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Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2026
Lesedauer: 16 Minuten
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Der Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae) innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera). Seinen Namen verdankt er dem charakteristischen Verhalten seiner Raupen, die in langen, prozessionsartigen Reihen im „Gänsemarsch" auf Nahrungssuche gehen. Die Art ist in Süd- und Mitteleuropa heimisch und breitet sich seit etwa 1993 in Deutschland zunehmend nach Norden aus.

Der Eichen-Prozessionsspinner gilt sowohl als Gartenschädling, da seine Raupen durch Kahlfraß erhebliche Schäden an Eichen verursachen können, als auch als Hygieneschädling und Gesundheitsgefahr. Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen Brennhaare aus, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten und bei Menschen und Tieren schmerzhafte Hautreaktionen, Augenreizungen und Atemwegsbeschwerden auslösen können. Die Brennhaare bleiben auch in verlassenen Gespinstnestern über Jahre hinweg wirksam.

Aussehen: Wie sieht der Eichen-Prozessionsspinner aus?

Erkennungsmerkmale

Falter (adultes Tier):Die Falter des Eichen-Prozessionsspinners sind unscheinbare Nachtfalter. Die Männchen erreichen eine Flügelspannweite von 25 bis 32 mm, die Weibchen sind mit 30 bis 36 mm etwas größer. Die Vorderflügel der Männchen sind glänzend asch- bis braungrau gefärbt und tragen zwei dunkle Querbinden. Deutsche Fachquellen beschreiben unterschiedlich zwei dunkle Querbinden (NABU) bzw. drei schwarzgraue Querlinien (Institut für Schädlingskunde) auf den Vorderflügeln der Männchen. Die Hinterflügel sind gelblichweiß, leicht gräulich bestäubt und weisen eine braungraue, diffuse Bogenlinie auf. Bei den Weibchen sind die Vorderflügel dunkler, grau bis braungrau, mit nur undeutlicher Zeichnung. Die Hinterflügel sind grauweiß gefärbt. Die gelbbraunen Fühler sind bei beiden Geschlechtern doppelt gekämmt, beim Weibchen jedoch kürzer.

Raupenstadium:Die Raupen durchlaufen sechs Larvenstadien (L1 bis L6). Jungraupen im ersten und zweiten Stadium sind zunächst braun-gelb gefärbt. Mit zunehmendem Alter färben sie sich grau-schwarz. Ausgewachsene Raupen (L6) erreichen eine Länge von 35 bis 50 mm, wobei deutsche Fachquellen unterschiedliche Maximalwerte angeben. Ab dem dritten Larvenstadium (L3) bilden die Raupen die charakteristischen Brennhaare aus. Voll entwickelte Raupen besitzen bis zu 600.000 dieser feinen, hohlen Gifthaare mit Widerhaken, die nur 0,1 bis 0,25 mm lang sind.

Eigelege:Die Eigelege bestehen aus 100 bis 200 etwa 1 mm großen, weißen Eiern, die in Form einer länglichen Platte an dünneren Zweigen im Kronenbereich älterer Eichen abgelegt werden. Die Weibchen tarnen die Gelege mit grauen Afterschuppen und Sekret, sodass sie mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind.

Hinweis zu abweichenden Quellenangaben: Deutsche Fachquellen geben die Eizahl pro Weibchen mit 100 bis 200 an, während internationale Quellen (Forest Research UK, EPPO) Werte von 100 bis 300 Eiern dokumentieren. Die höhere Zahl kann auf unterschiedliche klimatische Bedingungen und Populationen zurückzuführen sein.

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Der Eichen-Prozessionsspinner kann mit anderen Prozessionsspinnern und Raupenarten verwechselt werden:

MerkmalEichen-ProzessionsspinnerKiefern-ProzessionsspinnerSchwammspinner
Flügelspannweite25-36 mm30-40 mm35-90 mm
Raupenlängebis 50 mmk. A.bis 70 mm
WirtspflanzeEiche (Quercus spp.)Kiefer (Pinus spp.)Laubgehölze (polyphag)
Gespinstnesteran Stamm und Astgabelnam Boden oder in Kronekeine typischen Nester
Brennhaareja, ab L3jaja, aber andere Wirkung

Entwicklung und Lebenszyklus des Eichen-Prozessionsspinners

Entwicklungsstadien

Der Eichen-Prozessionsspinner durchläuft eine vollständige Verwandlung (Holometabolie) mit vier Entwicklungsstadien und ist univoltin, das heißt, er bildet eine Generation pro Jahr:

  1. Ei: Das Weibchen legt im Spätsommer (August bis September) die Eier in einer länglichen Platte an Eichenzweige ab. Bereits im Herbst entwickelt sich der Embryo; die fertige Jungraupe überwintert im Ei.

  2. Larve (Raupe): Mitte bis Ende April, synchron mit dem Austrieb der Eichenblätter, schlüpfen die Raupen. Sie durchlaufen sechs Larvenstadien (L1 bis L6) über einen Zeitraum von 9 bis 12 Wochen. Ab dem dritten Stadium (L3) entwickeln sich die Brennhaare. Die Raupen leben gesellig in Gruppen von 20 bis 30 Individuen und ziehen in den namensgebenden Prozessionen zu ihren Fressplätzen.

  3. Puppe: Ende Juni bis Anfang Juli spinnen die Raupen Kokons im Inneren ihrer Gespinstnester und verpuppen sich. Die Puppenruhe dauert etwa 20 bis 35 Tage (3 bis 5 Wochen).

  4. Falter (Imago): Die adulten Nachtfalter schlüpfen ab Mitte Juli bis August. Ihre Lebensdauer ist auf wenige Tage begrenzt und dient vorwiegend der Fortpflanzung.

Entwicklungsdauer

EntwicklungsstadiumZeitraumDauer
Ei (Überwinterung)August/September bis April/Maica. 8-9 Monate
Larve (L1-L6)April/Mai bis Ende Juni/Anfang Juli9-12 Wochen
PuppeEnde Juni/Juli bis Juli/August20-35 Tage (3-5 Wochen)
Falter (Imago)Juli bis August/Septemberwenige Tage

Temperaturabhängigkeit:Der Eichen-Prozessionsspinner ist eine wärmeliebende Art. Warme, trockene Frühjahre mit geringen Regenmengen während der Larvenentwicklung (April bis Mai) begünstigen die Entwicklung und können zu Massenvermehrungen führen. Milde Winter erhöhen die Überlebensrate der überwinternden Eier.

Lebensweise und Verhalten von Eichen-Prozessionsspinnern

Aktivitätsmuster

Raupen:Die älteren Raupen (L4 bis L6) sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie ruhen tagsüber in ihren Gespinstnestern und wandern in der Dämmerung und nachts in Prozessionen zu ihren Fressplätzen in der Baumkrone. Die Prozessionen können bis zu zehn Meter lang werden.

Falter:Die adulten Falter sind nachtaktiv und fliegen bevorzugt Lichtquellen an. Die Hauptflugzeit liegt zwischen Mitte Juli und Mitte August.

Nahrung und Ernährung

Raupen:Die Raupen ernähren sich von Eichenblättern. Sie können die Blätter bis auf die Mittelrippe und wenige starke Blattadern abfressen (Kahlfraß). Laut EPPO kann der Eichen-Prozessionsspinner seine Entwicklung ausschließlich an Eichen (Quercus spp.) vollständig abschließen. In Jahren mit starkem Befallsdruck wurden gelegentlich auch andere Baumarten wie Buche (Fagus), Birke (Betula), Hainbuche (Carpinus) oder Walnuss (Juglans) angefressen.

Falter:Die adulten Falter nehmen kaum Nahrung auf. Ihre kurze Lebensdauer von wenigen Tagen dient vorwiegend der Paarung und Eiablage.

Gespinstbildung

Ab Juni bauen die Raupen ihre typischen Gespinstnester aus weißem Seidengespinst. Diese Nester befinden sich an Eichenstämmen und in Astgabeln und können bis zu einem Meter Länge erreichen. Sie dienen den Raupen als Ruheplatz und Häutungsort. Auf den Bäumen bilden sich zudem weiße Gespinstbahnen entlang der Äste und Stämme. Die Gespinstnester bleiben auch nach dem Schlupf der Falter an den Bäumen haften und enthalten große Mengen an Brennhaaren, Häutungsresten und Kot, die über Jahre gesundheitsgefährdend bleiben.

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Die Paarung erfolgt kurz nach dem Schlupf der Falter in den Monaten Juli bis August. Die Weibchen legen anschließend im Spätsommer (August bis September) ihre Eier bevorzugt an dünneren Zweigen im Kronenbereich älterer, freistehender oder am Waldrand stehender Eichen ab. Die Eigelege werden mit Afterschuppen und Sekret getarnt.

Vermehrungsrate

ParameterWert
Eier pro Weibchen100-200 (deutsche Quellen), bis 300 (internationale Quellen)
Generationen pro Jahr1 (univoltin)
HauptflugzeitMitte Juli bis Mitte August
EiablageAugust bis September
Schlupf der RaupenApril bis Mai

Der Eichen-Prozessionsspinner bildet eine Generation pro Jahr. Die Populationsdynamik wird maßgeblich durch Witterungsbedingungen beeinflusst: Warme, trockene Frühjahre fördern die Entwicklung, während kühle, feuchte Bedingungen die Sterblichkeit der Jungraupen erhöhen.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Der Eichen-Prozessionsspinner ist in Süd- und Mitteleuropa heimisch. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Süd- und Mitteleuropa bis nach Südrussland und Vorderasien. Die Art bevorzugt wärmebegünstigte, trockene Standorte und besiedelt:

  • Eichenwälder und Mischwälder mit hohem Eichenanteil
  • Waldränder und lichte Eichenbestände
  • Einzelstehende Eichen in Parkanlagen, Alleen und Gärten
  • Stadtbäume: Eichen in städtischen Grünanlagen und an Straßen

Hauptwirtsbäume sind die Stiel-Eiche (Quercus robur), die Trauben-Eiche (Quercus petraea) sowie weitere europäische Eichenarten wie Flaum-Eiche (Q. pubescens), Zerr-Eiche (Q. cerris) und Stein-Eiche (Q. ilex).

Verbreitung in Deutschland

Der Eichen-Prozessionsspinner breitet sich seit etwa 1993 in Deutschland zunehmend aus. Mittlerweile sind alle Bundesländer betroffen, wobei die stärksten Vorkommen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt beobachtet werden. In den letzten Jahren ist eine deutliche Ausbreitung in Richtung Norden zu verzeichnen, die mit dem Klimawandel und den damit verbundenen wärmeren Frühjahren zusammenhängt.

Bedeutung des Schädlings Thaumetopoea processionea

Schadwirkung

Der Eichen-Prozessionsspinner verursacht Schäden auf zwei Ebenen:

Fraßschäden an Eichen:Bei starkem Befall können die Raupen durch Kahlfraß ganze Eichenkronen entlauben. Gesunde Bäume treiben zwar in der Regel erneut aus (Johannistrieb), die wiederholte Entlaubung schwächt die Bäume jedoch erheblich. Dies macht sie anfällig für Sekundärschädlinge wie den Eichenmehltau und den Eichenprachtkäfer. Mehrjähriger starker Kahlfraß kann zum Absterben einzelner Äste oder des gesamten Baumes führen.

Gesundheitsgefährdung durch Brennhaare:Die schwerwiegendere Bedeutung des Eichen-Prozessionsspinners liegt in der Gesundheitsgefährdung für Menschen und Tiere durch die Brennhaare der Raupen (siehe Abschnitt Gesundheitsrisiken).

Wirtschaftliche Schäden

Die wirtschaftlichen Schäden umfassen:

  • Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen in öffentlichen Grünanlagen, an Straßen und in Wäldern
  • Sperrung von Erholungsflächen, Spielplätzen, Wanderwegen und Schulhöfen
  • Schäden im Forst durch Vitalitätsverlust der Eichenbestände
  • Gesundheitskosten durch ärztliche Behandlungen der Betroffenen


Gesundheitliche Risiken bei einem Eichen-Prozessionsspinner Befall

Direkte Gefahren

Die Brennhaare der Raupen stellen die größte Gefahr dar. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, ein lösliches Eiweißgift, das bei Kontakt eine erhöhte Freisetzung des Botenstoffs Histamin bewirkt. Die Brennhaare sind hohl, mit Widerhaken versehen und können durch ihre geringe Größe (0,1 bis 0,25 mm) leicht in Haut und Schleimhäute eindringen.

Hautreaktionen (Raupendermatitis):Die häufigste Reaktion nach Kontakt mit Brennhaaren. Innerhalb von Stunden treten Rötungen, Quaddeln, Bläschen und ein teils starker Juckreiz auf, der mehrere Tage anhalten kann. Die Beschwerden ähneln Insektenstichen.

Augenreizungen:Bei Kontakt mit den Augen kann es zu Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Schwellung der Augenlider, Rötung und Juckreiz kommen.

Atemwegsbeschwerden:Das Einatmen der Brennhaare kann Reizungen im Rachen- und Bronchialbereich, Husten, Bronchitis und in schweren Fällen asthmatische Beschwerden auslösen.

Allergische Reaktionen:Bei wiederholtem Kontakt können allergische Reaktionen auftreten. In seltenen Fällen kann es zu Urtikaria (Nesselsucht) innerhalb von 15 bis 60 Minuten nach Kontakt kommen. In sehr seltenen Fällen sind schwere allergische Reaktionen mit Schock (Anaphylaxie) möglich.

Krankheitsübertragung

Der Eichen-Prozessionsspinner überträgt nach aktuellem Wissensstand keine Krankheitserreger. Die gesundheitlichen Auswirkungen beruhen auf der mechanischen und toxisch-irritativen Wirkung der Brennhaare sowie auf pseudoallergischen Reaktionen durch die Freisetzung von Histamin und anderen Kininen.

Kontamination

Die Brennhaare verbreiten sich durch Wind und können sich in der Umgebung befallener Bäume ablagern:

  • Auf Kleidung und Haaren von Personen, die sich unter befallenen Bäumen aufhalten
  • Im Unterholz und auf dem Boden unter befallenen Eichen
  • In verlassenen Gespinstnestern, die auch nach dem Schlupf der Falter über Jahre hinweg Brennhaare enthalten
  • Auf Gartenmöbeln, Spielgeräten und Wäsche, die im Freien trocknet
  • Auch Haustiere (insbesondere Hunde) können durch Brennhaare geschädigt werden

Eichen-Prozessionsspinner Befall erkennen

Befallsanzeichen

Ein Befall mit dem Eichen-Prozessionsspinner lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:

Frühe Anzeichen (April-Mai):

  • Kleine Raupengruppen an jungen Eichenblättern
  • Beginnender Lochfraß an den Blättern

Fortgeschrittener Befall (Mai-Juni):

  • Weißliche Gespinstnester an Stämmen und in Astgabeln der Eichen
  • Weiße Gespinstbahnen entlang der Äste und des Stammes
  • Zunehmender Kahlfraß in der Baumkrone

Starker Befall (Juni-Juli):

  • Große Gespinstnester (bis zu einem Meter Länge) am Stamm
  • Prozessionen der Raupen in der Dämmerung und nachts (bis zu zehn Meter lang)
  • Vollständiger Kahlfraß einzelner Äste oder der gesamten Krone
  • Große Mengen an Häutungsresten und Kot in und unter den Nestern
Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
© Schaedlingsvernichtung.de

Schadensspuren

AnzeichenBeschreibung
GespinstnesterWeißliche, beutelförmige Nester an Stamm und Astgabeln
GespinstbahnenWeiße Seidenfäden entlang der Äste
KahlfraßBlätter bis auf Mittelrippe abgefressen
ProzessionenRaupen in Reihen hintereinander auf dem Stamm
HäutungsresteAlte Raupenhäute in und unter den Nestern

Vorsicht: Bei Verdacht auf Befall sollten Sie den Baum und seine Umgebung meiden und die zuständige Gemeinde oder das Grünflächenamt informieren. Berühren Sie die Gespinstnester und Raupen keinesfalls mit bloßen Händen.

Vorbeugende Maßnahmen

Gegen den Befall selbst gibt es nach Angaben des Umweltbundesamtes kaum wirksame präventive Maßnahmen. Die Vorbeugung konzentriert sich daher auf den Schutz vor den Brennhaaren:

Persönlicher Schutz

  • Befallene Gebiete meiden: Insbesondere von April bis Juli Bereiche mit bekanntem Befall und entsprechende Warnhinweise beachten
  • Raupen und Gespinstnester nicht berühren: Auch leere, alte Nester enthalten noch Brennhaare
  • Nach Aufenthalt in befallenen Gebieten: Kleidung wechseln und bei mindestens 60°C waschen; gründlich duschen und Haare waschen
  • Wäsche nicht im Freien trocknen, wenn befallene Eichen in der Nähe stehen
  • Früchte und Gegenstände unter befallenen Bäumen nicht aufsammeln

Für Grundstückseigentümer

  • Monitoring: Eichen ab April regelmäßig auf Raupen und Gespinstnester kontrollieren
  • Warnschilder aufstellen und befallene Bereiche absperren
  • Professionelle Entfernung der Gespinstnester beauftragen
  • Förderung natürlicher Feinde: Nistkästen für insektenfressende Vögel (z. B. Meisen, Kuckuck) anbringen

Für Kommunen

  • Warnschilder und Absperrungen an befallenen Bäumen und Gebieten
  • Frühzeitiges Monitoring der Eichenbestände
  • Information der Bevölkerung über Befallssituation und Schutzmaßnahmen
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Eichen-Prozessionsspinner Befall?

Professionelle Bekämpfung

Die Bekämpfung des Eichen-Prozessionsspinners sollte grundsätzlich von professionellen Schädlingsbekämpfern oder spezialisierten Fachfirmen mit entsprechender Schutzausrüstung durchgeführt werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt eine abgestufte Vorgehensweise:

1. Absperren (wenn möglich):Befallene Bereiche werden abgesperrt und mit Warnschildern versehen. Dies ist die einfachste und umweltschonendste Maßnahme.

2. Mechanische Bekämpfung (Absaugen):Geschultes Fachpersonal entfernt die Raupen und Gespinstnester mit Industriesaugern mit Spezialfiltern, die die feinen Brennhaare filtern. Das Personal trägt dabei Schutzoveralls und Atemschutz der höchsten Kategorie (Kategorie III). Die abgesaugten Nester werden als Sondermüll entsorgt.

3. Biologische Bekämpfung:Der biologische Wirkstoff Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki (Btk) wird als Sprühmittel auf die befallenen Bäume ausgebracht. Der Wirkstoff wird von den Raupen mit dem Blattmaterial aufgenommen. Im alkalischen Milieu des Mitteldarms werden die Kristallproteine aktiviert, binden an Rezeptoren der Darmwand und führen zur Zerstörung des Darmepithels. Die Raupen stellen daraufhin die Nahrungsaufnahme ein. Die Anwendung erzielt nach Angaben des Umweltbundesamtes vorwiegend im zweiten und dritten Larvenstadium (April bis Mai) gute Ergebnisse. Als Biozidprodukt ist u. a. Foray ES (Wirkstoff: Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki) zugelassen.

4. Chemische Bekämpfung:Der Einsatz von Bioziden ist nach Empfehlung des Umweltbundesamtes die letzte der möglichen Bekämpfungsformen und sollte nur nach Prüfung aller Alternativen in Betracht gezogen werden.

Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung (EU) 528/2012 und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.

Eigenmaßnahmen

Wichtig: Die eigenständige Entfernung von Gespinstnestern wird ausdrücklich nicht empfohlen, da ohne professionelle Schutzausrüstung ein erhebliches Gesundheitsrisiko besteht.

Privatpersonen können folgende Maßnahmen ergreifen:

  1. Befall melden: Zuständige Gemeinde, Ordnungsamt oder Grünflächenamt informieren
  2. Bereich meiden: Befallene Bäume und deren Umgebung großräumig umgehen
  3. Warnschilder anbringen: Andere Personen auf die Gefahr hinweisen
  4. Erste Hilfe bei Kontakt: Gründlich duschen, Kleidung wechseln und bei 60°C waschen; bei starken Beschwerden einen Arzt aufsuchen
  5. Fachbetrieb beauftragen: Für die Entfernung der Nester einen professionellen Schädlingsbekämpfer mit EPS-Erfahrung beauftragen

Natürliche Gegenspieler

Zu den natürlichen Feinden des Eichen-Prozessionsspinners gehören nach Angaben des Berliner Pflanzenschutzamtes und des NABU:

  • Vögel: Kuckuck (frisst die Raupen trotz Brennhaaren), Wiedehopf, Pirol, Blaumeise
  • Parasitische Insekten: Raupenfliegen der Familie Tachinidae (Carcelia iliaca, Pales processioneae), Brackwespen der Gattung Meteorus, Schlupfwespen der Gattung Pimpla
  • Räuberische Käfer: Puppenräuber (Calosoma spp.), deren Larven in den Gespinstnestern nach Beute suchen
  • Fledermäuse: Erbeuten die nachtaktiven Falter im Flug

Eichen-Prozessionsspinner: Häufig gestellte Fragen

Wie gefährlich sind die Brennhaare des Eichen-Prozessionsspinners?

Die Brennhaare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein und können bei Kontakt schmerzhafte Hautreaktionen (Raupendermatitis), Augenreizungen und Atemwegsbeschwerden auslösen. In seltenen Fällen sind schwere allergische Reaktionen möglich. Besonders gefährdet sind Personen, die wiederholt Kontakt mit den Brennhaaren hatten, da sich die Reaktion bei erneutem Kontakt verstärken kann. Auch Haustiere, insbesondere Hunde, können betroffen sein.

Wann ist der Eichen-Prozessionsspinner aktiv?

Die Raupen schlüpfen je nach Witterung Mitte bis Ende April und durchlaufen ihre Entwicklung bis Ende Juni/Anfang Juli. Die gefährlichen Brennhaare bilden sich ab dem dritten Larvenstadium, typischerweise ab Mai. Die Falter fliegen von Mitte Juli bis August. Die Gespinstnester mit Brennhaaren bleiben jedoch ganzjährig an den Bäumen und sind auch im Winter noch gesundheitsgefährdend.

Was soll ich tun, wenn ich Kontakt mit Brennhaaren hatte?

Wechseln Sie sofort die Kleidung und duschen Sie gründlich, um die feinen Haare von der Haut zu spülen. Waschen Sie die Kleidung bei mindestens 60°C. Bei Hautreaktionen können antiallergische Salben und Antihistaminika Linderung verschaffen. Bei Augenbeteiligung oder Atembeschwerden sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. In sehr seltenen Fällen kann eine Anaphylaxie auftreten, die notärztliche Versorgung erfordert.

Darf ich Gespinstnester selbst entfernen?

Die eigenständige Entfernung von Gespinstnestern wird nicht empfohlen. Für die Entfernung ist spezielle Schutzausrüstung erforderlich (Schutzoverall Kategorie III, Atemschutz mit Vollmaske). Beauftragen Sie einen professionellen Schädlingsbekämpfer oder melden Sie den Befall der zuständigen Gemeinde.

Befällt der Eichen-Prozessionsspinner auch andere Bäume als Eichen?

Der Eichen-Prozessionsspinner kann seine Entwicklung nach Angaben der EPPO nur an Eichen (Quercus spp.) vollständig abschließen. Die bevorzugten Wirtsbäume sind Stiel-Eiche (Q. robur), Trauben-Eiche (Q. petraea), Flaum-Eiche (Q. pubescens) und Zerr-Eiche (Q. cerris). In Jahren mit starkem Befallsdruck können die Raupen gelegentlich auch an anderen Baumarten wie Buche, Birke oder Hainbuche fressen, ihre Entwicklung dort aber in der Regel nicht abschließen.

Wie lange bleiben die Brennhaare gefährlich?

Die Brennhaare behalten ihre gesundheitsschädliche Wirkung über Jahre hinweg. Auch leere, verlassene Gespinstnester enthalten große Mengen an Brennhaaren und Häutungsresten. Alte Nester an Bäumen oder im Unterholz stellen daher auch außerhalb der Raupensaison eine Gefahr dar und sollten professionell entfernt werden.

Warum breitet sich der Eichen-Prozessionsspinner in Deutschland aus?

Der Eichen-Prozessionsspinner ist eine wärmeliebende Art. Der Klimawandel mit milderen Wintern und wärmeren, trockeneren Sommern begünstigt seine Entwicklung. Seit etwa 1993 breitet er sich in Deutschland nach Norden aus. Zudem sind in städtischen Gebieten natürliche Feinde weniger häufig vorhanden, was die Populationsentwicklung zusätzlich fördern kann.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.