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Dasselfliege (Hypoderma bovis und Hypoderma lineatum)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. April 2026
Lesedauer: 11 Minuten
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Aussehen: Wie sieht Dasselfliege aus?

Erkennungsmerkmale

Im amtlichen und veterinärmedizinischen Kontext der Rinderhaltung sind mit „Dasselfliege“ vor allem die Große Dasselfliege Hypoderma bovis und die Kleine Dasselfliege Hypoderma lineatum gemeint. Die adulten Tiere sind große, dicht behaarte, hummel- bis bienenähnliche Fliegen; Universitäts- und Extensionquellen nennen für H. bovis typischerweise etwa 15 mm und für H. lineatum etwa 13 mm Körperlänge, bei einer allgemeinen Obergrenze von ungefähr 15 mm. Charakteristisch sind außerdem die nur rudimentären Mundwerkzeuge, weil die erwachsenen Fliegen nicht fressen. (BLV)

Für die Feldpraxis sind auch Eier und Larven wichtig: Die Eier sind etwa 1 mm lang, glatt und matt gelblich. Frisch geschlüpfte Erstlarven sind ebenfalls nur etwa 1 mm lang; reife Drittlarven erreichen je nach Quelle ungefähr 25-30 mm, tragen quere Dornenbänder und färben sich vor dem Austritt aus dem Wirt braun bis schwarz. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Eine sichere Unterscheidung allein am fliegenden Adulttier ist in der Praxis schwierig, weil beide Arten groß, behaart und „hummelartig“ wirken. Für die Bestimmung hilfreicher sind die Eiablageweise und der innere Wanderungsweg der Larven: H. bovis legt Eier einzeln pro Haar ab und ist für besonders aufscheuchendes Anflugverhalten bekannt, während H. lineatum Eier eher in Gruppen oder Reihen an einzelnen Haaren der unteren Körperpartien anbringt. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

MerkmalGroße Dasselfliege (H. bovis)Kleine Dasselfliege (H. lineatum)
Adultlängeetwa 15 mmetwa 13 mm
Eiablageeinzeln pro Haarin Gruppen/Reihen pro Haar
Wichtiger innerer Rastort der L1Bereich des SpinalkanalsWand des Ösophagus

Die Tabelle fasst Merkmale aus UF/IFAS, WCVM und MSD zusammen. An ausgereiften Drittlarven ist die Artbestimmung zuverlässiger: MSD beschreibt H. bovis mit 27-28 mm, ohne Dornen am zehnten Segment und mit trichterförmiger Spirakularplatte; H. lineatum ist etwas kürzer (ca. 25 mm), trägt dort Dornen und hat meist eine flachere Spirakularplatte. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

Entwicklung und Lebenszyklus

Entwicklungsstadien

Nach der Eiablage auf den Haaren schlüpfen die Larven innerhalb von 3-7 Tagen. Die L1 dringen durch die Haut ein und wandern im Körper weiter: H. bovis erreicht den Bereich des Spinalkanals, H. lineatum die Wand des Ösophagus. Im Spätwinter ziehen beide Arten in die Unterhaut des Rückens, bilden dort Atemöffnungen, entwickeln sich in Dasselbeulen über L2 zu L3 weiter, fallen anschließend zu Boden und verpuppen sich. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

Entwicklungsdauer

Der gesamte Zyklus dauert ungefähr ein Jahr; die ausgewerteten veterinärmedizinischen Quellen nennen eine Generation pro Jahr. Die Warble-Phase am Rücken dauert nach MSD etwa 4-8 Wochen, das Puppenstadium je nach Witterung beziehungsweise Temperatur etwa 1-3 Monate. Bei der adulten Lebensdauer gibt es Quellendifferenzen: UF/IFAS nennt 3-5 Tage, MSD weniger als eine Woche, WCVM allgemeiner „innerhalb weniger Wochen“; belastbar belegt ist daher vor allem eine sehr kurze, nicht fressende Adultphase. (MSD Veterinary Manual)

Lebensweise und Verhalten

Aktivitätsmuster

Das BLV beschreibt die Schwärmzeit mit Mai bis September; WCVM ergänzt, dass frisch geschlüpfte Fliegen besonders bei warmem Wetter aktiv sind. Vor allem H. bovis kann Rinder massiv beunruhigen: Die Weibchen verfolgen Tiere beim Anflug, die Herde gerät in Unruhe, rennt oder „gad about“, und die Futteraufnahme sinkt. Dieses Verhalten ist für die Schadwirkung fast ebenso wichtig wie die spätere Larvenentwicklung. (BLV)

Nahrung und Ernährung

Adulte Dasselfliegen sind freilebend, nehmen aber keine Nahrung auf; die Mundwerkzeuge sind nur rudimentär. Die Larven leben dagegen obligat parasitisch im Wirt und nutzen während der Warble-Phase Exsudat, abgestorbene Zellen und andere Sekrete in der Läsion. Für Gebäude, Vorräte oder Textilien ergibt sich daraus kein eigenständiger Fraßschaden wie bei klassischen Material- oder Vorratsschädlingen. (wcvm)

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Fortpflanzung ist auf die kurze Adultphase zugeschnitten. Scholl und Weintraub beschreiben, dass die Weibchen bereits mit vollständig entwickeltem lebenslangem Eivorrat aus dem Puparium schlüpfen; dadurch können sie nach der Paarung unmittelbar mit der Eiablage beginnen. Die Eiablageorte unterscheiden sich deutlich: H. bovis klebt Eier einzeln an Haare, H. lineatum legt sie in Gruppen oder Reihen an Haare der unteren Gliedmaßen und der Bauchunterseite. (Digital Commons)

Vermehrungsrate

Für die Eizahl nennen die Quellen unterschiedliche Kennzahlen. Scholl und Weintraub geben als mittlere Reproduktionskapazität 516 ± 54 Eier für H. lineatum und 478 ± 70 Eier für H. bovis an; eine UF-Extensionquelle zu H. lineatum nennt als Maximalwert bis zu 800 Eier auf einem einzelnen Wirt. Sicher belegt ist damit vor allem, dass ein einziges Weibchen mehrere hundert Eier absetzen kann und so trotz kurzer Lebensdauer eine rasche Befallsdynamik auslösen kann. (Digital Commons)

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Die hier behandelten Rinder-Dasseln kommen in vielen Teilen der Nordhemisphäre vor. Das BLV nennt Teile Europas, Nordamerikas und Nordafrikas; WCVM beschreibt Vorkommen bei Rindern in vielen Teilen der nördlichen Hemisphäre und nur seltene Etablierung auf der Südhalbkugel nach Einschleppung. Für eine präzise historische Ursprungregion liefern die in dieser Sitzung ausgewerteten amtlichen und universitären Quellen jedoch keine einheitlich belastbare Angabe; belastbar ist vor allem die heutige Bindung an Rinderbestände und Weideumgebungen. (BLV)

Verbreitung in/an Gebäuden

Ein klassischer Gebäudebefall ist für H. bovis und H. lineatum nicht belegt. Aus der an Rinderhaare gebundenen Eiablage und der obligat parasitischen Entwicklung im Wirt lässt sich ableiten, dass Stallungen nur insofern relevant sind, wie dort empfängliche Tiere gehalten werden; Brut- oder Entwicklungsorte unabhängig vom Wirt beschreiben die ausgewerteten Quellen nicht. Praktisch wichtig sind daher Weiden, Ausläufe und Rinderställe mit Tierkontakt, nicht Wohnräume oder Lagerbereiche. (wcvm)

Bedeutung als Schädling

Schadwirkung

Die Schadwirkung beginnt schon vor dem Larvenstadium: Anfliegende Weibchen verursachen Unruhe, Fluchtverhalten und verringerte Futteraufnahme. Später führen die wandernden und unter der Rückenhaut sitzenden Larven zu Dasselbeulen, Atemlöchern, Gewebeschäden und Leistungsdepression. Das BLV nennt verminderte Leistung, mehr Infektionskrankheiten und Schäden an Rinderhäuten; MSD und UF/IFAS ergänzen reduzierte Fleisch- und Milchleistung, geringere Gewichtszunahmen und entzündliche Veränderungen im Gewebe. (BLV)

Wirtschaftliche Schäden

Wirtschaftlich relevant sind vor allem Lochfraß-ähnliche Perforationen der Haut durch die Atemöffnungen, Trimmverluste am Schlachtkörper und Produktionsverluste durch geringere Gewichtszunahme und Milchleistung. UF/IFAS beschreibt Hide-Schäden, reduzierte Zunahmen und Minderleistung als zentrale Kostenfaktoren; MSD hebt zusätzlich die erhöhte Anfälligkeit für andere Erkrankungen hervor. Wo zeitlich abgestimmte Bekämpfungsprogramme eingeführt wurden, ist der Befall stark zurückgegangen, was die Bedeutung eines konsequenten Bestandsmanagements unterstreicht. (MSD Veterinary Manual)



Gesundheitliche Risiken

Direkte Gefahren

Die adulten Fliegen stechen oder beißen nach den ausgewerteten Quellen nicht; sie fressen nicht und besitzen nur rudimentäre Mundwerkzeuge. Die direkte gesundheitliche Gefahr betrifft daher vor allem Rinder und andere Fehlwirte durch die Larvenentwicklung im Körper. Für Menschen stuft das BLV die Krankheit als nicht gefährlich ein; WCVM und UF/IFAS nennen jedoch seltene beziehungsweise akzidentelle Fehlbefälle, sodass der Mensch zwar kein Hauptwirt ist, ein Befall aber nicht völlig ausgeschlossen werden kann. (wcvm)

Indirekte Folgen

Besonders kritisch ist ein falscher Behandlungszeitpunkt während der inneren Wanderung. Sterben H. lineatum-Larven in der Ösophaguswand ab, können Dysphagie, Speicheln und Bloat auftreten; sterben H. bovis-Larven im Bereich des Spinalkanals, sind Ataxie, Schwäche oder Lähmung der Hintergliedmaßen möglich. Zusätzlich nennt das BLV mehr Infektionskrankheiten bei befallenen Rindern, was die gesundheitliche Relevanz über die sichtbaren Dasselbeulen hinaus erhöht. (MSD Veterinary Manual)

Befall erkennen

Befallsanzeichen

Typisch sind im Frühling und Frühsommer tastbare oder sichtbare Dasselbeulen entlang des Rückens. Das BLV beschreibt zusätzlich grüngelbliche, geleeartige oder eitrige Sekretspuren; MSD und UF/IFAS nennen die Atemöffnung im Zentrum der Warble und empfehlen die klinische Untersuchung beziehungsweise das Abtasten der Rückenlinie. Früh im Jahresverlauf können außerdem Eier an Haaren der Beine und der Bauchunterseite sowie Unruhe und „Gadding“ Hinweise auf Aktivität der Fliegen liefern. (BLV)

Dasselfliege (Hypoderma bovis und Hypoderma lineatum) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

Als klare Schadensspuren bleiben Atemlöcher in der Haut, entzündlich verändertes Gewebe und beim Ausschlachten trimmungsbedürftige Areale zurück. Aus Warbles geborgene Larven sind anfangs hell, später dunkel und etwa 25-30 mm lang; MSD beschreibt für reife L3 die gut sichtbaren Segmentierungen und Dornenbänder. Auch perforierte Häute mit deutlichem Wertverlust gehören zu den typischen Befundbildern. (MSD Veterinary Manual)

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugung bedeutet bei Dasselfliegen vor allem Bestandsmanagement. Das BLV nennt Fliegenschutz und weist darauf hin, dass kein Impfstoff verfügbar ist; UF/IFAS empfiehlt die Überwachung auf Eier an Beinen und Bauch sowie später die Kontrolle der Rückenlinie auf Warbles, damit Behandlungen rechtzeitig geplant werden können. WCVM betont zusätzlich, dass die wirksamsten Programme die Larven früh in der Migration erfassen und damit gerade die riskanten Aufenthaltsorte im Ösophagus oder Spinalkanal vermeiden. (BLV)

WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung

Professionelle Bekämpfung

Die professionelle Bekämpfung muss bei Rinder-Dasseln tierärztlich geführt werden. MSD und WCVM nennen Makrozyklische Laktone als zentrale Wirkstoffgruppe; WCVM führt unter anderem Doramectin, Eprinomectin, Ivermectin und Moxidectin auf. Entscheidend ist nicht nur die Wahl des Wirkstoffs, sondern vor allem das Timing: Früh angesetzte systemische Behandlungen gegen wandernde Frühlarven sind deutlich sicherer als Spätbehandlungen, und zeitlich abgestimmte Programme haben den Befall in mehreren Ländern nahezu eradiziert. (MSD Veterinary Manual)

Eigenmaßnahmen

Eigenmaßnahmen sollten sich im Wesentlichen auf Beobachtung, Dokumentation und Fliegenschutz beschränken. Das eigenständige Ausdrücken von Larven ist problematisch, weil ein Zerquetschen laut UF/IFAS und WCVM lokale Entzündungen, Abszesse oder allergische Reaktionen begünstigen kann; späte systemische Behandlungen ohne tierärztliche Steuerung erhöhen zudem das Risiko schwerer Reaktionen im Ösophagus oder Spinalkanal. Bei Verdacht auf Befall ist deshalb die tierärztliche Bestandsbetreuung die fachlich richtige erste Maßnahme. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist „Dasselfliege“ eine einzelne Art?

Im Rinderkontext meist nicht. Die amtlichen und veterinärmedizinischen Quellen dieser Sitzung verwenden den Begriff für zwei wirtschaftlich wichtige Arten, nämlich Hypoderma bovis (Große Dasselfliege) und Hypoderma lineatum (Kleine Dasselfliege). (BLV)

Woran erkenne ich einen Befall am zuverlässigsten?

Am zuverlässigsten an den typischen Dasselbeulen am Rücken im Frühling und Frühsommer, oft mit zentraler Atemöffnung. Ergänzend sind Eier an Haaren der unteren Körperpartien, Unruhe der Tiere während der Flugzeit und tastbare Knoten entlang der Rückenlinie wichtige Hinweise. (BLV)

Wie viele Eier legt ein Weibchen?

Die belastbaren Quellen nennen keine einheitliche Einzelzahl, aber sie liegen übereinstimmend im Bereich mehrerer hundert Eier. Scholl und Weintraub geben mittlere Werte von 516 ± 54 Eiern für H. lineatum und 478 ± 70 Eiern für H. bovis an; eine UF-Quelle zu H. lineatum nennt als Obergrenze bis zu 800 Eier auf einem einzelnen Wirt. (Digital Commons)

Können Dasselfliegen Menschen oder Wohngebäude befallen?

Ein klassischer Wohngebäudebefall ist aus den ausgewerteten Quellen nicht ableitbar, weil die Entwicklung an den tierischen Wirt gebunden ist. Für Menschen beschreibt das BLV die Krankheit als nicht gefährlich; WCVM und UF/IFAS erwähnen aber seltene akzidentelle Fehlbefälle, sodass man bei ungewöhnlichen Hautbefunden nach Tierkontakt ärztlichen Rat einholen sollte. (BLV)

Warum ist der Behandlungszeitpunkt so wichtig?

Weil absterbende Larven an den falschen Stellen schwere Reaktionen auslösen können. Bei H. lineatum drohen im Ösophagus Dysphagie, Speicheln und Bloat, bei H. bovis im Bereich des Spinalkanals Ataxie, Schwäche oder Lähmungen der Hintergliedmaßen; genau deshalb betonen alle veterinärmedizinischen Quellen die frühe, zeitlich gesteuerte Behandlung. (MSD Veterinary Manual)

Wie lange lebt die adulte Dasselfliege?

Die adulten Tiere leben nur kurz, aber die genaue Spanne variiert je nach Quelle. UF/IFAS nennt 3-5 Tage, MSD weniger als eine Woche und WCVM allgemeiner „innerhalb weniger Wochen“; belastbar ist deshalb vor allem die Aussage, dass die erwachsene Dasselfliege sehr kurzlebig ist und in dieser Zeit paaren und Eier ablegen muss. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

Quellen und weiterführende Informationen

  • Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Dasselkrankheit. (BLV)
  • MSD Veterinary Manual: Hypoderma spp – Integumentary System. (MSD Veterinary Manual)
  • MSD Veterinary Manual: Overview of Cattle Grubs. (MSD Veterinary Manual)
  • Western College of Veterinary Medicine, University of Saskatchewan: Hypoderma bovis and H. lineatum. (wcvm)
  • UF/IFAS Extension: Cattle Grub Management. (Ask IFAS – Powered by EDIS)
  • Scholl & Weintraub: Gonotrophic development in Hypoderma lineatum and H. bovis with notes on reproductive capacity. (Digital Commons)
  • UF Featured Creatures / EDIS-Snippet zu Hypoderma lineatum (Maximalangabe zur Eizahl). (Florida Virtual Campus Journals)

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.