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Abortfliege (Psychodidae)

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2026
Lesedauer: 6 Minuten
© Schaedlingsvernichtung.de

Abortfliegen (auch Schmetterlingsmücken oder Mottenmücken) sind kleine, behaarte Zweiflügler aus der Familie Psychodidae. Im Gebäudekontext werden darunter häufig mehrere Gattungen zusammengefasst, insbesondere Psychoda spp. sowie regional auch Clogmia albipunctata.

In Gebäuden treten sie besonders häufig in Bereichen mit dauerhaft feuchtem Biofilm auf, zum Beispiel an Abflüssen, in Bodenabläufen, Siphons und Kanalschächten.

Aussehen: Wie sieht die Abortfliege aus?

Erkennungsmerkmale

Adulte Abortfliegen sind sehr klein. Je nach Art liegen typische Längen oft bei etwa 1,5 bis 3 mm (Psychoda spp.) oder etwa 4 bis 5 mm (Clogmia albipunctata). Charakteristisch sind:

  • dicht behaarter Körper mit „flauschigem" Erscheinungsbild
  • breit wirkende, ebenfalls behaarte Flügel
  • kurzer, hüpfend-taumelnder Flug
  • Ruhehaltung mit dachartig angelegten Flügeln

Larven sind schlank, beinlos und leben in feuchten organischen Belägen (Biofilm).

Unterscheidung zu ähnlichen Arten

Art/GruppeGrößeTypische MerkmaleHäufiger Fundort
Abortfliegen (Psychodidae; v. a. Psychoda spp., teils Clogmia albipunctata)ca. 1,5-5 mm (artabhängig)behaart, mottenähnlich, kurze FlugdistanzenAbflüsse, Siphons, Nasszellen
Trauermücken (Sciaridae)ca. 2-4 mmschlanker, mückenartig, weniger behaartBlumenerde, Topfpflanzen
Fruchtfliegen (Drosophila spp.)ca. 2-4 mmglatter Körper, rote Augen, aktiver FlugObst, gärende Lebensmittel

Entwicklung und Lebenszyklus der Abortfliege

Entwicklungsstadien

Abortfliegen durchlaufen eine vollständige Metamorphose:

  1. Ei
  2. Larve
  3. Puppe
  4. Adulte Fliege

Die Eiablage erfolgt in feuchten organischen Ablagerungen. Larven entwickeln sich im nährstoffreichen Biofilm von Abflussleitungen.

Entwicklungsdauer

Die Entwicklung hängt stark von Art, Temperatur und Feuchte ab. Für Innenräume werden häufig folgende Bereiche genannt:

EntwicklungsparameterTypischer Bereich
Eier pro Gelegeca. 30-100
Gesamte Eiablage pro Weibchenbis etwa 100-300
Eistadiumca. 1-4 Tage
Larvenstadiumca. 9-20 Tage
Puppenstadiumca. 1-5 Tage
Gesamtentwicklung (Ei bis adult)häufig ca. 17-28 Tage bei Raumtemperatur; je nach Bedingungen auch kürzer oder länger

Damit sind mehrere Generationen pro Jahr in dauerhaft feuchten Innenbereichen möglich.

Lebensweise und Verhalten von Abortfliegen

Aktivitätsmuster

Die Tiere sitzen tagsüber häufig ruhig an Wänden in der Nähe von Wasserquellen und werden bei Störung kurz auffliegend sichtbar. Massenauftreten deutet meist auf verdeckte, dauerhaft feuchte Brutstätten hin.

Nahrung und Ernährung

Adulte Abortfliegen nehmen vor allem Flüssigkeiten auf. Larven ernähren sich von Mikroorganismen und organischen Bestandteilen im Biofilm, beispielsweise in:

  • Siphons
  • Bodenabläufen
  • Abwasserleitungen
  • schlecht gereinigten Nassbereichen

Vermehrung und Fortpflanzung

Fortpflanzungsverhalten

Weibchen legen Eier bevorzugt auf feuchte, organisch belastete Oberflächen. Geeignete Brutplätze sind oft erst indirekt sichtbar, weil die Entwicklung im Leitungssystem stattfindet.

Vermehrungsrate

ParameterRichtwert
Eier pro Gelegeca. 30-100
Eier pro Weibchen (gesamt)bis ca. 100-300
Entwicklungszyklushäufig 17-28 Tage bei Raumtemperatur (art- und bedingungsabhängig)

Unter konstant feuchten Bedingungen kann sich eine Population schnell stabilisieren.

Vorkommen und Verbreitung

Natürliche Lebensräume

Psychodidae sind weltweit verbreitet. Viele Arten nutzen natürliche, feuchte Mikrohabitate mit organischem Material.

Verbreitung in/an Gebäuden

Typische Innenraum-Hotspots:

  • Badezimmer und WC-Bereiche
  • Küchenabflüsse
  • Bodenabläufe in Kellern
  • Technikräume mit Kondensatwasser
  • Kanalisationsnahe Bereiche

Bedeutung des Schädlings Psychodidae

Schadwirkung

Abortfliegen verursachen selten direkte Materialschäden. Ihr Hauptproblem ist die hygienische und ästhetische Beeinträchtigung, besonders bei Massenauftreten.

Wirtschaftliche Schäden

In gewerblichen Objekten entstehen Kosten durch:

  • erhöhte Reinigungs- und Wartungsintervalle
  • Abklärung und Sanierung verdeckter Feuchtequellen
  • Reklamationen in Gastronomie, Hotellerie und Gesundheitsbereichen


Gesundheitliche Risiken bei einem Abortfliege Befall

Direkte Gefahren

Abortfliegen stechen Menschen nicht. Direkte Verletzungs- oder Vergiftungsrisiken sind daher gering.

Indirekte Folgen

Relevanter sind indirekte Hygienerisiken durch Kontakt mit Abwasser- und Biofilmbereichen.

Krankheitsübertragung

Die Rolle als klassischer Vektor ist im Vergleich zu Mücken oder Schaben geringer. Dennoch ist eine mechanische Keimverschleppung aus kontaminierten Feuchtbereichen in sensible Zonen möglich.

Kontamination

Kontaminationsrelevant sind vor allem:

  • Kontakt adulter Tiere mit keimbelasteten Oberflächen
  • Ablagerung toter Tiere in Hygienebereichen
  • persistierende Brutquellen in schlecht gewarteten Abflusssystemen

Abortfliege Befall erkennen

Befallsanzeichen

  • kleine behaarte Fliegen an Wänden nahe Abflüssen
  • wiederkehrendes Auftreten trotz kurzfristiger Spraymaßnahmen
  • erhöhte Aktivität in Feuchträumen
Abortfliege (Psychodidae) in typischer Umgebung – Befall erkennen und bekämpfen
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Schadensspuren

SpurBefund
Sichtfundeadulte Tiere an Fliesen, Wänden, Armaturen
Brutverdachtorganischer Belag in Siphon/Bodenablauf
Persistenzwiederkehrender Befall nach kurzer Zeit

Vorbeugende Maßnahmen

  • Abflüsse und Siphons regelmäßig mechanisch reinigen
  • Biofilm in Leitungen gezielt entfernen
  • Undichtigkeiten und Feuchtequellen beheben
  • selten genutzte Abflüsse regelmäßig spülen
  • gute Belüftung in Nassräumen sicherstellen
WICHTIGER HINWEIS
Bei starkem oder wiederkehrendem Schädlingsbefall empfehlen wir dringend die Konsultation eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken bergen oder den Befall verschlimmern. Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle Schädlingsbekämpfung.


Bekämpfung: Was hilft bei einem Abortfliege Befall?

Professionelle Bekämpfung

Erfolgreiche Bekämpfung setzt an der Brutquelle an, nicht allein am sichtbaren Flugbild:

  • Inspektion von Abläufen, Siphons und verdeckten Feuchtzonen
  • mechanische Biofilmentfernung
  • ggf. ergänzende Anwendung zugelassener Präparate im Leitungssystem
  • Nachkontrollen zur Sicherung des Erfolgs

Eigenmaßnahmen

  1. sichtbaren Belag in Abflüssen konsequent mechanisch entfernen
  2. Siphons regelmäßig heiß spülen und reinigen
  3. Feuchteprobleme (Leckagen, Kondensat) zeitnah beheben
  4. bei Wiederbefall Fachbetrieb einschalten, um verdeckte Brutstätten zu lokalisieren

Abortfliege: Häufig gestellte Fragen

Woher kommen Abortfliegen in der Wohnung?

Meist aus feuchten Abflusssystemen mit organischen Ablagerungen. Häufige Quellen sind Siphons, Bodenabläufe und selten genutzte Leitungen.

Sind Abortfliegen gefährlich?

Direkt meist nicht, da sie nicht stechen. Hygieneprobleme entstehen vor allem durch Keimkontakt aus Abwasserbereichen.

Wie lange dauert ein Entwicklungszyklus?

Bei typischer Raumtemperatur liegt der Zyklus oft im Bereich von etwa 17 bis 28 Tagen; unter sehr günstigen Bedingungen kann er kürzer sein.

Warum kommen sie nach Sprayeinsatz wieder?

Aerosole reduzieren oft vorrangig adulte Tiere. Bleibt der Biofilm als Brutstätte bestehen, schlüpfen neue Generationen nach.

Wie viele Eier legt ein Weibchen?

Quellen nennen je nach Art und Bedingungen bis etwa 100 bis 300 Eier insgesamt, oft in Gelegen von 30 bis 100 Eiern.

Was ist die wichtigste Maßnahme gegen Abortfliegen?

Die konsequente Entfernung organischer Ablagerungen in Abflüssen und die Beseitigung dauerhafter Feuchtequellen.

Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Fachquellen

Internationale wissenschaftliche Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.