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Orientalische Schabe (Blatta orientalis)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 02. März 2026
Lesedauer: 15 Minuten
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Die Orientalische Schabe (Blatta orientalis) gehört zu den weltweit bedeutendsten Hygieneschädlingen und wird im deutschen Sprachraum häufig auch als Gemeine Küchenschabe oder Kakerlake bezeichnet. Die genaue Herkunft ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt; vermutet wird ein Ursprung in Afrika oder dem südlichen Russland (University of Florida IFAS Extension). Als Kulturfolger hat sich diese Art global verbreitet und ist heute in weiten Teilen Europas, Nordamerikas und anderer gemäßigter Klimazonen heimisch.

In Mitteleuropa tritt Blatta orientalis vorwiegend in feuchtwarmen Räumen auf, die eine relative Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 Prozent aufweisen. Typische Befallsorte sind Großküchen, Bäckereien, Lebensmittelbetriebe, Kantinen, Schwimmbaeder, Krankenhaeuser, Gewaechshaeuser und oeffentliche Sanitaeranlagen. Im Vergleich zur Deutschen Schabe (Blattella germanica) ist die Orientalische Schabe deutlich größer und dunkler gefärbt. Aufgrund ihrer mangelhaft entwickelten Haftlappen klettert sie vergleichsweise schlecht und ist daher vorwiegend im Bodenbereich anzutreffen.

Aussehen: Wie sieht die Orientalische Schabe aus?

Erkennungsmerkmale

Die Orientalische Schabe ist ein vergleichsweise großes, dunkel gefärbtes Insekt mit einem abgeflachten Körperbau. Zwischen Männchen und Weibchen bestehen deutliche Unterschiede in Größe und Flügelentwicklung.

MerkmalWeibchenMännchen
Körperlänge22 bis 30 mm21 bis 25 mm
FärbungEinfarbig dunkelbraun bis schwarzEinfarbig dunkelbraun bis schwarz
FlügelNur winzige FlügelstummelBedecken etwa zwei Drittel des Hinterleibs
FlugfaehigkeitNicht flugfaehigNicht flugfaehig
KörperformBreit, oval, massigSchmaler als Weibchen

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben (Flügel): Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) beschreiben die Flügel der Männchen als etwa zwei Drittel des Hinterleibs bedeckend, während internationale Quellen (University of Florida IFAS Extension) angeben, die Flügel bedecken drei Viertel des Körpers. In beiden Fällen sind die Tiere flugunfaehig.

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben (Körpergröße): Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) geben die Körperlänge der Weibchen mit 22 bis 30 mm und die der Männchen mit 21 bis 25 mm an. Internationale Quellen (University of Florida IFAS Extension) beschreiben die Art insgesamt als 22 bis 27 mm lang, während andere internationale Messungen Weibchen mit 20 bis 27 mm und Männchen mit 18 bis 29 mm angeben. Die Unterschiede erklären sich durch geographische Variation, unterschiedliche Populationen und Messmethoden.

Die Eikapseln (Ootheken) messen etwa 10 x 5 mm und sind anfangs rotbraun gefärbt, faerben sich jedoch später nahezu schwarz. Jede Oothek enthält typischerweise 16 Eier, die paarweise in zwei Reihen angeordnet sind.

Die Nymphen ähneln den adulten Tieren, sind jedoch flügelos und heller gefärbt. Sie durchlaufen 7 Häutungen bis zur Geschlechtsreife, wobei ihre Größe mit jeder Häutung zunimmt.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

ArtGrößeFärbungUnterscheidungsmerkmal
Orientalische Schabe21-30 mmDunkelbraun bis schwarzMassiger Körperbau, stark verkuerzte Flügel beim Weibchen
Deutsche Schabe10-15 mmGelbbraunDeutlich kleiner, 2 dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild
Amerikanische Schabe28-44 mmRotbraunGrößer, heller, gut entwickelte Flügel
Braunbandschabe10-14 mmHellbraunKleiner, helle Querbinden auf dem Hinterleib
Bernstein-Waldschabe9-14 mmBernsteinfarbenTransparent wirkende Flügel, Freilandart

Entwicklung und Lebenszyklus der Orientalischen Schabe

Entwicklungsstadien

Die Orientalische Schabe durchläuft eine unvollständige Verwandlung (Hemimetabolie) mit drei Entwicklungsstadien: Ei, Nymphe und Imago (erwachsenes Tier). Ein Puppenstadium fehlt, da die Nymphen den adulten Tieren bereits ähneln und sich durch mehrere Häutungen direkt zum Vollinsekt entwickeln.

Ei-Stadium: Die Eier werden in einer hartschaligen Kapsel (Oothek) abgelegt, die hervorragenden Schutz gegen äußere Einwirkungen bietet. Das Weibchen trägt die Oothek zwischen 12 Stunden und 5 Tagen am Hinterleib, bevor es sie an einem warmen, geschützten Ort absetzt. Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur 42 bis 81 Tage, wobei bei Raumtemperatur im Durchschnitt etwa 60 Tage vergehen. Pro Oothek schlüpfen durchschnittlich 14,4 Nymphen.

Nymphen-Stadium: Nach dem Schlupf durchlaufen die Nymphen 7 Häutungen (Nymphenstadien) bis zur Geschlechtsreife. Die Nymphenentwicklung ist stark temperaturabhängig und dauert bei 30 Grad Celsius bei Männchen 4 bis 6 Monate, bei Weibchen 9 bis 10 Monate.

Adultes Stadium: Die Lebensdauer der adulten Tiere beträgt laut Institut für Schädlingskunde durchschnittlich 5 bis 6 Monate. Internationale Quellen (University of Florida) geben eine Spanne von 34 bis 180 Tagen an, wobei der untere Wert auf ungünstige Bedingungen zurückzuführen sein dürfte. Der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV) gibt eine Lebensdauer von bis zu 2 Jahren an, was vermutlich die gesamte Lebensspanne vom Ei bis zum Tod einschließt.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungsdauer ist stark temperaturabhängig:

BedingungEntwicklungsdauer (Ei bis Adult)Quelle
Bei 30 Grad C (Männchen)4 bis 6 MonateInstitut für Schädlingskunde
Bei 30 Grad C (Weibchen)9 bis 10 MonateInstitut für Schädlingskunde
Bei Raumtemperatur10 bis 18 MonateInstitut für Schädlingskunde
DurchschnittlichCa. 12 MonateOklahoma State University

Unter mitteleuropaeischen Bedingungen in beheizten Räumen wird in der Regel maximal eine Generation pro Jahr hervorgebracht.

Temperaturanforderungen:

  • Bevorzugter Bereich: 20 bis 29 Grad Celsius
  • Mindesttemperatur für Fortpflanzung: 15 Grad Celsius
  • Mindestluftfeuchtigkeit: 60 Prozent

Lebensweise und Verhalten von Orientalischen Schaben

Aktivitaetsmuster

Die Orientalische Schabe ist vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber verstecken sich die Tiere in dunklen, feuchten Unterschlupfen auf Bodenniveau. Aufgrund ihrer mangelhaft ausgebildeten Haftlappen können Orientalische Schaben glatte Oberflächen schlecht erklimmen und halten sich daher bevorzugt in bodennahen Bereichen auf. Typische Tagesverstecke befinden sich in beschädigtem Mauerwerk, hinter losen Fliesen und Wandverkleidungen, an Türrahmen, hinter Sockelleisten, in Leitungsschächten sowie in Kanalisationssystemen.

Im Vergleich zu anderen Schabenarten gilt Blatta orientalis als weniger scheu und eher traege. Dennoch zeigen die Tiere eine hohe Laufaktivitaet, insbesondere nachts auf der Suche nach Nahrung und Wasser.

Internationale Quellen (Oklahoma State University, University of Florida) berichten von einem saisonalen Auftreten der adulten Tiere, die vor allem in den Monaten Mai, Juni und Juli vermehrt gesichtet werden.

Nahrung und Ernaehrung

Die Orientalische Schabe ist omnivor (Allesfresser) und ernaehrt sich von:

  • Abfällen und Müll
  • Verwesenden organischen Materialien
  • Stärkehaltigen Nahrungsmitteln (bevorzugt)
  • Lebensmittelresten aller Art
  • Inhalten aus Kanalisationssystemen

Die Tiere sind auf regelmäßigen Zugang zu Wasser angewiesen, weshalb feuchte Umgebungen für sie besonders attraktiv sind.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Fortpflanzung der Orientalischen Schabe setzt eine Mindesttemperatur von 15 Grad Celsius voraus. Das Weibchen produziert während seines Lebens mehrere Eikapseln (Ootheken), die es nach einer Tragezeit von 12 Stunden bis zu 5 Tagen an einem warmen, geschützten Ort ablegt. In beheizten Innenräumen kann die Fortpflanzung ganzjährig stattfinden, wenngleich unter mitteleuropaeischen Bedingungen maximal eine Generation pro Jahr erreicht wird.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Ootheken pro WeibchenDurchschnittlich 8
Eier pro OothekEtwa 16
Schlüpfrate pro OothekDurchschnittlich 14,4 Nymphen
Gesamteierzahl pro Weibchen70 bis 190 Eier
Generationen pro Jahr (beheizte Räume)Maximal 1

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) geben die Gesamteierzahl mit 70 bis 190 Eiern pro Weibchen an, während der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV) von knapp 200 Eiern berichtet. Internationale Quellen (University of Florida IFAS Extension) nennen bei durchschnittlich 8 Ootheken mit je 16 Eiern eine rechnerische Gesamtzahl von ca. 128 Eiern. Die Unterschiede erklären sich durch variierende Umweltbedingungen, unterschiedliche Populationen und individuelle Schwankungen.

Vorkommen und Verbreitung

Natuerliche Lebensräume

Die genaue Herkunft der Orientalischen Schabe ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt; vermutet wird ein Ursprung in Afrika oder dem südlichen Russland. Die Art ist heute weltweit verbreitet. Sie bevorzugt warme, feuchte und schattige Bereiche in Bodennaehe. In wärmeren Klimazonen kommt sie auch im Freiland vor, etwa in Laubstreu, unter Steinen oder in Mulchmaterial.

Verbreitung in Gebäuden

Typische Befallsorte umfassen:

Gewerbliche Bereiche:

  • Großküchen und Kantinen
  • Bäckereien und Lebensmittelbetriebe
  • Schwimmbaedern und Wellnessanlagen
  • Krankenhaeuser und Pflegeeinrichtungen
  • Gewaechshaeuser (botanische und zoologische Gaerten)
  • Oeffentliche Sanitaeranlagen

In Gebäuden bevorzugte Bereiche:

  • Keller und Souterrainräume
  • Kanalisationssysteme und Abflüsse
  • Leitungsschächte und Rohrdurchführungen
  • Hinter beschädigtem Mauerwerk und losen Fliesen
  • Bodennahe Bereiche an Türrahmen und Sockelleisten

Einschleppungswege

Die Orientalische Schabe gelangt auf verschiedenen Wegen in Gebäude:

  • Über Kanalisationssysteme und Abflüsse
  • Durch Leitungsdurchführungen und Rohröffnungen
  • Unter Türen und durch Lüftungsschaechte hindurch
  • Mit Lebensmittellieferungen und Verpackungen
  • Durch aktive Zuwanderung aus dem Aussenbereich

Bedeutung des Schädlings Blatta orientalis

Schadwirkung

Die Orientalische Schabe verursacht als Hygieneschädling verschiedene Arten von Schäden:

Als Hygieneschädling:

  • Kontamination von Lebensmitteln und Oberflächen mit Kot, Speichel und Häutungsresten
  • Übertragung von Krankheitserregern über Körperoberfläche, Kot und Kropfinhalt
  • Auslösen von Allergien durch Kotpartikel und Körperbestandteile

Als Materialschädling:

  • Schäden an Verpackungsmaterialien
  • Verunreinigung von Lagerräumen
  • Unangenehmer Geruch bei starkem Befall

Wirtschaftliche Schäden

In befallenen Gewerbebetrieben drohen erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen:

  • Lebensmittelverderb und Vernichtung kontaminierter Waren
  • Betriebsschliessungen durch Behörden bei Verstoss gegen Hygienevorschriften
  • Reputationsschäden in der Gastronomie und Lebensmittelindustrie
  • Kosten für professionelle Schädlingsbekämpfung über mehrere Monate


Gesundheitliche Risiken bei einem Orientalische Schabe Befall

Krankheitsübertragung

Gemäß Paragraf 2 Nr. 12 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) gelten Tiere, die Krankheitserreger auf den Menschen übertragen können, als Gesundheitsschädlinge. Die Orientalische Schabe kann verschiedene Pathogene übertragen:

Bakterien (spezifisch für Blatta orientalis nachgewiesen):

  • Escherichia coli (NCBI/PMC, Cambridge University Press)
  • Staphylococcus aureus (NCBI/PMC)
  • Klebsiella-Arten, darunter K. pneumoniae und K. oxytoca (NCBI/PMC)
  • Pseudomonas aeruginosa (NCBI/PMC)
  • Bacillus-Arten (NCBI/PMC)
  • Salmonella-Arten (Institut für Schädlingskunde)

Bakterien (für Schaben allgemein dokumentiert):

  • E. coli O157:H7 (Donkor 2020, Übersichtsarbeit zu Schaben und lebensmittelbedingten Pathogenen)
  • Shigella-Arten (Cambridge University Press, Laborübertragung durch B. orientalis nachgewiesen)
  • Bacillus cereus (Donkor 2020, Übersichtsarbeit)

Weitere Erreger (für Schaben allgemein dokumentiert):

  • Schimmelpilzsporen, unter anderem Aspergillus fumigatus (Donkor 2020)
  • Protozoen, unter anderem Cryptosporidium parvum (Donkor 2020)

Hinweis: Viele der oben genannten Pathogene wurden in Übersichtsarbeiten für Schaben (Blattodea) insgesamt dokumentiert. Die spezifisch für Blatta orientalis nachgewiesenen Erreger sind entsprechend gekennzeichnet.

Das Institut für Schädlingskunde gibt an, dass Krankheitserreger bis zu 3 Tage auf dem Körper der Schaben infektioes bleiben können. Der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV) spricht hingegen von "vielen Stunden." Die Übertragung erfolgt über die Körperoberfläche, den Kot und den Kropfinhalt der Tiere.

Schaben können zudem als Zwischenwirte für den Rattenbandwurm (Hymenolepis diminuta) dienen. Das Institut für Schädlingskunde führt diese Eigenschaft spezifisch für Blatta orientalis auf, während internationale Quellen Schaben allgemein als mögliche Zwischenwirte nennen.

Kontamination

Die Kontamination von Lebensmitteln und Oberflächen erfolgt durch:

  • Kot: Enthält Pathogene und Allergene, wird entlang der Laufwege verteilt
  • Speichel und Erbrochenes: Direkte Kontamination bei Nahrungsaufnahme
  • Häutungsreste (Exuvien): Verbleiben in Verstecken und Nahrungsmitteln
  • Körperoberfläche: Bakterien haften an der Kutikula und werden auf Lebensmittel und Oberflächen übertragen

Die Orientalische Schabe ist besonders problematisch, da sie sich häufig in Kanalisationssystemen und verschmutzten Bereichen aufhaelt und die dort aufgenommenen Keime in Küchenbereiche verschleppt.

Allergene Wirkung

Der Kot und die Körperbestandteile der Orientalischen Schabe enthalten Allergene, die verschiedene allergische Reaktionen auslösen können:

  • Rhinitis (allergischer Schnupfen)
  • Asthma bronchiale
  • Hautreaktionen
  • Bindehautentzuendung

Bei starkem und langandauerndem Befall können sich erhebliche Allergenmengen in der Raumluft und auf Oberflächen ansammeln.

Orientalische Schabe Befall erkennen

Orientalische Schabe (Blatta orientalis) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Befallsanzeichen

Ein Befall mit Orientalischen Schaben lässt sich anhand folgender Anzeichen identifizieren:

Direkte Sichtung:

  • Lebende Tiere (vor allem nachts bei ploetzlichem Einschalten des Lichts)
  • Tote Schaben oder Nymphen
  • Sichtung am Tag deutet auf einen starken Befall hin

Kotspuren:

  • Kleine, dunkle, körnchenartige Krümel
  • Häufig in der Nähe von Verstecken und entlang der Laufwege
  • Bevorzugt an bodennahen Oberflächen, in Ecken und Ritzen

Weitere Hinweise:

  • Eikapseln (Ootheken): Rotbraun bis schwarz, ca. 10 x 5 mm
  • Häutungsreste (Exuvien) in Verstecken
  • Suesslich-muffiger, unangenehmer Geruch bei starkem Befall
  • Fraßspuren an Lebensmitteln und Verpackungen

Monitoring

Zur Überwachung und Befallsfeststellung dienen:

  • Klebefallen mit Lockstoffen (Pheromonfallen) an bodennahen Stellen
  • Regelmäßige Kontrollen in der Nacht
  • Inspektion typischer Versteckplaetze (Abflüsse, Leitungsschächte, Sockelleisten)
  • Überprüfen von Kanalisationszugängen und Kellerräumen

Die Klebefallen dienen nicht nur der Bekämpfung, sondern in erster Linie der Einschaetzung des Befallsausmaßes und der Überwachung des Bekämpfungserfolgs.

Vorbeugende Maßnahmen

Zur Verhinderung eines Befalls mit Orientalischen Schaben sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

Hygienemaßnahmen:

  • Lebensmittel in verschlossenen Behaeltern aufbewahren
  • Küchenabfälle täglich entsorgen
  • Regelmäßige Reinigung von Küchen und Vorratsräumen
  • Keine Essensreste offen stehen lassen
  • Tiernaepfe nicht über Nacht gefüllt lassen

Bauliche Maßnahmen:

  • Ritzen und Spalten im Bodenbereich abdichten
  • Defekte Fliesen und Sockelleisten reparieren
  • Leitungsdurchführungen und Rohröffnungen abdichten
  • Abflüsse mit geeigneten Abdeckungen versehen
  • Beschädigtes Mauerwerk sanieren
  • Fliegengitter an Lüftungsöffnungen anbringen

Feuchtigkeitskontrolle:

  • Undichte Wasserleitungen und tropfende Hähne reparieren
  • Für ausreichende Belüftung in Kellerräumen sorgen
  • Staunaeesse vermeiden

In Gewerbebetrieben:

  • Regelmäßiges Monitoring mit Klebefallen
  • Schulung des Personals zur Befallserkennung
  • Dokumentierte Schädlingskontrolle
  • Einhaltung von HACCP-Standards
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Orientalische Schabe Befall?

Professionelle Bekämpfung

Die professionelle Bekämpfung der Orientalischen Schabe umfasst typischerweise folgende Elemente:

Inspektion und Monitoring:

  • Identifikation der Schabenart
  • Lokalisation von Verstecken und Laufwegen im Bodenbereich
  • Bestimmung des Befallsausmaßes mittels Klebefallen
  • Ermittlung der Einschleppungswege (insbesondere Kanalisation)

Bekämpfungsmethoden:

Fraßköder:Gelköder (z.B. mit Wirkstoffen wie Fipronil oder Indoxacarb) werden gezielt in Verstecken und entlang der Laufwege ausgebracht. Sie wirken über einen längeren Zeitraum und erfassen auch frisch geschlüpfte Nymphen. Der Vorteil liegt in der geringen Exposition für Menschen. Bei der Orientalischen Schabe ist die Platzierung im Bodenbereich besonders wichtig, da die Tiere aufgrund ihrer schlechten Kletterfähigkeit vorwiegend dort aktiv sind.

Kontaktinsektizide:Sprays und Spruehmittel mit Wirkstoffen wie Permethrin werden an bevorzugten Aufenthaltsorten und Laufwegen ausgebracht, insbesondere an Abflüssen, Leitungsdurchführungen und hinter Sockelleisten.

Kieselgurbasierte Mittel:Präparate auf Basis von amorphem Siliziumdioxid (Diatomeenerde) schädigen die schützende Wachsschicht der Schaben und führen zu Austrocknung. Sie eignen sich besonders für schwer zugängliche Hohlräume und Spalten.

Nachkontrolle:

  • Erfolgskontrolle durch weitere Monitoringfallen
  • Nachbehandlung nach 6 bis 10 Wochen zur Erfassung frisch geschlüpfter Nymphen
  • Mehrfache Behandlungen über einen längeren Zeitraum
  • Dokumentation für Behörden

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung 528/2012 und kann sich aendern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Eigenmaßnahmen

Bei geringem Befall können folgende Maßnahmen unterstützend wirken:

Sofortmaßnahmen:

  • Gründliche Reinigung aller betroffenen Bereiche
  • Verschliessen von Lebensmitteln in dichten Behaeltern
  • Entsorgung befallener Lebensmittel
  • Abdichten von Ritzen und Spalten im Bodenbereich
  • Abflüsse abends abdecken

Unterstützende Mittel:

  • Klebefallen zur Überwachung im Bodenbereich
  • Kieselgurpräparate in Verstecken und Spalten
  • Köderdosen aus dem Fachhandel

Wichtig: Bei Schabenbefall ist eine professionelle Bekämpfung in den meisten Fällen unumgänglich, da die Eikapseln sehr widerstandsfähig gegen Insektizide sind. Die Bekämpfung der Orientalischen Schabe erfordert aufgrund ihrer langen Entwicklungszeit eine systematische Behandlung über mehrere Monate. Eigenständige Bekämpfungsversuche führen häufig nur zu einer Vertreibung der Population in benachbarte Bereiche.

Orientalische Schabe: Häufig gestellte Fragen

Woher kommen Orientalische Schaben in der Wohnung?

Orientalische Schaben gelangen häufig über Kanalisationssysteme und Abflüsse in Gebäude. Auch über Leitungsdurchführungen, Rohröffnungen, unter Türen oder mit Lebensmittellieferungen können sie einwandern. In Mehrfamilienhäusern ist die Ausbreitung über Leitungsschächte aus befallenen Nachbarwohnungen oder dem Kellerbereich möglich.

Wie unterscheide ich die Orientalische Schabe von der Deutschen Schabe?

Die Orientalische Schabe ist mit 21 bis 30 mm deutlich größer als die Deutsche Schabe (10 bis 15 mm) und einfarbig dunkelbraun bis schwarz gefärbt, während die Deutsche Schabe gelbbraun mit zwei dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild ist. Zudem klettert die Orientalische Schabe deutlich schlechter und ist vorwiegend im Bodenbereich anzutreffen.

Sind Orientalische Schaben gefährlich?

Ja, Orientalische Schaben gelten als Gesundheitsschädlinge gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG). Sie können verschiedene Krankheitserreger wie Salmonellen, E. coli und Staphylococcus aureus übertragen. Ihre Ausscheidungen können zudem Allergien und Asthma auslösen. Besonders problematisch ist ihre Nähe zu Kanalisationssystemen, aus denen sie Keime in Wohnbereiche verschleppen.

Können Orientalische Schaben fliegen?

Weder Männchen noch Weibchen der Orientalischen Schabe sind flugfaehig. Die Weibchen besitzen lediglich winzige Flügelstummel, die Flügel der Männchen bedecken zwar etwa zwei Drittel des Hinterleibs, sind jedoch nicht zum Fliegen geeignet.

Können Orientalische Schaben klettern?

Die Orientalische Schabe hat nur mangelhaft entwickelte Haftlappen und kann glatte Oberflächen schlecht erklimmen. Daher ist sie vorwiegend im Bodenbereich anzutreffen, etwa in Abflüssen, hinter Sockelleisten und in Kellern. Sie kann jedoch über raue Oberflächen und Wasserleitungen in hoehere Stockwerke gelangen.

Wie schnell vermehren sich Orientalische Schaben?

Unter mitteleuropaeischen Bedingungen in beheizten Räumen bringt die Orientalische Schabe maximal eine Generation pro Jahr hervor. Die Entwicklung vom Ei zum adulten Tier dauert bei Raumtemperatur 10 bis 18 Monate. Ein einzelnes Weibchen produziert in seinem Leben 70 bis 190 Eier (Institut für Schädlingskunde), internationale Quellen gehen von durchschnittlich ca. 128 Eiern aus (University of Florida). Im Vergleich zur Deutschen Schabe vermehrt sich die Orientalische Schabe somit deutlich langsamer.

Wie lange dauert die Bekämpfung von Orientalischen Schaben?

Aufgrund der langen Entwicklungszeit und der robusten Eikapseln erstreckt sich eine professionelle Bekämpfung typischerweise über mehrere Monate. Nach einer Erstbehandlung ist in der Regel eine Nachbehandlung nach 6 bis 10 Wochen erforderlich, um frisch geschlüpfte Nymphen zu erfassen. Der genaue Zeitraum haengt vom Befallsausmass und den oertlichen Gegebenheiten ab.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen


Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.