Die Backobstmilbe (Carpoglyphus lactis), auch als Dörrfrüchtemilbe oder Trockenobstmilbe bekannt, ist ein weltweit verbreiteter Vorratsschädling aus der Familie der Carpoglyphidae. Wie alle Milben gehört sie zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida) und ist damit entfernt mit Spinnen und Skorpionen verwandt. Ihren deutschen Namen verdankt sie ihrer Vorliebe für süße Trockenfrüchte wie Rosinen und Backpflaumen.
- Aussehen: Wie sieht die Backobstmilbe aus?
- Entwicklung und Lebenszyklus der Backobstmilbe
- Lebensweise und Verhalten von Backobstmilben
- Vermehrung und Fortpflanzung
- Vorkommen und Verbreitung
- Bedeutung des Schädlings Carpoglyphus lactis
- Gesundheitliche Risiken bei einem Backobstmilbe Befall
- Backobstmilbe Befall erkennen
- Vorbeugende Maßnahmen
- Bekämpfung: Was hilft bei einem Backobstmilbe Befall?
- Backobstmilbe: Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Informationen
Carpoglyphus lactis befällt vorwiegend zuckerreiche Lebensmittel mit einem Gehalt von 40 bis 60 Prozent Glucose oder Saccharose. Neben Trockenobst werden auch Fruchtsäfte, Wein, Honig, Bienenpollen, Kakaobohnen, Erdnüsse und Käse befallen. Der Schädling kontaminiert befallene Lebensmittel durch Kot und Häutungsreste und kann beim Menschen allergische Reaktionen auslösen.
Aussehen: Wie sieht die Backobstmilbe aus?
Erkennungsmerkmale
Die erwachsene Backobstmilbe erreicht eine Körperlänge von etwa 0,35 bis 0,65 mm. Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) geben einen Richtwert von rund 0,4 mm an, während internationale Studien eine Größenspanne von 350 bis 650 μm für Weibchen dokumentieren.
Der Körper ist länglich-oval geformt und weitgehend transparent. Die Beine und Mundwerkzeuge (Gnathosoma) weisen eine leicht rötliche bis gelblich-braune Färbung auf. Die Körperoberfläche trägt glatte, kurze Borsten. Am Hinterende befinden sich zwei Paare auffällig langer Schwanzborsten.
Die Eier sind anfänglich weiß und glänzend, etwa 0,1 mm lang und werden mit einem rasch erhärtenden Sekretfaden fest am Substrat befestigt. Im Laufe der Entwicklung werden die Eier zunehmend transparent.
Wie alle Milben besitzen adulte Backobstmilben vier Beinpaare. Die Larven sind hingegen an ihren drei Beinpaaren erkennbar. Nymphenstadien haben ebenfalls vier Beinpaare und ähneln den erwachsenen Tieren, sind jedoch kleiner.
Unterscheidung zu ähnlichen Arten
Aufgrund ihrer geringen Größe ist die Backobstmilbe mit bloßem Auge nur schwer von anderen Vorratsmilben zu unterscheiden. Zur sicheren Bestimmung ist eine mikroskopische Untersuchung erforderlich.
| Merkmal | Backobstmilbe | Mehlmilbe (Acarus siro) | Modermilbe (Tyrophagus putrescentiae) |
|---|---|---|---|
| Größe | 0,35-0,65 mm | 0,3-0,6 mm | 0,3-0,5 mm |
| Körperform | Länglich-oval | Oval | Oval |
| Farbe | Weitgehend transparent | Weißlich-durchscheinend | Weißlich-glasig |
| Bevorzugte Nahrung | Süße Trockenfrüchte | Mehl, Getreide | Schimmelpilze, diverse Vorräte |
Entwicklung und Lebenszyklus der Backobstmilbe
Entwicklungsstadien
Die Backobstmilbe durchläuft eine unvollständige Metamorphose mit folgenden Entwicklungsstadien: Ei, Larve, Protonymphe, Deutonymphe (fakultativ), Tritonymphe und adulte Milbe. Zwischen den aktiven Stadien (nach Larve, Protonymphe und Tritonymphe) treten jeweils kurze Ruhestadien (Quieszenz) von etwa 24 Stunden auf.
Ei: Die Weibchen legen ihre weißen, glänzenden Eier (ca. 0,1 mm) mit einem rasch erhärtenden Sekretfaden fest am Nahrungssubstrat ab.
Larve: Die Larve ist das einzige Jugendstadium mit nur drei Beinpaaren.
Protonymphe und Tritonymphe: Diese Nymphenstadien besitzen bereits vier Beinpaare und ähneln den adulten Milben in verkleinerter Form.
Deutonymphe / Wandernymphe (Hypopus): Zwischen Protonymphe und Tritonymphe kann unter bestimmten Bedingungen ein fakultatives Stadium, die sogenannte Deutonymphe, auftreten. In ihrer phoretischen Form wird sie als Wandernymphe (Hypopus) bezeichnet. Dieses Stadium ist etwa 270 μm lang, oval geformt und gelblich gefärbt. Die Wandernymphe tritt vor allem bei Überpopulation auf und kann weite Strecken zurücklegen, um neue Nahrungsquellen zu erschließen. Dieses Stadium ist besonders resistent gegenüber Bekämpfungsmaßnahmen.
Adulte Milbe: Geschlechtsreife Milben mit vier Beinpaaren. Weibchen können unter günstigen Bedingungen über 40 Tage überleben.
Entwicklungsdauer
Die Entwicklungsdauer der Backobstmilbe hängt stark von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Nahrungssubstrat ab.
| Bedingungen | Entwicklungsdauer (Ei bis Adult) | Quelle |
|---|---|---|
| 25°C auf Bäckerhefe | 9-11 Tage | Institut für Schädlingskunde |
| 25°C auf kubanischem Zucker | 13-18 Tage | Internationale Studie (Quellenangabe fehlt) |
| 25°C auf getrockneten Aprikosen | 12-15 Tage (Männchen ca. 12, Weibchen ca. 15 Tage) | Ägyptische Studie |
| 5-15°C | Mehrere Wochen | Institut für Schädlingskunde |
Der gesamte Temperaturbereich für die Entwicklung liegt zwischen 3°C und 35°C. Deutsche Fachquellen (Institut für Schädlingskunde) geben eine erforderliche relative Luftfeuchtigkeit von mehr als 70 % an, während internationale Studien die Untergrenze bei über 60 % sehen. Die Entwicklung erfordert zudem eine Substratfeuchte von mindestens 17 %.
Lebensweise und Verhalten von Backobstmilben
Aktivitätsmuster
Backobstmilben bevorzugen feuchte Umgebungen und zeigen die höchste Aktivität bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80 bis 85 %. Sie meiden trockene Bedingungen und können Trockenheit im Gegensatz zu einigen anderen Vorratsmilben nur schlecht tolerieren.
Bei Überpopulation oder Nahrungsmangel bilden die Milben sogenannte Wandernymphen (Hypopoden), die aktiv neue Lebensräume aufsuchen. Die Verbreitung erfolgt auch passiv über Nagetierfell und Nagerkot, wobei die Eier die Passage durch den Verdauungstrakt von Nagetieren überleben können.
Nahrung und Ernährung
Die Backobstmilbe bevorzugt zuckerreiche Substrate mit einem Glucosegehalt von 40 bis 60 Prozent. Befallene Produkte umfassen:
Trockenfrüchte: Rosinen, Backpflaumen, getrocknete Aprikosen, getrocknete Datteln und andere süße Trockenfrüchte
Flüssige Lebensmittel: Fruchtsäfte, Wein, Bier
Tierische Produkte: Honig, Bienenpollen, Käse, Milchprodukte
Sonstige: Kakaobohnen, Erdnüsse, Marmelade, Konservenobst
Vermehrung und Fortpflanzung
Fortpflanzungsverhalten
Die Weibchen legen ihre Eier einzeln am Nahrungssubstrat ab und befestigen sie mit einem schnell erhärtenden Sekretfaden. Die Eiablage erfolgt bevorzugt in der Nähe geeigneter Nahrungsquellen.
Vermehrungsrate
Die Eiproduktion variiert erheblich je nach Nahrungssubstrat und Umgebungsbedingungen:
| Parameter | Wert | Substrat / Bedingungen |
|---|---|---|
| Maximale Eizahl pro Weibchen | Bis zu 270 Eier | Optimale Bedingungen (Institut für Schädlingskunde) |
| Durchschnittliche Eizahl pro Weibchen | ca. 32 Eier | Getrocknete Aprikosen, 25°C |
| Eiablage pro Tag | ca. 3,2 Eier | Getrocknete Aprikosen, 25°C |
| Eiablageperiode | ca. 10 Tage | Getrocknete Aprikosen, 25°C |
Die Vermehrungsrate der Backobstmilbe ist unter günstigen Bedingungen bemerkenswert hoch: Auf Bäckerhefe bei 25°C kann sich eine Population innerhalb von 16 Tagen um den Faktor 110 vermehren. Auf Backpflaumen liegt der Vermehrungsfaktor bei 35 im gleichen Zeitraum.
Lebensdauer:
| Geschlecht | Durchschnittliche Lebensdauer |
|---|---|
| Weibchen | ca. 29 Tage |
| Männchen | ca. 22 Tage |
Weibchen können unter besonders günstigen Bedingungen über 40 Tage überleben.
Vorkommen und Verbreitung
Natürliche Lebensräume
Die Backobstmilbe ist weltweit (kosmopolitisch) verbreitet. Sie kommt überall dort vor, wo geeignete zuckerreiche Substrate und ausreichende Feuchtigkeit vorhanden sind. Natürliche Vorkommen finden sich in Bienenbeuten, alten Honigwaben, Vogelnestern und an Trockenfrüchten.
Verbreitung in/an Gebäuden
In Gebäuden tritt die Backobstmilbe vor allem in folgenden Bereichen auf:
- Vorratskammern und Küchen mit gelagerten Trockenfrüchten
- Lebensmittellager und Großhandelshäuser
- Weinkeller und Weinfässer
- Imkereibetriebe und Honiglagerstätten
- Bäckereien und Konditoreien
- Lagerhäuser für Trockenobst und Kakaobohnen
Die Einschleppung erfolgt häufig über bereits befallene Lebensmittel. Darüber hinaus werden Backobstmilben über Nagetiere verbreitet, da die Eier den Verdauungstrakt von Mäusen und Ratten unbeschadet passieren können.
Bedeutung des Schädlings Carpoglyphus lactis
Schadwirkung
Die Backobstmilbe verursacht verschiedene Arten von Schäden an befallenen Lebensmitteln:
Kontamination: Befallene Produkte werden durch Kot und Häutungsreste der Larven und Nymphen verunreinigt.
Zersetzung: Besonders an Trockenfrüchten treten Zersetzungsprozesse auf, die zu Fäulnis und Verderb führen.
Gärungsprozesse: In befallener Marmelade und anderen zuckerhaltigen Produkten können durch die mit den Milben assoziierten Mikroorganismen Gärungsprozesse ausgelöst werden, bei denen Milchsäure und Essigsäure entstehen.
Mikrobiologische Belastung: Internationale Studien zeigen, dass Backobstmilben potenziell pathogene Bakterien auf Trockenfrüchte übertragen können, darunter Vertreter der Gattungen Leuconostoc, Elizabethkingia, Ewingella, Erwinia, Bacillus und Serratia.
Wirtschaftliche Schäden
Im gewerblichen Bereich können Backobstmilbenbefall zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen:
- Vernichtung befallener Warenbestände
- Wertverlust bei kontaminierten Trockenfrüchten und Honigprodukten
- Kosten für professionelle Schädlingsbekämpfung und Begasung
- Produktionsausfälle in der Lebensmittelindustrie
Befallene Lebensmittel
Die Backobstmilbe befällt vorwiegend zuckerreiche Lebensmittel:
- Süße Trockenfrüchte (Rosinen, Backpflaumen, Datteln, Feigen, getrocknete Aprikosen)
- Honig und Bienenpollen
- Fruchtsäfte und Wein
- Marmelade und Konservenobst
- Kakaobohnen
- Erdnüsse
- Käse und Milchprodukte
Lagerschäden
Neben den direkten Fraßschäden verursacht die Backobstmilbe auch erhebliche Lagerschäden:
- Verunreinigung gelagerter Trockenfrüchte durch Milbenkot und Häutungsreste
- Gärung und Säurebildung in befallenen Konserven und Marmeladen
- Qualitätsverlust von Honig und Bienenprodukten
- Beschleunigter Verderb durch Zersetzungsprozesse
Gesundheitliche Risiken bei einem Backobstmilbe Befall
Direkte Gefahren
Allergische Reaktionen: Der Verzehr von Nahrungsmitteln, die von der Backobstmilbe befallen sind, kann beim Menschen allergische Reaktionen auslösen. Hierzu zählen Atemwegsbeschwerden, Hautirritationen und Magen-Darm-Beschwerden.
Kontaktdermatitis: Bei Personen, die mit befallenen Materialien wie getrockneten Pflaumen hantieren, kann eine Kontaktdermatitis auftreten.
Magen-Darm-Beschwerden: Internationale Studien berichten, dass die Aufnahme größerer Mengen von Milben mit befallenen Lebensmitteln Verdauungsbeschwerden verursachen kann.
Indirekte Folgen
Befallene Lebensmittel werden durch folgende Rückstände kontaminiert:
- Kot der Milben
- Häutungsreste der Larven und Nymphen
- Milbenkadaver
- Potenziell pathogene Bakterien, die von den Milben übertragen werden
Bei sensiblen Personen, insbesondere bei Hausstaubmilben-Allergikern, können diese Kontaminationen verstärkte allergische Reaktionen auslösen.
Backobstmilbe Befall erkennen
Befallsanzeichen
Süßlicher Geruch: Stark befallene Trockenfrüchte können einen veränderten, leicht säuerlichen Geruch aufweisen, der durch die Gärungs- und Zersetzungsprozesse entsteht.
Sichtbare Milben: Bei starkem Befall können die Milben als feiner, weißlich-gräulicher Belag auf der Oberfläche der befallenen Lebensmittel sichtbar werden. Einzelne Milben sind mit bloßem Auge aufgrund ihrer geringen Größe (ca. 0,4 mm) nur schwer erkennbar.
Veränderungen am Produkt: Befallene Trockenfrüchte zeigen Anzeichen von Zersetzung. Befallene Marmelade oder Honig können Anzeichen von Gärung aufweisen.
Schadensspuren
- Feiner, staubartiger Belag auf befallenen Trockenfrüchten
- Milbenkot (winzige, helle Krümel)
- Häutungsreste auf und in der Nähe befallener Produkte
- Veränderter Geruch oder Geschmack befallener Lebensmittel
- Gärungsanzeichen in zuckerhaltigen Produkten (Bläschenbildung, Säuregeruch)
Vorbeugende Maßnahmen
Die Vorbeugung eines Backobstmilbenbefalls basiert auf der konsequenten Kontrolle der Lagerbedingungen:
Trockene Lagerung: Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die trockene Lagerung aller gefährdeten Lebensmittel. Backobstmilben können trockene Bedingungen nicht tolerieren und benötigen eine relative Luftfeuchtigkeit von über 70 %.
Luftdichte Behälter: Trockenfrüchte, Honig und andere gefährdete Produkte sollten in luftdicht verschließbare Glas- oder Kunststoffbehälter umgefüllt werden.
Kühle Lagerung: Niedrige Temperaturen verlangsamen die Entwicklung erheblich. Im Kühlschrank gelagerte Trockenfrüchte sind deutlich weniger anfällig für einen Befall.
Einfrieren nach dem Kauf: Trockenfrüchte können vorsorglich nach dem Kauf für mindestens eine Woche in den Gefrierschrank gelegt werden, um eventuell vorhandene Milben und Eier abzutöten.
Regelmäßige Kontrolle: Gelagerte Trockenfrüchte und andere gefährdete Produkte sollten regelmäßig auf Befallsanzeichen überprüft werden.
Vorratshygiene: Vorratsschränke regelmäßig reinigen und verschüttete Lebensmittel sofort beseitigen.
Nagetierbekämpfung: Da Backobstmilben über Nagetiere verbreitet werden können, trägt eine wirksame Nagetierbekämpfung zur Vorbeugung bei.
Bekämpfung: Was hilft bei einem Backobstmilbe Befall?
Professionelle Bekämpfung
Bei starkem oder großflächigem Befall, insbesondere in gewerblichen Lagern und Lebensmittelbetrieben, sollte ein professioneller Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden.
Begasung mit gasförmigen Akariziden: In Silos und großen Lagern werden gasförmige Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt:
- Stickstoff (N₂)
- Kohlendioxid (CO₂)
- Phosphorwasserstoff (Phosphin)
Wiederholte Behandlung: Aufgrund der besonders resistenten Wandernymphen (Hypopoden) muss die Begasung im Abstand von zwei Wochen wiederholt werden, um alle Entwicklungsstadien zu erfassen.
Leerraum-Behandlung: Leere Lagerräume können mit Insektiziden behandelt werden, um verbliebene Milben zu beseitigen.
Biologische Bekämpfung: Die Raubmilbe Cheyletus eruditus (Getreide-Raubmilbe) kann als natürlicher Antagonist vorbeugend in Lagern eingesetzt werden.
Hinweis: Die Zulassung von Biozidprodukten unterliegt der EU-Biozidverordnung und kann sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei der BAuA.
Eigenmaßnahmen
Befallene Lebensmittel entsorgen: Befallene Trockenfrüchte und andere kontaminierte Produkte sofort entsorgen. Zuvor sollten die Milben abgetötet werden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.
Abtöten durch Hitze: Befallene Lebensmittel können mit kochendem Wasser übergossen oder im fest verschlossenen Glas im Backofen erhitzt werden.
Abtöten durch Kälte: Befallene oder verdächtige Lebensmittel für mindestens zehn Tage einfrieren.
Gründliche Reinigung: Vorratsschränke und Lagerräume gründlich reinigen. Ritzen und Spalten besonders sorgfältig aussaugen, da sich dort Milben und Eier ansammeln können.
Trockene Bedingungen herstellen: Nach der Reinigung auf trockene Lagerbedingungen achten, da Backobstmilben Feuchtigkeit benötigen. Eine relative Luftfeuchtigkeit unter 70 % entzieht den Milben die Lebensgrundlage.
Neuvorräte schützen: Neue Trockenfrüchte und andere gefährdete Produkte in luftdicht verschließbaren Behältern lagern.
Backobstmilbe: Häufig gestellte Fragen
Wie groß ist die Backobstmilbe?
Die erwachsene Backobstmilbe erreicht eine Körperlänge von etwa 0,35 bis 0,65 mm. Deutsche Fachquellen geben einen Richtwert von rund 0,4 mm an. Aufgrund dieser geringen Größe sind einzelne Milben mit bloßem Auge nur schwer erkennbar. Bei starkem Befall wird jedoch ein feiner, staubartiger Belag auf den befallenen Lebensmitteln sichtbar.
Welche Lebensmittel befällt die Backobstmilbe?
Die Backobstmilbe bevorzugt zuckerreiche Lebensmittel mit einem Glucosegehalt von 40 bis 60 Prozent. Besonders häufig betroffen sind süße Trockenfrüchte wie Rosinen und Backpflaumen, aber auch Honig, Fruchtsäfte, Wein, Marmelade, Kakaobohnen, Erdnüsse und Käse.
Ist die Backobstmilbe gesundheitsschädlich?
Der Verzehr von befallenen Lebensmitteln kann allergische Reaktionen auslösen, darunter Atemwegsbeschwerden, Hautirritationen und Magen-Darm-Beschwerden. Zudem können Backobstmilben potenziell pathogene Bakterien auf Lebensmittel übertragen. Befallene Lebensmittel sollten daher nicht verzehrt werden.
Wie schnell vermehren sich Backobstmilben?
Unter optimalen Bedingungen (25°C, hohe Luftfeuchtigkeit, nährstoffreiches Substrat) kann sich die gesamte Entwicklung vom Ei zur adulten Milbe in 9 bis 11 Tagen vollziehen. Eine Population kann sich auf Bäckerhefe innerhalb von 16 Tagen um den Faktor 110 vermehren.
Wie kann man Backobstmilben vorbeugen?
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die trockene Lagerung aller gefährdeten Lebensmittel, da Backobstmilben eine relative Luftfeuchtigkeit von über 70 % benötigen. Trockenfrüchte sollten in luftdicht verschließbaren Behältern gelagert werden. Vorsorglich können Trockenfrüchte nach dem Kauf für mindestens eine Woche eingefroren werden.
Was ist eine Wandernymphe?
Die Wandernymphe (Hypopus) ist ein besonderes, fakultatives Dauerstadium der Backobstmilbe, das bei Überpopulation oder Nahrungsmangel auftreten kann. Dieses etwa 0,27 mm große, gelblich gefärbte Stadium ist besonders resistent und kann weite Strecken zurücklegen, um neue Nahrungsquellen zu erschließen. Bei der Bekämpfung ist die Wandernymphe besonders schwer zu beseitigen, weshalb Behandlungen wiederholt werden müssen.
Wie unterscheidet sich die Backobstmilbe von der Mehlmilbe?
Beide Arten sind Vorratsmilben ähnlicher Größe, unterscheiden sich jedoch in ihren Nahrungspräferenzen: Die Backobstmilbe bevorzugt zuckerreiche Substrate wie Trockenfrüchte und Honig, während die Mehlmilbe (Acarus siro) vorwiegend stärkehaltige Produkte wie Mehl und Getreide befällt. Eine sichere Unterscheidung erfordert eine mikroskopische Untersuchung.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Fachquellen
- Institut für Schädlingskunde: Backobstmilbe – Carpoglyphus lactis
- Institut für Schädlingskunde: Backobstmilben bekämpfen
Internationale wissenschaftliche Quellen
- Hubert et al. (2015): Carpoglyphus lactis from various dried fruits differed in associated micro-organisms – Journal of Applied Microbiology
- ScienceDirect: Carpoglyphus lactis – Overview
- GBIF: Carpoglyphus lactis (Linnaeus, 1758)
- Egyptian Journal of Agricultural Sciences: Biology of Carpoglyphus lactis reared on dried apricots