,2 % der Käfer 26 Tage bei -4°C
Die Entwicklungsstadien vor dem Adultstadium ertragen Kälte besser als die ausgewachsenen Käfer.
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Weibchen legen ihre Eier einzeln in Mehl oder Bruchgetreide ab. Bei einer Temperatur von weniger als 17,5°C erfolgt keine Eiablage mehr.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eier pro Weibchen | bis zu 350 (deutsche Quellen), bis zu 423 (internationale Quellen) |
| Eigröße | ca. 0,6 mm |
| Larvenhäutungen | 4 |
| Vermehrungsfaktor (1 Monat, optimal) | 50-fach |
| Lebensdauer adulte Käfer | bis zu 1 Jahr |
Unter optimalen Bedingungen (32°C, 60-90 % relative Luftfeuchtigkeit) kann die Zahl der Tiere innerhalb eines Monats um das 50-fache zunehmen.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer ist weltweit verbreitet und wurde in über 110 Ländern nachgewiesen. Er ist einer der häufigsten Schädlinge in Getreidelagern und kann sich an verschiedene Klimabedingungen anpassen.
Verbreitung in/an Gebäuden
In Deutschland tritt der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer in folgenden Bereichen auf:
- Getreidesilos und -lager: Hauptbefallsort
- Mühlen: Verarbeitung von Getreide
- Futtermittelbetriebe: Lagerung von Tierfutter
- Privathaushalte: Seltener, mit befallenen Produkten eingeschleppt
Bedeutung des Schädlings Cryptolestes ferrugineus
Schadwirkung
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer verursacht erhebliche Schäden in Getreidelagern:
- Direkter Fraß: Zerstörung des Keimlings und weiterer Getreidebestandteile
- Kontamination: Verunreinigung durch Kot und Häutungsreste
- Massive Verklumpung: Bei schwerem Befall entstehen bis zu mehrere Meter große Getreideverkrustungen
- Erschwerter Abtransport: Stark befallenes Getreide kann betonartig verklumpen
Befallene Lebensmittel
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer befällt vorwiegend:
- Bruchgetreide und mechanisch beschädigtes Getreide
- Mehl und Getreideprodukte
- Zwieback
- Ölsaaten (z.B. Sonnenblumenkerne)
Wichtig: Der Käfer befällt vorwiegend bereits beschädigtes Getreide und frisst bevorzugt den Keimling.
Lagerschäden
| Befallsgrad | Schadensumfang |
|---|---|
| Leichter Befall | Vereinzelte Fraßschäden am Keimling |
| Mittlerer Befall | Deutliche Kontamination, lokale Verklumpung |
| Starker Befall | Massive Getreideverkrustungen über mehrere Meter, betonartiges Verklumpen |
Bei schweren Befällen kommt es zu massiven Verklumpungen, die sich mehrere Meter im Durchmesser erstrecken und etwa einen halben Meter unter der Oberfläche auftreten können. Das befallene Getreide wird betonartig hart, sodass Presslufthämmer zu seiner Entfernung und Behandlung erforderlich sind.
Wirtschaftliche Schäden
Als einer der häufigsten Vorratsschädlinge weltweit verursacht der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer erhebliche wirtschaftliche Verluste in der Getreidewirtschaft. Seine hohe Fruchtbarkeit und schnelle Entwicklung können bei Lagertemperaturen über 20°C zu schweren Verlusten führen.
Gesundheitliche Risiken bei einem Rotbraunen Leistenkopfplattkäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer stellt keine direkte Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. Er beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheiten.
Indirekte Folgen
Die gesundheitlichen Risiken ergeben sich aus der Kontamination von Lebensmitteln:
- Verunreinigung: Kot, Häutungsreste und Kadaver im Lagergut
- Hygienemängel: Befallene Lebensmittel sind für den Verzehr ungeeignet
Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
Ein Befall mit Rotbraunen Leistenkopfplattkäfern lässt sich an folgenden Anzeichen erkennen:
- Lebende Käfer: Kleine, flache, rotbraune Käfer (ca. 2 mm)
- Charakteristische Längsleisten: An Kopf und Halsschild
- Larven: Weiße, schlanke Larven mit bräunlichem Kopf und hakenförmigen Fortsätzen am Hinterende
- Verklumpungen: Lokale Verhärtungen im Getreide
Schadensspuren
| Anzeichen | Beschreibung |
|---|---|
| Keimlingsfraß | Zerstörte Keimlinge an Getreidekörnern |
| Kontamination | Kot, Häutungsreste im Substrat |
| Verklumpungen | Lokale bis großflächige Verhärtungen im Lagergut |
| Lebende Tiere | Flache, rotbraune Käfer mit Längsleisten |
Vorbeugende Maßnahmen
Eine effektive Prävention ist der beste Schutz:
Lagerhaltung
- Kühle Lagerung: Temperaturen unter 18°C verhindern die Entwicklung
- Trockene Lagerung: Kornfeuchte unter 12 % hemmt die Vermehrung
- Sauberkeit: Gründliche Reinigung von Lagerbehältern vor Neubefüllung
- Kontrolle: Regelmäßiges Monitoring mit Fallen
Im gewerblichen Bereich
- Lagerung unter trockenen Bedingungen und niedrigen Temperaturen
- Regelmäßige Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle
- Gründliche Reinigung der Silos vor Neubefüllung
- Entfernung von Altgetreide und Bruchkorn
- Monitoring mit Pheromonfallen
Die anfängliche Lagertemperatur ist der wichtigste Faktor für die Vorhersage der Befallsentwicklung.
Bekämpfung: Was hilft bei einem Rotbraunen Leistenkopfplattkäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
In Getreidelagern und Silos stehen verschiedene professionelle Bekämpfungsmethoden zur Verfügung:
Begasung:
- Stickstoff (N2)
- Kohlendioxid (CO2)
- Phosphorwasserstoff (Phosphin)
Hinweis zu Inertgasen: Die Begasung mit Inertgasen (Stickstoff, CO2) erfordert längere Einwirkzeiten als Phosphorwasserstoff. Die Anwendung erfolgt in dichten Behältern.
Thermische Behandlung:
- Kältebehandlung (bei der hohen Kältetoleranz dieser Art weniger wirksam)
- Wärmebehandlung
Präventive Maßnahmen:Die wichtigste Bekämpfungsstrategie ist die Prävention durch trockene, kühle Lagerung und regelmäßiges Monitoring.
Eigenmaßnahmen
Bei seltenem Befall im Privathaushalt:
- Befallene Produkte entsorgen: Vollständige Entsorgung in verschlossenen Beuteln
- Gründliche Reinigung: Schränke aussaugen und feucht auswischen
- Tiefkühlung: Verdächtige Produkte bei -18°C einfrieren (längere Zeit als bei anderen Arten erforderlich aufgrund der Kältetoleranz)
- Umverpacken: Vorräte in dicht schließende Behälter umfüllen
Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer: Häufig gestellte Fragen
Wie groß ist der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer?
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer erreicht nur etwa 2 mm Körperlänge und ist damit ein sehr kleiner Schädling. Sein abgeflachter Körperbau ermöglicht es ihm, in kleinste Spalten einzudringen.
Ist der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer kälteresistent?
Ja, der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer gilt als einer der kältetolerantesten Vorratsschädlinge. Im Laborversuch überlebten 17 % der Tiere 25 Tage bei -2°C und 11,2 % sogar 26 Tage bei -4°C.
Bei welcher Temperatur entwickelt sich der Käfer optimal?
Die optimale Entwicklung erfolgt bei 32-33°C und 60-90 % relativer Luftfeuchtigkeit. Unter diesen Bedingungen dauert die Entwicklung vom Ei zum Käfer nur 23-27 Tage. Unter 20°C findet keine Entwicklung statt.
Welchen Schaden richtet der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer an?
Der Käfer frisst bevorzugt den Keimling von Getreidekörnern. Bei schwerem Befall entstehen massive Verklumpungen des Getreides über mehrere Meter Durchmesser, die betonartig hart werden können.
Wie schnell vermehrt sich der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer?
Unter optimalen Bedingungen kann sich die Population innerhalb eines Monats um das 50-fache vermehren. Weibchen können bis zu 350-423 Eier legen.
Wie unterscheidet sich der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer vom Getreideplattkäfer?
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer (ca. 2 mm) ist kleiner als der Getreideplattkäfer (2,2-3,3 mm) und gehört zu einer anderen Familie (Cucujidae statt Silvanidae). Er hat charakteristische Längsleisten am Kopf, während der Getreideplattkäfer sägeartige Zähne am Halsschild trägt.
Was sind die Hauptbefallsorte?
Der Rotbraune Leistenkopfplattkäfer tritt hauptsächlich in Getreidelagern, Silos und Mühlen auf. Er bevorzugt Bruchgetreide und mechanisch beschädigtes Getreide.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/kaefer/rotbrauner-leistenkopfplattkaefer-cryptolestes-ferrugineus/
- Julius Kühn-Institut: Steckbrief Cryptolestes ferrugineus
Internationale wissenschaftliche Quellen
- Canadian Grain Commission: Rusty grain beetle
- MDPI Insects (2023): Biology, Ecology, and Behavior of Rusty Grain Beetle