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Gelbfiebermücke (Aedes aegypti)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 30. März 2026
Lesedauer: 16 Minuten
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Aussehen: Wie sieht Gelbfiebermücke aus?

Erkennungsmerkmale

Das Umweltbundesamt führt Aedes aegypti auf Deutsch als Gelbfiebermücke. Die Art ist eine kleine, dunkel gefärbte Stechmücke mit schwarz-weiß gezeichneten Beinen und einer auffälligen hellen Zeichnung auf dem Brustschild. Für die Körpergröße nennen die in dieser Sitzung abgerufenen Fachquellen unterschiedliche Kurzangaben: Das Umweltbundesamt nennt etwa 3–4 mm, die University of Florida etwa 4–7 mm. Für die Praxis ist daher vor allem die Kombination aus kleiner Körpergröße, kontrastreicher Schwarz-Weiß-Zeichnung und dem hellen Thoraxmuster entscheidend. (umweltbundesamt.de)

Ein wichtiges Detail für die Geschlechtsunterscheidung: Weibchen sind nach der IFAS-Fachquelle größer als Männchen; Männchen haben deutlich gefiederte Antennen, Weibchen dagegen kurze, spärliche Behaarung. Nur weibliche Aedes-Mücken nehmen Blut auf; die Blutmahlzeit dient der Eibildung. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Am häufigsten wird die Gelbfiebermücke mit der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) verwechselt. Beide Arten sind schwarz-weiß gezeichnet, aber bei Aedes aegypti bildet die helle Beschuppung auf dem Thorax ein leier- oder geigenförmiges Muster, während Aedes albopictus dort typischerweise einen einzelnen hellen Mittelstreifen trägt. (umweltbundesamt.de)

Von heimischen Arten lässt sie sich ebenfalls abgrenzen. Das Umweltbundesamt nennt als Beispiel die Ringelmücke Culiseta annulata: Auch sie hat gebänderte Beine, ist aber mit etwa 10–13 mm deutlich größer, eher beige bis grau gefärbt und ohne die charakteristische Thoraxzeichnung der Gelbfiebermücke. ECDC weist zudem darauf hin, dass auch andere invasive oder einheimische Stechmücken kontrastreich erscheinen können; das leierförmige Muster auf dem Scutum ist deshalb ein zentrales Diagnosemerkmal. (umweltbundesamt.de)

Entwicklung und Lebenszyklus

Entwicklungsstadien

Die Art durchläuft eine vollständige Metamorphose mit Ei, Larve, Puppe und Adulttier. Die Eier sind ungefähr 1 mm lang, werden einzeln auf feuchte Flächen knapp oberhalb der Wasserlinie abgelegt und verfärben sich nach der Ablage rasch von weiß zu schwarz. Mehrere Quellen betonen, dass diese Eier Trockenheit über Monate überstehen können und erst schlüpfen, wenn sie wieder mit Wasser in Kontakt kommen. (umweltbundesamt.de)

Die Larven leben im Wasser und ernähren sich dort von Mikroorganismen, Algen und organischem Material. Für Aedes aegypti sind vier Larvenstadien belegt; darauf folgt ein aquatisches Puppenstadium, das nicht frisst. Danach schlüpft die flugfähige adulte Mücke. Laborprotokolle und CDC-Material beschreiben diese Reihenfolge konsistent und bestätigen die vier Larvenstadien ausdrücklich. (umweltbundesamt.de)

Entwicklungsdauer

Die Entwicklungsdauer ist stark temperaturabhängig. CDC und das kalifornische Gesundheitsministerium nennen für günstige warme Bedingungen ungefähr 7–10 beziehungsweise 7–8 Tage vom Ei bis zum Adulttier; das CDC-PDF präzisiert, dass Larven sich unter günstigen Bedingungen in nur 5 Tagen zu Puppen entwickeln können und die Puppenphase oft 2–3 Tage dauert. (CDC)

Eine aktuelle Laborstudie zeigt, wie stark Temperaturwerte die Entwicklung verschieben: Im Mittel dauerte die Entwicklung von Ei bis Adulttier bei 35 °C 7,83 Tage, bei 25 °C 13,50 Tage, bei 20 °C 21,00 Tage und bei 15 °C 34,00 Tage; einzelne Tiere brauchten bei 15 °C sogar bis zu 46 Tage. Ein Review nennt für die Art eine untere Entwicklungsschwelle von etwa 16 °C, einen oberen Grenzwert um 34 °C und vollständige Entwicklung noch bis 36 °C. (PubMed Central)

Auch zur Lebensdauer gibt es belastbare, aber unterschiedlich gelagerte Angaben. Praxisnahe Merkblätter von Umweltbundesamt, CDPH und IFAS nennen meist etwa 2–4 Wochen beziehungsweise rund 3 Wochen oder 2 Wochen bis 1 Monat. Eine neuere Laborstudie fand bei 25 °C dagegen deutlich längere Mittelwerte von 43,2 Tagen für adulte Tiere insgesamt und 66,7 Tagen für Weibchen. Diese Abweichung sollte offen benannt werden: Kurzsteckbriefe und Laborversuche beschreiben unterschiedliche Umweltbedingungen und sind daher nicht 1:1 vergleichbar. ECDC ordnet die Art außerdem als multivoltin ein, also mit mehreren Generationen pro Jahr. (umweltbundesamt.de)

Lebensweise und Verhalten

Aktivitätsmuster

Die Gelbfiebermücke ist überwiegend tagaktiv. WHO und CDPH nennen Aktivitätsspitzen in den frühen Morgenstunden und vor der Dämmerung; in gut beleuchteten Bereichen kann sie auch nachts stechen. Das Umweltbundesamt beschreibt vor allem die Weibchen als tagaktiv und betont, dass sie bevorzugt in Innenräumen Menschen stechen. (umweltbundesamt.de)

Die Art lebt eng an menschlichen Siedlungen. ECDC beschreibt die häusliche Form als oft sehr nah an Gebäuden, mit Bereitschaft, in Häuser einzufliegen; WHO hebt hervor, dass adulte Tiere häufig in dunklen Innenbereichen ruhen. Auch die Flugdistanz ist eher kurz: CDC spricht von wenigen Häuserblocks, WHO von bis zu etwa 400 m, meist jedoch in Nähe menschlicher Behausungen. In dauerhaft warmen Gebieten kann die Aktivität ganzjährig anhalten; für Madeira nennt ECDC Aktivität über das ganze Jahr mit einem Häufigkeitsgipfel von August bis Oktober. (ECDC)

Nahrung und Ernährung

Adulte Gelbfiebermücken ernähren sich grundsätzlich von Nektar und Pflanzensäften. Für die Eibildung benötigen jedoch nur die Weibchen eine Blutmahlzeit. ECDC beschreibt Aedes aegypti als auf Säugetiere, besonders auf den Menschen, ausgerichtet; zusätzlich ist belegt, dass ein Weibchen innerhalb eines einzigen gonotrophen Zyklus mehrfach Blut aufnehmen kann. (umweltbundesamt.de)

Die Larven leben aquatisch und nutzen dort feines organisches Material, Algen und Mikroorganismen als Nahrung. Für die Befallspraxis ist das relevant, weil bereits kleine, nährstoffhaltige Wasseransammlungen in Behältern ausreichen können, um die Entwicklung zu unterstützen. (umweltbundesamt.de)

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Nach einer Blutmahlzeit beginnt die Eiablage nicht sofort im Wasser, sondern knapp oberhalb der Wasserlinie auf feuchten Oberflächen in kleinen Behältern. Das CDPH-Merkblatt nennt dafür ungefähr drei Tage nach der Blutaufnahme. IFAS betont, dass die Eier einzeln und nicht als Eipaket abgelegt werden und dass ein Weibchen die Eier oft über Stunden oder Tage verteilt, meist sogar auf zwei oder mehr Ablageorte. (California Department of Public Health)

Für die Fortpflanzungsbiologie ist außerdem bedeutsam, dass Aedes aegypti mehrfach innerhalb eines gonotrophen Zyklus Blut aufnehmen kann. Diese enge Kopplung von Blutmahlzeit, Eiablage und Wohnumfeld des Menschen ist einer der Gründe, warum die Art epidemiologisch so relevant ist. (ECDC)

Vermehrungsrate

Mehrere wissenschaftliche und behördliche Quellen lassen sich gut zusammenführen, wenn man zwischen Eiablage pro Charge und Lebenszeitproduktion unterscheidet. IFAS und ein laborbasiertes Protokoll nennen meist etwa 100–200 Eier pro Eiablage; zugleich können Weibchen bis zu fünf Gelege im Leben erzeugen. Das Umweltbundesamt nennt bei ausreichender Blutmenge bis zu 1.000 Eier über die Lebenszeit. Diese Angaben widersprechen sich nicht direkt, sondern beschreiben verschiedene Ebenen derselben Fortpflanzungsleistung. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

Für die Zahl der Generationen pro Jahr ist keine starre globale Zahl belastbar. ECDC stuft die Art allgemein als multivoltin ein. Populationsbiologische Arbeiten rechnen für tropische Populationen häufig mit ungefähr 10 Generationen pro Jahr, für die Schwarzmeerregion wegen des Klimas eher mit 6–8; die konkrete Zahl hängt also stark von Temperatur und Standort ab. (ECDC)

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Mehrere Fachquellen verorten den Ursprung der Art in Afrika südlich der Sahara; populationsgeschichtliche Arbeiten konkretisieren Westafrika als Ursprungsraum der domestizierten Linie. Die ursprünglichen, nicht an den Menschen angepassten Populationen wurden mit Wald- und Buschhabitaten sowie Baumhöhlen und anderen natürlichen Wasseransammlungen in Verbindung gebracht. (umweltbundesamt.de)

Heute ist Aedes aegypti in weiten Teilen der Tropen und in einigen Subtropen verbreitet. ECDC nennt unter anderem Afrika, den Südosten der USA, den Nahen Osten, Südostasien, Inseln im Pazifik und Indischen Ozean sowie Nordaustralien. Die Art ist damit kein lokales Phänomen, sondern eine weltweit bedeutende invasive Vektormücke. (ECDC)

Verbreitung in/an Gebäuden

Für Gebäude ist vor allem die häusliche Lebensweise der Art relevant. Das Umweltbundesamt und ECDC beschreiben Aedes aegypti als Containerbrüter in künstlichen Wasserstellen wie Blumentöpfen, Eimern, Regentonnen, Vasen, Wasserbehältern, Altreifen oder auch unbehandelten Pools; zusätzlich werden unterirdische Wasserhabitate wie Sicker- oder Septiktanks genannt. Die Art nutzt Innen- und Außenbereiche und dringt leicht in Gebäude ein. (umweltbundesamt.de)

Die weltweite Verschleppung wird laut Umweltbundesamt und ECDC wesentlich durch Handel und Transport begünstigt, insbesondere weil die trockenresistenten Eier in Waren und Behältern mitreisen können, etwa in gebrauchten Reifen. Für die aktuelle europäische Lage ist wichtig: Die ECDC-Karte vom Juni 2025 nennt im EU/EWR eine etablierte Region auf Zypern; der ECDC-Bedrohungsbericht 2025 nennt darüber hinaus Etablierungen auf Madeira und an den östlichen Schwarzmeerküsten in Nachbarregionen. Für Deutschland ergibt sich aus den in dieser Sitzung abgerufenen ECDC-Angaben keine Etablierung; die ältere UBA-Artseite nennt zusätzlich, dass die Gelbfiebermücke in Deutschland bislang nicht nachgewiesen worden sei. (umweltbundesamt.de)

Bedeutung als Schädling

Schadwirkung

Die Gelbfiebermücke ist kein Materialschädling, sondern vor allem ein Gesundheitsschädling. Die unmittelbare Belastung entsteht durch wiederholte, oft tagsüber auftretende Stiche in Wohn- und Aufenthaltsbereichen. Entscheidend ist aber die Biologie der Art: Nähe zum Menschen, Nutzung kleinster Brutstätten am Haus, häufiges Ruhen in Innenräumen und mehrfaches Blutsaugen pro Reproduktionszyklus erhöhen ihre Bedeutung als Überträgerin von Krankheitserregern. (umweltbundesamt.de)

Aus Sicht der Schädlingsbekämpfung bedeutet das: Nicht Materialschäden stehen im Vordergrund, sondern das schnelle Erkennen und Unterbrechen lokaler Brutstätten. Schon kleine Wasserbehälter können zur Entwicklung ausreichen, und genau diese Vielzahl an Mikrolebensräumen macht die Art in Siedlungsräumen problematisch. (California Department of Public Health)

Wirtschaftliche Schäden

Wirtschaftlich relevant wird Aedes aegypti vor allem durch Überwachungs-, Kontroll- und Gesundheitskosten. ECDC verweist auf den Dengue-Ausbruch 2012 auf Madeira mit mehr als 2.200 gemeldeten Fällen bis Anfang Januar 2013 sowie zusätzlich 78 Fällen bei europäischen Reiserückkehrern. Solche Ereignisse erzeugen Belastungen für öffentliche Gesundheitssysteme, Surveillance und Vektorkontrolle. (ECDC)

Hinzu kommt der hohe Bekämpfungsaufwand. ECDC betont, dass die Art in urbanen Räumen zahlreiche, teils schwer zugängliche Eiablageorte nutzt. Genau deshalb sind reine Einzelmaßnahmen oft unzureichend; die Behörde bewertet Quellreduktion und gezielte Behandlung wichtiger Behälter als zentral und weist zugleich darauf hin, dass Außenspritzungen wegen des häufigen Aufenthalts in Innenräumen weniger effizient sein können. (ECDC)



Gesundheitliche Risiken

Direkte Gefahren

Direkt gesundheitlich relevant sind die Stiche der Weibchen. IFAS beschreibt meist nur lokale Reizungen mit Juckreiz und Irritation, CDPH ergänzt, dass die Mücken tagsüber sowohl innen als auch außen stechen und Stiche teilweise zunächst unbemerkt bleiben können. (Ask IFAS – Powered by EDIS)

Für Bewohner und Betriebe ist vor allem auffällig, dass die Art nicht auf die klassische nächtliche Stechmückenaktivität beschränkt ist. Gerade wiederholte Stiche am Tag in Wohnräumen, Büros, Höfen oder auf Balkonen sind deshalb ein praktisches Warnsignal. (World Health Organization)

Indirekte Folgen

Indirekt ist die Art medizinisch bedeutsam, weil sie als gesicherter Vektor für Dengue-, Gelbfieber-, Chikungunya- und Zika-Viren gilt. WHO beschreibt den Übertragungsweg so, dass sich ein Weibchen bei der Blutaufnahme an einer infizierten Person ansteckt und nach etwa einer Woche das Virus beim nächsten Stich weitergeben kann. Chikungunya wird laut WHO ebenfalls meist durch infizierte weibliche Aedes aegypti oder Aedes albopictus übertragen. (ECDC)

Für Europa ist laut ECDC nicht jede Anwesenheit von Mücken automatisch gleichbedeutend mit lokaler Übertragung. Der Bedrohungsbericht 2025 verknüpft eine Weiterübertragung auf dem europäischen Festland ausdrücklich mit virämischen Reisenden und Gebieten, in denen kompetente Vektoren bereits etabliert und aktiv sind. Die ECDC-Unterlagen dieser Sitzung nennen Aedes aegypti in Europa beziehungsweise angrenzenden Regionen für Zypern, Madeira und die östlichen Schwarzmeerküsten; für Deutschland wird in diesen Quellen keine Etablierung ausgewiesen. (ECDC)

Befall erkennen

Befallsanzeichen

Ein typisches Frühzeichen sind wiederholte Stiche am Tag, vor allem in und direkt an Gebäuden. WHO weist ausdrücklich darauf hin, dass Menschen deshalb zu Hause oder am Arbeitsplatz gestochen werden können. Wenn gleichzeitig kleine schwarz-weiß gezeichnete Stechmücken mit leierförmiger Thoraxzeichnung auffallen, verdichtet sich der Verdacht auf Aedes aegypti. (World Health Organization)

Brutstätten lassen sich an Wasserbehältern erkennen. CDC beschreibt Eier auf den Innenwänden knapp oberhalb der Wasserlinie; sie haften an der Oberfläche „wie Klebstoff“. Larven sind im Wasser aktiv sichtbar und werden oft als „Wrigglers“ beschrieben; auch Puppen befinden sich im Wasser. WHO nennt zudem dunkle Innenbereiche als typische Ruheplätze adulter Tiere. (CDC)

Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

Die Art hinterlässt keine materialtypischen Fraßspuren, sondern biologische Hinweise auf Brut und Aktivität. Verdächtig sind Untersetzer von Blumentöpfen, Vogeltränken, Zierbrunnen, Dosen, Altreifen, Wassertanks, Regentonnen, Dachrinnen oder andere Kleinstbehälter mit stehendem Wasser; laut CDPH kann schon wenig Wasser für die Entwicklung genügen. (California Department of Public Health)

Besonders wichtig ist der Blick auf die Behälterwand knapp über dem Wasserspiegel. Dort haften die Eier, und genau deshalb betonen WHO und CDC nicht nur das Ausgießen, sondern auch das gründliche Reinigen und Abschrubben mindestens wöchentlich. Ohne mechanisches Entfernen können trocknungsresistente Eier im Behälter verbleiben und bei erneutem Wasserkontakt wieder schlüpfen. (CDC)

Vorbeugende Maßnahmen

Die wichtigste Vorbeugung ist konsequente Quellreduktion. Wasser sammelnde Gegenstände sollten abgedeckt, entleert oder entfernt werden; notwendige Behälter müssen mindestens einmal pro Woche geleert, gereinigt und abgeschrubbt werden. WHO nennt ausdrücklich Blumenvasen und Untersetzer, Flaschen, Wasserbehälter, künstliche Gefäße und Regentonnen; CDPH ergänzt Vogeltränken, Haustiernäpfe, Untersetzer unter Töpfen und Dachrinnen. (World Health Organization)

Zum Personenschutz empfehlen WHO, ECDC, UBA und CDPH lange Kleidung, Repellents mit Wirkstoffen wie DEET, Icaridin/Picaridin oder IR3535 sowie intakte Fliegengitter, klimatisierte oder gescreente Räume und bei Bedarf Moskitonetze. Für Reisen in Gelbfiebergebiete nennt das Umweltbundesamt zusätzlich die Gelbfieberimpfung als spezifische Präventionsmaßnahme. (World Health Organization)



Bekämpfung

Professionelle Bekämpfung

Professionelle Bekämpfung orientiert sich an einem integrierten Ansatz. ECDC nennt Surveillance, Quellreduktion, das Identifizieren der wichtigsten Brutbehälter und deren gezielte Behandlung als zentrale Bausteine. Weil Aedes aegypti in urbanen Räumen viele Eiablageorte nutzt und sich häufig in Innenräumen aufhält, muss die Bekämpfung räumlich sehr präzise geplant werden. (ECDC)

ECDC betont außerdem, dass kombinierte Strategien wirksamer sind als Einzelmaßnahmen. Dazu gehören je nach Lage Monitoring, Beseitigung oder Behandlung von Brutstätten, Aufklärung der Betroffenen sowie – wenn fachlich angezeigt – ergänzende Insektizidmaßnahmen. Gleichzeitig weist ECDC darauf hin, dass innovative Verfahren wie Wolbachia- oder genetische Ansätze noch weiter auf Wirksamkeit und Nachhaltigkeit geprüft werden müssen. (ECDC)

Eigenmaßnahmen

Im privaten Umfeld steht die unmittelbare Beseitigung kleiner Brutstätten im Vordergrund. Sinnvoll sind das wöchentliche Entleeren und Abschrubben von Untersetzern, Vogeltränken und Tiertränken, das Entfernen von stehendem Wasser aus Eimern oder Dosen, das Freihalten von Dachrinnen sowie die Pflege von Pools und Regentonnen. Auch das Umdrehen leerer Behälter und das Entfernen alter Reifen oder sonstiger Wasserfänger reduziert die Eiablagechancen deutlich. (California Department of Public Health)

Ergänzend helfen persönliche Schutzmaßnahmen wie Repellent, lange Kleidung und intakte Fenster- und Türgitter. Das CDPH rät bei ungewöhnlich vielen tagaktiven Stichen ausdrücklich dazu, die lokale Vektorkontrolle zu kontaktieren; im professionellen Umfeld ist das auch ein sinnvoller Eskalationspunkt für Hausverwaltungen, Betriebe und Schädlingsbekämpfer. (California Department of Public Health)

WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Woran erkenne ich die Gelbfiebermücke am sichersten?Am verlässlichsten an der Kombination aus kleiner Körpergröße, schwarz-weiß gebänderten Beinen und der hellen, leierförmigen Zeichnung auf dem Thorax. Genau diese Thoraxzeichnung ist laut ECDC das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu ähnlich aussehenden Arten wie der Asiatischen Tigermücke, die stattdessen meist einen hellen Mittelstreifen trägt. (umweltbundesamt.de)

Sticht nur das Weibchen?Ja. CDC, UBA und IFAS beschreiben übereinstimmend, dass nur weibliche Tiere Blut saugen, weil sie es für die Eibildung benötigen. Männchen ernähren sich dagegen von zuckerhaltigen Pflanzenquellen. (CDC)

Wie schnell entwickelt sich die Gelbfiebermücke?Unter warmen günstigen Bedingungen kann der Zyklus vom Ei bis zum Adulttier schon nach rund 7–10 Tagen abgeschlossen sein. Bei niedrigeren Temperaturen verlängert sich die Entwicklung aber stark; in einer Laborstudie lag der Mittelwert bei 25 °C bei 13,50 Tagen und bei 15 °C bei 34,00 Tagen. (CDC)

Wo legt die Art ihre Eier ab?Nicht frei auf die Wasseroberfläche, sondern einzeln auf feuchte Flächen knapp oberhalb der Wasserlinie in kleinen Behältern. Typische Orte sind Untersetzer, Vasen, Vogeltränken, Eimer, Regentonnen, Dosen oder Altreifen. Die Eier haften an der Behälterwand und können Trockenphasen über Monate überstehen. (CDC)

Ist die Gelbfiebermücke in Deutschland etabliert?Die in dieser Sitzung abgerufenen aktuellen ECDC-Angaben nennen im EU/EWR eine etablierte Region auf Zypern; der ECDC-Bedrohungsbericht verweist zusätzlich auf Madeira und die östlichen Schwarzmeerküsten in Nachbarregionen. Für Deutschland ergibt sich daraus keine ausgewiesene Etablierung; die ältere UBA-Artseite meldet zudem, dass die Art in Deutschland bislang nicht nachgewiesen worden sei. (ECDC)

Warum ist gerade Aedes aegypti medizinisch so relevant?Weil sie eng an den Menschen angepasst ist, bevorzugt Menschen sticht, häufig in Häuser eindringt, mehrfach Blut innerhalb eines Reproduktionszyklus aufnehmen kann und als gesicherter Vektor für Dengue-, Gelbfieber-, Chikungunya- und Zika-Viren gilt. Diese Kombination aus Verhalten und Vektorkompetenz macht sie weltweit zu einer der wichtigsten Stechmückenarten im öffentlichen Gesundheitswesen. (ECDC)

Was ist die wichtigste Sofortmaßnahme bei Verdacht auf Brutstätten?Alle wasserführenden Kleinstbehälter rund ums Gebäude sofort kontrollieren, entleeren und die Innenflächen gründlich abschrubben. Genau dieses mechanische Reinigen ist wichtig, weil die Eier oberhalb der Wasserlinie haften bleiben und selbst nach Trockenphasen wieder schlüpfen können. (World Health Organization)

Quellen

  • Umweltbundesamt: Artprofil „Gelbfiebermücke“ mit Angaben zu Aussehen, Herkunft, Verhalten, Ernährung, Entwicklung und gesundheitlicher Bedeutung. (umweltbundesamt.de)
  • ECDC: Factsheet for experts zu Aedes aegypti mit Taxonomie, Diagnosemerkmalen, Wirtspräferenz, Habitatnutzung, Verbreitung und Bekämpfung. (ECDC)
  • ECDC: Aktuelle Verbreitungskarte Aedes aegypti in Europa, Stand Juni 2025. (ECDC)
  • ECDC: Communicable Disease Threats Report, Woche 5/2025, zur Bedeutung etablierter Vektoren für Weiterübertragung in Europa. (ECDC)
  • CDC: Life Cycle of Aedes Mosquitoes und begleitendes PDF zu Eiablage, Entwicklung, Flugweite und Stadien. (CDC)
  • California Department of Public Health: Aedes aegypti Fact Sheet mit praxisnahen Angaben zu Eiablage, Lebenszyklus, Tagesaktivität und Vorbeugung. (California Department of Public Health)
  • University of Florida IFAS: Fachartikel zur Morphologie, Fortpflanzung, Lebensdauer und medizinischen Bedeutung von Aedes aegypti. (Ask IFAS – Powered by EDIS)
  • WHO: Dengue and severe dengue mit Angaben zu Übertragungsweg, Aktivitätszeiten, Brutstätten und Personenschutz. (World Health Organization)
  • WHO: Chikungunya fact sheet mit Angaben zur Übertragung durch infizierte weibliche Aedes aegypti. (World Health Organization)
  • Peer-Review-Literatur: Temperatur-Review und aktuelle Laborstudie zu Entwicklungsschwellen, Entwicklungsdauer und Langlebigkeit. (PubMed Central)
  • Peer-Review-Literatur: populationsgeschichtliche Arbeiten zur Herkunft in Westafrika und zur klimabhängigen Zahl der Generationen pro Jahr. (PubMed Central)

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.