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Nonne (Lymantria monacha)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 02. März 2026
Lesedauer: 10 Minuten
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Die Nonne (Lymantria monacha) ist ein Schmetterling aus der Unterfamilie Lymantriinae und wird in offiziellen Forstquellen als bedeutender Nadelwaldschädling beschrieben. In Mitteleuropa stehen vor allem Kiefer und Fichte im Fokus, wobei Massenvermehrungen zu starkem Nadelverlust führen können.

EPPO führt die Art als in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet; in mehreren außereuropäischen Ländern ist sie regulaert oder als Quarantäneschaderreger gelistet. Für den Innenraumkontext ist wichtig: Es handelt sich primär um einen Waldschädling mit Entwicklung an Bäumen, nicht um einen typischen Hygieneschädling in Wohnungen.

Aussehen: Wie sieht die Nonne aus?

Erkennungsmerkmale

Nach Natural Resources Canada sind weibliche Falter größer (Flügelspannweite meist über 53 mm) als männliche Tiere (meist über 41 mm). Die Vorderflügel sind hell mit dunkler Zickzackzeichnung; dieses schwarz-weiße Muster begründet den deutschen Namen.

Die Raupen erreichen etwa 30 bis 35 mm Länge und variieren farblich von hellbraun bis grauschwarz. Eigelege liegen häufig in Rindenritzen; die Eier werden dort in Gruppen abgelegt und überdauern den Winter.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Verwechslungen sind vor allem mit dem Schwammspinner möglich, weil beide Arten nachtaktive Forstschmetterlinge sind. NRCan beschreibt für die Nonne jedoch charakteristische Unterschiede: Eigelege sind eher zylindrisch und ohne die für Schwammspinner typischen Haarauflagen.

Auch die Flügelzeichnung unterscheidet sich: Bei der Nonne dominiert das kontrastreiche, netzartige Muster. Für belastbare Feldbestimmungen werden in der Praxis Merkmalskombinationen aus Falterbild, Eiform und Befallsbild genutzt.

Entwicklung und Lebenszyklus der Nonne

Entwicklungsstadien

Die Nonne durchläuft Ei, Raupe, Puppe und Falter. LWF und NRCan beschreiben, dass die Art als Ei überwintert und die Raupen je nach Witterung meist Ende April bis Mai schlüpfen.

Die Raupen fressen zunächst an älteren Nadeln und wechseln später auch auf junge Nadeln; die Verpuppung erfolgt anschliessend an Stamm oder in Rindennischen. Der Falterflug liegt in Mitteleuropa typischerweise zwischen Juli und September.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungsangaben sind temperaturabhängig und variieren zwischen Quellen, bleiben aber in einem gut begrenzten Rahmen.

QuelleAngabe zur Entwicklungsdauer
LWF BayernRaupenentwicklung bis zum Falterflug etwa 9 bis 10 Wochen
NRCanLebenszyklus in Nordamerika-Bewertungen typischerweise ca. 90 Tage
Keena et al. (peer-reviewed)Larvenstadien im Feld meist 5 bis 7 (häufig 5 bei Männchen, 6 bei Weibchen); Dauer stark von Temperatur/Wirt abhängig

Praktisch ist deshalb ein temperaturgebundener Arbeitsbereich sinnvoll: von Raupenschlupf im Frühjahr bis zu flugaktiven Faltern im Hoch- bis Spätsommer bei meist einer Generation pro Jahr.

Lebensweise und Verhalten von Nonnen

Aktivitaetsmuster

Adulte Nonnen sind laut NRCan überwiegend nachts aktiv und werden von Lichtquellen angezogen. LWF beschreibt zusaetzlich, dass die Falter tagsüber oft ruhig an Stammen sitzen und in der Daemmerung flugaktiv werden.

Jungraupen können sich nach dem Schlupf auch passiv ausbreiten, etwa über Fadenflug und Windverdriftung. Dadurch entstehen neue Befallsherde nicht nur unmittelbar am Ursprungsbaum.

Nahrung und Ernaehrung

Der Schwerpunkt liegt auf Nadelbäumen, insbesondere Kiefer und Fichte. NRCan nennt daneben weitere Nadel- und Laubbaumarten als mögliche Wirte, was zu den breiten EPPO-Wirtsangaben für verholzende Pflanzen passt.

In Gradationen frisst die Art in großen Mengen Nadelmasse; wiederholter Kahlfraß schwächt Bäume deutlich. Damit ist die Nonne ökologisch vor allem als Kronen- und Assimilationsschädling relevant.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Nach dem Falterflug erfolgt Paarung und Eiablage an Rinde oder anderen rauen Oberflächen in Waldnaehe. NRCan beschreibt Eigelege in Ritzen und geschützten Strukturen, was die Überwinterung als Ei ermöglicht.

Für das Populationsmonitoring nutzen Waldschutzdienste Pheromonfallen und anschliessende Eigelegekontrollen. LWF beschreibt dieses Stufensystem explizit als Grundlage für Prognose und Entscheidung über weitere Maßnahmen.

Vermehrungsrate

Die publizierten Werte werden als Bereiche angegeben:

ParameterBelastbarer Bereich
Eier pro Gelegemeist 20 bis 100, in Einzelfällen bis etwa 300 (NRCan)
Generationen pro Jahrüberwiegend eine Generation (LWF, NRCan)
Monitoring-Schwellein LWF-Prognosen >1000 Männchen/Falle als Auslöser für Folgeprüfung

Die Werte zeigen: Nicht jedes Auftreten führt zu Massenbefall. Kritisch werden vor allem Jahre mit anhaltend hoher Falterdichte und günstigen Entwicklungsbedingungen.

Vorkommen und Verbreitung

Natuerliche Lebensräume

EPPO führt die Nonne als in Nord-, Mittel- und Teilen Südeuropas sowie in weiten Teilen Asiens verbreitet. Ökologisch liegt der Schwerpunkt auf Nadelwald- und Mischwaldsystemen mit geeigneten Wirtsbäumen.

Historisch wurden starke Ausbrueche in Deutschland wiederholt in Kiefernbestaenden dokumentiert. LWF beschreibt für Bayern ausgeprägte Gradationen insbesondere in wärmebegünstigten Regionen.

Verbreitung in/an Gebäuden

Eine stabile Innenraumbesiedlung ist untypisch, weil die Entwicklung an lebenden Wirtsbäumen bzw. deren Nadelmasse gebunden ist. Relevante Exposition an Gebäuden entsteht eher durch Zuflug zum Licht oder über anhaftende Eigelege an Holz, Containern oder Transportmitteln.

Diese Verschleppungswege werden in nordamerikanischen Behördenquellen (NRCan) und in der wissenschaftlichen Literatur als relevantes Eintragsrisiko beschrieben. Funde im Siedlungsbereich bedeuten daher häufig Exposition, nicht automatisch eine etablierte Innenraumpopulation.

Bedeutung des Schädlings Lymantria monacha

Schadwirkung

Die Hauptschadwirkung ist Entnadelung durch Raupenfraß. LWF beschreibt, dass Bäume nach einmaligem Kahlfraß oft wieder benadeln, wiederholter Kahlfraß aber zu deutlicher Schwächung bis hin zu Bestandesschäden führen kann.

Neben Vitalitätsverlust erhöht starker Fraßdruck die Anfälligkeit gegenüber Folgeproblemen wie Trockenstress oder Sekundärschädlingen. Dadurch steigt das forstbetriebliche Risiko in betroffenen Regionen.

Wirtschaftliche Schäden

Konkrete Schadkosten sind standort- und jahresabhängig, aber Flächenangaben zeigen die potenzielle Größenordnung. LWF dokumentiert für Bayern zwischen 1980 und 1987 eine Massenvermehrung auf über 20.000 ha; 1983 wurden mehr als 14.000 ha bekämpft und auf etwa 3.000 ha trat Kahlfraß auf.

Aktuelle Waldschutzberichte der NW-FVA ordnen die Nonne in Niedersachsen/Bremen derzeit eher als Latenzgeschehen ein. Das begrenzt unmittelbare Schadflächen, erfordert aber weiterhin Monitoring- und Prognoseaufwand.



Gesundheitliche Risiken bei einem Befall mit der Nonne

Direkte Gefahren

Die ausgewerteten Fachquellen führen die Nonne als Forst- und Materialschädling an Bäumen, nicht als Parasiten- oder Vorratsschädling des Menschen. Direkte medizinische Gefahren stehen deshalb im Normalfall nicht im Vordergrund.

Eine relevante Krankheitsübertragung ist im üblichen Innenraumkontext nicht belegt.

Indirekte Folgen

Indirekte Folgen entstehen vor allem über Wald- und Bestandeschäden: Vitalitätsverluste, erhöhter Bewirtschaftungsaufwand und lokal eingeschränkte Schutz- und Erholungsfunktionen. Für Wohnräume sind typische hygienische Kontaminationspfade dagegen nicht das primäre Risikoprofil dieser Art.

Bei Fundhäufungen an Gebäuden ist meist ein Bezug zu umliegenden Waldgebieten, Lichtanflug oder verschlepptem Material wahrscheinlicher als eine dauerhafte Innenraumentwicklung.

Nonnenbefall erkennen

Befallsanzeichen

Frühe Hinweise sind erhöhte Falterfaenge in Pheromonfallen sowie sichtbare Eigelege in Rindenritzen. LWF nennt im Prognoseverfahren eine auffällige Fangschwelle von mehr als 1000 Männchen je Falle als Signal für vertiefte Folgekontrollen.

Im Bestand zeigen sich zudem Raupenfraß an Nadeln und je nach Befallsdruck ausduennende Kronen. Die sichere Bewertung erfolgt über die Kombination aus Fangdaten, Eigelegefunden und Fraßbild.

Nonne (Lymantria monacha) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

Typische Spuren sind Nadelverlust, Fraßreste und bei stärkerem Geschehen Teil- bis Kahlfraß in Kronenbereichen. Nach LWF beginnt der Fraß oft an älteren Nadeln und verlagert sich später auch auf diesjährige Nadeln.

Bei wiederholtem starkem Fraß können Triebzuwachs und Baumvitalität deutlich sinken. Das ist für die Praxis ein wichtiger Unterschied zwischen kurzfristiger Exposition und wirtschaftlich relevantem Massenbefall.

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugung basiert im Waldschutz vor allem auf frühzeitiger Prognose statt auf später Schadensreaktion. Offizielle Programme kombinieren Pheromon-Monitoring, Eigelegesuche und regional differenzierte Risikobewertung.

Sinnvolle Praxisschritte sind:

  1. In bekannten Risikoregionen Fallen- und Bestandeskontrollen während der Flugzeit konsequent durchführen.
  2. Bei auffälligen Fangzahlen Folgeprüfungen (Eigelege, Fraßbild) zeitnah veranlassen.
  3. Holz, Container, Fahrzeuge und andere raue Oberflächen aus Befallsgebieten auf Eigelege kontrollieren.
  4. Verdachtsbefall früh an zuständige Forst- bzw. Pflanzenschutzstellen melden, statt isoliert zu reagieren.
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Nonnenbefall?

Professionelle Bekämpfung

Professionelle Waldschutzstrategien folgen einem Stufenprinzip: erst Monitoring, dann Prognose, dann zielgerichtete Eingriffe bei belegtem Risiko. LWF beschreibt für die Nonne explizit die Kombination aus Pheromonfang, Winterkontrolle der Eigelege und darauf abgestimmter Maßnahmenplanung.

Historisch wurden in Massenjahren großflächige Bekämpfungen durchgeführtt; heute steht eine risikobasierte, flächendifferenzierte Entscheidung im Vordergrund. Damit sollen unnötige Eingriffe vermieden und befallsrelevante Flächen priorisiert werden.

Eigenmaßnahmen

  1. Bei Falterhäufungen im Siedlungsrandbereich Lichtquellen nachts reduzieren, um Zuflug an Gebäuden zu senken.
  2. Bewegliche Aussenobjekte mit rauer Oberfläche (z. B. Holzlager, Container, Fahrzeuge) auf Eigelege prüfen und Funde melden.
  3. Kein unkontrolliertes Verbringen potenziell belasteter Materialien aus bekannten Befallsgebieten.
  4. Bei wiederkehrenden Funden immer die zuständige Fachstelle einbinden, weil Populationsbewertung ohne Monitoringdaten unsicher bleibt.

Nonne: Häufig gestellte Fragen

Ist die Nonne ein typischer Wohnungsschädling?

Nein. Die Art ist ein Forstschädling mit Entwicklung an Wirtsbäumen; Funde im Gebäudebereich entstehen meist durch Lichtanflug oder Verschleppung von Eigelegen.

Wann ist die Nonne am aktivsten?

Die Falter fliegen typischerweise zwischen Juli und September und sind vor allem nachts aktiv. Entsprechend fallen Befallsbeobachtungen oft in die Abend- und Nachtstunden.

Wie viele Generationen pro Jahr bildet die Nonne?

Nach den genutzten Behördenquellen überwiegend eine Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als Ei.

Ab wann gilt ein Monitoringbefund als auffällig?

Im bayerischen Prognoseverfahren gilt ein Fang von mehr als 1000 Männchen pro Falle als Schwelle für vertiefte Folgeuntersuchungen. Die endgueltige Bewertung kombiniert jedoch immer mehrere Befundsarten.

Können Laubbäume ebenfalls befallen werden?

Ja, mögliche Wirte umfassen neben Nadelbäumen auch verschiedene Laubbaumarten. Forstlich besonders relevant bleiben in Mitteleuropa aber meist Kiefer und Fichte.

Ist die Nonne für Menschen gesundheitlich gefährlich?

Die Quellenlage beschreibt primar Wald- und Materialschaden, keine belegte relevante Krankheitsübertragung im üblichen Innenraumkontext. Das Hauptrisiko ist daher forstwirtschaftlich, nicht hygienemedizinisch.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.