Aussehen: Wie sieht Breitflügelfledermaus aus?
Erkennungsmerkmale
Die Breitflügelfledermaus ist eine große, robuste und relativ dunkle Fledermaus. Nach dem Bundesamt für Naturschutz liegt die Kopf-Rumpf-Länge bei 62,6 bis 82 mm, die Unterarmlänge bei 48 bis 57,6 mm, die Spannweite bei 315 bis 381 mm und das Gewicht bei 14,4 bis 33,5 g; typisch sind dunkle Flughäute, schwarze bis schwarzbraune Ohren und Schnauze sowie ein abgerundeter, leicht nach innen gebogener Tragus. Im Flug wirkt die Art vergleichsweise langsam und fällt oft schon früh in der Dämmerung auf. (BfN)
- Aussehen: Wie sieht Breitflügelfledermaus aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus
- Lebensweise und Verhalten
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung als Schädling
- Gesundheitliche Risiken
- Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Quellen und weiterführende Informationen
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Vom Großen Abendsegler lässt sich die Breitflügelfledermaus laut BfN unter anderem durch die dunklere Färbung und den anders geformten Tragus unterscheiden; beim Abendsegler ist dieser pilzförmig. Gegenüber der Nordfledermaus ist sie im Mittel größer und zeigt keine goldglänzenden Haarspitzen, gegenüber der Zweifarbfledermaus fehlen die silberglänzenden Spitzen des Rückenfells. Für die sichere Bestimmung in Gebäuden sind deshalb Fellfarbe, Ohrform und Fundort zusammen aussagekräftiger als ein einzelnes Merkmal. (BfN)
Entwicklung und Lebenszyklus
Entwicklungsstadien
Als Säugetier durchläuft die Breitflügelfledermaus keine Ei-, Larven- oder Puppenstadien. Auf die Trächtigkeit folgt die Geburt eines einzelnen Jungtiers; Fachquellen nennen dafür meist Juni oder Juli, spätere Geburten bis in den August sind dokumentiert. Die Jungtiere unternehmen ihre ersten Flüge nach etwa drei Wochen und werden nach ungefähr fünf bis sechs Wochen selbstständig. (Rote Liste Zentrum)
Entwicklungsdauer
Statt mehrerer „Generationen pro Jahr“ wie bei Insekten ist bei der Breitflügelfledermaus von einem jährlichen Fortpflanzungszyklus auszugehen. Trächtige Weibchen sammeln sich laut LfU bereits im April in Wochenstuben, die Kolonien lösen sich meist bis Anfang September wieder auf; einzelne Tiere können ein Quartier aber bis Anfang Oktober nutzen. Das nachgewiesene Höchstalter beträgt 24 Jahre, was zeigt, dass die Populationsentwicklung eher von jährlichem Fortpflanzungserfolg und Überlebensrate als von schneller Vermehrung geprägt ist. (LfU Bayern)
Lebensweise und Verhalten
Aktivitätsmuster
Die Art fliegt oft schon in der frühen Abenddämmerung aus und kann in Siedlungen regelmäßig an Straßenlaternen beobachtet werden. Sie nutzt feste Flugrouten zwischen Quartier und Jagdgebiet und jagt in unterschiedlichen Höhen, von Viehweiden und Wiesen bis in den Bereich von Baumkronen. Zum Überwinterungsverhalten gibt es nach BfN vergleichsweise wenige belastbare Daten, weil die Tiere sich häufig in schwer zugängliche Spalten zurückziehen. (BfN)
Nahrung und Ernährung
Die Breitflügelfledermaus frisst überwiegend größere Insekten, vor allem Käfer wie Dung- und Maikäfer. Daneben werden je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot auch Nachtfalter, Zweiflügler, Hautflügler, Wanzen, Köcherfliegen und Spinnen aufgenommen; Beute kann nicht nur im Flug, sondern gelegentlich auch vom Boden ergriffen werden. Für Gebäude bedeutet das: Die Art nutzt Häuser als Quartier, nicht als Nahrungsquelle. (BfN)
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Wochenstuben und Einzelquartiere liegen vor allem in Spalten an und in Gebäuden, etwa im Firstbereich, hinter Verkleidungen, hinter Fensterläden oder in Dehnungsfugen. Bevorzugt werden Quartiere mit kleinräumig unterschiedlichen Temperaturen, damit die Tiere ihren Hangplatz je nach Witterung wechseln können. Paarungen finden nach den herangezogenen Fachquellen im Herbst statt; zur genauen Kopulationsbiologie ist die Datenlage für die Praxis jedoch weniger relevant als die hohe Quartiertreue der Weibchen. (BfN)
Vermehrungsrate
Die Art vermehrt sich langsam: In den ausgewerteten Quellen wird gewöhnlich ein Jungtier pro Weibchen und Jahr genannt. Bei der Größe von Wochenstuben zeigen die Fachquellen eine gewisse Spannweite: Das BfN nennt meist 10 bis 60 Weibchen, das LfU meist 15 bis 60; Extremangaben reichen je nach Quelle bis 200 oder 300 Weibchen. Für das Management an Gebäuden ist deshalb nicht eine hohe Reproduktionsrate entscheidend, sondern die langjährige Nutzung derselben Quartiere durch teils größere Kolonien. (BfN)
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Die Breitflügelfledermaus ist in weiten Teilen Europas verbreitet und kommt außerdem in der Türkei, im Nahen Osten sowie in Zentralasien bis China und Taiwan vor. Sie bevorzugt offene bis halboffene Landschaften mit Gehölzanteilen, etwa Grünland, Parklandschaften, Waldränder oder Baumreihen, und kann auch größere Städte besiedeln, wenn genügend Grünflächen als Jagdgebiete vorhanden sind. In Deutschland gilt die Art nach dem Rote-Liste-Zentrum als gefährdet; der kurzfristige Bestandstrend wird dort als starke Abnahme beschrieben. (LfU Bayern)
Verbreitung in/an Gebäuden
In Deutschland ist die Breitflügelfledermaus eine typische Gebäudefledermaus und bezieht ihre Sommerquartiere fast ausschließlich an und in Gebäuden. Besonders häufig sitzt sie verborgen hinter Wandverkleidungen, im Zwischendach, unter Firstziegeln, hinter Fensterläden oder in anderen spaltenförmigen Hohlräumen. Winterfunde stammen zwar oft aus Höhlen, Kellern oder Stollen, doch sowohl BfN als auch LfU weisen darauf hin, dass auch oberirdische Winterquartiere in Gebäuden wahrscheinlich wichtiger sind als bislang nachgewiesen. (BfN)
Bedeutung als Schädling
Schadwirkung
Als klassischer Material- oder Vorratsschädling ist die Breitflügelfledermaus nicht einzuordnen. Da sie Insekten frisst und Gebäude vor allem als Quartier nutzt, entstehen keine artspezifischen Fraßschäden an Holz, Dämmstoffen oder Lebensmitteln; konfliktträchtig sind vielmehr Kotansammlungen, Verfärbungen durch Urin oder Körperfett sowie Störungen bei Bau- und Sanierungsarbeiten an genutzten Quartieren. Für die Schädlingspraxis ist daher weniger „Bekämpfung“ im engeren Sinn relevant als ein rechtskonformes Konfliktmanagement. (BfN)
Wirtschaftliche Schäden
Die wirtschaftliche Relevanz liegt vor allem in Folgekosten rund um Gebäude: fachliche Kartierung, zeitliche Abstimmung von Sanierungen, Erhalt oder Schaffung von Ersatzquartieren sowie Reinigungsaufwand bei größeren Kolonien. Die ausgewerteten amtlichen Quellen nennen dafür keine allgemeingültigen Schadenssummen, beschreiben aber klar, dass unsachgemäße Renovierungen Quartiere beeinträchtigen können und deshalb frühzeitig mit Fledermausexperten abgestimmt werden sollten. In der Praxis entstehen Kosten also eher durch Planungs- und Schutzmaßnahmen als durch direkte Substanzzerstörung. (LfU Bayern)
Gesundheitliche Risiken
Direkte Gefahren
Wildlebende Fledermäuse meiden nach LfU-Angaben den Kontakt mit Menschen. Direkte Risiken entstehen vor allem dann, wenn geschwächte, verflogene oder verletzte Tiere angefasst werden; größere Arten können beißen, weshalb bei unvermeidbarem Handling dicke Handschuhe empfohlen werden. Gesundheitsfachlich wichtig ist, dass Fledermaustollwutviren grundsätzlich klinische Tollwut verursachen können; das FLI beschreibt die Breitflügelfledermaus im norddeutschen Flachland als Hauptreservoir für EBLV-1, wobei Übertragungen auf Mensch und Haustiere insgesamt selten sind. (LfU Bayern)
Indirekte Folgen
Die Breitflügelfledermaus ist kein typischer Hygieneschädling. Das LfU bewertet Fledermaus-Guano als hygienisch unbedenklich; auch bei Quartieren hinter Wandverkleidungen oder Fensterläden stehen eher Verschmutzung, Reinigungsaufwand und Akzeptanzprobleme im Vordergrund als eine gesicherte hygienische Gefährdung. Gleichzeitig weist das LfU darauf hin, dass nach geringfügigem Kontakt oder kleinen Verletzungen durch eine verdächtige Fledermaus ärztlicher Rat eingeholt werden sollte. (LfU Bayern)
Befall erkennen
Befallsanzeichen
Im Gebäudekontext meint „Befall“ bei der Breitflügelfledermaus die Nutzung eines Quartiers, nicht eine materialzerstörende Massenvermehrung. Hinweise sind abendliche Ausflüge an derselben Stelle, Kotkrümel unter Einflugspalten, am Giebel oder am Schornsteinfuß sowie leicht verfärbte Zugänge. In Häusern sitzen die Tiere oft so versteckt, dass zunächst nur Spuren und nicht die Fledermäuse selbst auffallen. (Bat Conservation Trust)
Schadensspuren
Typisch sind trockener, krümeliger Kot mit glänzenden Chitinresten von Insekten, heruntergefallene Falterflügel an Fraßplätzen sowie braunschwarze Verfärbungen an Balken oder ausgeblichenes Holz durch Urin. Solche Spuren sind für gebäudebewohnende Fledermäuse allgemein beschrieben und passen deshalb auch zu Quartieren der Breitflügelfledermaus. Für die Abgrenzung zu Mäusekot ist wichtig, dass Fledermauskot trockener und bröseliger ist und durch Insektenreste glitzern kann. (LfU Bayern)
Vorbeugende Maßnahmen
Vorbeugung bedeutet bei dieser Art vor allem Konflikte mit Gebäuden frühzeitig zu vermeiden. Vor Dach- oder Fassadensanierungen sollten Quartiere kontrolliert und geplante Arbeiten rechtzeitig mit Fledermausexperten abgestimmt werden; besonders während der Jungenaufzucht dürfen Tiere nicht gestört, Einflugöffnungen nicht verschlossen und keine Gifte eingesetzt werden. Das LfU empfiehlt, Sommerquartiere in der fledermausfreien Zeit von September bis März beziehungsweise April zu sanieren und Winterquartiere entsprechend im Sommerhalbjahr. (LfU Bayern)
Bekämpfung
Professionelle Bekämpfung
Bei der Breitflügelfledermaus steht keine Bekämpfung im Sinn von Töten oder Vertreiben im Vordergrund. Alle heimischen Fledermausarten genießen strengen Schutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz, und das BfN führt Eptesicus serotinus als Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie; professionelle Maßnahmen bestehen daher in artenschutzrechtlicher Prüfung, Quartierbewertung, zeitlich passender Ausschlussplanung, Erhalt oder Schaffung geeigneter Ersatzquartiere und Abstimmung mit Naturschutzbehörden. Wer Kolonien bei Sanierungen entdeckt, sollte sie ungestört lassen und fachliche Hilfe hinzuziehen. (BfN)
Eigenmaßnahmen
Eigenmaßnahmen sind stark begrenzt. Zulässig und sinnvoll sind vor allem Beobachtung, Dokumentation von Spuren und die schnelle Kontaktaufnahme zu Fledermausschutzstellen oder fachkundigen Stellen; nicht fachgerecht sind Giftanwendungen, eigenmächtiges Verschließen von Einflugöffnungen oder Störungen während Wochenstuben- und Winterquartierzeiten. Muss ein geschwächtes Tier ausnahmsweise aufgenommen werden, empfiehlt das LfU Handschuhe; Wasser kann vorsichtig angeboten werden, Fütterungsversuche sollten Fachleuten überlassen bleiben. (LfU Bayern)
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die Breitflügelfledermaus überhaupt ein „Schädling“?
Biologisch und rechtlich passt die Art nur eingeschränkt in ein klassisches Schädlingsschema. Die herangezogenen Fachquellen beschreiben vor allem Quartiernutzung an Gebäuden, Konflikte bei Sanierungen und Spuren wie Kot oder Verfärbungen, nicht aber artspezifische Fraßschäden an Baustoffen oder Vorräten. Für die Praxis ist sie daher eher ein geschützter Gebäudebewohner mit Konfliktpotenzial als ein typischer Materialschädling. (BfN)
Darf ich eine Breitflügelfledermaus aus dem Dach vertreiben?
Nicht eigenmächtig. Das LfU weist darauf hin, dass heimische Fledermäuse streng geschützt sind und weder gestört noch getötet sowie ihre Lebensstätten nicht beeinträchtigt werden dürfen; zusätzlich ist die Breitflügelfledermaus laut BfN in Anhang IV der FFH-Richtlinie geführt. Praktisch heißt das: erst fachlich prüfen, dann nur artenschutzkonforme Maßnahmen in geeigneten Zeitfenstern umsetzen. (LfU Bayern)
Ist Fledermauskot gefährlich?
Nach der hier ausgewerteten LfU-Broschüre ist Fledermaus-Guano hygienisch unbedenklich. Problematisch sind eher Verschmutzungen, Geruchswahrnehmung und Reinigungsaufwand, besonders wenn sich über längere Zeit größere Mengen an einer Stelle ansammeln. Ein anderes Thema sind Biss- oder Kratzkontakte mit verdächtigen Tieren; dafür gelten gesonderte Vorsichtsregeln. (LfU Bayern)
Woran erkenne ich eine Wochenstube der Breitflügelfledermaus?
Typisch sind regelmäßig genutzte Spaltenquartiere im Dachbereich, hinter Verkleidungen oder hinter Fensterläden. Unter den Zugängen können trockene, bröselige Kotkrümel liegen; bei Wochenstuben finden sich je nach Quelle meist einige Dutzend Weibchen, in Ausnahmefällen deutlich mehr. Da die Tiere oft sehr versteckt sitzen, werden Quartiere häufig zuerst über Spuren statt über Sichtbeobachtungen entdeckt. (BfN)
Was tun nach Kontakt mit einer Fledermaus?
Fledermäuse sollten nicht ohne Grund angefasst werden. Wenn doch ein Biss, Kratzer oder auch nur ein geringfügiger verdächtiger Kontakt stattgefunden hat, empfiehlt das LfU eine ärztliche Abklärung; bei Bissverletzungen soll die Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife gereinigt und anschließend desinfiziert werden. Hintergrund ist, dass Fledermaus-Lyssaviren selten sind, aber grundsätzlich eine klinische Tollwut verursachen können. (LfU Bayern)
Wann sind Sanierungen an Gebäuden mit Breitflügelfledermäusen am ehesten möglich?
Nach LfU-Empfehlung sollten Sommerquartiere in der fledermausfreien Zeit von September bis März beziehungsweise April saniert werden. Für Winterquartiere gilt umgekehrt das Sommerhalbjahr als geeigneteres Zeitfenster. Entscheidend ist immer die konkrete Quartiernutzung vor Ort, weshalb Sanierungen ohne vorherige fachliche Prüfung riskant und oft unzulässig sind. (LfU Bayern)
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesamt für Naturschutz: Artenportrait „Eptesicus serotinus – Breitflügelfledermaus“. (BfN)
- Bundesamt für Naturschutz: Merkmalsblatt „Breitflügelfledermaus – Eptesicus serotinus“. (BfN)
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: Arteninformation „Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)“. (LfU Bayern)
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: „Fledermäuse und ihre Quartiere schützen“. (LfU Bayern)
- Rote-Liste-Zentrum: Detailseite zu Eptesicus serotinus. (Rote Liste Zentrum)
- Friedrich-Loeffler-Institut / StIKo Vet: Abschnitt „Die Fledermaustollwut“. (StIKo Vet)
- LIFE GRECABAT: Artseite „Serotine bat – Eptesicus serotinus“. (Life Greca Bat)