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Brauner Splintholzkäfer (Lyctus brunneus)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 02. März 2026
Lesedauer: 16 Minuten
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Der Braune Splintholzkäfer (Lyctus brunneus) ist ein bedeutender Holzschädling aus der Familie der Splintholzkäfer (Lyctidae). Er stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde durch den internationalen Holzhandel weltweit verschleppt. In Deutschland ist Lyctus brunneus die am häufigsten aus den Tropen eingeschleppte Splintholzkäferart. Nach Angaben des Instituts für Schädlingskunde hat sich die Art in Baden-Württemberg sogar im Freiland etabliert (Bußler 2009, Geis 2012).

Der Braune Splintholzkäfer befällt vorwiegend das stärke- und eiweißreiche Splintholz großporiger Laubhölzer. Die Larven fressen feine Gänge entlang der Holzfaser und hinterlassen dabei ein charakteristisches, talkumähnlich feines Bohrmehl. Befallen werden sowohl tropische Importhölzer als auch heimische Laubhölzer wie Eiche, Esche und Ulme. Besonders gefährdet sind Parkett, Möbel, Bilderrahmen, Türzargen und museale Holzobjekte.

Aussehen: Wie sieht der Braune Splintholzkäfer aus?

Erkennungsmerkmale

Der ausgewachsene Braune Splintholzkäfer erreicht eine Körperlänge von 2,5 bis 8 mm (schädlingskunde.de, nhm.ac.uk), wobei holzfragen.de und verminscout.de eine Maximallänge von 7 mm angeben. Die meisten Exemplare messen zwischen 4 und 5 mm. Der Körperbau ist auffallend schmal und langgestreckt. Die Körperfärbung reicht von rotbraun bis gelbbraun, wobei Kopf und Halsschild in der Regel dunkler gefärbt sind als die Flügeldecken. Kleinere Exemplare erscheinen häufig heller, größere Tiere dunkler.

Charakteristisch sind zwei höckerartige Erhebungen (Tuberkeln) auf jeder Seite des Kopfes vor den Augen. Die Fühler enden in einer zweigliedrigen Keule. Die Flügeldecken weisen mehrere Punktreihen auf, wobei nur an der Flügelnaht eine unregelmäßige Punktierung vorliegt. Der Halsschild ist vorne breiter als hinten und hat eine annähernd trapezförmige Form.

Larvenstadium: Die Larven sind cremefarben bis weißlich mit braunem Kopf und kräftigen Mandibeln. Sie erreichen eine Länge von etwa 4 bis 6 mm (verminscout.de; holzfragen.de gibt bis 4 mm an, nhm.ac.uk etwa 5 mm) und besitzen drei deutlich entwickelte Beinpaare. Die Körperform ist leicht gekrümmt (C-förmig), der Brustbereich ist stark gewölbt. Ein auffälliges Merkmal ist die große Stigmenöffnung am vorletzten Hinterleibssegment.

Puppenstadium: Die Puppe ist weißlich gefärbt und befindet sich in einer Puppenwiege nahe der Holzoberfläche.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Der Braune Splintholzkäfer kann mit dem einheimischen Parkettkäfer (Lyctus linearis) und dem Nordamerikanischen Splintholzkäfer (Lyctus planicollis) verwechselt werden:

MerkmalBrauner SplintholzkäferParkettkäferNordamerikanischer Splintholzkäfer
Wissenschaftlicher NameLyctus brunneusLyctus linearisLyctus planicollis
Größe2,5-8 mm2,5-5 mm3-6 mm
FärbungRotbraun bis gelbbraunRotbraun bis schwarzbraunRotbraun bis dunkelbraun
HalsschildVorne breiter, trapezförmigGleichmäßig schmalFlach, vorne leicht verbreitert
HerkunftSüdostasienEuropa (heimisch)Nordamerika

Entwicklung und Lebenszyklus des Braunen Splintholzkäfers

Entwicklungsstadien

Der Braune Splintholzkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose mit vier Entwicklungsstadien:

  1. Ei: Das Weibchen legt seine Eier in die offenen Poren stärkehaltiger Laubhölzer, in Risse oder in alte Larvengänge ab. Die Eier sind langgestreckt und messen etwa 0,1 x 1,2 mm. Sie werden einzeln oder in kleinen Gruppen von bis zu fünf Eiern abgelegt.

  2. Larve: Nach dem Schlüpfen frisst sich die Larve entlang der Holzfaser durch das Splintholz. Die Fraßgänge werden dicht mit feinem Bohrmehl verstopft. Die Larvenentwicklung ist der längste Abschnitt des Lebenszyklus.

  3. Puppe: Die Verpuppung erfolgt in einer Puppenwiege nahe der Holzoberfläche. Die Puppenruhe ist vergleichsweise kurz.

  4. Imago (adulter Käfer): Der fertig entwickelte Käfer bohrt sich durch ein kreisrundes Ausflugloch nach außen. Die adulten Tiere sind flugfähig und werden von Lichtquellen angezogen.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist stark von Temperatur, Holzfeuchte und Stärkegehalt des Holzes abhängig. Das klimatische Optimum liegt bei etwa 26 bis 27 °C und einer Holzfeuchte von 14 bis 16 %.

EntwicklungsstadiumDauerQuelle
Eiruhe8-14 Tageschädlingskunde.de (8-10 Tage) / verminscout.de (1-2 Wochen)
Larvenentwicklung3-18 Monateschädlingskunde.de
Puppenruheca. 2-3 Wochenschädlingskunde.de / verminscout.de
Gesamtentwicklung (optimal)ca. 10-12 Wochennhm.ac.uk (Laborbedingungen)
Gesamtentwicklung (typisch, beheizte Gebäude)ca. 1 Jahrnhm.ac.uk
Gesamtentwicklung (typisch, gemäßigtes Klima)3-6 Jahreverminscout.de
Gesamtentwicklung (ungünstig)bis zu 4 Jahrenhm.ac.uk / museumsschädlinge.de

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Die Angaben zur Puppenruhe variieren je nach Quelle: Das Institut für Schädlingskunde gibt rund 2 Wochen an, während andere Fachquellen (verminscout.de) etwa 3 Wochen nennen. Internationale Quellen (nhm.ac.uk) dokumentieren eine Spanne von 12 bis 30 Tagen. Die Dauer hängt wesentlich von der Umgebungstemperatur ab.

In beheizten Gebäuden mit günstigen Bedingungen können nach Angaben der Fachquelle museumsschädlinge.de bis zu zwei Generationen pro Jahr auftreten. Internationale Quellen (CICRP) dokumentieren unter optimalen Bedingungen sogar zwei bis drei Generationen jährlich. Unter ungünstigen Bedingungen (niedrige Temperaturen, geringe Holzfeuchte) kann sich die Entwicklung auf mehrere Jahre erstrecken.

Lebensweise und Verhalten von Braunen Splintholzkäfern

Aktivitätsmuster

Der Braune Splintholzkäfer ist vorwiegend dämmerungsaktiv. Die adulten Käfer sind flugfähig und werden nachts von Lichtquellen angezogen. Der Schlupf der Käfer erfolgt nach Angaben des Natural History Museum London von Mai bis September, wobei je nach Quelle der Schwerpunkt zwischen Juni und August liegt. Die Fachquelle holzfragen.de gibt für das gemäßigte Klima einen Schlupfschwerpunkt im März bis Mai an.

Die Art ist wärmeliebend und bevorzugt Temperaturen um 26 °C. In Mitteleuropa tritt sie daher vorwiegend in beheizten Gebäuden auf, hat sich jedoch laut Bußler (2009) vereinzelt auch im Freiland in Deutschland etabliert.

Nahrung und Ernährung

Die Larven ernähren sich vom stärke- und eiweißreichen Splintholz großporiger Laubhölzer. Sie können Zellulose und Hemizellulose nicht verdauen, sondern verwerten die Zellinhalte wie Stärke, Zucker und Proteine. Der Stärkegehalt des Holzes muss nach Angaben des Natural History Museum über 3 % liegen, damit eine erfolgreiche Larvenentwicklung möglich ist.

Die adulten Käfer nehmen nach Angaben des Instituts für Schädlingskunde keine Nahrung mehr auf. Ihre Lebensdauer beträgt laut museumsschädlinge.de bei Weibchen bis zu 6 Wochen, bei Männchen 2 bis 3 Wochen.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Nach der Paarung beginnt das Weibchen laut verminscout.de etwa zwei Tage nach der Kopulation mit der Bewertung geeigneter Hölzer für die Eiablage. Die Eier werden in die offenen Poren stärkehaltiger Laubhölzer, in Risse oder alte Larvengänge abgelegt. Die Eiablage erfolgt einzeln oder in kleinen Gruppen von bis zu fünf Eiern.

Vermehrungsrate

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Die Angaben zur Eizahl pro Weibchen variieren je nach Quelle erheblich. Das Institut für Schädlingskunde nennt durchschnittlich 75 Eier pro Weibchen. Die Fachquelle verminscout.de gibt eine Spanne von 30 bis 75 Eiern an. Das Natural History Museum London dokumentiert hingegen bis zu 220 Eier pro Weibchen. Diese Unterschiede können auf verschiedene Untersuchungsbedingungen und unterschiedliche Populationen zurückzuführen sein.

ParameterWertQuelle
Eier pro Weibchen (Durchschnitt)ca. 75schädlingskunde.de
Eier pro Weibchen (Spanne)30-220verminscout.de / nhm.ac.uk
Generationen pro Jahr (beheizte Räume)bis zu 2museumsschädlinge.de
Schlupfzeit der Larven8-14 Tageschädlingskunde.de

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Der Braune Splintholzkäfer stammt ursprünglich aus Südostasien. Durch den internationalen Handel mit tropischen Hölzern wurde die Art weltweit in tropische und subtropische Regionen verschleppt. In Deutschland ist Lyctus brunneus laut dem Institut für Schädlingskunde die am häufigsten eingeschleppte Splintholzkäferart.

Bemerkenswert ist, dass sich der Braune Splintholzkäfer in Baden-Württemberg auch im Freiland etabliert hat (Bußler 2009, Geis 2012).

Verbreitung in/an Gebäuden

In Gebäuden findet man den Braunen Splintholzkäfer vorwiegend an folgenden Orten:

  • Wohnräume: Parkettböden, Fußleisten, Türzargen, Bilderrahmen
  • Möbel: Insbesondere aus tropischen Hölzern gefertigte Einrichtungsgegenstände
  • Museen und Sammlungen: Holzskulpturen, Rahmen, ethnografische Objekte
  • Holzlager und Schreinereien: Tropische Schnitthölzer und Furniere
  • Transportverpackungen: Holzkisten und Paletten aus Laubholz

Die Einschleppung erfolgt in der Regel über befallenes tropisches Importholz. Innerhalb von Gebäuden können die flugfähigen Käfer auch benachbarte Holzbauteile besiedeln.

Bedeutung des Schädlings Lyctus brunneus

Schadwirkung

Der Braune Splintholzkäfer kann erhebliche Schäden an verbauten und verarbeiteten Laubhölzern verursachen. Die Hauptschäden entstehen durch:

  1. Larvenfraß: Die Larven fressen das Splintholz von innen aus und hinterlassen ein Netzwerk feiner, mit Bohrmehl verstopfter Gänge
  2. Strukturelle Schwächung: Bei starkem Befall kann die Tragfähigkeit des Holzes erheblich gemindert werden
  3. Ästhetische Schäden: Ausfluglöcher und herausrieselndes Bohrmehl beschädigen Oberflächen
  4. Wiederbefall: Die nächste Käfergeneration kann das gleiche Holz erneut befallen, solange ausreichend Stärke vorhanden ist

Ein dokumentiertes Beispiel für die Schadwirkung: Im Jahr 2015 mussten laut Presseberichten mindestens 400 hölzerne Eisenbahnschwellen im Wehrhahn-Tunnel der Düsseldorfer Rheinbahn aufgrund von Holzschädlingsbefall ersetzt werden.

Befallene Holzarten

Der Braune Splintholzkäfer befällt vorwiegend das Splintholz großporiger, stärkereicher Laubhölzer. Das Kernholz wird nicht angegriffen.

Häufig befallene tropische Hölzer:

  • Abachi (Triplochiton scleroxylon)
  • Limba (Terminalia superba)
  • Okoume (Aucoumea klaineana)
  • Meranti
  • Ramin
  • Rattan
  • Bambus

Befallene heimische Hölzer:

  • Eiche (Splintholz)
  • Esche
  • Ulme
  • Walnuss
  • Edelkastanie

Nicht befallen werden:

  • Nadelhölzer (Kiefer, Fichte, Tanne usw.)
  • Buche (nach Angaben von holzfragen.de)
  • Kernholz von Laubhölzern

Die Anfälligkeit hängt entscheidend vom Stärkegehalt des Splintholzes ab. Holz mit einem Stärkegehalt unter 3 % wird laut dem Natural History Museum London nicht befallen. Mit zunehmendem Alter des Holzes sinkt der Stärkegehalt, sodass Holz nach etwa 10 bis 15 Jahren für den Käfer unattraktiv wird.

Fraßgänge und Bohrlöcher

Die Fraßgänge der Larven verlaufen parallel zur Holzfaser und sind dicht mit extrem feinem Bohrmehl verstopft. Die Konsistenz des Bohrmehls ist talkumähnlich fein und mehlartig, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Holzschädlingen darstellt.

MerkmalBeschreibung
AusfluglöcherKreisrund, 0,8-2 mm Durchmesser
GangsystemParallel zur Holzfaser, dicht mit Bohrmehl verstopft
Gangbreiteca. 2 mm
BohrmehlExtrem fein, talkumähnlich, mehlartig
OberflächeBei Befall häufig kleine Bohrmehltrichter sichtbar

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Die Angaben zum Durchmesser der Ausfluglöcher variieren je nach Quelle. Das Institut für Schädlingskunde gibt 0,9 bis 1,7 mm an, holzfragen.de nennt 0,8 bis 2 mm und museumsschädlinge.de dokumentiert 1,5 bis 2 mm. Diese Unterschiede erklären sich durch die variable Körpergröße der Käfer (2,5 bis 8 mm).

Wirtschaftliche Schäden

Der Braune Splintholzkäfer kann beträchtliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Besonders betroffen sind:

  • Holzhandel: Befallenes Importholz kann nicht weiterverarbeitet werden
  • Parkettböden: Nach Angaben von holzfragen.de wurde ein Parkettboden innerhalb von 5 Jahren vollständig zerstört
  • Infrastruktur: Eisenbahnschwellen, Türzargen, Fußleisten
  • Museale Objekte: Skulpturen, Bilderrahmen, ethnografische Sammlungsobjekte


Gesundheitliche Risiken bei einem Befall durch den Braunen Splintholzkäfer

Direkte Gefahren

Der Braune Splintholzkäfer stellt keine direkte Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. Die Käfer beißen oder stechen nicht und übertragen keine Krankheitserreger. Allergische Reaktionen auf Bohrmehl, Häutungsreste oder Kadaver sind möglich, aber selten dokumentiert.

Indirekte Folgen

Die gesundheitlichen Risiken beschränken sich auf mögliche Sekundäreffekte:

  • Feinstaubbelastung: Das extrem feine Bohrmehl kann bei empfindlichen Personen die Atemwege reizen
  • Verunreinigung: Kot, Häutungsreste und Kadaver der Käfer kontaminieren die unmittelbare Umgebung befallener Hölzer
  • Strukturelle Risiken: Bei starkem Befall tragender Holzbauteile kann deren Stabilität beeinträchtigt werden

Brauner Splintholzkäfer Befall erkennen

Befallsanzeichen

Ein Befall durch den Braunen Splintholzkäfer lässt sich an folgenden Anzeichen erkennen:

  • Ausfluglöcher: Kleine, kreisrunde Löcher (0,8-2 mm Durchmesser) in der Holzoberfläche
  • Bohrmehl: Extrem feines, talkumähnliches Mehl, das aus den Löchern rieselt oder sich darunter ansammelt
  • Bohrmehltrichter: Auf waagerechten Flächen bilden sich kleine kegelförmige Häufchen um die Ausfluglöcher
  • Lebende Käfer: Adulte Käfer in der Nähe von Lichtquellen oder auf Fensterbänken (2,5-8 mm, rotbraun bis gelbbraun)
  • Fraßgeräusche: Nur mit technischen Hilfsmitteln (z. B. Stethoskop) wahrnehmbar
Brauner Splintholzkäfer (Lyctus brunneus) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

AnzeichenBeschreibung
AusfluglöcherKreisrund, 0,8-2 mm, teilweise leicht ausgefranst
BohrmehlTalkumähnlich fein, mehlartig, hellbraun
HolzsubstanzBefallenes Holz fühlt sich beim Kratzen mehlig an
HolzoberflächeKann bei starkem Befall papierdünn werden

Monitoringmethoden: Zur Befallskontrolle eignen sich nach Angaben von museumsschädlinge.de Klebefallen, das Versiegeln von Ausfluglöchern mit Papier (zur Feststellung aktiven Befalls) sowie Lichtfallen.

Vorbeugende Maßnahmen

Eine effektive Prävention ist der beste Schutz gegen den Braunen Splintholzkäfer:

Holzauswahl und Kontrolle

  • Importholz kontrollieren: Tropische Hölzer vor dem Einbau sorgfältig auf Ausfluglöcher und Bohrmehl prüfen
  • Kernholz bevorzugen: Kernholz wird nicht befallen
  • Holzfeuchte reduzieren: Eine Holzfeuchte unter 8 % verhindert die Larvenentwicklung
  • Nadelholz oder Buche verwenden: Diese Holzarten werden nicht befallen

Im Gebäude

  • Luftfeuchtigkeit in Innenräumen unter 60 % halten
  • Eingebautes Holz regelmäßig auf Ausfluglöcher und Bohrmehl kontrollieren
  • Bei Neubau oder Renovierung auf die Herkunft des Holzes achten
  • Oberflächenbehandlung (Lacke, Lasuren) kann die Eiablage erschweren, da die Holzporen verschlossen werden

In Museen und Sammlungen

  • Neuzugänge vor der Einlagerung auf Befall untersuchen
  • Quarantänemaßnahmen für verdächtige Objekte
  • Regelmäßiges Monitoring mit Klebefallen und Lichtfallen
  • Klimakontrolle in Lagerräumen
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Befall durch den Braunen Splintholzkäfer?

Professionelle Bekämpfung

Die Bekämpfung des Braunen Splintholzkäfers erfordert in der Regel den Einsatz professioneller Schädlingsbekämpfer, da die Larven im Holzinneren für Kontaktmittel schwer erreichbar sind.

Thermische Verfahren:

  • Heißluftverfahren: Erhitzung auf eine Lufttemperatur von 80-120 °C, bis eine Kerntemperatur von mindestens 55 °C im gesamten Holzquerschnitt erreicht wird (Institut für Schädlingskunde). Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 5 bis 12 Stunden
  • Kältebehandlung: Lagerung bei -20 °C für mindestens eine Woche (Institut für Schädlingskunde)

Hinweis: Das Natural History Museum London dokumentiert alternativ eine Hitzebehandlung bei 50 °C für 15 bis 24 Stunden als wirksam gegen alle Entwicklungsstadien.

Begasungsverfahren:

  • Sulfuryldifluorid (Vikane): Gasförmiges Biozid, das in das Holz eindringt
  • Inertgase: Stickstoff (N₂) oder Kohlendioxid (CO₂) in gasdichten Kammern
  • Sauerstoffentzug: Nach Angaben des Natural History Museum tötet eine Sauerstoffkonzentration von 0,4 % alle Eier, Larven und Puppen innerhalb von 6 Tagen und adulte Käfer innerhalb von 3 Tagen

Hinweis: Begasungen dürfen gemäß der EU-Biozidverordnung (528/2012) nur von zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden.

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Chemische Verfahren:

  • Kontaktinsektizide können über Bohrlochinjektionen in befallene Hölzer eingebracht werden
  • Oberflächenbehandlung mit zugelassenen Holzschutzmitteln als Befallsprävention

Eigenmaßnahmen

Im Privathaushalt können bei geringem Befall einzelner Objekte folgende Maßnahmen erwogen werden:

  1. Befallenes Holz entfernen: Stark befallene Bauteile (Fußleisten, Bilderrahmen) austauschen
  2. Kältebehandlung: Kleine befallene Gegenstände bei -20 °C für mindestens eine Woche in den Gefrierschrank legen
  3. Holzfeuchte senken: Durch Verbesserung der Raumbelüftung und Senkung der Luftfeuchtigkeit die Bedingungen für den Käfer verschlechtern
  4. Monitoring: Ausfluglöcher mit Papier überkleben, um festzustellen, ob der Befall noch aktiv ist (neue Löcher durchstoßen das Papier)
  5. Oberflächenbehandlung: Lackierung oder Versiegelung befallener Hölzer kann die Eiablage in offene Poren verhindern

Wichtig: Bei Befall tragender Holzbauteile oder größerer Holzflächen (z. B. Parkett) ist eine professionelle Begutachtung und Bekämpfung dringend empfohlen.

Brauner Splintholzkäfer: Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich einen Befall durch den Braunen Splintholzkäfer?

Die deutlichsten Anzeichen sind kleine, kreisrunde Ausfluglöcher (0,8 bis 2 mm Durchmesser) in der Holzoberfläche und extrem feines, talkumähnliches Bohrmehl, das aus den Löchern rieselt oder sich darunter ansammelt. Das Bohrmehl fühlt sich mehlartig an und ist wesentlich feiner als bei anderen Holzschädlingen wie dem Hausbock.

Welche Holzarten werden vom Braunen Splintholzkäfer befallen?

Der Braune Splintholzkäfer befällt vorwiegend das Splintholz großporiger, stärkereicher Laubhölzer. Besonders gefährdet sind tropische Hölzer wie Abachi, Limba und Okoume sowie heimische Arten wie Eiche, Esche, Ulme und Walnuss. Nadelhölzer und Buche werden nach bisherigen Erkenntnissen nicht befallen. Das Kernholz von Laubhölzern ist ebenfalls nicht betroffen.

Kann der Braune Splintholzkäfer fliegen?

Ja, der Braune Splintholzkäfer ist flugfähig. Die adulten Käfer werden insbesondere in der Dämmerung von Lichtquellen angezogen. Durch die Flugfähigkeit kann sich ein Befall auf benachbarte Holzbauteile im Gebäude ausbreiten.

Wie lange dauert die Entwicklung des Braunen Splintholzkäfers?

Die Entwicklungsdauer ist stark temperatur- und feuchteabhängig. Unter optimalen Bedingungen (ca. 26 °C, 14-16 % Holzfeuchte) kann eine Generation innerhalb weniger Monate abgeschlossen sein. Unter Laborbedingungen wurde eine Mindestdauer von 10 bis 12 Wochen dokumentiert. Unter ungünstigen Bedingungen kann sich die Entwicklung auf bis zu 4 Jahre erstrecken.

Ist der Braune Splintholzkäfer gesundheitsschädlich?

Der Braune Splintholzkäfer stellt keine direkte Gesundheitsgefahr dar. Er beißt oder sticht nicht und überträgt keine Krankheiten. Das feine Bohrmehl kann bei empfindlichen Personen die Atemwege reizen. Die Hauptgefahr besteht in der Schädigung der Holzsubstanz.

Hört der Befall von selbst auf?

Mit zunehmendem Alter des Holzes sinkt der Stärkegehalt im Splintholz. Das Natural History Museum London gibt an, dass nach etwa 10 bis 15 Jahren der Stärkegehalt so weit abgenommen hat, dass das Holz für den Käfer unattraktiv wird. Ein aktiver Befall kann jedoch über mehrere Generationen erhebliche Schäden verursachen, bevor er zum Erliegen kommt.

Was ist der Unterschied zwischen Braunem Splintholzkäfer und Hausbock?

Der Braune Splintholzkäfer (2,5-8 mm) ist wesentlich kleiner als der Hausbock (Hylotrupes bajulus, 7-25 mm). Während der Splintholzkäfer das Splintholz von Laubhölzern befällt, schädigt der Hausbock das Splintholz von Nadelhölzern. Die Ausfluglöcher des Splintholzkäfers sind kreisrund und sehr klein (0,8-2 mm), die des Hausbocks oval und deutlich größer (5-10 mm). Auch das Bohrmehl unterscheidet sich: beim Splintholzkäfer talkumähnlich fein, beim Hausbock gröber und walzenförmig.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen


Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.