Der Backobstkäfer (Carpophilus hemipterus LINNAEUS, 1758), auch Getrockneter Früchtekäfer oder Trockenobstkäfer genannt, gehört zur Familie der Glanzkäfer (Nitidulidae). Er ist ein bedeutender Vorratsschädling, der weltweit in Lebensmittelbetrieben, Lagerhäusern und Supermärkten vorkommt. Der Name leitet sich von seiner Vorliebe für Backobst (getrocknete Früchte) ab.
- Aussehen: Wie sieht der Backobstkäfer aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus des Backobstkäfers
- Lebensweise und Verhalten von Backobstkäfern
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Carpophilus hemipterus
- Gesundheitliche Risiken bei einem Backobstkäfer Befall
- Backobstkäfer Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Backobstkäfer Befall?
- Backobstkäfer: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
Dieser Käfer gilt als einer der wichtigsten Schädlinge an Trockenfrüchten und kann bei massenhaftem Auftreten erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. In Australien ist er auch als Freilandschädling bekannt, der reife Steinfrüchte befällt und bis zu 30 % der Ernte vernichten kann.
Aussehen: Wie sieht der Backobstkäfer aus?
Erkennungsmerkmale
Der Backobstkäfer erreicht eine Körperlänge von zwei bis vier Millimetern. Die Körperfärbung ist dunkelbraun bis schwarz.
Charakteristische Merkmale:
- Zwei rötlichgelbe bis gelbe Flecken auf jeder Flügeldecke
- Flügeldecken bedecken den Hinterleib nur teilweise, sodass die letzten zwei Hinterleibssegmente freiliegen
- Fühler aus elf Gliedern, die letzten drei Glieder sind stark vergrößert und bilden eine deutlich abgesetzte, dunkel gefärbte Fühlerkeule
- Abgeflachter Körper
Larven:
- Gelblich-weiß gefärbt
- Sehr beweglich
- Negativ phototaktisch (meiden Licht)
- Verstecken sich immer im Nahrungssubstrat
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
| Art | Größe | Färbung | Unterscheidungsmerkmal |
|---|---|---|---|
| Backobstkäfer (C. hemipterus) | 2–4 mm | Dunkelbraun bis schwarz | Zwei gelbe Flecken pro Flügeldecke |
| Getreidesaftkäfer (C. dimidiatus) | 2–3 mm | Braun | Keine deutlichen Flecken |
| Glanzkäfer (C. obsoletus) | 2–3 mm | Dunkelbraun | Einfarbig ohne Flecken |
Entwicklung und Lebenszyklus des Backobstkäfers
Entwicklungsstadien
Der Backobstkäfer durchläuft eine vollständige Metamorphose:
- Ei: Einzeln tief im Fruchtfleisch befallener Trockenfrüchte abgelegt
- Larve: Durchläuft drei Larvenstadien mit Häutungen
- Puppe: Verpuppung erfolgt im Substrat
- Imago: Ausgewachsener, flugfähiger Käfer
Entwicklungsdauer
Die Entwicklung ist stark temperaturabhängig:
| Temperatur | Entwicklungsdauer (Ei bis Imago) |
|---|---|
| 20 °C | ca. 47 Tage |
| 25 °C | ca. 4 Wochen |
| 37,5 °C | ca. 13,4 Tage |
| Optimale Bedingungen | unter 4 Wochen |
Mindesttemperatur für Entwicklung: 14,6 °C
Wichtige Voraussetzung: Die Larven benötigen eine hohe Umgebungsfeuchte für ihre Entwicklung. Die Entwicklung findet bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von mindestens 50 % statt (oekolandbau.de). In Trockenfrüchte mit weniger als 20 % Wassergehalt legt der Backobstkäfer keine Eier ab.
Lebensweise und Verhalten von Backobstkäfern
Aktivitätsmuster
Backobstkäfer sind sehr beweglich und können schnell verschiedene Vorräte besiedeln. Die adulten Käfer sind flugfähig und werden von gärenden oder verderbenden Früchten angelockt.
Die Larven sind lichtscheu (negativ phototaktisch) und halten sich stets im Inneren des Nahrungssubstrats auf.
Nahrung und Ernährung
Der Backobstkäfer bevorzugt feuchte, zuckerreiche Substrate:
Bevorzugte Nahrung:
- Trockenfrüchte (Rosinen, Pflaumen, Datteln, Feigen)
- Backobst
- Getrocknete Aprikosen und Pfirsiche
Weitere Nahrungsquellen:
- Mais und Getreide
- Nüsse
- Backwaren (wenn feucht genug)
- Reife und überreife Früchte
Hinweis: Da der Käfer eine hohe Umgebungsfeuchte und einen Wassergehalt im Substrat von mindestens 20 % für die Eiablage benötigt, werden sehr trockene Lebensmittel nur selten befallen.
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Weibchen legen ihre Eier einzeln und tief im Fruchtfleisch der befallenen Trockenfrüchte ab. Die Eier werden so platziert, dass die schlüpfenden Larven sofort Zugang zu Nahrung haben.
Vermehrungsrate
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Eizahl pro Weibchen | bis zu 1.000 Eier (nach Kemper, 1938) |
| Generationen pro Jahr | mehrere (bei günstigen Bedingungen) |
| Generationsdauer (optimal) | ca. 4 Wochen |
Die hohe Reproduktionsrate macht den Backobstkäfer zu einem gefährlichen Vorratsschädling, der sich bei geeigneten Bedingungen sehr schnell vermehren kann.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Im Freiland befällt der Backobstkäfer reife und überreife Früchte, besonders Steinobst. In Australien ist er ein bedeutender Freilandschädling in Aprikosen- und Pfirsichplantagen.
Verbreitung in/an Gebäuden
Der Käfer tritt auf in:
- Lebensmittelfabriken
- Lagerhäusern für Trockenfrüchte
- Supermärkten
- Großküchen
- Haushalten (bei Lagerung von Trockenobst)
Bedeutung des Schädlings Carpophilus hemipterus
Schadwirkung
Der Backobstkäfer verursacht erhebliche Schäden:
- Direkter Fraß an Trockenfrüchten und anderen Vorräten
- Larven fressen ganze Trockenfrüchte von innen auf
- Verunreinigung durch Kot und Nahrungsreste
- Übertragung von Bakterien und Pilzen
Wirtschaftliche Schäden
Die wirtschaftlichen Schäden können beträchtlich sein:
- In Australien Ernteverluste von bis zu 30 % bei Steinobst
- Übertragung von Monilinia-Fäule (Braunfäule) in Aprikosen- und Pfirsichplantagen
- Vernichtung gelagerter Trockenfrüchte
- Reklamationen und Imageschäden bei Befall im Handel
Befallene Lebensmittel
Carpophilus hemipterus befällt bevorzugt:
- Rosinen und Korinthen
- Pflaumen (Trockenpflaumen)
- Datteln und Feigen
- Getrocknete Aprikosen
- Mais (bei ausreichender Feuchtigkeit)
- Nüsse (bei Schimmelbefall)
Lagerschäden
Die Larven erzeugen in befallenen Früchten zahlreiche Fraßgänge, die mit einer krümeligen Masse aus Kot und Nahrungsresten gefüllt sind. Befallene Ware wird durch Bakterien und Pilze schnell weiter verdorben.
Gesundheitliche Risiken bei einem Backobstkäfer Befall
Direkte Gefahren
Der Backobstkäfer stellt keine direkte Gefahr für den Menschen dar. Er beißt nicht und sticht nicht.
Indirekte Folgen
Gesundheitliche Risiken entstehen durch:
- Bakterielle Kontamination: Käfer übertragen Bakterien, die zu schnellem Verderb führen
- Pilzübertragung: Förderung von Schimmelbildung auf befallenen Früchten
- Hygienische Mängel: Befallene Lebensmittel sind nicht mehr zum Verzehr geeignet
- Allergene: Kot und Körperteile können bei empfindlichen Personen Reaktionen auslösen
Kontamination
Befallene Lebensmittel werden kontaminiert durch:
- Käferkot
- Häutungsreste
- Fraßreste und Fraßmehl
- Übertragene Bakterien und Pilzsporen
Backobstkäfer Befall erkennen
Befallsanzeichen
Einen Befall mit dem Backobstkäfer erkennt man an:
- Lebenden Käfern in oder an Trockenobstverpackungen
- Weiche oder eingesunkene Stellen an Trockenfrüchten
- Krümelige Substanz (Kot und Fraßreste) in den Früchten
- Fraßgänge und Löcher in befallenen Produkten
- Fettiger, glänzender Flüssigkeitsaustritt an befallenen Waren
Schadensspuren
Typische Schadensspuren umfassen:
- Ausgehöhlte Trockenfrüchte
- Fraßgänge gefüllt mit krümeliger Masse
- Feuchtflecken durch Sekundärbefall mit Schimmel
- Muffiger Geruch bei fortgeschrittenem Befall
Vorbeugende Maßnahmen
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die trockene Lagerung:
Lagerungsbedingungen:
- Wassergehalt der Produkte unter 20 % halten und relative Luftfeuchtigkeit niedrig halten (verhindert Eiablage und Larvenentwicklung)
- Trockenfrüchte kühl und trocken lagern
- Luftdichte Behälter verwenden
- Regelmäßige Kontrolle der Vorräte
Hygienemaßnahmen:
- Lagerräume sauber und trocken halten
- Überreife oder beschädigte Früchte sofort entfernen
- Keine Ansammlung von Fruchtabfällen
Kontrolle:
- Wareneingangskontrollen durchführen
- Regelmäßige Inspektion gelagerter Waren
- Pheromonfallen zur Überwachung einsetzen
Bekämpfung: Was hilft bei einem Backobstkäfer Befall?
Professionelle Bekämpfung
Für die professionelle Bekämpfung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:
Begasung:
- Phosphorwasserstoff (Phosphin)
- Kohlendioxid (CO₂) – auch als Druckentwesung
- Stickstoff (N₂)
Diese Methoden töten alle Entwicklungsstadien ab, bieten aber keinen Schutz vor Wiederbefall.
Thermische Verfahren:
- Wärmebehandlung bei 50–60 °C
- Kältebehandlung bei -18 °C für mehrere Tage
Präventive Maßnahmen:
- Trockene Lagerung (Wassergehalt unter 20 %, niedrige Luftfeuchtigkeit)
- Regelmäßiges Monitoring
- Hygienemaßnahmen in Lagerräumen
Eigenmaßnahmen
Bei geringem Befall im Haushalt:
- Befallene Ware identifizieren: Alle Trockenfrüchte kontrollieren
- Entsorgung: Befallene Produkte in verschlossenen Tüten im Hausmüll entsorgen
- Kältebehandlung: Verdächtige Waren bei -18 °C für mindestens 72 Stunden einfrieren
- Reinigung: Lagerbereich gründlich reinigen
- Trockene Lagerung: Neue Vorräte nur in luftdichten Behältern und trocken lagern
Backobstkäfer: Häufig gestellte Fragen
Ist der Backobstkäfer gefährlich für Menschen?
Nein, der Backobstkäfer stellt keine direkte Gefahr dar. Allerdings sollten befallene Lebensmittel nicht verzehrt werden, da sie mit Kot, Bakterien und Pilzen kontaminiert sein können.
Wie erkenne ich einen Befall mit dem Backobstkäfer?
Typische Anzeichen sind: weiche oder eingesunkene Stellen an Trockenfrüchten, krümelige Substanz in den Früchten, kleine dunkelbraune Käfer mit charakteristischen gelben Flecken auf den Flügeldecken.
Woher kommt der Backobstkäfer?
Der Käfer wird meist über befallene Ware eingeschleppt. Er kann auch von außen einfliegen, wenn reife oder verderbende Früchte in der Nähe vorhanden sind.
Warum befällt der Backobstkäfer nicht alle trockenen Lebensmittel?
Die Larven benötigen eine hohe Umgebungsfeuchte (mindestens 50 % relative Luftfeuchtigkeit) für ihre Entwicklung. In Trockenfrüchte mit weniger als 20 % Wassergehalt werden keine Eier abgelegt (oekolandbau.de). Bei trockener Lagerung kann ein Befall verhindert werden.
Wie viele Eier legt ein Backobstkäfer?
Ein einzelnes Weibchen kann bis zu 1.000 Eier legen, weshalb sich Populationen bei günstigen Bedingungen sehr schnell entwickeln können.
Wie schnell entwickelt sich der Backobstkäfer?
Bei optimalen Bedingungen (über 30 °C, ausreichende Feuchtigkeit) kann die Entwicklung vom Ei zum Käfer in weniger als vier Wochen abgeschlossen sein. Bei 20 °C dauert sie etwa 47 Tage.
Wie kann ich einem Befall vorbeugen?
Die wichtigste Maßnahme ist die trockene Lagerung: Wassergehalt der Produkte unter 20 % und niedrige relative Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich helfen luftdichte Behälter, kühle Lagertemperaturen und regelmäßige Kontrolle der Vorräte.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/kaefer/backobstkaefer-carpophilus-hemipterus/
Internationale wissenschaftliche Quellen
- James & Vogele (2000): Entwicklungsstudien bei konstanten Temperaturen
- Kemper (1938): Reproduktionsstudien
- Frickhinger (1939): Schadwirkung an Trockenfrüchten
- Hossain et al. (2000): Freilandschäden in Australien